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Mahir Agva: „Jeder von uns glaubt an die Playoffs“

10.03.2017 || 09:51 Uhr von:
Mahir Agva ist nach seiner Knieverletzung zurück auf dem Spielfeld und will mit den FRAPORT SKYLINERS die Playoffs erreichen. Wir haben mit dem 20-Jährigen über seine Entwicklung und die des Teams gesprochen.

Mahir Agva gehört zu den aufstrebenden Center-Talenten im deutschen Basketball. Trotz seines noch jungen Alters (20 Jahre) bringt er bereits die Erfahrung von 50 BBL-Spielen mit. Zudem durchlief er alle Junioren-Nationalmannschaften. Im letzten Sommer wechselte Agva aus Tübingen nach Frankfurt, um sich bei den Skyliners weiterzuentwickeln. Im ersten Saisondrittel machte er durch gute Spiele unter anderem gegen ALBA Berlin (Double-Double mit 13 Punkten und 10 Rebounds) und ratiopharm Ulm (Top-Scorer des Teams mit 15 Zählern) auf sich aufmerksam.

Zu den Stärken des Centers in der Offensive gehören das Pick-and-Roll und das Post-Up-Spiel. Seine Wurfquote nach dem Block-und-Abrollen (siehe Play Type Stats unten) erscheint zwar auf den ersten Blick nicht hoch. In Anbetracht dessen, dass er viele seiner Abschlüsse aus dieser Aktion aus der Mitteldistanz und nicht in unmittelbarer Korbnähe nimmt, ist der Wert aber durchaus beachtlich. Aus der Halbdistanz trifft Agva immer konstanter. Zudem beweist er in seinen Spielen in der ProB, dass er sogar den Dreier beherrscht.

Anfang Dezember letzten Jahres stoppte den Big Man jedoch ein Haarriss im rechten Knie – eine Verletzung, die den 20-Jährigen zu einer zweimonatigen Pause zwang. Seit drei Wochen ist Agva nun wieder auf dem Spielfeld und hofft, demnächst auch wieder in der BBL häufiger zum Einsatz zu kommen. Wir haben den Center unter anderem zu seiner persönlichen Entwicklung und derzeitigen Situation sowie zu den Playoff-Chancen der FRAPORT SKYLINERS befragt.

Play TypePossFreq%PPPFG%FT Freq%TO Freq%
Pick & Roll Roll Man4545,00.8442,56,76,7
Post-Up2424,00,8840,08,38,3
Putbacks1010,01,2057,130,0
Spot-Up99,00,4425,011,1
Cut77,01,0050,014,3
MISC33,00,670,033,333,3
Transition22,01,00100,050,0

basketball.de: Hallo Mahir! Du bist nun seit drei Wochen wieder zurück auf dem Court. Zunächst einmal die Frage: Wie geht es dem Knie und bei wie viel Prozent bist du schon wieder in Sachen Fitness?

Mahir Agva: Also dem Knie geht es wieder super, ich habe gar keine Schmerzen mehr. Es fühlt sich alles super an gerade und körperlich bin ich auch wieder bei 100 Prozent. Ich bin seit ungefähr drei Wochen wieder voll im Training und ohne Beschwerden.

Du kamst seit deiner Rückkehr mehr in der ProB zum Einsatz als im Profi-Kader. Woran liegt das und wie sieht der Plan für die nächsten Wochen aus?

Ich glaube, ich werde gerade erst wieder langsam herangeführt. Ich war schließlich zwei Monate raus, das ist schon eine lange Zeit. Jetzt arbeite ich einfach und Schritt für Schritt wird es immer besser. Ich trainiere schon gut im Mannschaftstraining und bekomme positives Feedback, dass alles super läuft. Ich hoffe, es werden jetzt auch langsam wieder mehr Minuten in der BBL, denn darum bin ich ja nach Frankfurt gekommen, um mich weiterzuentwickeln und viel zu spielen.

„Das neue Spielsystem war eine große Umstellung für mich.“

Du bist im vergangenen Sommer aus Tübingen gekommen, um etwas Neues zu sehen. Was sind die größten Unterschiede in Frankfurt, auf und abseits des Feldes?

