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Karl der Große

13.05.2014 || 23:55 Uhr von:
Vorschau_Bayern_Ludwigsburg
Noch fünf Sekunden auf der Uhr. Nihad Djedovic wird beim Stand von 81-83 aus Sicht der Bayern von Coby Karl an der Außenlinie gefoult. Da der Münchner sich bei der Aktion am Finger verletzt, kommt der Ex-Ludwigsburger...

Noch fünf Sekunden auf der Uhr. Nihad Djedovic wird beim Stand von 81-83 aus Sicht der Bayern von Coby Karl an der Außenlinie gefoult. Da der Münchner sich bei der Aktion am Finger verletzt, kommt der Ex-Ludwigsburger Lucca Staiger auf den Court, um die Freiwürfe zu versenken – das macht er auch zuverlässig wie meistens. Im letzten Angriff des Spiels tut Coby Karl, der zuvor schon 36 Minuten auf dem Feld stand, alles dafür, den Ball in seine Hände zu bekommen. Er fängt den Pass, täuscht an, zieht zum Korb, springt ab, wirft, die Sirene ertönt. Der Rest ist schon jetzt Ludwigsburger Playoff-Geschichte…
Nach der Niederlage in Spiel 1 nahm Ludwigburg in Spiel 2 Revanche. Simon Linder analysiert!


Doch was war zuvor passiert? In der ersten Halbzeit dominierten die Barockstädter die Gäste aus München in allen Belangen. Mit einer sensationellen Trefferquote vor allem von Downtown sowie einer Team-Defense vom Feinsten stellten die Ludwigsburger schnell eine erstaunlich hohe Führung her – zur Halbzeit betrug der Abstand 13 Punkte. Nachdem die Heimmannschaft den Vorsprung kurz nach der Halbzeit sogar auf 18 Punkte hochschrauben konnte, fingen die Bayern an, den Ball (und die Ludwigsburger) laufen zu lassen. Dadurch kamen die Münchner bis zum Ende des dritten Viertels auf sechs Punkte heran, bei noch gut sechs Minuten Spielzeit im vierten Viertel konnten die Roten erstmals in Führung gehen. Doch Ludwigsburg blieb dran und erkämpfte sich die Chance, mit dem letzten Wurf das Spiel zu entscheiden. Der Rest ist – wie bereits erwähnt – schon jetzt Ludwigsburger Playoff-Geschichte.

Schlüssel zum Sieg der Ludwigsburger

  1. Die überragende Trefferquote in der ersten Halbzeit: Dadurch hatten die Ludwigsburger ein dickes Polster herausgespielt, das trotz schwindender Kräfte bei den Riesen die Bayern bis weit ins letzte Viertel hinein am Rückstand knabbern ließ.
  2. Die Team-Defense: Der Ludwigsburger Coach John Patrick hatte seine Mannen diesmal perfekt auf die schnelle Offensive der Münchner eingestellt. Oft ging bei eigenem Wurfversuch nur ein „Riese“ zum Offensivrebound, die anderen orientierten sich schon in Richtung Mittellinie, um sich für den drohenden bayerischen Schnellangriff bereit zu machen. So erzielte der FC Bayern in der ersten Halbzeit nur 33 Punkte.
  3. Michael Stockton & CJ Harris: Obwohl Stockton die Crunchtime aufgrund seines frühen fünften Fouls von der Bank aus verfolgen musste (Takumi Ishizaki vertrat ihn defensiv gegen den Regular-Season-MVP Malcolm Delaney übrigens hervorragend), war Stockton, dessen Vater zum ersten Mal in der MHPArena ein Spiel seines Sohnes verfolgte, ein Garant für den Sieg. 20 Punkte, sieben Rebounds und vier Assists bei null (!) Ballverlusten sprechen eine deutliche Sprache. Auch Harris, der Keaton Grant hervorragend vertrat, fiel im Ludwigsburger Backcourt durch viele gute Penetrationen und Distanzwürfe auf. Er kam auf 19 Punkte und fünf Rebounds.
  4. Karl, der Große: Coby Karl erzielte in den letzten fünfeinhalb Minuten des Spiels zehn der 18 Ludwigsburger Punkte, inklusive des Buzzer Beaters zum Sieg. Selten ist ein Spieler dem Klang seines Vornamens so gerecht geworden wie Mr. Karl heute. Wenn der ehemalige NBA-Spieler nicht Mr. Clutch ist, wer ist es dann?

