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Oldenburg behält bei John Bryant-Show die Oberhand

28.01.2018 || 02:57 Uhr von:
John Bryant, GIESSEN 46ers
John Bryant gewinnt das Centerduell gegen Rasid Mahalbasic und stellt zugleich einen neuen BBL-Rekord für Effektivität auf. Doch am Ende gewinnt Oldenburg das actiongeladene Spiel bei den GIESSEN 46ers.

„Glückwunsch an Oldenburg, sie haben zurecht gewonnen. Aber sie haben sehr, sehr viel Glück gehabt. Aus einem Grund: Weil wir auf den kleinen Positionen noch zu unerfahren sind. Wenn wir erfahrener wären, hätten wir dieses Momentum aus der ersten Halbzeit, diesen Kick den wir hatten, in die zweite Halbzeit mitgenommen. Aus diesem Grund haben wir den Schalter in der zweiten Halbzeit nicht mehr umlegen können.“ Ingo Freyer hatte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel seiner GIESSEN 46ers gegen die EWE Baskets Oldenburg schon wieder zurück zur Sachlichkeit gefunden. Doch man merkte ihm noch an, dass er mit dieser 95:99-Niederlage absolut nicht einverstanden war.

Schon im ersten Viertel ging es hin und her. Gießen nahm 20 Würfe, Oldenburg 18, und beide Teams trafen jeweils etwas mehr als die Hälfte. Doch ein Mann drückte der Partie früh seinen Stempel auf: Gießens Center John Bryant. In den ersten 18 Saisonspielen hatte der zweifache MVP nur sieben seiner 45 Dreierversuche verwandelt. Im ersten Viertel gegen die Norddeutschen netzte er zwei Distanzwürfe ein und erzielte insgesamt 18 Punkte sowie zwei Rebounds. Seine 46ers leisteten sich allerdings fünf Ballverluste, und so gingen sie nur mit einer 26:23-Führung in den zweiten Spielabschnitt.

Oldenburg dreht das Spiel, John Bryant auf dem Weg zum Rekord

Dort wurde es etwas ruhiger um Gießens Anker unter dem Korb. Die 46ers-Offensive kam allerdings noch besser in Fahrt. Die anderen Spieler der Mittelhessen scorten Punkt um Punkt und erarbeiteten sich eine Führung. 30 Zähler schenkte der Tabellenelfte dem Tabellenfünften in den zehn Minuten vor der Halbzeit ein. Die Gäste kamen ihrerseits mit einem breit verteilten Scoring auf 21 Punkte. Vor allem von Downtown trafen die Gießener stark und gingen mit einem 56:44 in die Halbzeitpause. John Bryant kam nur zu einem weiteren Feldkorb, erhöhte seine Ausbeute nach 20 Minuten allerdings auf 24 Punkte und 6 Rebounds.

Wie Ingo Freyer nach dem Spiel analysierte, kamen seine Spieler nach dem Seitenwechsel nicht mit der selben Intensität und Konzentration aufs Parkett wie zu Spielbeginn. Keine fünf Minuten dauerte es, bis die Oldenburger den Ausgleich schafften. Mit ihrerseits mehr Aggressivität wiesen sie Gießen offensiv in die Schranken und setzten einen 16:4-Lauf.

Nach dem Ausgleich übernahm 46ers-Lokalmatador Benjamin Lischka das Heft des Handelns. Mit neun Punkten im dritten Viertel brachte er die Offensive wieder in Schwung. Bei den Niedersachsen setzte nun Rasid Mahalbasic den Ton und steuerte zehn der 32 Punkte der Baskets bei. Der Viertelstand von 78:76 versprach eine spannende Crunchtime. John Bryant hatte ein weiteres ruhiges Viertel und stand vor dem Schlussabschnitt bei 28 Punkten, 8 Rebounds und 3 Assists.

Eine spannende Crunchtime und ein neuer Fabel-Wert

In drei ihrer ersten vier Angriffe des letzten Viertels punkteten die Oldenburger, um so direkt die Führung übernehmen. Ein Dreier von Mickey McConnell sorgte 5:25 Minuten vor dem Ende für eine Führung mit fünf Punkten. Doch die Gastgeber blieben durch Bryant am Champions League Playoffs-Teilnehmer dran. Erst ein weiterer Korbleger des Gäste-Point Guards erhöhte die Führung 2:53 Minuten vor dem Ende auf sieben Punkte. Mahalbasic hatte kurze Zeit später sogar die Chance weiter zu erhöhen, doch ein Block von Lischka verhinderte dies.

