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Fraport Skyliners – Vom Säen und Ernten

03.10.2013 || 10:38 Uhr von:
Basketball BL, FRAPORT SKYLINERS -   NECKAR RIESEN  LUDWIGSBURG
Mit der Rückkehr bekannter Gesichter und der konsequenten Weiterführung der Förderung junger deutscher Spieler haben die Fraport Skyliners in diesem Sommer die Weichen für eine überfällige Neuausrichtung gestellt. ...

Mit der Rückkehr bekannter Gesichter und der konsequenten Weiterführung der Förderung junger deutscher Spieler haben die Fraport Skyliners in diesem Sommer die Weichen für eine überfällige Neuausrichtung gestellt. Vorbei sind anscheinend die Zeiten der stetig wechselnden, austauschbaren Gesichter amerikanischer Spieler und der Vergabe von Kurzverträgen. Viele Fans in Frankfurt gehen zum ersten Mal seit Jahren zuversichtlich in die neue Saison. Ob die strukturelle und für das Umfeld perspektivisch wichtige Neuausrichtung auch kurzfristig sportlich Erfolg einbringen kann, ist auch kurz vor Saisonauftakt nur schwer zu beurteilen. Dennoch hat man bei den Skyliners die Weichen für die Zukunft gestellt und es erwartet die Fans in Frankfurt eine spannende Saison.

Ende April rieben sich viele Fans und Beobachter der Skyliners verwundert die Augen. Da vermeldete die Presseabteilung doch tatsächlich die Weiterverpflichtung des nimmermüden Duracell-Hasen Quantez Robertson. Selbst die kühnsten Optimisten hatten es für fast unmöglich gehalten, dass Tez Robertson nach seiner starken letzten Saison im Skyliners-Jersey, am Main gehalten werden könnte. Ein bisschen hatte man sich als Skyliners-Fan ja schon daran gewöhnt, dass die Ligakonkurrenten den Skyliners die besten Spieler wegschnappen. Hatte doch 2010 Derrick Allen, 2011 DaShaun Wood und 2012 dann auch Urgestein Jimmy McKinney den Klub nach einer individuell starken Spielzeit verlassen. Doch Robertson hatte nicht nur seinen Vertrag verlängert, sondern seine Unterschrift tatsächlich unter einen Drei-Jahresvertrag gesetzt. Für Skyliners-Verhältnisse grenzt das beinahe schon an einen Rentenvertrag. Denn in den vergangenen Jahren waren Neuverpflichtungen und auch etablierte Spieler wie Jimmy McKinney teilweise mit mehreren aufeinanderfolgenden Kurzzeitverträgen unter Vertrag genommen worden.

Mit der kurz darauf folgenden Wiederverpflichtung des Meistertrainers Gordon Herbert und der Rückkehr von Gunnar Wöbkes und Wunschspieler Jacob Burtschi, die beide Zwei-Jahresverträge unterzeichneten, vervollständigte sich das Bild einer Kurskorrektur endgültig. Herbert steht als Meistertrainer aus der Saison 2003/04 wie kein Anderer für Erfolg bei den Skyliners. Auch in seiner zweiten Frankfurter Amtszeit im Jahr 2010 führte er eine nicht von ihm zusammengestellte Mannschaft bis ins Finale gegen Bamberg und zur Vizemeisterschaft. Alleine seine Verpflichtung lässt viele Fans automatisch an eine Rückkehr in die Erfolgsspur denken. Auch mit Jacob Burtschi verbinden die Fans in Frankfurt durchweg Positives: Der 29-jährige war als aufopferungsvoller Teamplayer und starker Distanzschütze einer der Garanten für die starke Rückrunde in der Saison 11/12, die den Skyliners nach zwischenzeitlichen Abstiegssorgen fast noch einen Play-Off Platz beschert hätte.