Der große Unterschied ist die Infrastruktur. Hier in Frankfurt haben wir halt eine Trainingshalle, die man eigentlich jederzeit nutzen kann. Die gab es in Tübingen leider nicht. Dazu ist Tübingen eher ein kleiner Standort, aber ansonsten gibt es nicht wirklich große Unterschiede. Beide Vereine arbeiten sehr professionell.

Wie wichtig ist es, dass mit Niklas Kiel jemand im Team ist, den du schon länger kennst?

Das ist auf jeden Fall wichtig. ich verbringe sehr viel Zeit mit Niklas und kenne ihn schon, seitdem ich 16 bin. Er war schon mein Zimmerkollege in der U16-Nationalmannschaft. Als das Angebot aus Frankfurt kam, habe ich auch mit Niklas telefoniert und ihn ein paar Sachen gefragt. Niklas war am Anfang auf jeden Fall eine große Hilfe für mich, da er mir alles gezeigt hat, sei es die Stadt oder den Verein betreffend. Ich verbringe aber auch mit den anderen Teamkollegen viel Zeit. Ich verstehe mich mit allen Mitspielern gut. Die Team-Chemie ist definitiv sehr gut dieses Jahr.

Wie schwer fiel dir die Integration in das Spielsystem der Skyliners?

Ehrlich gesagt war das eine große Umstellung für mich. Zum Beispiel haben wir in Tübingen in der Offensive ganz anders gespielt. Da war es so, dass Jared Jordan den Ball hatte und das Angriffsspiel sehr offen und frei war mit vielen Pick-and-Rolls und Fastbreaks. Hier in Frankfurt ist da mehr Struktur und auch langsamer. Und in der Defensive war die Philosophie, zum Beispiel mit dem Doppeln im Post, auch eine Umstellung für mich.

Du hattest ein gutes erstes Saisondrittel mit starken Partien wie gegen Ulm oder in Berlin. In welchen Bereichen hast du dich am meisten weiterentwickelt im Vergleich zur Vorsaison?

Am meisten habe ich mich in der Defense verbessert. Zudem ist mein Wurf stabiler und konstanter geworden. Ich habe auch viel Athletik- und Krafttraining mit unserem Athletiktrainer Dennis Wellm gemacht, gerade in der Zeit wo ich verletzt war. Das ist auch schon viel besser geworden. Ich habe einfach an allen Aspekten meines Spiels gearbeitet, ob Wurf, Post-Up-Game, Defense. Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, hier nach Frankfurt zu kommen, würde ich sagen. Es ist halt grad ein bisschen schwer, weil ich wenig spiele, aber das Training läuft super. Das Einzige, was passieren muss ist, dass ich mir wieder mehr Minuten erarbeite, ansonsten ist alles gut.

Du hast Verbesserungen in der Verteidigung angesprochen. Was meinst du damit konkret?

Allgemein die Team-Defense, also wie man rotiert. Auch meine Pick-and-Roll-Defense ist schon viel besser als am Anfang der Saison. Eine Sache, die mir die Trainer gesagt haben, war, dass ich mich an das Defensiv-System gewöhnen muss und das habe ich glaube ich ganz gut gemacht. Klar ist noch viel Luft nach oben, aber das wird immer besser. Ich habe viel Video-Analyse mit Klaus Perwas gemacht, wo er mir gezeigt hat, was ich noch verbessern kann in dem Bereich.

Kurz vor deinem Ausfall hast du dann Mitte November zweimal in der ProB gespielt, während deine Minuten in der BBL runtergingen. Was haben dir die Coaches als Grund genannt? Diese Entwicklung passierte ja gerade zu dem Zeitpunkt, als Coach Gordon Herbert an die Seitenlinie zurückkehrte.

