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PEAK Sport Prospect Watch: Johannes Richter

11.02.2015 || 12:00 Uhr von:
Court Review hat sich auf die Fahnen geschrieben, über alle wichtigen Entwicklungen rund um das orangene Leder zu berichten. Leider kommt hier die Jugend, also der Nachwuchs und die Zukunft des deutschen Basketballs, no...

Court Review hat sich auf die Fahnen geschrieben, über alle wichtigen Entwicklungen rund um das orangene Leder zu berichten. Leider kommt hier die Jugend, also der Nachwuchs und die Zukunft des deutschen Basketballs, noch viel zu oft zu kurz. Das wollen wir ändern und haben daher eine neue Artikelreihe bei Court Review ins Leben gerufen.  Im Rahmen der „PEAK Sport Prospect Watches“ stellen wir Euch in regelmäßigen Abständen aussichtsreiche Talente der deutschen Basketballszene vor. Nach Daniel Mayr, Julian Albus, Dominic Lockhart, Jan Niklas Wimberg, David Brembly , Stephan Haukohl, Mahir Agva und Ismet Akpinar kommen wir nun zu einem Spieler, der bereits im europäischen Wettbewerb Erfahrung sammeln konnte und nach ganz oben will – Johannes Richter.


Biographie:

  • Name: Johannes Richter
  • Geburtsdatum: 06.12.1993
  • Geburtsort: Neustadt
  • Position: Power Forward / Center
  • Größe: 2,05 m
  • Gewicht: 98 kg
  • Bisherige Vereine: Franken Hexer, TSV Tröster Breitengüßbach, Brose Baskets Bamberg, Bike-Café Messingschlager Baunach

Viel Erfahrung in jungen Jahren

21 Jahre alt ist Johannes Richter am Nikolaus-Tag des Jahres 2014 geworden. Mit 21 Jahren beginnen manche ihr Studium, manche dürfen ab diesem Zeitpunkt Alkohol trinken und manche mischen die EuroChallenge und die Beko Basketball Bundesliga auf – wie Johannes Richter. Denn der aus dem Frankenland stammende Big Man hatte sich in dieser Saison nicht nur kurzzeitig in der Rotation der Fraport Skyliners etabliert, sondern avancierte bereits in mehreren Spielen – national wie international – zum X-Faktor der Hessen. Den Bakken Bears streute er beim 74:64-Heimsieg seines Teams beispielsweise 15 Zähler und sechs Rebounds ein, gegen sein Ex-Team Brose Baskets Bamberg legte er 14 Zähler und neun Boards auf, nur um auf ein paar Spiele hinzuweisen. Doch das war nicht immer so: noch zu Saisonbeginn ließ Headcoach Gordon Herbert ihn auf der Bank schmoren. In den ersten sechs Partien spielte er dreimal nicht, einmal fünf, einmal 13 und einmal 17 Sekunden lang. Doch dann wurde Mainhattan von einer Verletzungsseuche heimgesucht, die den Aufstieg von Richter, der noch in der Vorbereitung überragende Leistungen ablieferte und demnach auch selbst mit der wenigen Spielzeit unzufrieden war, beschleunigte. Seit die Skyliners auch wieder auf ein paar mehr Spieler zurückgreifen können, sank die Spielzeit des jungen Deutschen wie erwartet wieder. Seit dem Spiel gegen die Basketball Löwen Braunschweig an seinem angesprochenen 21. Geburtstag spielte er nur in der schnell entschiedenen Partie gegen die Crailsheim Merlins länger als fünf Minuten.

Offensive Waffe

partner_peak_logoDie Stärken des 21-Jährigen liegen ganz eindeutig in der Offensive. Seine physischen Voraussetzungen sind für einen Power Forward grundsolide: Einer Körpergröße von 2,05 m steht ein „Kampfgewicht“ von offiziell 98 kg, was auf den ersten Blick etwas wenig erscheinen mag, gegenüber. Für einen Center stellt Richter zwar aufgrund seiner Beweglichkeit und seinem starken Wurf aus der Mitteldistanz, aber vor allem von jenseits der Dreierlinie, ein Missmatch dar, doch unter den Körben sieht er dort noch nicht viel Land. Doch das ist nicht schlimm, da die Fraport Skyliners mit Johannes Voigtmann und Mike Morrison über zwei starke Fünfer verfügen, dazu kann auch Danilo Barthel auf die größte Position ausweichen, wenn Bedarf besteht. Richter hingegen ist ein klassischer Vierer. Ein Stretch-Vierer, um genau zu sein. Obwohl in dieser Saison bislang nur 7 von 29 seiner Würfe in der BBL Dreier waren und der Großteil seiner Würfe in der Zone erfolgt, ist es der Jumpshot, der Richter zu einer offensiven Waffe macht. In der ProB-Mannschaft Fraport Skyliners Juniors, in welcher der ehemalige NBBL-Champion ebenfalls spielt, aufgrund der Nominierungen für die erste Mannschaft jedoch immer weniger zum Einsatz kommt, waren in der vergangenen Saison 2013/2014 noch 29% seiner Würfe aus dem Feld Dreier. Diese traf er mit einer herausragenden Quote von 47,2%. Wie ist es also zu erklären, dass Richter immer weniger Dreier nimmt? Im Frankfurter System werden die Big Men, obwohl bis auf Morrison alle gute Werfer sind, oft aufgepostet oder es wird zwischen den beiden Bigs ein High-Low gespielt, was eben zu vielen Abschlüssen direkt am Korb führt.

