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Bonn bezwingt Tübingen und eigenes Chaos

07.03.2016 || 12:04 Uhr von:
Eugene Lawrence
Aaron White schießt die Telekom Baskets Bonn per Gamewinner zum Sieg gegen Tübingen. Das erste Spiel unter dem neuen Coach Silvano Poropat war richtungsweisend.

1. Es ist vielleicht die mühelose, weil nicht inszenierte, Dramaturgie dieses Sports, die ihn so faszinierend macht. Ohne Drehbuch, ohne Skript lief die Begegnung Bonn – Tübingen auf ihren absoluten Höhepunkt genau sechs Sekunden vor Schluss hinaus. 99:99. Gleichstand. Die Bonner Baskets hatten ihren Vorsprung bis hierhin mit jeder Menge individuellem Talent über das Spiel hinweg ausgebaut, nur um ihn durch mehr Teamplay gegen erstarkte Tübinger verteidigen zu müssen. Ausgerechnet im letzten Bonner Spielzug der Partie sollte eine perfekte Symbiose dieser beiden Komponenten zum basketballerischen Hochgenuss zusammentreffen. Das Play in der Auszeit perfekt gecoacht, auf dem Feld perfekt ausgeführt. Clarke zieht quer durch die Zone im weiten Bogen zum Korb und fokussiert zwei Verteidiger auf sich. Aaron White – Rookie wohlgemerkt –  findet sich so in der rechten Ecke unbewacht wieder. Clarke passt von der Grundlinie nach außen. White hebt ab, netzt ein, wird zum Helden. 102:99. Wichtiger Sieg.

2. Denn dieser Tage erinnerten die Telekom Baskets eher an ein von einem jähzorningen Tornado heimgesuchten amerikanischem Mid-Western-Dorf. Einige Häuser hielten der Naturgewalt stand und reckten ihre zerrupften Dächer und löchrigen Holzwände stolz weiter gen Himmel, doch der Rest war ein Abbild purer Verwüstung. Zwei entlassene Trainer, drei lange Verletzungen, Spieler in die Wüste geschickt, nachnominiert, wieder rausgekickt. Fehlende Einstellung, fehlender Kampf, fehlende Unterstützung von den Rängen. Auf dem Hardtberg herrschte Chaos in der schwierigsten Saison der Vereinsgeschichte.

3. Die dringend nötigen Aufräumaktionen begannen bereits vor dem Sieg gegen die Tigers aus Tübingen. Kurz vor der Partie verkündete der Verein die Entlassung von Yancy Gates. Der US-Amerikaner produzierte zwar auf dem Feld, ließ aber abseits von jenem die Erwartungen des Managements unerfüllt.

4. Silvano Poropat, der sich erst seit vergangenem Donnerstag neuer Coach der Rheinländer nennen darf, erfüllte dafür den einen, großen Wunsch aller Anwesenden im Telekom Dome – den wichtigen Erfolg gegen die direkte Konkurrenz in der Tabelle. Innerhalb von drei Tagen schaffte er es, der Mannschaft wieder ausreichend Selbstvertrauen und Kampfeswillen einzuhauchen, damit das Team am Ende als Sieger vom Parkett gehen konnte.

5. Ihr Selbstvertrauen spiegelte sich in der rotzfrechen Selbstverständlichkeit wider, mit der allen voran Sean Marshall (insgesamt 20 Punkte), aber auch Flo Koch, Aaron White (ebenfalls 20 Punkte) und Rotnei Clarke, selbst die Center Tadas Klimavicius (10 Punkte, 9 Rebounds) und Dirk Mädrich – also quasi das gesamte Team – vorallem aus der Distanz den Ball einnetzten (Quote von 46,7%). Der offensive Erfolg steigerte das Selbstvertrauen der Jungs im Verlauf der 40 Minuten exponentiell.

6. Der neu entfachte Wille zum Kampf blieb hingegen auf konstant hohem Level. Er zeigte sich schon in den ersten Minuten, als ein normalerweise relativ unscheinbarer Hustle um den Ball von White mit anschließendem Ballgewinn und einfachen Punkten von Marshall, für Begeisterung auf den Rängen sorgte. Setzte sich fort mit Isaiah Philmores (Lieblingsspieler!) Hustle-Play gegen drei Tübinger zum 43:28 und der 15-Punkte-Führung im zweiten Viertel. Bis hin zu Tadas Klimavicius, der sich nach Jared Jordans Dreier zum 98:97 auf der anderen Seite des Feldes verzweifelt für den Offensiv-Rebound zu Boden warf und den Ball an White weitergab, der nach Foul an die Linie durfte und kurz darauf das Spiel entschied.

7. Nach der Partie zollte Jared Jordan Aaron White für seinen Siegtreffer Anerkennung. Genau wie den Fans, die er für das Auspfeifen seiner Person irgendwie respektiere, denn das zeige nur die Leidenschaft der Fans für den Verein. „No hard feelings.“ Nach all dem Theater um den Wechsel von Jordan nach Bamberg (zu dem ich damals auch meinen Beitrag leistete) bleibt nur eins zu sagen: Jared Jordan ist einfach ein verdammt guter Basketballer. Das stellte er auch in dieser Partie wieder mit seinen 15 Punkten und 14 Assists(!) eindrucksvoll unter Beweis. Bei seinem nächsten Besuch auf dem Hardtberg sollte man ihm dafür Anerkennung zollen.

8. Ein großes, fettes DANKE an Carsten Pohl für seinen selbstlosen Einsatz in den vergangenen Wochen, seine Aufopferung für den Verein und für die Wiedergeburt von Florian Koch, den er dem Team selbstbewusster denn je zurücklässt. Am Ende ist der Funke zwischen dem Trainer und dem restlichen Team aber nicht übergesprungen. Mit Poropat, zweifacher Coach of the Year, haben die Telekom Baskets zum richtigen Zeitpunkt vielleicht die beste Entscheidung dieser Saison und für ihre Zukunft getroffen.

9. Jeder bemängelt die miserable Defensive der Rheinländer, die auch an diesem Spieltag wieder nur von einer erfolgreichen Offensive übertüncht werden konnte. Ganz klar: Hier liegt die Krux der zahlreichen Niederlagen und der Grund, wieso sich die Baskets (neben den Umständen abseits des Feldes) momentan auf dem 13. Tabellenplatz wiederfinden. Poropat wird im Herbst nach dem Reset frisch von Neuem beginnen und seinen Fokus auf das ideale Zusammenspiel des Team in der Verteidigung legen können. Zum Abschluss daher ein gewagter Vorschlag: Es ist eh schon alles gelaufen. Playoffs außer Reichweite, Abstieg aber so gut wie umgangen. Seht es als Freifahrtsschein. Lasst die schlampige Defensive weiter schlampig sein und schießt euch das Herz und die Hände wund, Männer. So ein bisschen Run-and-Gun-Basketball in den letzten Wochen der Saison wäre eine offensive Augenweide für die Fans und würde jede Menge Spaß mitbringen.

10. Am nächsten Wochenende ist Phoenix Hagen auf dem Hardtberg zu Gast. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt, oder?

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