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Oldenburg sichert sich mit Energieleistung das 1:0

11.05.2014 || 12:40 Uhr von: ,
Chris Kramer EWE Baskets_Telekom Baskets Bonn
"Es steht 1:0." Mit diesen Worten eröffnete Sebastian Machowski sein Statement in der Pressekonferenz, aus denen man eine gehörige Portion Erleichterung, aber auch den Stolz auf den Kampfgeist seines Teams und die Gewi...

„Es steht 1:0.“ Mit diesen Worten eröffnete Sebastian Machowski sein Statement in der Pressekonferenz, aus denen man eine gehörige Portion Erleichterung, aber auch den Stolz auf den Kampfgeist seines Teams und die Gewissheit den ersten psychologischen Vorteil der Serie errrungen zu haben heraushören konnte. Baskets09 (EWE Baskets Oldenburg) und lenawiemer (Telekom Baskets Bonn) mit der Analyse der  ersten Viertelfinalpartie zwischen Oldenburg und Bonn.


Ein typisches Playoffspiel, mit konzentriert und intensiv verteidigenden Teams hatten die Fans in der nahezu ausverkauften großen EWE Arena gesehen, welches über drei Viertel von hervorragend eingestellten Bonnern kontrolliert wurde, die ab Ende des 1.Viertels begannen sich einen Vorsprung zu erspielen, der zeitweise bis auf elf Punkte anwuchs. Dabei ließen sie vor allem die Oldenburger Schützen von außen nicht in einen Rhythmus kommen, die folgerichtig über den gesamten Spielverlauf nur 21 % ihrer Dreierversuche trafen und im Fall von Jenkins und Paulding große Probleme hatten überhaupt zu Würfen zu kommen.

Bonn startete dabei extrem intensiv und nahm auch früh einige Fouls, in einer von den Schiedsrichtern den Playoffs angemessen großzügig gepfiffenen Partie, in Kauf. So gelang es Bonn, die Oldenburger nicht in ihr Spiel kommen zu lassen, allerdings zahlte man im Verlauf des Spieles auch den Preis mit einer hohen Foulbelastung auf den kleinen Positionen, die im Fall von Eugene Lawrence, der für Oldenburg mit seiner Bulligkeit schwer zu kontrollieren ist, auch ein wichtiger Faktor in der Wende des Spiels war. Als Lawrence nach einer unnötigen Attacke an der Mittellinie im letzten Viertel mit dem 4.Foul auf der Bank Platz nehmen musste, war Kramer von keinem Bonner Spieler mehr zu kontrollieren.

Am Ende war es dann eine von Chris Kramer angeführte Energieleistung, die mit dem Publikum im Rücken zur Wende führte. Oldenburg konnte „noch ein paar Kohlen ins Feuer werfen“ wie Machowski in der Pressekonferenz richtig anmerkte, zwang Bonn im letzten Viertel zu sechs Ballverlusten, aus denen auch einfache Punkte erzielt wurden, erlaubte Bonn nur noch drei erfolgreiche Würfe aus dem Feld und gab generell keinen einfachen Wurf mehr ab. Dazu gelang es den EWE Baskets das Reboundverhältnis im letzten Viertel mit 11:4 zu dominieren, nachdem man die ersten drei Viertel noch 22:34 unterlegen war.

Schlüssel zum Sieg der EWE Baskets Oldenburg:

Chris Kramer: Es ist eine in jedem Spiel der letzten Wochen wiederkehrende Erkenntnis, dass Kramer ein Spiel mit seiner Energie komplett verändern und damit jeden seiner Mitspieler anstecken und ein Stück besser machen kann. Die Aktion, in der Kramer versucht den Ball aus dem Aus zu retten und dafür über die Bande und durch die Bonner Bank ging, taucht in keinem Scouting auf und rüttelte trotzdem jeden in der Halle auf, der begonnen hatte sich mit einer Niederlage in Spiel 1 abzufinden. Kramer erzielte 15 (davon 13 im. 4..Viertel) der letzten 29 Oldenburger Punkte, darunter wichtige Körbe wie den Dreier zur erstmaligen Führung oder den Pull-up Jumper zum 65:60, gewann dazu noch drei Bälle, holte mehrere Rebounds, nahm Lawrence aus dem Spiel und setzte mit dem Block gegen Brooks im letzten Angriff auch noch ein Zeichen für Spiel 2.

Tiefe der Rotation: Beide Mannschaften ließen mehrere ihrer Spieler über 30 Minuten, unter anderem fast die gleichen 10 Spieler über das gesamte letzte Viertel gehen, trotzdem war die Oldenburger Tiefe im Kader ein entscheidender Faktor. Robin Smeulders und Nemanja Aleksandrov erwischten beide auf der 4 einen durchwachsenen Tag und konnten dem Spiel weder in der Offensive, noch im Rebounding wirkliche Impulse verleihen. Oldenburg hatte allerdings noch die Möglichkeit Konrad Wysocki in das Spiel zu werfen, der mit seiner defensiven Bissigkeit und seinem guten Reboundverhalten einen großen Anteil am Comeback seines Teams hatte. Dazu traf er nach beherztem Zug zum Korb einen Wurf in einer ganz entscheidenden Phase.