Aktiv unter den Körben

Man muss kein Mathematik-Genie sein, um auszurechnen, dass 83% der Würfe von Richter in der BBL im Zwei-Punkt-Bereich erfolgen. Tatsächlich trifft er diese mit einer starken Quote von 60%. In der EuroChallenge sind es sogar 65%. Dafür, dass Richter für einen Big Man „nur“ 98 Kilogramm auf die Waage bringt und es ihm damit augenscheinlich an Masse und Durchsetzungsvermögen unter den Brettern fehlt, sind das sehr gute Werte. Doch seine Punkte erzielt Richter nicht nur durch Post-Ups und nach Durchsteckern seiner Mitspieler, sondern auch nach Offensiv-Rebounds. Denn auch am Brett ist der 2,05 m-Mann sehr aktiv. 2,0 Rebounds holt er im Schnitt pro Partie in der deutschen Liga, auf 40 Minuten hochgerechnet sind das 9,6. Auch auffällig dabei: Richter schnappt sich fast genau so viele Offensiv- wie Defensiv-Rebounds. Das verschafft seiner Mannschaft nicht nur eine Extra-Possession, sondern dem jungen Forward selbst oftmals auch einen einfachen Korbleger oder Dunk.

Schwächen in der D und bei der Spielübersicht

Johannes Richter 1Defensiv muss Johannes Richter noch eine Schippe drauflegen. Er ist weder ein guter Rim-Protecter (0,3 Blocks pro 40 Minuten), noch ist er herausragend im Antizipieren von Passwegen (noch kein Steal in dieser Saison). Was man ihm aber anrechnen sollte, ist sein körperliches – aber auch von Fouls geprägtes – und bewegliches Defensivspiel, das es ihm möglich macht, mit schnelleren Forwards mitzuhalten. Doch auch wenn der Medizin-Student unter dem Korb verteidigen muss oder aufgepostet wird, macht er nicht immer eine gute Figur. Hier würde es ihm wohl wirklich gut tun, wenn er die ein oder andere Extra-Schicht im Kraftraum schieben würde.

Offensiv, aber wie auch schon erwähnt am eigenen Ende des Feldes, muss er dazu sein Spielverständnis verbessern. Er will selbst „das Spiel besser lesen“ und weniger Turnover verursachen. Im internationalen Wettbewerb begeht Richter in nur 13,4 Minuten Einsatzzeit 1,9 Ballverluste bei 0,7 Assists, was einen deutlich zu hohen Wert darstellt. In der BBL verliert er den Ball hingegen nur 0,4 mal pro Begegnung, spielt in Relation 0,3 Assists. Außerdem will der Big Man weiter an seinem Ballhandling arbeiten, um in der Zukunft noch vielseitiger zu werden und so zum Beispiel leichter zum Korb penetrieren zu können, wenn er den Ball am Perimeter erhält.

Kein einfacher Stand

Für einen Big Man – vor allem in seinem Alter – ist Johannes Richter enorm vielseitig. Es gibt Facetten in seinem Spiel, an denen er noch arbeiten muss, aber alles in allem ist er für sein Alter schon sehr weit. Nun hängt es an Frankfurts Head Coach Gordon Herbert, den 21-Jährigen immer weiter an das Niveau der BBL heranzuführen. Denn da gehört er hin und nicht in die ProB, wo er seine Gegenspieler in dieser Saison beinahe nach Belieben dominiert hatte. Mike Morrison, dessen Minuten Richter übernommen hatte, als dieser gefehlt hatte, ist zurück und stärker als vor seiner Verletzung. Johannes Voigtmann hat auch nur wenige Abende, an denen er nicht auf einem hohen Niveau performt. Für den verletzten Danilo Barthel wurde Jacob Burtschi nachverpflichtet – anstatt auf Richter zu setzen. Die Skyliners wollen in die Play-Offs, und da hilft ein 30-jähriger Veteran wohl eher als ein Zweitjahresprofi wie Richter. Dennoch: Auch Richters Zeit wird kommen! Vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen, aber irgendwann bestimmt, denn er ist einfach zu gut, zu besonnen, zu bodenständig, um es nicht zu schaffen.


