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Das Meistermärchen

05.05.2014 || 11:46 Uhr von:
Samstagabend 22:00 Uhr Haarenuferhalle, Oldenburg: Alexander Witte - Kapitän des Teams der Baskets Akadamie Weser-Ems/Oldenburger TB - stemmt den Meisterpokal der ProB in die Höhe. Die frenetischen Fans feiern ihr jung...

Samstagabend 22:00 Uhr Haarenuferhalle, Oldenburg: Alexander Witte – Kapitän des Teams der Baskets Akadamie Weser-Ems/Oldenburger TB – stemmt den Meisterpokal der ProB in die Höhe. Die frenetischen Fans feiern ihr junges Team. Es ist die Krönung einer märchenhaften Saison.

Wer hätte dem Nachwuchsprogramm der EWE Baskets Oldenburg vor der Saison diesen Husarenritt zugetraut? Zumal sie vor allem zum Saisonbeginn mit einigen Personalproblemen zu kämpfen hatten. Routinier Chris Heinrich verließ das Team. Mit Mike Hart verpflichtete man einen sehr vielversprechenden Nachfolger direkt aus dem Programm der renommierten Gonzaga University. Doch Hart befand sich nur wenige Tage nach seiner Ankunft in Oldenburg schon wieder im Flieger Richtung USA – ihn hatte das Heimweh gepackt. Die Akademie startete daher zunächst nur mit Mike Taylor als einzigem Ausländer im Kader (erlaubt sind maximal drei) in die Saison. Nach vier Niederlagen aus den ersten vier Begegnungen fand man sich dann schnell im Tabellenkeller wieder. Hauptproblem war die fehlende Tiefe auf den großen Positionen, die nicht kompensiert werden konnte und zu erheblichen Problemen in der Defense und im Rebounding führte. Die Verantwortlichen reagierten und verpflichteten den damals 22-Jährigen Michael Jordan Reeves (2,08 m, Center, USA).

Headcoach Mladen Drijencic gelang es zusammen mit seinem Trainerteam von diesem Zeitpunkt an ein Team zu entwickeln, welches sich im Laufe der Saison immer weiter steigern sollte. Im Sommer wurden bereits wichtige Grundlagen im konditionellen Bereich gelegt, die sich am Ende der Saison auszahlen sollten. Die Oldenburger konnten ihren hohen Verteidigungsdruck meistens bis zum Spielende aufrechterhalten und besiegten ihre Gegner immer wieder in der Schlussphase des Spiels. Unvergessen bleibt dabei der 15. Spieltag als man in Wedel nach einem zwischenzeitlichen 25-Punkte-Rückstand das Spiel im letzten Viertel noch drehen konnte. Die Oldenburger entschieden dabei das vierte Viertel mit 28:13 für sich.

Ein weiterer Grund für den Aufschwung war auch die Entwicklung einiger Leistungsträger. Kevin Smit (14,2 Punkte) und Mike Taylor (20,1 Punkte) führten das Team mit ihren Leistungen wie gewohnt an. Mit Dominic Lockhart (9,3 Punkte/ 4,1 Rebounds/ 3,7 Assists) schwang sich zudem ein weiterer Spieler im Laufe der Saison zu einem echten Leistungsträger auf. Auch Jan-Niklas Wimberg (7,2 Punkte/ 4,4 Rebounds) übernahm im Laufe der Saison immer mehr Verantwortung und konnte den nächsten Schritt in seiner Entwicklung gehen. Doch nicht vergessen sollte man auch alle anderen Spieler des Teams um Kapitän Witte. Headcoach Drijencic legt sehr viel Wert auf gutes Teamplay und eine harte engagierte Verteidigung. Dies ist nur mit einem Kader zu bewerkstelligen, in dem jeder Spieler seinen Teil zum Erfolg beisteuert. Auf diesen Kader (der Altersschnitt liegt übrigens bei 21,2 Jahren) konnte sich der Oldenburger Coach stets verlassen.

