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„Der FC Bayern würde auch in der ACB oben mitspielen“

12.04.2016 || 21:01 Uhr von:
Nationalspieler Robin Benzing spricht im Exklusiv-Interview über seine erste Saison in Spanien, seine Erfahrungen und Ziele in Saragossa und Vergleiche zwischen ACB und BBL.

basketball.de: Kurz vor dem Saisonende sei die Frage schon erlaubt: Wie lautet dein Fazit nach deinem ersten Jahr in Spanien?

Robin Benzing: Bei uns ist die Saison noch ziemlich spannend. Es war eine sehr holprige Saison mit vielen Höhen und Tiefen. Wir hatten viele Probleme: schlechter Saisonstart, Trainerwechsel, Spieler wurden ausgetauscht. Es ist viel passiert. Auf jeden Fall war es eine neue Erfahrung für mich. Wir waren im Eurocup sehr erfolgreich, weil wir mit dem Erreichen des Achtelfinals Historisches für den Club geschaffen haben. So weit war noch nie eine Mannschaft aus Saragossa gekommen. In der ACB lief es dafür nicht so gut, deswegen kann man die Saison gut mit einer Achterbahnfahrt vergleichen. Wichtig für den Rest der Saison ist es, noch ein paar Siege einzufahren, um nicht abzusteigen.

In der ACB konnte Saragossa nur zwei der ersten zehn Spiele gewinnen. Im Eurocup lief es deutlich besser. Woran lag das?

Das ist eine gute Frage. Die Qualität in der ACB ist unglaublich hoch. Wir hatten auch im Eurocup eine starke Gruppe mit großen Gegnern. In der ACB kamen wir aber zu Saisonbeginn nie über den Berg. Wir hatten viele knappe Spiele, die wir unglücklich verloren haben. Es fehlte uns auch an Konstanz. Das war auch mehrere Male ein Quäntchen Pech dabei. Im Eurocup hatten wir die knappe Spiele hingegen gewonnen.

Saragossa wird die Saison voraussichtlich im sogenannten Niemandsland der Tabelle beenden. In den letzten vier Jahren hast du bei den Bayern immer in den Playoffs gespielt. Wie ist es für dich, wenn die Saison nun im April schon vorbei ist?

Es wird eine neue Erfahrung für mich. Sowas habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Ich denke, man sollte trotzdem die positiven Sachen herausziehen. Natürlich bin ich enttäuscht, dass wir nicht in den Playoffs spielen. Keine Frage. Aber man sollte auch die positiven Seiten sehen und sich sagen: Man hat etwas mehr Zeit zum Abschalten und zur Regeneration, bevor es im Sommer wieder zur Nationalmannschaft geht. In den letzten Jahren war der Zeitplan immer sehr eng gestrickt, da war nicht viel Zeit zum Erholen. Die Situation ist so, wie sie ist. Man muss das Beste daraus machen und die positiven Dinge hervorziehen.

Bist du in Saragossa angekommen? Fühlst du dich wohl in Spanien?

Ja, ich bin angekommen. Ich fühle mich sehr wohl in Spanien. Auch wenn die Saison sehr holprig war, bin ich sehr froh, dass ich diese Entscheidung getroffen habe. Mir gefällt die Liga und wie es hier in Spanien abläuft. Ich spiele auch immer besser, es gefällt mir in Spanien sehr gut.

Die ACB ist bekanntlich das Nonplusultra der Ligen in Europa. Wo würdest du Saragossa in der Beko BBL einordnen?

(lacht). Solche Vergleiche sind immer schwer. Die Beko BBL ist im Kommen und hat sich in den vergangenen Jahren sehr stark entwickelt. Trotzdem hat die ACB noch einige Schritte voraus. Vor allem die Teams in der unteren Tabellenhälfte spielen sehr starken Basketball. Bei unseren anfänglichen Problemen würde Saragossa wohl auch in der Beko BBL im Niemandsland spielen. Wenn es in der Beko BBL nicht gut läuft, wird man auch durchgereicht in der Tabelle. Saragossa ist jedoch ein Team, das um die Playoffs mitspielen will. Wenn es normal laufen würde, würden wir auch in der Beko BBL um die Playoffs kämpfen.

Drehen wir den Spieß mal um: Der FC Bayern Basketball in der ACB, wo würdest du sie einordnen?

