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Jena – Gießen: Das Vier-Punkte-Spiel

18.03.2017 || 15:35 Uhr von:
Marco Völler, Science City Jena - GIESSEN 46ers
Im Kampf um die Playoffs haben die GIESSEN 46ers das 4-Punkte-Spiel bei Science City Jena gewonnen. Die Spielanalyse in vier Punkten mit dem heimlichen Matchwinner Marco Völler im Interview.

Kein Knight-Rider

Manchmal gibt es Zufälle. Ein solcher beschäftigte die Basketball-Fans auch am Freitagabend. Falls es denn einer war. In der Gerüchteküche brodelt es schon länger, dass Marcos Knight Angebote von anderen Teams habe und Science City Jena ihn unter Umständen ziehen lassen würde. Gerade am Dienstag hat sich basketball.de-Kolumnist Simon Linder in MfG Simon mit einem möglichen Abgang beschäftigt. Gegen Gießen fehlte Jenas Topscorer dann in der Starting Five und kam auch später nicht zum Einsatz. Grund genug für Spekulationen. Björn Harmsen erklärte den Ausfall später auf der Pressekonferenz mit einer Muskelzerrung. Dadurch habe sich erst kurz vor dem Spiel abgezeichnet, dass Knight nicht einsatzfähig war.

„Es war schwierig für uns heute den Ausfall von Marcos zu verkraften. Wir haben den Ball hin und her geschoben und die Verantwortung nicht wirklich übernommen. Dadurch hatten wir einen sehr schlechten Fluss im Spiel.“ Harmsen kennt die Bedeutung des Überfliegers der Saison nur zu gut. 18,4 Punkte pro Spiel sprechen schon eine gewaltige Sprache, aber es ist mehr als die Punkte, die ohne ihn fehlen. Bereits im Oktober verlor Science City das bislang einzige Spiel ohne Knight. Der 27-Jährige ist in seiner Spielweise einfach nicht zu stoppen.

Auch Gästecoach Denis Wucherer wusste dies vor der Partie: „Er macht seine Sachen einfach, egal wo. Vom Körper ist er einfach eine Maschine. Ihn zu stoppen muss nicht das Ziel sein. Wenn Knight 20 Punkte macht und wir gewinnen ist alles gut.“ Egal ob er im Fastbreak seine Schnelligkeit ausspielt, im Lowpost seine Masse einsetzt oder ob der Distanzwurf mit 40%iger Sicherheit fällt: Knight ist der Dreh- und Angelpunkt im Jenaer Spiel und er fehlte immens, besonders im ersten Viertel. Zwar konnte das 13:30 später im vierten Viertel egalisiert werden, am Ende kostete die Aufholjagd allerdings zu viele Körner und den wichtigen Heimsieg.

Hessisch-Thüringische Gesetze

Gießen gegen Jena. Jena gegen Gießen. Das Duell der beiden Universitätsstädte gab es in den letzten vier Jahren, in denen Wucherer und Harmsen das Zepter ihrer Teams halten bereits elfmal. Unvergessen dabei die sechs Spiele in Serie 2014, als sich beide Teams am letzten Heuptrundenspieltag und im anschließenden ProA-Viertelfinale eine dramatische Serie boten.

Über die elf Spiele fällt eine Sache direkt auf, Gießen konnte nicht zum ersten Mal die Anfangsphase dominieren. 26:13, 27:11, 22:9 sind drei der sechs Ergebnisse der ersten zehn Minuten aus der Saison 2013/14, dieses Jahr folgte das 30:13 auf ein 23:14 im Hinspiel. Doch klare Siege gab es für Gießen in keiner Partie. Besonders auf das 22:9 im zweiten Playoffspiel 2014 folgte noch eine höchstdramatische Overtime-Niederlage. Auch das 27:11 ein Spiel zuvor hatte am Ende Drama pur, als Gießen in der letzten Minute drei Punkte Rückstand drehen konnte.

Das Duell der ProA-Meister und Coaching-Duell der letzten beiden ProA Trainer des Jahres bot auch im elften – und im Falle von Wucherer gegen Harmsen letzten – Aufeinandertreffen wieder Hochspannung. Gießen hatte sich im ersten Viertel in einen Rausch gespielt und ging mit einem komfortablen 30:13-Vorsprung in die restliche Spielzeit. Doch binnen dreier Minuten war der Jenaer Rückstand schon wieder einstellig und es dauerte bis Gießen wieder ins Spiel kam. Dank phänomenaler sechs erfolgreichen Dreiern bei sieben Versuchen bis zur Halbzeit setzte sich der hessische Gast wieder stärker ab.

