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Stuckey: „Ich will wieder mehr den Korb attackieren“

11.12.2017 || 15:26 Uhr von:
Maurice Stuckey hat im Sommer sein Spiel verändert und sich zu einem der besten deutschen Flügelspielern entwickelt. Im Interview spricht der 27-Jährige über die Würzburger Saison, Neuzugang Robin Benzing und seine Länderspielabsage.

Nach einer enttäuschenden Saison 2016/17 ist s.Oliver Würzburg wieder in den Kreis der Playoff-Anwärter zurückgekehrt. Großen Anteil daran trägt auch Maurice „Moe“ Stuckey. Der Publikumsliebling legt in dieser Spielzeit bislang persönliche Bestwerte bei den Punkten, verwandelten Dreiern, Rebounds und Assists auf. Der Flügelspieler hat sein Spiel umgestellt und sich dadurch sogar für die Nationalmannschaft empfohlen. In der Länderspielpause sprachen wir mit dem 27-Jährigen unter anderem über den bisherigen Saisonverlauf, Robin Benzing und seine Absage für die WM-Qualifikationsspiele.

basketball.de: Hallo Maurice, wie beurteilst du den bisherigen Saisonverlauf? Nach einem starken Saisonstart musstet ihr einige knappe Niederlagen hinnehmen, obwohl ihr meistens ordentlich gespielt habt. Seid ihr zufrieden mit dem ersten Saisondrittel?

Maurice Stuckey: Mit den fünf Siegen zu Beginn waren wir natürlich zufrieden. Die Niederlagen waren aber aus unserer Sicht unnötig. Vor allem die gegen Mannschaften, gegen die wir eigentlich gewinnen müssen, also Göttingen, Braunschweig, auch Bonn zuletzt, die ein direkter Konkurrent um die Playoff-Plätze sind. Natürlich waren die Niederlagen knapp, aber wir haben in diesen Partien auch nicht so gespielt wie in denen davor. Wir müssen einfach schauen, dass wir in jedem Spiel den gleichen Fokus beibehalten.

Auch in den nächsten Wochen warten viele direkte Konkurrenten auf euch. Was müsst ihr wieder besser machen, um diese Spiele zu gewinnen?

Wir müssen einfach über 40 Minuten mit viel Intensität spielen, über die Verteidigung ins Spiel kommen, offensiv den Ball bewegen und als Team zusammenspielen. Die kommenden Spiele sind extrem wichtig. Unser Ziel ist es, die Playoffs zu erreichen. Natürlich auch die Pokal-Qualifikation, für die man ja Sechster oder Siebter werden muss. Das wäre auf jeden Fall noch ein weiteres Ziel, das wir gerne erreichen würden. Wir sind ja im Moment auf Platz neun in der Tabelle. Wenn wir aus den nächsten Spielen ein paar Siege holen können, vor allem gegen die direkten Konkurrenten, dann können wir diese eventuell hinter uns lassen.

Ihr habt es vor dem Ligastart nicht geschafft, euch für den FIBA Europe Cup zu qualifizieren. Betrachtet ihr das im Nachhinein als Fluch oder Segen?

Das kann man so oder so sehen. Ich glaube, für Spieler ist es immer besser bzw. mehr gewollt, wenn man mehr Spiele hat. Wir hatten am Anfang der Saison einen relativ guten Rhythmus, auch weil in der BBL zwei Spiele pro Woche anstanden. Ich persönlich finde das angenehmer: Du bist im Rhythmus, du findest dich schneller als Team. Vor allem, wenn ein Team neu zusammengestellt ist wie unseres. Letztendlich hat es dann leider nicht geklappt mit der Qualifikation. Wir waren nah dran in Istanbul, das Spiel zu kippen. Die Differenz, die wir zu Hause zugelassen haben, war dann aber leider doch zu groß.

Ihr seid zuletzt in einigen Spielen schlecht gestartet und früh in Rückstand geraten. Ist das dem geringeren Wettkampfrhythmus geschuldet? Seht ihr euch diesbezüglich im Nachteil gegenüber Teams, die international spielen?