Kurzinterview mit Johannes Richter

Court Review: Was liebst Du besonders am Basketball?

Johannes Richter: Alles. Das ist ein intelligenter Sport und ein sehr vielfältiger Sport. Man benötigt eine gute Athletik, man braucht Intelligenz, um das Spiel verstehen zu können. Es ist so vielfältig, es gibt so viele verschiedene Spielertypen. Es reicht nicht, wenn man nur Muskeln hat, man muss vor allem das Spiel verstehen.

Court Review: Wie würdest Du Dein Spiel beschreiben? Was würdest Du als Deine Stärken ausmachen?

Johannes Richter: Meine größte Stärke ist wohl, dass ich sowohl Inside als auch Outside spielen kann, sprich ich bin ein guter Dreierwerfer, ich kann aber auch auf dem Low-Post spielen. Deshalb kann ich gegen kleinere Gegenspieler aufposten und gegen größere Gegenspieler werfen.

Court Review: Wo willst Du Dich noch verbessern?

Johannes Richter: An meinem Ballhandling will ich noch weiter arbeiten und vor allem will ich das Spiel noch besser lesen können. Auch in der Defensive will ich mich noch verbessern, sodass ich auch mal kleinere, schnellere Spieler vor mir halten kann.

Court Review: Du hast eine gute Vorbereitung gespielt, bist dann aber in den ersten Saisonspielen kaum zum Einsatz gekommen. Hat das ein wenig an Dir genagt?

Johannes Richter: Natürlich! Ich habe in der Vorbereitung glaube ich ganz gut gespielt und natürlich hinterfragt man sich dann auch mal. Aber es ist auch ein schwerer Stand, wenn man Aaron Doornekamp und Danilo Barthel vor sich hat. Ich habe jetzt davon profitiert, dass ich in die Rotation gekommen bin und hoffe jetzt, dass ich weiter Minuten sehe.

Court Review: Inwiefern helfen Dir Doornekamp, Barthel oder auch Johannes Voigtmann bei Deiner Entwicklung?

Johannes Richter: Ich spiele ja immer gegen sie im Training. Dann spielen Danilo Barthel und ich immer auf der Vier und Aaron Doornekamp auf der Drei. Es ist natürlich klasse, gegen Danilo zu spielen, der deutscher Nationalspieler ist und auch schon in der NBA Summer League gespielt hat, und das jedes Training. Ich versuche ihn besser zu machen, indem ich mich immer voll reinhänge und er verbessert mich natürlich ebenfalls ungemein, allein schon dadurch, dass ich gegen ihn spiele.

Court Review: Durch eure Verletzungsprobleme hast Du den Sprung in die Rotation geschafft und hast Deine Chance genutzt. Wie fiel da das Feedback von Trainer Gordon Herbert und Deinen Mitspielern aus?

Johannes Richter: Natürlich positiv. Ich habe meine Sache in dieser Zeit gut gemacht und hoffe, dass ich meine Sache auch in Zukunft gut machen kann. Diese paar guten Spiele haben mir für weitere Aufgaben enormes Selbstvertrauen gegeben.

Court Review: Du spielst auch in der ProB für die Fraport Skyliners Juniors. Inwieweit unterstützt das Deine Entwicklung?

Johannes Richter: Als ich es in die Rotation in der BBL geschafft habe, habe ich erstmal nicht mehr in der ProB gespielt, zuletzt habe ich dann mal wieder ein Spiel gemacht und auch ganz gut gespielt. Man sieht es ja auch an den Stats, dass ich dort viel besser spielen kann. Man bekommt Selbstvertrauen, indem man dort viel Spielzeit bekommt.

Court Review: Wer sind Deine Vorbilder?

Johannes Richter: Spielerisch ist mein Vorbild Predrag Suput. Den kennt aber leider kaum noch jemand. Im ersten Jahr, als ich bei den Brose Baskets Bamberg gespielt habe, war er damals der Power Forward und in meinen Augen einer der besten Spieler, der damals gespielt hat.

Court Review: Was sind Deine Ziele für die Zukunft? Wo siehst Du Dich in fünf Jahren?

Johannes Richter: Zuerst möchte ich mein Medizin-Studium beenden. Basketballerisch? Ich habe als kleines Kind schon immer davon geträumt, mal Euroleague zu spielen, vielleicht ist das ja möglich. Das ist mein großer Traum und darauf arbeite ich hin.

Court Review: Vielen Dank für die Zeit, Johannes, und viel Erfolg weiterhin!

Johannes Richter: Sehr gerne.

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