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Chronologie eines Karriereabends

12.12.2017 || 13:33 Uhr von:
Isaac Bonga stellte beim Frankfurter Blowout-Sieg gegen Bremerhaven drei neue Career-Highs auf. Wie gelang dem 18-Jährigen das? Und was lässt sich daraus schlussfolgern?

Der 9. Dezember 2017 wird in Isaac Bongas noch jungen Basketballkarriere skyline-blau markiert werden. Beim 95:69-Heimerfolg der FRAPORT SKYLINERS gegen die Eisbären Bremerhaven erzielte das 18-jährige Nachwuchstalent gleich drei neue BBL-Karrierebestwerte: 16 Punkte, acht verwandelte Freiwürfe (bei ebenso vielen Versuchen) und 28 Minuten. Mit fünf Rebounds, zwei Steals und zwei Blocks stellte der Guard zudem drei persönliche Career-Highs ein. Eine Chronologie seines Karriereabends.

Erste Einsatzperiode (1st, 4:42 bis 2nd, 8:40): Point Forward

Bonga kam Mitte des ersten Viertels bei einer Drei-Punkte-Führung auf das Feld und verließ es Anfang des zweiten Durchgangs mit einem Sechs-Punkte-Vorsprung. Die Frankfurter fanden dabei früh ihren Offensivrhythmus, was sie vor allem durch ihr Pick-and-Roll-Spiel bewerkstelligten. Immer wieder fanden sie nach dem Two-Man-Game die Schützen auf der Weakside – oder die Cutter nach dem ersten Pass auf die Abroller, wie Bonga kurz nach seiner Einwechslung.

Bremerhaven trappt das Pick-and-Roll Frankfurts mit Phil Scrubb als Ballhandler. Blocksteller Marco Völler rollt in die Mitte ab …

… und erhält an der Freiwurflinie den Ball. Bongas Verteidiger Jordan Hulls hilft aus, Bonga erkennt die Situation früh und cuttet schon vor Völlers Ballerhalt die Baseline entlang. Nach einem Fake trifft er den einfachen Layup.

Nicht nur in dieser Aktion agiert Bonga ballabseits. Mit Ballhandlern wie Tai Webster oder Scrubb und eine mit Blick auf die großen Positionen dünnen Rotation spielt Bonga in dieser Saison häufig auf der Drei – gegen Bremerhaven sogar auf Vier. Dort stand für ihn meist das Matchup gegen Fabian Bleck an, der seinerseits eigentlich eine Position tiefer spielt.

Bonga kommt defensiv seine Größe von 2,05 Metern sowie seine Armspannweite zugute. Zudem hat der 18-Jährige in dieser Saison immer wieder gezeigt, dass er auch in der Post-Defense gegen deutliche schwerere Gegenspieler bestehen kann.

Eine Minute vor Ende des ersten Viertels machte Bonga sogar als Ringbeschützer auf sich aufmerksam. Erst blockte Bonga den 2,13-Meter-Mann Geoffrey Groselle, im Anschluss erzwang er den Fehlwurf des Eisbären-Centers. Schließlich riss er Bleck nach dessen Offensiv-Rebound den Ball aus den Händen und sicherte seinem Team den Ballbesitz.

Bongas Spiel eignet sich gut, um die Entwicklung des postmodernen Basketballs zu thematisieren. Das traditionelle Positionsdenken scheint überholt, offensiv wird mittlerweile gerne von drei Rollen gesprochen: Ballhandler, Flügelspieler und Big Men. Bonga ist mit seinen Fertigkeiten sicherlich Ersteres, auch wenn er immer wieder ballabseits eingesetzt wird. Mehr in der Verteidigung lassen sich die traditionellen Positionen vielleicht aufrechterhalten. Dadurch, dass Bonga häufig auch gegnerische Dreier verteidigt, könnte man getrost von ihm als Small Forward sprechen.

Oder vielleicht sogar vom sogenannten „Point Forward“. Für gewöhnlich fällt diese Bezeichnung Forwards zu, die dank ihrer Offensiv- und Spielmacherqualitäten die Aufgaben eines Point Guards übernehmen. Doch vielleicht sollte man diese Bezeichnung gerade mit Blick auf die Verteidigung bzw. auf beide Seiten des Parketts verwenden.

Zweite Einsatzperiode (2nd, 3:13 bis 2nd, 0:00): erster Dreier fällt

Bonga agiert offensiv häufig ballabseits. Was hierbei wichtig ist? Dass der Dreier fällt. Nach zuletzt fünf Fehlwürfen von außen in Folge netzte Bonga seinen ersten Dreier ein. Bei 2:20 Minuten vor der Halbzeit traf der 18-Jährige aus der Ecke zur 17-Punkte-Führung. Der Wurf aus der Ecke kommt nicht von ungefähr. Nicht nur fühlt sich Bonga in diesem Bereich wohl, der Abschluss aus den Ecken ist auch systembedingt.

„In unserem System ist es so, dass man in der Ecke oft einen Dreier bekommt. Natürlich arbeiten wir an solchen Würfen im Training ziemlich oft. Deswegen kann man sagen, dass der zu meinen Lieblingswürfen gehört – aber im Endeffekt muss man von überall werfen können“, erklärte Bonga im vergangenen basketball.de-Podcast.