Auch nach der Pause schien es als habe Gießen die Partie im Griff. Ein weiterer Dreier von Skyler Bowlin bedeutete beim 42:60 zweieinhalb Minuten vor dem Schlussabschnitt die höchste Führung des Spiels. Doch bei Gießen ging im Anschluss gar nichts mehr. Während Jena in den folgenden knapp sieben Minuten 19 Punkte machen konnte, war ein einziger Freiwurf von Cameron Wells für Gießen zu verzeichnen. Für Jena gelangen nun selbst die Kunstwürfe und unmöglichsten Offensivrebounds. Gießen kam dagegen kaum zu eigenen Würfen und die freien fanden ihr Ziel nicht. Durch einen von sieben versenkten Dreiern kam Jena durch den ehemaligen Gießener Wayne Bernard 4:40 Minuten vor dem Ende zur ersten und einzigen Führung des Abends.

Es war ein kleiner Weckruf für die 46ers, aber als sich Dwayne Evans nach zwölf Punkten und acht Rebounds mit fünf Fouls auf die Bank setzen mussten, stiegen Jenas Aktien. Doch es folgte der Auftritt von Marco Völler, mit fünf Punkten sowie einem Hustleplay, und Kapitän Cameron Wells. Für Jena hatte Immanuel McElroy, den Gießen in der zweiten Halbzeit nicht mehr kontrollieren konnte, im Fastbreak das 71:72 auf der Hand, doch der bedrängte Layup ging daneben. So kam es zum großen Auftritt von Allstar Wells, der in gewohnter Manier seinen Sprungwurf 18 Sekunden vor dem Ende völlig cool für drei einnetzte. Es war wie immer zwischen den Hessen und den Thüringern, Spannung und ein heißer Kampf!

They see Bowlin, they hating.

Am Ende des Tages war Immanuel McElroy Topscorer der Partie, doch in der ersten Halbzeit war ein Gießener maßgeblich an der Führung der 46ers beteiligt: Skyler Bowlin.

13 Punkte, fünf Rebounds und sieben Assists hatte der Guard in den ersten 20 Minuten aufs Parkett gelegt. Alle vier Feldwürfe und beide Freiwürfe fanden ihren Weg in den Korb. Es war eine beeindruckende Vorstellung des 27-Jährigen. Nur 30,84 Prozent der Dreier fanden im Saisonverlauf vor dem Jena-Spiel ihr Ziel. Zuletzt hatte er in Schweden und Dänemark immer über 40 Prozenz getroffen, 2014/15 waren es für Horsens sogar 45,8 Prozent. In der BBL hatte es nur in einzelnen Spielen zu Leistungen gereicht, die die 46ers-Fans von den Talenten überzeugt haben. Trotz 4,4 Assists pro Spiel, die ihn zum besten Vorlagengeber des Tabellenneunten machen. In Jena war Bowlin aber der Dominator der ersten Halbzeit. Während der Guard auf dem Feld stand machten seine 46ers 19 Punkte mehr als Science City. Dabei waren es nicht nur die einfachen Würfe, sondern auch aus der Bedrängnis blieb er souverän.

 

In der zweiten Halbzeit zog sich Gießens Nummer 12 dann den Unmut der Jenaer Zuschauer auf sich, als er im Jenaer Angriff mit Julis Jenkins‘ Ellenbogen kollidierte und der Routinier dafür ein Offensivfoul kassierte. Doch trotz der Pfiffe gegen sich blieb Bowlin erstmal cool, servierte seinen achten Assist und traf seinen vierten Dreier zur höchsten Führung des Abends. Auch wenn danach offensiv keine Highlights mehr folgten blieb er immer präsent und wurde durch einen Steal in der Crunchtime belohnt.Nach dem Spiel zeigte sich eine Stärke des US-Amerikaners, er kam zu Marco Völler und freute sich sichtlich mit dem Mann, der den Sieg mit seinen fünf Punkten einleitete.

Marco Völler zündet die Rakete

Dass Gießen gegen Jena immer wieder ein brisantes Duell war ist anhand der Partien der letzten vier Jahre bereits klar. Doch noch mehr Rivalität besteht natürlich in einem Derby. Reichlich Derbyerfahrung bringt Gießens Big-Man Marco Völler mit, denn schließlich war der gebürtige Offenbacher die vergangenen beiden Jahre in Gotha unter Vertrag. Gotha gegen Jena, das war in diesen beiden Jahren das Derby schlechthin in der ProA. Auch hier hatten Völlers Oettinger Rockets das Vergnügen im Playoff-Viertelfinale gegen Jena zu spielen. 2014/15, als Gießen den Wiederaufstieg schaffte, standen sich die Thüringer gegenüber. Jena ging mit dem Heimvorteil als Vierter in die Serie und Gotha konnte sich direkt das erste Spiel der Serie auswärts sichern. Damals mit einem Dreier bei drei Versuchen dabei: Marco Völler.