Der FC Bayern wäre auch in der ACB eine Mannschaft, die oben mitspielen würde. In der ACB gibt es mit Madrid, Malaga, Barcelona, Baskonia und Valencia viele sehr gute Teams, die um die Spitze mitspielen. In Deutschland ist es derzeit so, dass Bamberg und Bayern etwas enteilen. Berlin ist immer dran. Dann folgen die Vereine, die auch einen guten Job machen, wie Oldenburg und Ulm. Diese Clubs versuchen hinterherzukommen und auf Bamberg und Bayern aufzuschließen. Ich glaube, dass in der ACB mehr Teams vom Niveau der Bamberger und Bayern sind.

Pflegst du noch Kontakte in die Beko BBL?

Ich habe weiterhin Kontakt zu Spielern. Man tauscht sich aus und ist auf dem Laufenden. Ich verfolge auch die deutsche Liga, habe dort noch viele Freunde und will immer wissen, wie sie spielen. Da bin ich immer up-to-date.

Sprichst du auch mit deinem Teamkollegen Nate Linhart, der ja auch jahrelang in der Beko BBL gespielt hat, über Deutschland?

Ja, selbstverständlich. Er ist ein sehr guter Freund von mir. Wir kennen uns ja schon seit der Zeit, als wir in Trier gegeneinander gespielt haben. Wir haben den gleichen Agenten und verbringen viel Zeit in Saragossa zusammen.

Basketballspanisch hast du mittlerweile drauf, wie sehen deine Spanischkenntnisse allgemein aus?

Die spanische Basketballsprache ist nicht so schwer und auch im Alltag kann ich mich verständigen. Je länger man hier ist, desto einfacher wird es. Zwischendurch lerne ich auch Spanisch. Ich kann es nicht perfekt sprechen, und nach der Saison wird das auch noch nicht der Fall sein. Am Wichtigsten ist es aber, dass man gut vorankommt und sich zurechtfindet.

Hast du die Entscheidung, nach Spanien zu gehen, in irgendeiner Weise bereut?

Nein, in gar keiner Weise. Auch wenn die Saison wirklich etwas hoch- und runterging und auch meine Leistung nicht konstant genug war, habe ich es auf keinen Fall bereut. Ich bin froh, dass ich den Schritt gemacht habe. Egal wie die Saison ausgeht, es ist eine wichtige Erfahrung für mich. Das hatte ich in meiner Karriere noch nicht. Auch die Auslandserfahrung ist enorm wichtig.

Kannst du deine Rolle im Team zu Saisonbeginn mit deiner jetzigen etwas umschreiben?

Unter dem ersten Trainer sollte ich schon Verantwortung übernehmen. Das klappte zu Beginn aber noch nicht so ganz. Es fehlte etwas an Vertrauen. Das ist mit dem neuen Trainer viel besser geworden. Er will, dass ich viel Verantwortung übernehme. Er nutzt mich dort, wo ich meine Stärken auf dem Feld habe und versucht, meine Schwächen zu verstecken. Das klappt immer besser. Es ist wichtig, dass ich Verantwortung übernehme, um die Mannschaft in den wichtigen Spielen zu führen.

Du hast einen Zweijahresvertrag bei ZAI Saragossa. Wie sehen die Ziele im nächsten Jahr aus?

Im nächsten Jahr wollen wir die Playoff-Plätze angreifen. Da brauchen wir nicht drum herum reden. Wir wissen, dass die aktuelle Saison enttäuschend war. Umso motivierter müssen wir nächstes Jahr zurückkommen und angreifen, um die Playoffs zu schaffen. Das ist das erklärte Ziel.

Wie sieht das Finale 2016 in der Beko BBL aus?

Ich sehe Bamberg im Finale, weil sie auf dem ersten Platz bleiben und den Heimvorteil bis zum Ende behalten. Mein Tipp: Bamberg gegen den FC Bayern. Die Münchner müssen aber den zweiten Platz halten. Dahinter lauern die Oldenburger als Geheimfavorit, die lassen grad keine Federn. Auch mit Berlin ist immer zu rechnen. Über eine Fünferserie haben Bamberg und die Bayern den längeren Atem. Das wird aus meiner Sicht auch das Finale sein.

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