Nach einer starken Rückrunde und dem vierten Platz nach dem Abschluss der Hauptrunde, hatte die Baskets Akademie zum zweiten Mal nacheinander die Playoffs der ProB erreicht. Und dort nahm dann das Meistermärchen seinen Lauf. Während sich Langen und Bochum deutlich mit 2:0 geschlagen geben mussten, entwickelten sich die 20140503_195604Serien gegen Wedel (Halbfinale) und Baunach (Finale) zu echten Playoffschlachten. Gegen Wedel geriet man zunächst 0:1 in Rückstand und konnte die Serie dennoch gewinnen. Gegen Baunach erarbeitete sich die junge Mannschaft im Hinspiel ein 82:74 und ging mit einem 8-Punkte Vorsprung in das entscheidende Rückspiel der Serie. Daheim unterlag man gegen einen aufopferungsvoll kämpfenden Gegner zwar knapp mit 74:76, in der Addition der Ergebnisse reichte es jedoch zum umjubelten Meistertitel.

Dieser Titel ist der Lohn für ein vorbildliches Programm. Die Baskets Akademie Weser-Ems/Oldenburger TB ist eine echte Erfolgsgeschichte. Seit der Gründung zur Saison 2010/2011 hat sich im Oldenburger Unterbau so einiges getan. Ein Meilenstein war dabei die Verpflichtung von Headcoach Mladen Drijencic und die Berufung von Ralph Held als Koordinator des Programms. Sie hauchten dem Projekt Leben ein und schafften die Voraussetzungen für eine vielversprechende Zukunft. Zum einen wäre da das entwickelte Konzept einer eigenen Trainerausbildung, welches zwischenzeitlich von der Liga ausgezeichnet und als BBL-Standard übernommen wurde. Und dann gab es eben auch noch die sportlichen Erfolge. In der Saison 2011/2012 schaffte die Baskets Akademie den Aufstieg von der Regionalliga in die ProB. Gleich in ihrer ersten Saison (2012/2013) erreichte die junge Mannschaft als Aufsteiger das Viertelfinale der Playoffs und musste sich denkbar knapp mit 1:2 dem späteren Champion aus Leverkusen geschlagen geben. Das Ergebnis der aktuellen Spielzeit ist bekannt. Einen weiteren Aufstieg wird es jedoch nicht geben. Die Risiken für den Verein sind zu groß. Außerdem bestünde die Gefahr, dass man das eigentliche Ziel – die Nachwuchsförderung – nicht mehr in der bisherigen Art und Weise vorantreiben könnte. Wichtig ist es, dass die jungen Spieler möglichst viel Verantwortung übernehmen können. Und das lässt sich in der ProB voraussichtlich besser bewerkstelligen, wohingegen in der ProA die Gefahr bestünde, ohne eine Aufrüstung des Teams in akute Abstiegsgefahr zu geraten.

Eines dürfte aber sicher sein: Die Erfolgsgesichte der Akademie endet nicht mit diesem Tage. Ganz im Gegenteil, sie wird auch bald auf Bundesligaebene fortgeschrieben werden können, wenn die Talente von damals zu Leistungsträgern der EWE Baskets Oldenburg aufsteigen.

Zum Schluss heißt es dann noch Abschied nehmen von einem ganz großen Spieler: Mike Taylor wird das Team zur neuen Saison verlassen und seine Basketballkarriere beenden (übernimmt den Familienbetrieb in den USA). Damit verliert die Akademie einen wichtigen Baustein des Erfolgs, aber vor allem auch eine ganz große Persönlichkeit. Taylor war es, der auf dem Court immer in den entscheidenden Momenten zur Stelle war, sich aber ebenso zugunsten der jungen Spieler zurücknehmen konnte. Und auch abseits des Courts war er ein echtes Vorbild, weil er sich viel Zeit für junge Spieler nahm und häufig mit ihnen trainierte. Als Taylor vor drei Jahren zur Baskets Akademie stieß, war von vornherein klar, dass es ein zeitlich begrenztes Engagement sein würde. Er hatte keine Ambitionen auf eine große Karriere und genau das machte ihn besonders wertvoll. Er spielte nicht für die eigenen Statistiken, sondern für das Team. Und dennoch legte er ganz nebenbei die Zahlen eines legitimen MVPs auf (20,1 Punkte, 3,9 Assists). Es wird unheimlich schwer, wenn nicht sogar unmöglich, Mike Taylor zu ersetzen. Es hätte jedoch keinen besseren Abgang geben können. Alles Gute für die Zukunft Mike!

Exklusives Video zur Siegerehrung (aus einer etwas anderen Perspektive):

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