Neben Tez Robertson wird nur ein weiterer Amerikaner aus dem letztjährigen Kader nach Frankfurt zurückkehren. Dawan Robinson ist nach überstandenen Therapiemaßnahmen zu seiner im Frühjahr erlittenen Lungenembolie im September ins Mannschaftstraining eingestiegen und soll nun die Mannschaft in ähnlicher Rolle anführen, wie das zeitweise in der letzten Saison gelungen war. Der 31-jährige Playmaker wusste im letztjährigen Abstiegskampf oftmals durch seine Entschlossenheit und Leaderqualitäten zu gefallen. Robinson kann ein Spiel sehr gut lesen, die Offensive organisieren und bei Bedarf sowohl aus der Distanz als auch in Brettnähe zuverlässig abschließen. Wenn er fit ist gleicht er einem gut sortierten Werkzeugkasten, der für jedes Problem eine Lösung anzubieten hat. Einzig seine dicke Krankenakte (vor allem diverse Knochenbrüche, die für mehrere Profisport-Karrieren ausreichen würden) lässt Zweifel aufkommen, ob der Spielmacher heil durch die Saison kommen wird. Doch ohne die von Verletzungsanfälligkeit durchzogene Karriere und vor allem die erst kürzlich überstandene Lungenembolie wäre ein Spieler von Robinsons Kaliber kaum für die Skyliners zu bezahlen gewesen. Ein gewisses Restrisiko bleibt bei der Personalie Robinson also dennoch bestehen.

Der Kern der deutschen Spieler mit dem Youngster-Trio Barthel, Klein, Voigtmann und dem Veteran Marius Nolte wurde mit U-18 Nationalspieler Stefan Ilzhöfer und dem frühzeitigen College-Rückkehrer Kevin Bright erweitert. Perspektivisch gesehen sind beide Verpflichtungen sehr gut! Während der aus dem Ludwigsburger Programm stammende Ilzhöfer wohl überwiegend in der Pro-B-Mannschaft eingesetzt werden sollte, dürfte für Kevin Bright schon eine größere Rolle in der 1. Mannschaft angedacht sein. Sehr überraschend hat Bright seine Zelte in den USA nach nur einer vielversprechenden Saison am College wieder abgebrochen. Angeblich aus privaten Gründen ist er wieder nach Deutschland zurückgekehrt und hat neben der großen Basketball-Bühne bei Vanderbilt so auch sein Stipendium aufgegeben. Der nunmehr 21-jährige hat sehr früh im Jugendbereich für Aufsehen gesorgt und bringt eigentlich alle Voraussetzungen mit, eine gute Karriere hinzulegen. Bislang ist er aber den Beweis schuldig geblieben, dass er konstant sein Potential abrufen kann. Es halten sich zudem hartnäckig Gerüchte, dass er mental nicht sonderlich stabil sei und sich so selbst im Weg stehe. Mit dem Sportspsychologen Gordon Herbert als Trainer sollte er aber den richtigen Trainer gefunden haben, der ihn sportlich und auch menschlich reifen lassen könnte.

Gunnar Wöbke hat schon sehr früh in diesem Sommer davon gesprochen, dass die Skyliners in ihren Kaderplanungen nicht vorgesehen haben, das Ausländerkontingent voll auszuschöpfen. Teilweise wurde er in Zeitungsartikeln gar zitiert, dass man mit nur vier ausländischen Profis in die Saison gehen wolle. Zum Saisonstart stehen nun aber doch fünf ausländische Profis auf dem Meldebogen. Das darf zum einen als Zeichen dafür gewertet werden, dass man den Nachwuchsspielern bewusst Raum und (Spiel-)Zeit einräumt, um auf dem Parkett mehr Verantwortung zu übernehmen. Andererseits haben die teuren (Weiter-)Verpflichtungen von Robertson, Burtschi und Robinson den Skyliners finanziell auch wenige Möglichkeiten gelassen, um wie in der jüngeren Vergangenheit eine Reihe weiterer (amerikanischer) Spieler zu verpflichten. Man ist bei den ersten, frühen Verpflichtungen in diesem Sommer nach dem Motto „Klasse statt Masse und Sicherheit statt Risiko“ verfahren und hat ausschließlich Spieler verpflichtet, die man bereits gekannt hat – die aber durch das unter Beweis stellen ihrer Qualitäten sicher etwas teurer waren als letztjährige Verpflichtungen aus unterklassigen europäischen Ligen. Deshalb war das Budget für die weiteren „Ausländerspots“ sicher schon etwas überschaubarer. Und die Skyliners haben in der Vorbereitung auch zwei Kandidaten wieder nach Hause geschickt und ihre Kaderplanung überarbeiten müssen.