Etwas mehr als eine Minute war noch zu spielen, als Mahalbasic sich beim Kampf um den Rebound verletzte und Isaiah Philmore für ihn auf das Parkett kam. Mit seinem Korbleger zum 88:97 schien der Big Man die Entscheidung gebracht zu haben. Doch ein Dreier von Dee Davis und vier Punkte von Lischka brachten Gießen wieder in Schlagdistanz. In der nun ohrenbetäubend lauten Osthalle schafften es die Oldenburger gegen großen Gießener Druck nicht zu einem guten Wurf und McConnell vergab aus der Halbdistanz. Center-Ersatz Philmore sicherte sich allerdings den Offensivrebound und verwandelte die anschließenden Freiwürfe zur 95:99-Entscheidung.

John Bryant (GIESSEN 46ers) und Rasid Mahalbasic (EWE Baskets Oldenburg)

Es war der 17. April 2004, als in Karlsruhe BBL-Geschichte geschrieben worden war. Denis Wucherer erzielte 37 Punkte, 13 Rebounds und 10 Assists, sein erstes von zwei Triple-Doubles in Folge. Die damit verbundene Effektivität von 48 war seitdem ein unangefochtener Meilenstein, die der spätere 46ers-Trainer setzte. Knapp 14 Jahre später und ein knappes Jahr, nachdem Wucherer seinen Abschied aus Gießen verkündete, ist der Rekord gefallen. Durch einen Spieler der GIESSEN 46ers. John Bryant ist der erste BBL-Spieler seit Einführung der digitalen Statistiken, der eine Efffektivität von 50 auf das Parkett bringt. 38 Punkte, 10 von 13 Zweier, 2 von 4 Dreier, 12 von 12 Freiwürfen, 4 Offensivrebounds, 10 Defensivrebounds, 3 Assists, 1 Steal, 3 Turnover, 2 Blocks, 2 Fouls und 8 gezogene Fouls ergeben diesen Fabelwert. Er brauchte dafür zwei Minuten weniger (37:08) als damals Wucherer (39:25). Die 38 Punkte waren auch die meisten Punkte von Bryant in seiner BBL-Karriere und die meisten von irgendeinem Spieler in der BBL-Saison 2017/18.

Gießen ist zu unerfahren, Oldenburg abgezockt

Rekorde sind das eine, Ergebnisse sind das andere. Auch die Fabelleistung von John Bryant in der Offensive konnte die Niederlage der 46ers nicht verhindern. Ein wichtiger Faktor war dabei Bryants direkter Gegenspieler Rasid Mahalbasic. Der Österreicher kam auf 26 Punkte, 9 Rebounds und 7 Assists und eine Effektivität von 39.

Beide Teams konnten sich an diesem Abend nicht auf ihre Distanzwürfe verlassen, doch Oldenburg versenkte im wichtigen letzten Viertel drei der sechs Versuche. Dort traf Gießen dagegen schlecht aus der Zweierdistanz (4/10) und landete am Ende trotzdem noch bei einer beachtlichen Quote von 65 Prozent. 17 Ballverluste, neun mehr als bei den Oldenburgern, machten den Gastgebern am Ende einen Strich durch die Rechnung.

Die Huntestädter rücken mit dem 12. Saisonsieg vorübergehend auf den fünften Platz der easyCredit BBL vor. Gießen steht mit neun Siegen und zehn Niederlagen weiterhin voll im Soll auf Platz 11. Während die 46ers nach 16 Tagen Pause bis zum Heimspiel gegen Bamberg am 4. März nur zwei Auswärtsspiele bestreiten, geht es für Oldenburg erstmal ohne Pause weiter. Bereits am Dienstag reist das Team von Mladen Drijencic nach Utena, der zehntgrößten Stadt Litauens. Nach dem Kampf um den zweiten Platz in ihrer Champions League-Gruppe geht es am kommenden Samstag mit dem Playoff-Kampf in der easyCredit BBL zuhause gegen die Telekom Baskets Bonn weiter. Der Oldenburger Erfolg bleibt als Faktor auf der Habenseite, doch die Leistung von John Bryant wird allen Anwesenden lange in Erinnerung bleiben.

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