Auch sein zweiter Dreier des Spiels fiel, ebenfalls aus der Ecke. Man merkt Bonga deutlich an, wie sehr er im Sommer an seinem Wurf gearbeitet hat. Seine Wurfbewegung ist flüssiger und:

„Wenn ich einen Jumpshot genommen habe, bin ich immer ein bisschen nach links gesprungen. Jetzt versuche ich, mein Gewicht ein bisschen mehr auf dem rechten Bein zu haben. Damit ich in einer Linie – wie Klaus es immer sagt – springe und ich wieder lande“, erklärte Bonga im Podcast die Detailarbeit an seinem Wurf. Nach dem Spiel gegen die Eisbären weist Bonga eine überdurchschnittliche Quote von 43,8 Prozent von Downtown auf (wenn auch „nur“ bei 1,3 Versuchen pro Spiel).

Was im Video zuvor am Anfang noch zu erkennen ist: Bonga musste erst von Tai Webster in die Ecke geschickt werden. Das ist die Herausforderung, wenn Bonga auch in der Offensive auf der Vier spielen muss. Er muss sich mit neuen Laufwegen beschäftigen und noch mehr in eine Rolle schlüpfen, die eigentlich nicht der eines Ballhandlers entspricht. Vielleicht tauschten in der zweiten Hälfte auch deshalb Quantez Robertson und Bonga die Rollen: Dort agierte Tez häufig auf der Vier.

Dritte Einsatzperiode (3rd, 9:04 bis 4th, 0:00): freischwimmen

Und so schlüpfte Bonga in seiner dritten Einsatzperiode wieder häufig in die Rolle des Ballhandlers. Dabei spielte der Guard die kompletten letzten 19 Minuten durch! Frankfurts Coach Gordon Herbert schien den nahenden Blowout zu nutzen, Bonga viele Spielanteile zu geben – mit denen sich das Nachwuchstalent freischwimmen konnte.

Bonga war häufiger in Ballbesitz und durfte Aktionen forcieren – wie unter anderem mit einem guten Anspiel aus dem Pick-and-Roll auf den Abroller Völler. In folgendem Video ist ersichtlich, wie sehr Bonga dessen Größe auch offensiv hilft: Er hat keine Probleme, seinen Mitspieler zu sehen und den Pass über die zwei Verteidiger anzubringen.

Stark agiert Bonga hierbei auch mit seiner Verzögerung: Dadurch bindet er den verteidigenden Big Man Groselle und verhindert, dass dieser entweder switcht oder sofort zu Völler zurückrotiert.

Die lange Einsatzzeit in der zweiten Hälfte nutzte Bonga schließlich, um sein Career-High auf 16 Punkte aufzustocken. Das gelang ihm unter anderem durch seine Verteidigung: Zweimal hatte er seine langen Arme dazwischen, als ein Bremerhavener Ballhandler über die Spielfeldmitte ziehen wollte. Zweimal wurde Bonga nach seinem Steal und Antritt gefoult, zwei unsportliche Fouls waren die Folge.

Und an der Linie gab sich der Guard keine Blöße: jeden seiner acht Freiwürfe netzte er ein, womit er über die Saison bei einer grandiosen Quote von 96,6 Prozent steht. Kein Spieler in der Liga mit so vielen Versuchen (29) trifft bisher besser! Dabei hat es sich Bonga angewöhnt, vor dem Freiwurf den Ball einmal um seinen Körper zu bewegen und danach drei Dribblings zu nehmen.

„Das habe ich mir im Sommer angewöhnt: einmal mit dem kurz Ball drehen, drei Dribblings. Das ist einfach eine gute Routine für mich“, schneidet Bonga seinen Fokus an der Linie an.

Ausblick

Fokus ist ein gutes Stichwort. Bongas Karriereabend beschreibt vor allem seine Offensivleistung, in der Verteidigung leistete er sich ab und an Unkonzentriertheiten. Ende des zweiten Viertels ließ er aus dem Einwurf und nach einem Block Tre Bussey zum Floater gehen; in der zweiten Hälfte war Bonga bei Cuts von Fabian Bleck nicht aufmerksam. Und einen seiner drei Ballverluste leistete sich Bonga, als er im Fastbreak den Ball hinter seinem Rücken spielen wollte – das aber bei einer 25-Punkte-Führung knapp sechs Minuten vor Schluss nach zuvor guter Verteidigung.

Einen Ballverlust beging Bonga beim Antritt aus dem Catch-and-Drive – das typische einen Schritt zurückmachen und Treten auf die Seitenauslinie. Im Catch-and-Drive agierte Bonga aber gut – so zog er ein Foul oder fand Scrubb per Kickout für einen offenen Eckendreier. Und Anfang des zweiten Durchgangs ging Bonga aus dem Pick-and-Roll mit einer Aggressivität zum Korb, die man sich mitunter noch häufiger von ihm wünscht – was aber sicherlich am System Frankfurts liegt, das im Halbfeld sehr auf das Durchlaufen der Spielzüge bedacht ist.

Nichtsdestotrotz: Das Spiel gegen Bremerhaven hat gezeigt, dass Bonga in der Offensive ballabseits eine gute Figur macht und Option sein kann. Und in der Verteidigung ist er dank seiner Größe ein sehr variabler Spieler – gegen die Eisbären verteidigte er von Hulls über Bussey hin zu David Brembly und Fabian Bleck bis zu Carl Baptiste fast jeden Spieler, und das teilweise sehr stark. Dabei ist Bonga, und das man sich bei jeder Analyse über sein Spiel in der BBL immer noch vor Augen führen, erst 18. Es werden sicherlich noch einige Karriereabende dazukommen. Strahlendblau gefärbt ist die Skyline.

Chronologie eines Karriereabends
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