Erfahrung schlägt Athletik: Bonn dominierte drei Viertel mit dem körperlichen Vorteil im Rebound und der Spritzigkeit im Kampf um freie Bälle, am Ende sollte es jedoch die Oldenburger Erfahrung sein, die dieses Spiel auf die eigene Seite brachte. Bonn hatte sich verausgabt, kam gegen den Oldenburger Druck kaum noch in die Systeme, verlor zu oft den Ball und hatte keinen Spieler, an dem sich das Team in dieser Phase aufrichten konnte. Oldenburg hingegen verlor kaum noch unnötig den Ball, spielte geduldiger und hatte mehrere Spieler die kühlen Kopf bewahrten. Jenkins, der Lawrence das 4.Foul anhängen konnte, Paulding, der aus einem für ihn schlechten Call die Motivation für seinen Dunk gewann und damit noch einmal die Halle mehr ins Spiel holte, Chubb, der in der entscheidenden Phase eindeutig die Zone kontrollierte. Dazu traf Oldenburg im letzten Viertel seine Freiwürfe, während Bonn auch dort in den entscheidenden Momenten wackelte.

Heimvorteil: Wenn man von der starken Energieleistung der EWE Baskets spricht, so muss man auch das Publikum in das Boot holen, welches im letzten Viertel wie eine Wand hinter dem Team stand. Einen 11 Punkte Rückstand nur über die Energie und Verteidigung, quasi ohne vorhandenes Shooting zu egalisieren, dürfte in einem Auswärtsspiel undenkbar sein. Bemerkenswert auch die Choreographie der Baskets-Fans vor dem Spiel, die den gesamten Bereich hinter dem Korb einbezog und das Publikum direkt in den Playoff-Modus versetzte.

Choreo Oldenburg

Was muss auch im nächsten Spiel so gemacht werden?

Obwohl es im Endeffekt ein Sieg war, ist es gar nicht so leicht viele Aspekte im Spiel zu finden, welche man auch im nächsten Spiel so praktizieren kann. Man könnte natürlich die Energie aus dem letzten Viertel nehmen, die man aus meiner Sicht so aber nicht über 40 Minuten und noch dazu auswärts in ein Spiel bringen kann. Spielerisch und taktisch gibt es dagegen sicher mehr zu verbessern, einige positive Erkenntnisse kann man trotzdem ziehen.

Zone mit Chubb defensiv kontrollieren: Vor dem Spiel wurden Oldenburger Probleme in der Zone erwartet, McLean hatte in den letzten Playoffs Chubb dominiert, am gestrigen Abend allerdings gelang es Oldenburg ihn und Gaffney in Korbnähe zu kontrollieren. Aus dem Post heraus waren beide Bonner Spieler keine Gefahr, neben wenigen Lobpässen (die aber auch zu mehreren Ballverlusten führten) auf Looby konnte Bonn dort vor allem nach Offensivrebounds scoren, auch Gaffney erzielte mehr Punkte aus der Mitteldistanz und von der Dreierlinie.

Bonner Schützen in den Griff bekommen: In den ersten 15 Minuten gab Oldenburg unter der Prämisse die Zone kontrollieren noch einige freie Dreier für Bonn ab, mit dem weiteren Verlauf des Spiels konnten die Schützen allerdings immer besser kontrolliert werden. In der zweiten Halbzeit nahm Bonn nur noch 8 der insgesamt 26 Dreier und traf nur noch einen Dreier. Veikalas erzielte nur 7 Punkte(1/4 Dreier), Lawrence traf nur 2/7 Dreier, auch Brooks erreichte nur 25% von downtown.

Gründe für die Niederlage der Telekom Baskets Bonn:

