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Liebe BBL-Zuschauer…

06.12.2016 || 10:05 Uhr von:
In "MfG Simon" greift Simon Linder jeden Dienstag ein Thema des deutschen Basketballs auf und schreibt einen Brief – heute an die BBL-Zuschauer.

Liebe BBL-Zuschauer,

wo seid ihr denn alle hin?

Kaum ein Verein konnte seinen Zuschauerschnitt in der easyCredit BBL steigern. Nur in Bremerhaven und München gibt es bisher ein Plus. Und auch wenn die Hallen wohl wieder voller werden, sobald es in Richtung Playoffs geht, fällt auf: Während kein Klub seinen Zuschauerschnitt um mehr als 10% steigern konnte, haben mit Braunschweig, Ludwigsburg, Hagen und Frankfurt vier Klubs mehr als ein Zehntel ihrer Zuschauer verloren. Ganz besonders dramatisch sind die Entwicklungen in Braunschweig und Hagen: Während im Land der Löwen mehr als ein Viertel der Besucher des letzten Jahres in dieser Spielzeit der Volkswagen Halle fernbleiben, war der Zuschauereinbruch bei Phoenix wohl sogar einer der Gründe für die Pleite.

Zuschauer-Entwicklung in der Liga

Der Zuschauerschnitt der gesamten Liga ist zum aktuellen Zeitpunkt der Saison im Vergleich zur gesamten letzten Spielzeit um 4% gesunken. Das ist nicht dramatisch – möglicherweise können einige Klubs ihren Schnitt noch steigern, sodass am Ende sogar ein Plus dasteht. Trotzdem sollte es Anspruch sein, dass die Arenen der BBL möglichst oft ausverkauft sind.

Dabei dürfen die verschiedenen Voraussetzungen bei den Klubs natürlich nicht außer Acht gelassen werden. Es gibt Vereine, die in der Region mit fünf oder mehr anderen Erst- und Zweitligaklubs aus den Bereichen Fußball, Eishockey und Handball konkurrieren, bei anderen gibt es im Umland keine anderen attraktiven Sportangebote. Aber das darf – zumindest auf Dauer – keine Entschuldigung sein.

Neben den Problemen, die der Basketball in Deutschland seit Jahren hat – zum Beispiel eine inkonstante und wenig begeisternde Nationalmannschaft – sehe ich zwei akute Probleme, welche die schlechte Entwicklung mit ausgelöst haben könnten.

Leistungsgefälle in der easyCredit BBL

Da wäre zum einen die aktuelle Konstellation in der easyCredit BBL. Das Leistungsgefälle zwischen den Klubs ist extrem geworden. Vier Vereine dominieren aktuell, darunter ist immerhin ein Überraschungsteam. Danach streiten sich fünf bis sechs Teams um die verbleibenden vier Playoffplätze. Danach folgt ein Pool von weiteren fünf bis sechs Teams, die sich im Niemandsland der Tabelle befinden, bevor sich Braunschweig und Vechta im Abstiegskampf duellieren. Die Liga ist zu einer Vierklassengesellschaft geworden.

Natürlich kann sich an dieser Konstellation noch einiges ändern. Aktuell ist es jedoch so, dass kaum ein Verein gegen einen Klub aus einer der „schlechteren Gruppen“ verliert. Um es deutlich zu machen: Seit dem 15. Oktober konnten gerade einmal vier Klubs gegen ein Team aus einer „besseren Gruppe“ gewinnen: Vechta in Frankfurt, Bremerhaven gegen Oldenburg, Braunschweig in Bonn und Frankfurt gegen Ludwigsburg. Alle anderen Spiele endeten, wie es zu erwarten war. Die Zeiten für Sportwetter waren nie besser – die Zeiten für Zuschauer, die spannenden Sport sehen wollen, schon.

Spiele, Spiele, Spiele

Zum anderen gibt es viel zu viele Spiele. Es ist durchaus realistisch, dass München oder Ulm bis ins Halbfinale des Eurocups und ins Finale der easyCredit BBL kommen. Das würde bedeuten:

  • 34 Hauptrundenspiele in der BBL
  • bis zu 15 Playoff-Spiele in der BBL
  • bis zu drei Pokalspiele in der BBL
  • acht Spiele in der Hauptrunde des Eurocup
  • sechs Spiele im Top 16 des Eurocup
  • bis zu zehn Spiele in den Playoffs des Eurocup

Zusammengerechnet sind das über 70 Spiele – und damit auch mehr als 35 Heimspiele, das bedeutet umgerechnet ein Heimspiel pro Woche von September bis Mai. Dafür fehlt vielen Menschen zum einen die Zeit, zum anderen das Geld. Möchte eine vierköpfige Familie aus Oldenburg oder Ludwigsburg (zwei Eltern, ein Jugendlicher, ein Kind) alle Hauptrundenspiele in BBL und Basketball Champions League sehen, sind sie trotz moderater Preise für die einzelnen Spiele schon über 1500 Euro los – und die Playoffs haben da noch nicht einmal angefangen. Nur zum Vergleich: Für dieses Geld könnte die Familie auch eine Woche lang Urlaub im Allgäu machen.

Es muss sich was tun

Wenn die BBL 2020 die beste Liga Europas sein will, muss sie jetzt die richtigen Fragen stellen – und beantworten. Wie können die kleineren Teams wettbewerbsfähiger werden? Wie kann die Vierklassengesellschaft aufgelöst werden? Wie kann verhindert werden, dass sich Teams wie Bamberg, Ulm und München bis April oder Mai auf den europäischen Wettbewerb konzentrieren und ansonsten gemütlich mit Kantersiegen durch die BBL pflügen?

Jetzt müsst ihr mich entschuldigen, ich muss ins Wettbüro. Und setze für das kommende Wochenende auf Bayreuth gegen Göttingen, Berlin gegen Bremerhaven, München gegen Frankfurt, Oldenburg gegen Würzburg und Bonn gegen Vechta. Wünscht mir Glück – wobei, das werde ich wohl kaum brauchen.

MfG Simon

Liebe BBL-Zuschauer…
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