Einen wirklichen Grund gab es eigentlich nicht. Zu dem Zeitpunkt war halt Ekene Ibekwe noch hier, der auf der Vier angefangen hat, während Niklas verletzt war. Als jener zurückkam, hat Ekene dann mehr auf der Fünf gespielt. Die Coaches haben gesagt, dass ich gut trainiere. Ich bekam positives Feedback, aber die Minuten gingen runter. Also ich wusste auch nicht, woran das lag.

„Ich habe sehr viel an meinem Wurf gearbeitet.“

Warst du darüber enttäuscht oder ist das für dich genauso ok, bei den Juniors zu spielen, weil du dort mehr Spielpraxis und Spielanteile erhältst?

Also ehrlich gesagt war ich auf jeden Fall enttäuscht, weil ich ja hierhin gekommen bin, um viel Bundesliga zu spielen. Da wäre ja jeder enttäuscht, wenn er am Anfang viel spielt und dann nicht mehr. Aber die Coaches sind erfahren und wissen, was sie machen. Konstantin Klein, Danilo Barthel und Johannes Voigtmann haben auch im ersten Jahr viel in der ProB gespielt. Es ist ein Prozess und ich vertraue einfach den Coaches.

Du wirst meistens im Pick-and-Roll oder im Low-Post eingesetzt. Vor allem im Pick-and-Roll bist du sehr variabel: Du kannst entweder hart zum Korb abrollen, oder in die Mitteldistanz abrollen oder sogar in die lange Mitteldistanz poppen. Würdest du das als eine deiner Stärken in der Offensive bezeichnen?

Auf jeden Fall. Ich habe im Sommer bei der U20-Nationalmannschaft mit Henrik Rödl sehr viel an meinem Wurf gearbeitet und viel Selbstbewusstsein gesammelt. Ich treffe jetzt auch relativ konstant. Das ist auf jeden Fall eine Waffe von mir, dass ich einen Mitteldistanzwurf habe, aber auch runter rollen und im Post spielen kann. Dadurch schaffe ich auch Platz für unsere Flügel außen.

In der ProB nimmst du auch schon mal den einen oder anderen Dreier, in der BBL hattest du noch keinen Versuch von der Dreierlinie. Liegt das an fehlendem Selbstvertrauen, den Wurf auf dem höheren Niveau zu nehmen oder ist das eine Anweisung der Coaches, mehr in Korbnähe zu agieren?

In der BBL bin ich halt näher am Korb. In der ProB spiele ich auch ab und zu mal auf der Vier. Wenn dann der Fünfer zum Korb rollt und ich dann hochkomme, dann habe ich halt viel Zeit und bin oft frei an der Dreierlinie. Ich glaube an meinen Wurf und treffe auch ganz gut in der ProB, daher sagt der Coach in der ProB, dass ich werfen darf, wenn ich frei bin. Das darf ich in der BBL zwar auch, aber es ergibt sich halt nie die Situation, dass ich mal an der Dreierlinie bin, weil ich meistens zum Korb rolle oder in die Halbdistanz.

Hast du in Zukunft vor, auch auf Profi-Ebene den Dreier fest in dein Spiel zu integrieren?

Definitiv! Ich meine, ich habe ja in der ProA vor zwei Jahren auch Dreier genommen. Es kommt halt immer auch auf den Trainer an, ob er das will oder nicht. Es ist noch Potenzial da, aber ich arbeite ständig an meinem Wurf. Ich gehe auch an den freien Tagen immer mit Niklas Kiel in die Halle und wir werfen auch immer unsere 200 Treffer.

Hast du Vorbilder aus der BBL oder NBA?

In der BBL ist da Dusko Savanovic, der bis letztes Jahr beim FC Bayern München gespielt hat. Ihn fand ich beeindruckend, sein Post-Up-Spiel war sehr gut, das hat mir gefallen. Er ist ein smarter Spieler mit hohem Basketball-IQ und sehr abgezockt. In der NBA fällt mir Nikola Jokic von den Denver Nuggets ein, der richtig gut spielt. Und Zach Randolph in Memphis, weil er so „Old-School“ spielt, mit dem Rücken zum Korb und seinem Mitteldistanzwurf. Das finde ich schon ganz gut.