Ich weiß nicht, ob es unbedingt daran liegt. Vielleicht sind es auch andere Gründe, ich weiß es nicht. Coach macht da echt einen guten Job, uns immer wachzurütteln. Bei manchen Teams ist es die Phase nach der Halbzeit, in der sie einen Hänger drin haben, und bei uns ist es leider am Anfang. Bei den Spielen, die wir gewonnen haben, war es meistens so, dass wir gleich von Anfang an aufs Gaspedal getreten sind und mit 100 Prozent Intensität gespielt haben. Wir müssen schauen, dass wir jedes Spiel so angehen.

Wie seid ihr damit umgegangen, während der Länderspielpause zwei Wochen lang nicht zu spielen? Es ist ja sicherlich nicht einfach, die ganze Zeit nur zu trainieren?

Nein, das nicht. Deswegen hatten wir in der Zwischenzeit auch ein Testspiel gegen Jena unter Ausschluss der Öffentlichkeit, um dadurch in Form zu kommen und im Spielrhythmus zu bleiben. Wenn du dann die ganze Zeit nur für dich selber trainierst und zwei Wochen lang nur gegeneinander spielst, ist das natürlich auch anstrengend. Du willst auch einen Wettbewerb haben, und den hatten wir dort.

Wir haben aber im Training an einzelnen Dingen noch einmal feilen können. Es ist natürlich schwer, das als gesamtes Team zu machen, weil zum Beispiel Robin [Benzing] nicht da war. E.J. [Singler] ist gerade erst dazugekommen. Nun müssen wir schauen, dass wir ihn so gut wie möglich in die ganzen Systeme integrieren. Und es ging auch darum, Vaughn [Diggins] weiter zu integrieren. Das hat auch im Test sehr gut geklappt.

Du spricht Singler an. Weißt du schon etwas über ihn?

Ich selbst kenne E.J. jetzt nicht so, muss ich ganz ehrlich sagen. Ich habe mich ein bisschen über ihn informiert und habe mir auch ein paar Sachen von ihm angesehen Er ist ein sehr guter Schütze. Als solcher wird er uns definitiv weiterhelfen.

„Robin wirft, Robin trifft. Alles ist gut.“

Beim Blick auf die Statistiken fällt auf, dass ihr sehr gut verteidigt und reboundet, aber nur selten den Fastbreak lauft. Ist das einfach die Vorgabe des Trainers, dass ihr kontrolliert spielen sollt?

Coach ist auf jeden Fall sehr dahinter, dass wir strukturierten Basketball spielen. Wir leisten uns auch nur knapp neun Turnover pro Spiel. Aber wir sollen auch schnell spielen, was wir eben noch besser umsetzen müssen. Wir müssen schauen, dass wir die Rebounds irgendwie in Fastbreak-Punkte verwandeln. Damit machen wir uns das Leben leichter. Das ist natürlich eine Sache, an der wir tagtäglich arbeiten, und da wird man sicherlich in den nächsten Wochen auch erste Erfolge sehen.

Auch in der Defense sollen wir einfach konzentrierte und konstante Eins-gegen-Eins- und Team-Verteidigung spielen, den Mann vor uns halten und keine wilden Sachen machen. Da ist aber noch Luft nach oben. Wir müssen noch an unserer Kommunikation arbeiten. Je länger du zusammen bist, desto besser harmonierter das Ganze. Es funktioniert jetzt schon gut, aber es gibt immer Verbesserungsbedarf.

Eure erste Offensiv-Option Robin Benzing wurde erst kurz vor Saisonstart verpflichtet. Er nimmt im Durchschnitt 13,8 Würfe pro Spiele, geht dazu mehrmals pro Spiel an die Freiwurflinie. Wie seid ihr als Mannschaft damit umgegangen, dass von heute auf morgen die Hierarchie und die Rollenverteilung auf den Kopf gestellt wurde?