Der von Gordon Herbert als absoluter Wunschspieler bezeichnete Frankie Sullivan konnte die Verantwortlichen bei seinem kurzen Gastspiel am Main nicht überzeugen. Die Stärken des frisch vom College seine Profikarriere startenden Amerikaners liegen klar in der Verteidigung. Zu keinem Zeitpunkt der Vorbereitung zeichnete sich ab, dass der Ex-Auburn Tiger Sullivan in die Rolle des dringend benötigten Scorers auf der Position des Shooting Guards wachsen könnte. Deutlich bessere Chancen diesen Part übernehmen zu können, sollte der 26-jährige kanadische Nationalspieler Andy Rautins haben. Nach einer starken Collegekarriere bei Syracuse wurde Rautins 2010 von den New York Knicks an 38. Stelle gedraftet. Dort konnte er sich aber nie durchsetzen und wurde nach einigen Kurzeinsätzen zu den Dallas Mavericks getradet, die ihn schon bald entließen. Nach einem kurzen Gastspiel in der spanischen ACB hielt Rautins an seinem NBA-Traum fest und spielte in der letzten Saison in der D-League für die Tulsa 66ers. Doch als sich das Interesse aus der NBA auch nach seinem Summer League Auftritt für die Chicago Bulls in Grenzen hielt, entschied er sich, seine Karriere in Europa fortzusetzen. Rein spielerisch sollte Rautins im europäischen Basketball auch besser aufgehoben sein. In der NBA wäre für ihn als guter Schütze wohl nur eine sehr kleine, limitierte Rolle übriggeblieben, die ihm im Idealfall vielleicht eine Karriere vom Schlag eines Matt Carroll bereitet hätte. Seine sehr gute Spielübersicht und sein hoher Basketball-IQ wären vermutlich unberücksichtigt auf der Strecke geblieben, da er rein körperlich auf seiner Position einfach nicht NBA-Maße mitbringt und für die Aufbauposition ein zu schlechter Ballhandler ist. In Europa sollte er viel eher in der Lage sein, als Spieler wachsen zu können und am Ende seiner Karriere als mehr als ein eindimensionaler Schütze in Erinnerung zu bleiben. Den Weg nach Frankfurt hat Andy Rautins vor allem dank Gordon Herbert gefunden, der Andys Vater, Leo Rautins, seit Jahren sehr gut kennt. Rautins könnte – aufgepasst liebe Fantasy-Game Spieler – eine der Überraschungen der Saison werden. Als eiskalter Schütze von außen ergänzt er sich ideal mit den eher zum Korb schneidenden Robinson und Robertson. Und durch sein gutes Auge kann er – trotz einiger Schwächen im Ballhandling – durchaus auch mal den Ball nach vorne bringen und Robinson entlasten und als Verwerter in Szene setzen.

Mit Lorenzo Gordon haben die Skyliners eine Woche vor Saisonstart einen weiteren Spieler gecuttet. Gordon hatte vor fünf Jahren bereits für die Skyliners gespielt und war den Verantwortlichen und Fans als kaum zu stoppender Insidespieler in Erinnerung geblieben. Eine schwere Schulterverletzung hatte den mittlerweile 30-jährigen Gordon dann im vergangenen Jahr ausgebremst. Lorenzo Gordon, der übrigens ein Cousin von Jimmy McKinney ist, wurde von den Skyliners extra ins Trainingslager auf Teneriffa eingeflogen, fiel dort aber mehr durch seine extrem schlechte körperliche Verfassung auf als durch seine spielerische Klasse. Noch einige Tage vor Ablauf des 10-tägigen Try-Out Vertrags entließen ihn die Skyliners. Statt dem erfahrenen Lorenzo Gordon wird nun der 25-jährige Senegalese Aziz N’Diaye bei den Skyliners unter den Körben wühlen. N’Diaye hat die letzten fünf Jahre in den USA verbracht und zuletzt in der NCAA für Washington State knapp 9 Punkte und 9 Rebounds im Schnitt aufgelegt. Der 2,13 Meter große Center bringt beeindruckende körperliche Voraussetzungen mit, um Basketball auf dem höchsten Niveau spielen zu können. Mit einer Spannweite von 2,29 Meter verändert er alleine durch seine Größe und langen Arme die Offensive des Gegners. Wie so viele senegalesische oder afrikanische Centerhünen ist N’Diaye ein Spieler, dessen Stärken genauso offensichtlich sind wie seine Schwächen. So dominant der 25-jährige in der Defensive auch sein mag, offensiv sind sein Repertoire an Moves und sein Wurf generell sehr eingeschränkt nutzbar. Unter dem Korb kann N’Diaye zwar gut seinen Körper im Postup einsetzen und per Hakenwurf – vorzugsweise mit rechts –  einnetzen, ansonsten sollte man aber außer Dunks nach Offensivrebounds oder Durchsteckern nicht allzu viel Output vom Senegalesen erwarten. So gesehen ergänzt sich N’Diayes Spiel mit dem von Johannes Voigtmann auf verblüffende Weise, da der Deutsche ja schon bewiesen hat, ein durchaus lockeres Händchen für einen großen Spieler zu haben. Dennoch erscheint es fragwürdig, ob das Duo N’Diaye/Voigtmann nicht zu unerfahren ist, um es mit der immer stärker werdenden BigMan-Riege in der BBL aufnehmen zu können. Gerade Voigtmann hätte von einem erfahrenen Center sicher sehr viel lernen können. Doch vermutlich hat die Rautins-Verpflichtung ein tiefes Loch in die Kasse gerissen und außer dem noch sehr rohen N’Diaye war finanziell kein erfahrenerer Spieler mit den gesuchten Merkmalen „Rebounding and Defense“ erschwinglich. Und spätestens die schwere Verletzung von Marius Nolte (Riss des hinteren Kreuzbands und Ausfall für mindestens drei Monate) hat die Verantwortlichen der Skyliners gezwungen, kurzfristig einen neuen Center zu verpflichten.