Jetzt in der BBL war Völler durch den Ausfall von Benjamin Lischka mehr gefordert denn je in dieser Saison. Ausgerechnet in Jena. Für Völler lief das Spiel erstmal nicht besonders gut. In der Zeit als der 28-Jährige zusammen mit Maurice Pluskota auf dem Feld stand kam Jena zum 19:1-Lauf. Dabei hatte Völler zwei freie Dreier auf der Hand, die beide danebengingen. Da sich auch Dwayne Evans als zweiter Spieler für die Power Forward-Position in Foultrouble befand, musste Völler weiter ran und nach Evans fünftem Foul auch in der Crunchtime.

Es waren Sekunden, die sich wie Stunden anfühlten: Völler bekommt den Ball an der Dreierlinie, lässt Clay mit einer einfachen Wurftäuschung stehen und geht frei zum Korb. Aus 67:67 wird 2:55 Minuten vor dem Ende 67:69. Defensiv erkämpft sich der 1,99m-Mann den Ball und wird im nächsten Angriff von Cameron Wells in der linken Ecke bedient. Die ersten beiden Dreier waren nicht gefallen, ohne Zögern nimmt er den dritten und er sitzt! Wie im ersten Viertelfinale 2015 einen von drei Dreiern getroffen, wie vor zwei Jahren in Jena einen wichtigen Sieg gefeiert.

Skyler Bowlin und Marco Völler | Science City Jena - GIESSEN 46ers

basketball.de: Ist es für dich ein besonderes Spiel als ehemaliger Gothaer hier in Jena?

Marco Völler: „Es ist schwer zu beantworten, es ist ja ein ziemlich gewohntes Umfeld für mich. Mit Gotha haben wir gefühlt zehnmal hier gespielt. Die Playoffsserie und die zwei Saisons, ich war also schon oft hier. Und die Stimmung war da schon immer gut. Jenas Mannschaft hat es heute ja nochmal spannend gemacht am Ende, obwohl wir hoch geführt haben. Für mich persönlich war es ein glückliches Ende, hab nicht so gut angefangen. Aber insgesamt war es ein schönes Spiel.“

Geht einem da irgendwas durch den Kopf, wenn die ersten beiden Dreier knapp danebengehen und du den Ball gegen Oli Clay wieder in der Position bekommst?

„Nein, nicht vorher. Das sind einfach Reaktionen auf dem Feld. Ich habe gemerkt, dass er ziemlich schnell und aggressiv rauskommt, hab den Shotfake gemacht und war vorbei. Da habe ich nicht groß nachdenken können. Beim zweiten Dreier aus der Ecke auch, da habe ich den Ball bekommen und wusste weit und breit keiner da. Da musste ich werfen, Punkt aus.“

Thomas Scrubb fehlt schon lange, heute war Benjamin Lischka krankheitsbedingt nicht dabei. Ihr seid relativ wenige auf den großen Positionen. War das ein größeres Problem für euch, gerade da Dwayne Evans und du auch Foultrouble hatten?

„Benni hat uns heute schon ein bisschen gefehlt, da Dwayne und ich mit vier Fouls dann spielen mussten. Aber mit einem Sieg beschwert sich da am Ende niemand drüber.“ (lacht)

Das heute war ein wichtiges Spiel im Rennen um die Playoffs, Jena habt ihr erstmal hinter euch gelassen. Wie optimistisch geht ihr jetzt in den Kampf gegen Ludwigsburg?

„Den direkten Vergleich gegen Ludwigsburg haben wir ja leider schon verloren. Daher wird es schwierig und wir müssen immer etwas schauen, was sie machen. Wir müssen weiter unsere Spiele gewinnen, die wir gewinnen müssen. Wir haben dann auch ein paar schwere Spiele, gerade auswärts. Wie viele wir da holen können weiß ich nicht, aber jetzt erstmal die Spiele gewinnen, die wie gewinnen müssen. Und mit einem Auge schauen wir dann immer nach Ludwigsburg und auch noch auf Jena, da haben wir zwar jetzt den direkten Vergleich aber auch noch keinen beruhigenden Vorsprung. Einfach von Spiel zu Spiel schauen wie es läuft.“

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