Gründe für die Niederlage der Bayern

  1. Zu wenig Team-Basketball: In der ersten Hälfte versuchten die meisten der Bayern-Spieler, durch Einzelaktionen ins Spiel zu finden. Dass dies komplett schief ging, lässt sich an der deutlichen Ludwigsburger Halbzeitführung ablesen. Nach 15 besseren Minuten vergaßen die Münchner in der Crunchtime wieder, womit sie den großen Rückstand aufgeholt hatten – und verloren so das Spiel.
  2. Schlechte Defense in der ersten Halbzeit: Die Ludwigsburger konnten werfen, so viel sie wollten. Anscheinend gingen die Bayern davon aus, dass Huff, Harris & Co. mit Ticken der Uhr anfangen würden, nicht mehr mit traumwandlerischer Sicherheit ihre Würfe zu verwandeln. Erst in der zweiten Halbzeit fingen Delaney & Co. an, den MHP Riesen auch weiter draußen auf den Füßen zu stehen.
  3. Fehlender Zusammenhalt: Ja, diese Behauptung stelle ich hier auf. Während die beiden Ludwigsburger, die nicht im Kader standen (Adam Waleskowski und Go-to-Guy Keaton Grant) die Mannschaft von außen frenetisch anfeuerten, saß der ehemalige MVP John Bryant, der beim FC Bayern nicht im Kader war, die komplette Spielzeit allein auf seinem Stuhl neben der Bank und bewegte sich nicht einmal während der Auszeiten zu seinem Team. Bei gelungenen Aktionen der Münchner feierten diese oft alleine, während die Ludwigsburger Spieler sich regelmäßig aufeinanderstürzten und gegenseitig pushten. Oft schlägt ein eingeschworenes Team die Mannschaft mit den besseren Einzelspielern –heute war dies wieder einmal der Fall.
    bryant ludwigsburg

Was muss bei den Bayern besser werden?

Die Bayern müssen wieder anfangen, den Ball laufen zu lassen und den Gegner müde zu spielen. Das haben sie heute nicht getan. Mut macht den Münchnern sicher, dass sie trotz eines über weite Strecken uninspirierten Spiels gegen herzhaft kämpfende und für ihre Verhältnisse überragend auftretende Ludwigsburger bis in die letzte Minute eine reelle Siegchance hatten.

Was muss Ludwigsburg auch im nächsten Spiel genauso machen?

Sie müssen ihre Dreipunktewürfe treffen und mit guter Isolation in der Defense darauf setzen, dass die Bayern sich wieder in Einzelaktionen verstricken. Dann haben die MHP Riesen auch im Spiel 3 in München eine Chance.

Man of the Match, Highlight des Spiels und Hustle Play of the Day

Coby Karl und sein Wurf zum Sieg. Zuerst riss Karl der Große in der Crunchtime das Spiel an sich und entschied es mit einem Buzzer Beater in der letzten Sekunde. Den Wurf hatte er sich wie viele Würfe zuvor hart erkämpfen müssen. Was will man von einem Spieler mehr erwarten?