Neuaufbau – Mit Kontinuität und Identifikation zum Erfolg

Es ist unübersehbar, dass die Skyliners einen Re-Launch vollzogen haben, der sich zwar nicht in neuem Teamnamen oder Teamfarben zeigt, aber doch deutliche Spuren hinterlassen hat. In den vergangenen zwei, drei Jahren waren die Skyliners auf dem besten Weg, zur grauen Maus der Liga zu werden. Zu viel wechselndes Personal, zu wenig Kontinuität im Kader, zu wenig Identifikationsmöglichkeiten für Fans, mangelhafte Wiedererkennung für Nicht-Basketballfans und Gelegenheitszuschauer und angesprochen auf die Misserfolge konnte Gunnar Wöbke oft nur mit der Alibi-Ausrede nach der fehlenden Multifunktionsarena aufwarten. Endlich scheint man für die Zeit bis zum vermeintlichen Bau einer solchen Arena ein Konzept mit hohem Identifikationspotential am Start zu haben, das nicht nur die Stammzuschauerschaft erfreuen, sondern auch bei den Gelegenheitszuschauern für Interesse sorgen dürfte. Denn auch wenn der Weg mit vielen jungen Spielern und einer recht dünnen Rotation sicher einige Risiken mit sich bringt, sollte man nicht vergessen, dass der Weg mit vielen kostengünstigen, austauschbaren Amerikanern den Klub in der vergangenen Saison beinahe in den Abstieg geführt hätte.

Gordan Herbert sprach bei der Pressekonferenz zu seiner Verpflichtung davon, dass ihn das Grundgerüst der Mannschaft an jenes Team erinnere, dass er in der Saison 2002/03 in Frankfurt aufgebaut hätte. Bekanntlich gewannen die Skyliners damals nur eine Saison später überraschend die Deutsche Meisterschaft. Ganz so optimistisch sollte man angesichts der viel stärker gewordenen BBL und dem nicht gerade üppigen Budget der Skyliners (im Vergleich zu vor 10 Jahren) nicht sein. Aber Herbert deutete mit seinen Worten schon an, dass der neu eingeschlagene Weg keiner ist, den man kurzfristig bestreiten will. Fast alle Spieler im Kader verfügen über mehrjährige Verträge und man ist in Frankfurt wohl auch gewillt, den Spielern (Spiel-)Zeit und Raum zur persönlichen Entfaltung, aber auch um als Team zusammenzuwachsen zu geben. Die kommende Saison wird das Jahr 1 in einem mehrjährigen Zyklus darstellen. Für das Erreichen der Play-Offs mag die Mannschaft noch zu jung, unerfahren und an einigen Positionen nicht stark bzw. tief genug besetzt sein. Achtungserfolge sollten dennoch nicht ausgeschlossen sein und eine junge, hungrige Mannschaft, gecoacht von Gordon Herbert sollte tatsächlich in der Lage sein, hier und da zu überraschen. Den ganz großen Wurf im Jahr 1 ist der Mannschaft aber noch kaum zuzutrauen. Momentan wird in Frankfurt sehr wohlüberlegt gesät, die Ernte soll und wird wohl erst in zwei oder drei Jahren eingefahren werden.

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