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Lieber Marcos Knight…

14.03.2017 || 15:59 Uhr von:
In "MfG Simon" greift Simon Linder jeden Dienstag ein Thema des deutschen Basketballs auf und schreibt einen Brief – heute an Marcos Knight.

Lieber Marcos Knight,

deine bisherigen Leistungen in der aktuellen BBL-Saison haben wohl alle überrascht – und begeistert. Du bist – neben den BBL-Legenden Julius „Uns Jule“ Jenkins und Immanuel McElroy – der Grund, wieso sich viele BBL-Fans auf einmal für Spiele von Science City Jena interessieren. Die Energie, die du aufs Feld bringst, ist unfassbar. Du läufst endlos viele Pick-and-Rolls, gehst in Fastbreaks immer mit Dampf zum Korb und sammelst mit deinen 1,88 Meter Körpergröße auch noch mit viel Vehemenz Rebound um Rebound ein. Kurzum: Du bist der Spieler, der den wohl größten Anteil daran hat, dass Jena nicht ein einziges Mal in dieser Saison Abstiegssorgen haben musste.

Doch um deine sportlichen Leistungen soll es hier heute nur am Rande gehen. Wer darüber mehr erfahren möchte, dem sei Johannes Hübners Skills-Check in der aktuellen FIVE ans Herz gelegt. Mir ist heute ein anderes Thema wichtig: Dein möglicherweise kurz bevorstehender Wechsel zu einem zahlungskräftigeren Team.

Die aktuelle Situation

Auch wenn du nach der letzten Partie gegen Ludwigsburg im Interview bei Telekom Basketball sagtest, dass du dich voll auf Jena konzentrierst und davon ausgehst, bis Ende der Saison dort zu bleiben, so bleiben doch Zweifel. Vor allem, weil dein Coach Björn Harmsen vor dem Spiel sagte, dass der Verein aktuell abwägen muss, ob sie dich halten wollen oder ziehen lassen. Das hörte sich dann doch eher so an, als sei deine Entscheidung, Jena verlassen zu wollen, schon längst gefallen.

Kurzfristig gesehen wäre ein Wechselwunsch sicher nachvollziehbar. Du würdest woanders mehr Geld verdienen, deutlich mehr. Gerüchteweise hat Raymar Morgan, als er nach Abschluss der Saison 2014/15 von Göttingen noch für acht Spiele zu Panathinaikos Athen wechselte, dort mehr verdient als in der ganzen Saison in Göttingen.

Keine Romantik, pure Pragmatik

Der Unterschied zu deiner aktuellen Situation ist jedoch: Vor Morgans Wechsel nach Griechenland war die Saison für Göttingen schon vorbei. Du jedoch würdest deinen Klub, deine Mitspieler, deine Fans mitten in der Saison verlassen. Und auch wenn wir alle wissen, dass für solche romantischen Vorstellungen in unserem Sport kein Platz ist, so vermute ich: Auf Dauer würdest du deiner Karriere mehr schaden, wenn du schon wieder einen Klub sitzen ließest. Denn schon letztes Jahr hast du gemeinsam mit deinem Berater eine schlechte Figur gemacht, als du in Heidelberg einfach nicht mehr zum Training erschienen bist, um einen Wechsel nach Jena zu erzwingen.

Klar: Möglicherweise hat Jena sogar – im Gegensatz zu Heidelberg letztes Jahr – ein Interesse daran, dass du den Verein nun verlässt und noch eine Ablösesumme in die nicht allzu prall gefüllten Jenaer Kassen spülst. Trotzdem: Die Saison in Jena seriös zu Ende zu spielen und sich dann nach Ablauf des Vertrages nach einem zahlungskräftigeren Verein umzusehen, ist langfristig wohl für deine Karriere erfolgsversprechender.

Das Beispiel Bryce

Wie das geht, haben beispielsweise deine Mitspieler Julius Jenkins und Immanuel McElroy gezeigt – oder auch Bryce Taylor. Er fing bei Bonn an, ging dann nach einer Saison den nächsten Schritt nach Berlin. Nach zwei Jahren, als er sich als Starter in Berlin etabliert hatte, wechselte er nach Quakenbrück und wurde dort einer der Leistungsträger. Nach einem Jahr im Artland bekam er einen Vertrag in München, wurde dort gleich in der ersten Saison Meister und darf sich als Mannschaftskapitän und Identifikationsfigur Nr. 1 inzwischen berechtigte Hoffnungen machen, dass sein Trikot in ein paar Jahren unter der Hallendecke des Audi Domes hängen wird.

Große Klubs wie der FC Bayern setzen auf Spieler, denen sie absolut vertrauen können. Und von denen sie wissen, dass sie nicht bei einem besseren Angebot mitten in der Saison den Verein verlassen wollen. Und dass dort, wo das Geld angeblich schneller und in größeren Mengen fließt, die Sache auch mal ganz anders laufen kann, zeigt das aktuelle Beispiel Michael Jenkins bei Aris Thessaloniki: Jenkins, die Aris inzwischen verlassen hat, wartet laut Insider David Pick seit Monaten auf sein Gehalt – einfach, weil Aris nicht mehr zahlen will.

Es ist deine Wahl, was du mit deiner Karriere machst. Ich hoffe jedoch darauf, dass du zunächst in Jena und auch danach in der easyCredit BBL bleibst – und step-by-step zu einem der ganz großen Spieler dieser Liga wirst!

MfG Simon


In „MfG Simon“ greift basketball.de-Redakteur Simon Linder jeden Dienstag ein Thema des deutschen Basketballs auf – und schreibt einen Brief. Über Lob, Kritik und Kommentare freut er sich – wenn Ihr ihn kontaktieren wollt, geht das am besten über Twitter (@SimonLinder). Wenn Ihr lieber eine Mail schreiben möchtet, erreicht Ihr ihn unter simon.linder(at)basketball.de.

Lieber Marcos Knight…
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