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Tübingen tankt

15.03.2018 || 15:06 Uhr von:
Bei nur einem Sieg für die WALTER Tigers Tübingen in dieser Saison, überraschenden Rotationen und einer ausbleibenden Nachverpflichtung kommt bei Jonathan Schmidt der Eindruck auf, dass in Schwaben getankt wird.

Tübingen tankt. Nein, keinen Diesel, denn in der Universitätsstadt könnten nach einem Bericht des Schwäbischen Tagblatts auch Dieselfahrverbote drohen. Auch kein Super-Benzin, denn super passt zum Basketball der Tigers aktuell einfach nicht. Die WALTER Tigers gehen dem vor allem aus dem US-Sport bekannten Tanking nach.

Tanking ist außerhalb der US-Sportwelt kaum verbreitet. Das absichtliche Verlieren klappt eben in den Ligen ohne Abstieg am besten, wenn man dafür dann tolle Draft-Picks bekommt. Während es in der deutschen Eishockey-Liga, wo es keinen Auf- und Abstieg gibt, nur sinnlos ist, ist es im europäischen Basketball eigentlich totaler Blödsinn. Wer will schon freiwillig verlieren und dann auch noch mit dem Abstieg bestraft werden?

Trotz dieser sich stellenden Sinnfrage, geben die WALTER Tigers seit einiger Zeit den Anschein, die Saison bereits abgeschenkt zu haben. Zuletzt kassierten sie zwölf Niederlagen in Folge, nur einen Sieg fuhren die Tübinger in der gesamten Saison ein. Bei den vergangenen Partien gab es immer wieder Spieler, die plötzlich nicht mehr in der Rotation standen. Oftmals war es Ryan Brooks, dann spielte Robert Zinn nach mehreren Spielen ohne Einsatz plötzlich mehr als Jared Jordan. Ob nun Hilflosigkeit oder Kalkül die Ursache war ist bei dieser Frage allerdings nicht ganz klar.

Tanking-verdächtig ist allerdings die Entlassung von Javon McCrea. Nach der Trennung von Kris Richard ist McCrea bereits der zweite Spieler, der mehr als zehn Punkte im Schnitt erzielte, aber Tübingen vorzeitig verließ. Ungeachtet der Geschichte zwischen ihm und Darius Carter ist die Situation unter dem Korb bei den Schwaben nun prekär. Eine Nachverpflichtung stellte bisher niemand in Aussicht.

Auch wenn die Chancen auf einen Klassenerhalt rechnerisch nicht sehr gut stehen, nachdem die Göttinger nun wieder Siege einfahren: Sollen die Tübinger Fans noch zehn Spiele sehen wie jenes am Samstag gegen Oldenburg? Keine Chance, keine Fortune und kein Spaß für niemanden. Auch wenn es finanziell sicherlich erstmal guttut, keinen neuen Center zu verpflichten – ob die Fans die Quittung in der kommenden Saison für das Tanking ausstellen, wird sich erst zeigen.

Tanken sie bewusst oder unbewusst? Es ist egal. Seien es die Tübinger Fans oder die BBL-Zuschauer, es ist eine unbefriedigende Situation für alle. Es gibt Situationen, Tübingens Coach Mathias Fischer kennt sie aus Gießen, die eine sieglose Rückrunde verständlich machen. Aber Tübingen ist nicht in Insolvenzgefahr oder ein Club, für den die BBL eine Nummer zu groß war als Neuling aus der ProA. Vielleicht kommt ja noch die kleine Trendwende und Tübingen spielt wieder um Siege mit. Irgendwo müsste der Tank wieder auf Super-Benzin umgeschaltet werden.

Tübingen tankt
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