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Justin Cobbs – The Momentum Changer

04.03.2015 || 10:30 Uhr von:
Justin Cobbs hat sich in Frankfurt heimlich, still und leise zu einem echten Top-Spieler in der Beko Basketball Bundesliga entwickelt und ist möglicherweise sogar ein geheimer MVP-Kandidat. Wir stellen seinen Werdegang,...

Justin Cobbs hat sich in Frankfurt heimlich, still und leise zu einem echten Top-Spieler in der Beko Basketball Bundesliga entwickelt und ist möglicherweise sogar ein geheimer MVP-Kandidat. Wir stellen seinen Werdegang, seine Spielweise und seinen Impact auf das Team vor!


Frankfurt am Ende

Geknickt läuft Gordon Herbert am 01. November 2014 vom Court der Artland Arena in Quakenbrück. Die Fraport Skyliners haben hier gerade ihr sechstes Saisonspiel verloren − im siebten Versuch! Die Saison, die eigentlich in den Playoffs enden sollte, war bislang völlig missraten. Man stand auf dem letzten Tabellenplatz. Wieder hatten die Skyliners über weite Strecken des Spiels eigentlich gut agiert und die Dragons waren an jenem Abend auch wirklich kein unschlagbarer Gegner, doch am Ende fehlte einfach der Go-to-Guy, der in der entscheidenden Phase Verantwortung übernimmt. In den vorherigen Spielen war es genauso! Keine ihrer ersten sechs Niederlagen erfolgte im zweistelligen Bereich. Es musste sich etwas ändern!

Am 01. November 2014 ist Justin Cobbs gerade in Lettland. Der Rookie wurde von keinem der 30 NBA-Teams beim NBA Draft ausgewählt, nachdem er drei starke Jahre an der University of California (und zuvor ein solides in Minnesota) spielte. VEF Riga hatte sich die Dienste des Point Guards gesichert, nachdem dieser auch bei einem Tryout der Charlotte Hornets gescheitert war. Cobbs spielt für Riga sowohl in der heimischen Liga als auch im Eurocup eher unauffällig, weshalb ihn sein Team auch gen Frankfurt ziehen lässt. Diese reagieren damit auf die Verletzungen der drei etatmäßigen Point Guards Konstantin Klein, Richard Williams und Max Merz. Dass sie mit dem Amerikaner jedoch einen derartigen Glücksgriff landen sollten, hätten sich die Verantwortlichen wohl selbst niemals erträumen lassen!

Ein bisschen von allem

Denn dass Cobbs gut ist, wusste man bereits vor seiner Verpflichtung, sonst hätte man ihn wohl kaum geholt. Doch wie gut er ist, verblüfft immer noch! Gleich in seinem Debüt gegen den Mitteldeutschen BC gibt er eine − wenn auch kurze − Kostprobe seines Könnens. Cobbs macht für das Team von allem ein bisschen. In erster Linie ist er ein herausragender Scorer und kein typischer Floor General. Der 23-Jährige scort allerdings nicht nur viel, sondern vor allem auch effektiv. 15,4 Punkte legt er bei 48,6 % aus dem Feld und 41,2 % von der Dreierlinie auf. Der Kalifornier ist möglicherweise nicht der athletischste Spieler, der jemals in Frankfurt aufgelaufen ist, jedoch versteht er es, in die Zone des Gegners vorzudringen und am Ring unter Korbniveau hochprozentig abzuschließen. Was jedoch auch auffällt: Er erzwingt keine Würfe! Anders als manch einer seiner Teamkollegen muss er nicht jeden Ball in Korbnähe zum Brett bringen, sondern findet die Shooter in den Ecken und nicht selten auch die großen Leute in der Mitte. Das ist auch ein Grund, warum ein Justin Cobbs 48,6 % seiner Würfe verwandelt und ein Sean Armand nur 38,3 %, nebenbei bemerkt! Offensiv ist seine größte Waffe allerdings der Wurf! Der Dreier fällt überdurchschnittlich gut, jedoch drückt er von hier gar nicht mal so oft ab (2,6 Versuche pro Spiel). Man könnte behaupten, Cobbs verfüge über das ausgeprägteste Mid-Range-Game der Liga. Es ist beeindruckend, aus welchen Lagen, von welchen Positionen und vor allem mit welcher Trefferquote der Aufbauspieler die Bälle durch die Reuse jagt. Dabei kreiert er auch oft (oder sogar meistens) für sich selbst, was ihm sein extrem sicheres und gutes Dribbling möglich macht. Diese Fähigkeit hilft ihm nicht nur beim Kreieren des eigenen Wurfs, sondern auch beim Ballvortrag, wo er sich − trotz der Tatsache, dass dies seine erste Profi-Saison ist − nur ganz, ganz wenige Fehler erlaubt. Er ist zwar wie gesagt kein reiner Floor General, aber das heißt nicht, dass er kein Teamplayer ist! 4,6 Assists verteilt der 1,91m-Mann, 2,4 Turnover sind ein Wert, mit dem man leben kann. Er passt gut ins Offensiv-System von Gordon Herbert, dass sehr darauf ausgelegt ist, immer noch einen Extra-Pass zu spielen. Das konnte man von seinem Vorgänger Richie Williams nicht behaupten. Vielleicht spielt der ja deswegen mittlerweile in Vechta …

Auch defensiv alles andere als ein Downgrade!