  1. Die Bonner kamen im letzten Viertel in Foultrouble. Eugene Lawrence musste kurz vor Schluss mit fünf Fouls vom Feld. Ersatz David McCray hatte ebenfalls vier auf dem Buckel. Zeitweise las ich im Liveticker auf beiden Seiten nur eine Abfolge von „Wurde gefoult, Persönliches Foul, Freiwurf getroffen, Freiwurf vergeben…“. Die intensive Verteidigung beider Teams forderte ihren Tribut. In solchen Momenten konnte Oldenburg natürlich auf seine lange Bank zurückgreifen.
  2. Ohne das letzte Viertel wäre das eine wirklich schöne Vorstellung von den Telekom Baskets gewesen: viele Rebounds, gute Dreierquote, komfortable Führung, alle glücklich. Doch ein Basketballspiel dauert bekanntlich 40 und nicht 30 Minuten. Die Defense der Donnervögel setzte unseren Jungs in den letzten Minuten ordentlich zu, was in insgesamt 19 Ballverlusten endete. Zu viele, um den Sieg aus der EWE Arena zu stehlen.
  3. Nach den vier aufeinander folgenden Dreiern im zweiten Viertel, verließen sich die Bonner vielleicht ein bisschen zu sehr auf ihr Outside Game, das in der zweiten Hälfte aber leider nicht mehr vorhanden war (nur ein einziger Dreier von Tony). Center Jamel McLean blieb mit 7 Punkten heute zum Beispiel unter seinen Möglichkeiten. Das lag aber sicher auch zum Teil am stark spielenden Oldenburger Adam Chubb.
  4. Worauf lag mein Fokus im Vorbericht zu dieser Playoff-Serie? Genau, auf den Shootern Brooks und Veikalas. Die beiden erzielten heute nur 9 bzw. 7 Punkte. Auch wenn das Spiel eindeutig von der Defense geprägt wurde, so hätten vier, fünf, sechs Punkte mehr von unseren Flügeln nicht geschadet. Das hätte gar nicht mal von „Downtown“ sein müssen, denn Ryan und Benas haben auch einen sehr netten Drive zum Korb im Repertoire, soweit ich mich erinnere.

Was macht Mut? Was muss besser werden? 

Was Mut macht war das Auftreten der Bonnern in den ersten drei Vierteln. Das werden die Jungs in Bonn – mit uns Fans im Rücken – ganz sicher vier Viertel lang durchziehen und den Heimsieg sichern.

Dazu müssen aber die Ballverluste reduziert, das Reboundduell erneut gewonnen und die Fouls cleverer genutzt werden. Außerdem drücken wir die Daumen, dass Ryan Brooks und Benas Veikalas am Dienstag einen Sahnetag erwischen, was ihre Treffsicherheit anbelangt.

Man of the Match: Chris Kramer by a mile. Superman, Tsunami… viele Superlative wurden benutzt, nichts davon ist übertrieben. 18 Punkte, 7 Rebounds, 4 Assists, 3 Steals, 2 Blocks, dazu das letzte Viertel dominiert und Lawrence immer mehr aus dem Spiel genommen.

Highlight des Spiels: Monsterdunk von Paulding zum 54:55. Zuvor war Paulding mit einem Foulcall gegen ihn als er und Veikalas zu einem freien Ball gehen nicht einverstanden. Die Halle tobte, Paulding wandelte seinen Ärger um, gewann mit Kramer den Ball, bereits an der Mittellinie wusste jeder was kommen würde, Paulding stopfte den Ball mit seiner kompletten Wut und heizte danach das Publikum noch an. Kurze Zeit später war das Spiel gedreht.

Randnotizen:

  • Tony Gaffney musste im letzten Viertel verletzt vom Feld – Bänderdehnung.

Wie geht es weiter?

Oldenburg hat den psychologischen Knacks mit drei Niederlagen in Folge und Rückstand in der Serie nach Bonn zu müssen vermieden. Vielmehr wird die Art des Sieges den EWE Baskets Selbstvertrauen und Energie geben, während Bonn den Gedanken besiegen muss, die größte Chance auf einen Steal schon vergeben zu haben.

Gleichzeitig bietet Spiel 1 für Oldenburg sehr viele Möglichkeiten sich zu verbessern. Das Reboundverhalten hat Luft nach oben, Jenkins und Paulding  waren kaum im Spiel und werden vermutlich deutlich stärker abliefern, auch Dru Joyce muss härter agieren und offensiv besser eingesetzt werden. Dazu muss von Neumann, Aleksandrov und Smeulders in der Defensive und auch teilweise offensiv mehr kommen.

Oldenburg kann offensiv deutlich besser spielen, wird dies allerdings auch müssen, eine Energieleistung wie im letzten Viertel wird auswärts kaum möglich sein, also muss man konstanter spielen und bessere Trefferquoten erreichen.

Für Bonn hingegen wird es darum gehen, die Energie der ersten drei Viertel mit Hilfe des Publikums über das gesamte Spiel zu halten und die Schützen auf 2 und 3 besser in das Spiel zu bekommen, ansonsten können sie mit der Leistung aus Spiel 1 positiv auf Spiel 2 schauen, stehen allerdings auch schon unter Druck.

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11. Mai 2014 um 13:28 Uhr

Das Problem für Bonn. Dreiviertel fast alles richtig gemacht und doch verloren. Das nagt sicherlich und wenn in Bonn das 4/4 anbricht fängt man ggf. an zu denken.

    Basket09
    Basket09 11. Mai 2014 um 13:37 Uhr

    Allerdings hat Bonn eben auch den Heimvorteil. Die Energie im letzten Viertel dürfte auf ihrer Seite sein.

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