Stimmen zum Spiel

John Patrick (Trainer MHP RIESEN Ludwigsburg): Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Wie wir heute nach dem schwachen Auftritt in Spiel 1 zurückgekommen sind, war beeindruckend. Gerade in der ersten Halbzeit haben wir sehr gut zusammengespielt und auch als Bayern im zweiten Durchgang ein furioses Comeback hatte und mit fünf Punkten in Führung gegangen ist, haben wir nicht aufgehört. Die Zuschauer haben uns dabei natürlich sehr geholfen und uns immer wieder neue Energie und Power gegeben. Wir haben viel Charakter gezeigt, doch jetzt heißt es schnell umzuschalten, denn am Donnerstag steht schon das nächste Duell an und dann wollen wir versuchen auch in München ein Spiel zu gewinnen.

Svetislav Pesic (Trainer FC Bayern Basketball): Gratulation an Ludwigsburg zu diesem verdienten Sieg. Ich persönlich war nicht davon überrascht, mit wie viel Intensität die MHP RIESEN heute ins Spiel gegangen sind, aber leider hat unsere Vorbereitung nicht genügt, um unsere Spieler ebenfalls davon zu überzeugen. Ludwigsburg hat in der ersten Halbzeit unglaubliche 79 % Zweier und 46 % Dreier getroffen, das hat in dieser Saison weder in der Beko BBL noch in der Euroleague eine Mannschaft gegen uns geschafft. Sie haben nach der Niederlage in Spiel 1 sehr viel Stolz gezeigt und waren das ganze Spiel über sehr selbstbewusst, klar ist natürlich aber auch, dass wir besser verteidigen müssen. Am Ende waren wir durch die bessere zweite Halbzeit noch in der Lage das Spiel zu gewinnen, ob wir das allerdings verdient gehabt hätten, weiß ich ehrlich gesagt nicht.

Wie geht es in der Serie weiter?

Schon am Donnerstag treten die in Spiel 2 also siegreichen MHP Riesen bei den Bayern-Basketballern im Audi-Dome an. In diesem Spiel wird sich wohl entscheiden, wo die Reise hingeht. Kann Bayern seine individuelle Qualität wieder besser ausspielen oder kommt es in der Serie zum Upset? Am Donnerstag wissen wir mehr!

Ich möchte noch Genesungswünsche an Paul Zipser und Nihad Djedovic schicken. Das Münchner Talent Zipser verletzte sich leider bei einer unglücklichen Rebound-Aktion in der Knieregion, das sah sehr böse aus. Djedovic hatte im letzten Münchner Angriff einen Schlag auf einen seiner Finger bekommen. Alles Gute auch an Adam Waleskowski und Keaton Grant, in der Hoffnung, dass sie bald wieder im Kader der MHP Riesen stehen können!

Karl der Große
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31. Mai 2014 um 13:18 Uhr

Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass Coby Karl Nihad Djedovic bei einem Angriff zuvor die Mittelhand bricht und das Publikum daraufhin Nihad ausgepfiffen hat. Man kann hier durchaus auf unsportliches Foul gegen Karl entscheiden. Ebenso wie das Foul gegen Thompson kurz zuvor, obwohl er sauber blockt.

2 Benachteiligungen Bayerns in der Crunch-Time. Warum gab es hier kein Wiederholungsspiel, da das Spiel so zugunsten Ludwigsburgs lief?

    SimonLinder
    SimonLinder 31. Mai 2014 um 23:22 Uhr

    Zunächst kann ich von mir sagen, dass ich nicht gepfiffen habe. Das vorneweg. Das Foul war ein ganz normales, nicht überhart. Dass du hier ein unsportliches Foul forderst, aber scheinbar tolerierst, dass der Trainer des FC Bayern in den meisten Ludwigsburger angriffen im Feld steht und so die Konzentration stört – nun ja.
    An die zweite Situation kann ich mich leider nicht erinnern.

    Ein Wiederholungsspiel von Spiel 3 gab es nicht, weil es einen Unterschied zwischen einem „technischen Fehler“ (Spiel 4) und „Tatsachenentscheidung“ (Spiel 3) gibt.

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