Amerikanische Rookies bringen oft ein großes Manko mit sich: Sie können nicht verteidigen, selbst wenn es um ihr Leben ginge! Bei Justin Cobbs ist das nicht der Fall. Mit Konsti Klein und Richie Williams verfügten die Skyliners bis zu Cobbs‘ Ankunft bereits über zwei Kettenhunde auf der Eins, dementsprechend groß waren die Erwartungen in der Defensive. Doch der Neue stand seinen Kontrahenten in nichts nach! Er ist sich nicht zu schade, über 40 Minuten hart zu verteidigen; deckt immer den gegnerischen Aufbau, macht gut Druck am Ball, auch wenn seine Steals (0,7 pro Partie) da nicht so aussagekräftig sind, und stört die Würfe. Nur die startenden Point Guards von ALBA Berlin und den Brose Baskets Bamberg, Cliff Hammonds und Brad Wanamaker, trafen über 50 % ihrer Würfe, wenn sie gegen Frankfurt mit Cobbs spielten. Andere elitäre Aufbauspieler wie Dru Joyce, Per Günther oder Kerron Johnson hatte der Skyliner voll im Griff und nahm sie fast komplett aus dem Spiel. Nach Defensiv-Rebounds macht er das Spiel stets schnell, hat die Transition-Offense der Hessen revolutioniert und sorgt so für viele einfache Punkte. Kleines Zahlenspiel: Vor seiner Ankunft spielten die Skyliners den drittlangsamsten Basketball der Liga, seit der Ankunft ihres Star-Spielers liegen sie im Mittelfeld (Advanced Stats). Das einzige, was man ihm in der Defense ankreiden könnte, ist seine Pick-and-Roll-Verteidigung, denn hier bleibt er noch zu oft am Block hängen und bringt seinen Mitspieler so oftmals in eine schwierige Situation.

The Cool Guy

Generell wirkt es aber immer so, als würde Cobbs das Spiel komplett im Griff haben. Er ist ein ruhiger Typ, auf dem Feld wie auch abseits. Beim Aufwärmen hört er immer Musik; ist in seiner eigenen Welt. Auf dem Feld zeigt er nicht die großen Emotionen; beschwert sich höchstens einmal über eine Schiedsrichterentscheidung. Er wirkt besonnen, macht wenige Fehler und trifft viele richtige Entscheidungen. Das hilft nicht nur ihm, sondern auch seinen Skyliners. Denn seitdem Cobbs das Ruder in die Hand genommen hat, konnte seine Mannschaft Erfolg über Erfolg verbuchen! Mit ihrem neuen Spielmacher haben die Skyliners in der BBL erst vier Partien verloren und stehen deswegen mittlerweile auf einem starken siebten Rang. Top-Teams wie Oldenburg, Berlin oder Ulm wurden allesamt geschlagen; die Fraport Arena entwickelte sich zur Festung! Auch international ist Frankfurt noch vertreten. Mittlerweile läuft alles nach Plan. Justin Cobbs hat einen großen Anteil am Erfolg. Wenn er auf dem Court steht, spielen die Skyliners einfach besser. Wenn er eine kurze Verschnaufpause erhält, fehlt irgendwas. Seine Einwechslung bringt dann diesen Schwung zurück. Er verteidigt hart, spielt smart und ist generell für einen Rookie bereits sehr weit. Vor allem ist er jedoch der dringend benötigte Go-to-Guy. Es ist kein Zufall, dass die Skyliners mittlerweile die engen Partien, die man zu Saisonbeginn noch verloren hat, mittlerweile gewinnt. Selbst mit schweren Spielen in den Knochen. In der Crunch-Time oft im Mittelpunkt mit dem Ball in den Händen: Justin Cobbs. Er ist einfach eine Bereicherung für die Liga!

Es gibt ein Ablaufdatum

Es ist der 01. März 2015. Zwischen dem Absturz auf den letzten Platz nach dem Spiel in Quakenbrück und dem heutigen Datum liegen exakt vier Monate. Es hat sich viel getan in Frankfurt am Main. Heute steht das Heimspiel der Skyliners, die gerade mit drei Overtime-Siegen in Folge in ein schweres Spiel gegen den Mitteldeutschen BC gehen, an. Es ist das Team, gegen das Cobbs sein Debüt im blauen Jersey feierte. Runde eine halbe Stunde vor dem Spielbeginn steht er an der Bande, dehnt sich, wird dabei gefilmt. Es sollte nicht sein bestes Spiel werden (14 Punkte, sieben Assists), doch die Skyliners gewinnen deutlich mit 93:76. Als Gordon Herbert nach dem finalen Buzzer vom Spielfeld läuft, wirkt er zufrieden − es hat sich vieles zum Positiven verändert. Cobbs steht nach dem Spiel wieder an der Bande, plaudert mit Teamkollegen und Journalisten, gibt Autogramme und schießt Fotos mit jungen Fans. Er ist der Shooting Star der Frankfurter. Womöglich sogar einer der ganzen Liga. Und er ist Fan-Liebling. Fragt sich bloß, wie lange noch. Denn Cobbs wird im Sommer nicht zu halten sein. Er gehört nicht in die EuroChallenge. Er ist für Größeres geschaffen. Die NBA sei sein Ziel, betont er in einem jüngst erschienenen Interview mit Sportando. Doch noch ist er hier. Und die Saison ist noch lang! Wer schließt denn einen Playoff-Run der Skyliners vollkommen aus? Wohl niemand − seit Justin Cobbs da ist.

Justin Cobbs – The Momentum Changer
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