Es ist schon anders, das stimmt. Aber wenn du einen so guten und effektiven Scorer wie Robin dazubekommst, dann schaust du einfach, dass du trotzdem teamorientiert spielst. Da müssen sich dann Andere im Sinne des Teams zurücknehmen und das ist auch vollkommen in Ordnung. Es hat sich bis jetzt keiner beschwert, zumindest habe ich nichts dergleichen gehört. Und wie gesagt: Robin wirft, Robin trifft. Alles ist gut. (lacht)

Wie habt ihr die neue Situation taktisch gelöst: Habt ihr für Robin neue Systeme einstudiert oder ihn komplett in das vorhandene integriert?

Beides. Es ist klar, dass wenn du so eine Offensiv-Waffe wie Robin hast, dass du auch ein paar Sachen für ihn laufen musst, um ihn in eine Position zu bringen, wo er effektiv sein kann. Aber unsere alten Sachen haben wir natürlich behalten, und er hat sich auch gut integriert.

Kannst du Beispiele dafür nennen, was ihr neu installiert habt?

Das ist schwierig zu sagen. Da möchte ich jetzt natürlich nicht allzu viel verraten. Aber Robin ist so vielseitig. Ob du ihn jetzt isolierst von der Birne oder ob du ihn, wenn er einen kleineren Verteidiger hat, in den Post schickst. Solche Plays gibt es. Oder wenn es ein Turnout-Screen ist, der ihm dann auf der Verlängerung der Freiwurflinie einen Dreipunktewurf beschert. Man kann ihn sehr vielseitig einsetzen, und da haben wir eben diverse Plays, die wir dafür nutzen.

Kommen wir nun zu dir persönlich und deinem veränderten Spielstil. Du nimmst deutlich weniger Dreipunktewürfe und ziehst häufiger zum Korb. Zudem hast du bereits jetzt häufiger an der Freiwurflinie gestanden als in der Vorsaison. Hast du gezielt daran gearbeitet oder ist das systembedingt?

Das ist etwas, was ich mir schon gegen Ende der letzten Saison zu Herzen genommen hatte. Ich habe da mal meine Freiwurfstatistik gesehen. Ich hatte vor dem letzten Saisonspiel nur sieben Freiwürfe über die Saison. In der letzten Partie waren es dann deren sechs. Früher lag meine eigentliche Stärke immer darin, zum Korb zu gehen und meine Schnelligkeit auszunutzen. Ich weiß auch nicht, warum ich in den letzten zwei Jahren so Dreier-lastig geworden bin. Natürlich eröffnet mir jetzt auch das System Möglichkeiten, indem wir den Ball gut bewegen und dadurch Lücken reißen.

Ich habe im Sommer viel mit [Co-Trainer] Stephen Arigbabu an meinem Drive gearbeitet, um ans Brett zu kommen und zu finishen. Auch an meiner Explosivität. Ich habe ihm gesagt, dass ich in der neuen Saison wieder mehr den Korb attackieren will. Da haben wir dann diverse Drills gemacht, in denen es darum ging, gegen Kontakt abzuschließen. Da hatte Stephen dann ein dickes Pad in der Hand und hat mir immer schön eine mitgegeben auf dem Weg zum Korb. Dadurch lernst du, mit dem Kontakt umzugehen, und das hilft dir natürlich auch im Spiel.

Der Zug zum Korb ist einfach etwas, was ich jetzt beherzter mache. Und dadurch, dass ich die letzten zwei Jahre viel geworfen habe, kommen die Gegenspieler natürlich näher raus. Das erlaubt es mir jetzt, einfach vorbeizugehen.

„Die Nationalmannschaft ist kein gegessenes Thema.“

Welche Entwicklung können wir noch von dir erwarten? Siehst du noch Potenziale in deinem Spiel?

Natürlich möchte ich mein Potenzial voll ausschöpfen. Ich habe das Gefühl, dass ich anfange, das Spiel besser zu lesen, und dass ich einfach ein bisschen erfahrener geworden bin. Es gibt aber meiner Meinung nach immer noch viele Bereiche mit Verbesserungsbedarf. Der Wurf kann sich noch stabilisieren. Nicht, dass ich ihn umstelle, aber vielleicht ein paar Kleinigkeiten wie eine gewisse Fußstellung, ruhiger zu werden oder die Wurfauswahl. Auch beim Entscheidungsverhalten oder beim Ballhandling ist noch Luft nach oben.