Ihr konntet als Team in letzter Zeit einige Siege holen. Was läuft generell anders bzw. besser als in der ersten Saisonhälfte?

Ich glaube, wir haben uns jetzt als Team gefunden. Am Anfang der Saison war die Team-Chemie nicht so gut, aber das wird von Spiel zu Spiel besser und man sieht denke ich, dass wir einfach besser spielen. Der größte Teil ist einfach die Team-Chemie, jeder kennt seine Rolle. Es gibt keine Ab- und Zugänge mehr, wie am Anfang der Saison, so dass wir als Gruppe konstant trainieren können.

„Ich fühle mich sehr wohl in Frankfurt.“

Im Europapokal seid ihr dagegen leider ausgeschieden. Ihr seid mit einem soliden Vorsprung ins Rückspiel gegangen, der war aber schon im Laufe des ersten Viertels zusammengeschmolzen. Dazu auch noch auswärts in einer lauten Halle. Wie seid ihr mental mit dieser schwierigen Situation umgegangen?

Wir wussten schon vorher, dass es schwer wird in der Türkei, aber wir hatten ja ein gutes Polster. Aber Karsiyaka war von Beginn an bereit und wollte unbedingt das Spiel gewinnen, mit den Fans im Rücken. Das Spiel war dann auch relativ schnell entschieden, die haben ja früh schon mit 20 bis 30 Punkten geführt und wir waren nicht so bereit. Von Beginn an waren wir relativ weit hinten und das darf uns nicht passieren. Da müssen wir konzentrierter auftreten im ersten Viertel.

Allgemein ist der KO-Modus in der FIBA Champions League eine ungewohnte Situation. Im Basketball sind Best-of-Serien die Regel. Hat euch vielleicht auch ein bisschen blockiert, dass ihr zu viel daran gedacht habt, nicht mit mehr als 10 verlieren zu dürfen?

Daran haben wir nicht gedacht. Der Coach hat auch angesprochen, dass wir das Spiel einfach spielen sollen, als ob es 0:0 ist und gar nicht an den Score denken sollen. Ich meine, für jeden von uns war das ein ganz neuer Modus. Ich habe noch nie ein Spiel gespielt, wo man die erste Begegnung dazurechnet. Aber ich glaube, daran hat es nicht gelegen.

 

Wie optimistisch bist du, die Playoffs noch zu schaffen?

Jeder hier glaubt daran, dass wir die Playoffs schaffen. Das war auch ein Ziel, das wir uns vor der Saison gesetzt haben. Wir sind auf jeden Fall hungrig auf die Playoffs.

Du hast einen Einjahresvertrag mit Option auf eine weitere Saison. Gehst du davon aus, längerfristig in Frankfurt zu spielen?

Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch gar keine Gedanken gemacht. Ich will einfach die Saison stark beenden. Danach werden wir uns einfach zusammen setzen mit dem Management und meiner Familie und dann wird eine Entscheidung fallen. Ich fühl mich aber sehr wohl hier in Frankfurt.

Hast du vor, im Sommer für den DBB aufzulaufen?

Ja, ich habe schon eine Einladung für die Universiade bzw. für die A2-Nationalmannschaft bekommen. Das ist auf jeden Fall ein großes Event. Das letzte Mal sind wir ja im Finale an den USA gescheitert. Ich freue mich auf jeden Fall, ein Teil davon zu sein. Das wird eine super Erfahrung, sich dort zu messen. Es macht mir immer wieder Spaß, im Sommer für die Nationalmannschaft zu spielen.

Wie sieht der Kontakt mit Henrik Rödl über die Saison hinweg aus? Gibt es dort einen regelmäßigen Austausch?

Ich habe einen ganz guten Draht zu Henrik Rödl. Wir schreiben oft miteinander. Er hat mir auch immer wieder im Sommer Tipps gegeben, wo ich noch bei keinem Verein unterschrieben hatte. Da habe ich oft mit ihm gesprochen, ihn immer wieder Sachen gefragt. Ich bin in gutem Kontakt mit Henrik.

Mahir Agva: „Jeder von uns glaubt an die Playoffs“
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