Vor den Spielen fällt mir auf, dass die Halle bei eurem Einlauf immer am lautesten ist, wenn dein Name aufgerufen wird. Wie viel bedeutet es dir, Publikumsliebling zu sein?

Es ist auf jeden Fall eine schöne Sache. Ich bin ja jetzt auch schon lange da: Ich war zwei Jahre hier, dann ein Jahr in Oldenburg. Jetzt bin ich insgesamt das fünfte Jahre hier. Und ich habe auch mit dem Verein schon fast alles mitgemacht: Beim Aufstieg war ich nicht dabei, aber Abstieg, Playoffs, dann mal hier wieder eine schwierige Saison. Für mich ist es eine schöne Sache, ein Vorbild zu sein. Und wenn es den Leuten Freude bereitet, ob die Spielweise oder man selber, dann ist das natürlich schön.

Du hast im vergangenen Sommer um zwei Jahre verlängert und gesagt, dass du dich „sehr wohl“ und „schon fast heimisch“ fühlst. Wie wichtig war dieser Faktor und wie wichtig die sportliche Perspektive?

Es ist beides wichtig. Wenn man sich nicht wohlfühlt, kann man meiner Meinung nach keine Leistung bringen bzw. nicht die Leistung, die man gerne bringen will. Natürlich willst du aber auch bei einem Verein spielen, der hohe Ambitionen hat. Das ist in Würzburg definitiv der Fall. Wir wollen generell international spielen, was diese Saison jetzt leider nicht geklappt hat, aber dann hoffentlich eben mit einem ordentlichen Tabellenplatz im nächsten Jahr. Auch darauf legt man Wert. Und der Coach natürlich. Ich habe mich mit ihm zusammengesetzt am Ende der Saison. Er hat mir seine Ziele gesagt, was er so plant, und das hat sich sehr gut angehört.

Zuletzt wurde über deine Länderspielabsage für die WM-Qualifikation berichtet. Was waren deine Gründe für die Absage?

Es ist schwierig. Das sind einfach persönliche Gründe, die ich gerne so belassen würde, weil ich da jetzt nicht irgendwas aufreißen will oder sonst irgendwas. Ich habe darüber mit Henrik [Rödl] geredet. Wir beide sind da auf einen Punkt gekommen, und das war dann auch ok so. Ich habe mich auch mit Dirk [Bauermann] zusammengesetzt, und er hat das mehr oder weniger akzeptiert. Auch mit Robin [Benzing] und meinem Agenten habe ich mich darüber unterhalten.

Es ist einfach so, dass ich dieses Jahr entschieden habe abzusagen. Ich war in den letzten Jahren schon mal beim Training dabei. Natürlich hat es auch ein bisschen damit zu tun, dass ich derzeit selber ein paar Sachen habe, die ich mit mir rumschleife. Zum Beispiel mit meiner rechten Schulter, die mich jetzt seit dem Spiel in Jena plagt. Aber das ist nicht der Hauptgrund. Es ist einfach so, dass ich gesagt habe, dass ich es dieses Jahr nicht mache.

Das bedeutet also, dass das Kapitel Nationalmannschaft für dich nicht abgeschlossen ist?

Nein, das nicht. Natürlich weiß ich nicht, wie der Sympathiefaktor jetzt ist, nachdem ich abgesagt habe. Das müssen dann die Trainer und Verantwortlichen entscheiden. Das ist für mich natürlich kein gegessenes Thema. Es war einfach zu dem jetzigen Zeitpunkt so, dass ich einfach gesagt habe, dass ich das nicht mache. Aber wie gesagt: Man weiß ja nie, wie das aufgenommen wird. Ich habe ja schon in der Vergangenheit bei etlichen Spielern gesehen, die abgesagt haben, wo das nicht so erfreulich aufgenommen worden ist. Da muss man schauen, was in der Zukunft passiert.

Stuckey: „Ich will wieder mehr den Korb attackieren“
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