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Ein Plädoyer, dass man jede Mannschaft schlagen kann

16.11.2015 || 10:33 Uhr von:
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Die FRAPORT SKYLINERS schlagen den FC Bayern Basketball. Was gibts sonst Neues? Die Frankfurter schlagen - eine Woche später - die Brose Baskets. Ja, was ist denn hier los?

Dass die Frankfurter Basketball spielen können, das sollte spätestens seit der Rückrunde der abgelaufenen Saison ligaweit klar sein. Ein Justin Cobbs (sprich: Jordan Theodore), der die Liga tyrannisiert, und sein dreierschießender Side-Kick Sean Armand (sprich: aron Doornekamp), dazu das deutsche Triumvirat, bestehend aus Konstantin Klein, Danilo Barthel und Johannes Voigtmann (sprich: … ach, ihr wisst schon) – namhafte Individualisten, die auch als Team funktionieren.

„Mach du mal, Danilo“

Ein Top-fünf-Team wollte Gordon Herbert aus seiner jungen Truppe formen, und diese zwei Erfolgserlebnisse sind ein eindeutiger Fingerzeig an die Konkurrenz. Mit Frankfurt muss man rechnen! Denn die schlagen sogar den amtierenden Deutschen Meister, wenn Master Theodore mal wieder die erste Halbzeit verpennt (null Punkte), mal keine 21 Punkte in einer Halbzeit hervorzaubert und fünf Minuten vor Schluss ausfoult, wenn ein Quantez Robertson ganze sechs Mal den Ball verliert, und wenn die Center in Person von Johannes Voigtmann und Mike Morrison über die fast kompletten 40 Minuten etwas deplatziert wirkten. Denn dann ist es eben ein Danilo Barthel, der mal eben so 21 Zähler in einer Halbzeit raushaut, Voigtmann macht dann eben „nur“ zwölf Punkte und holt sieben Rebounds bei 56 Prozent aus dem Feld, und diesen dreierschießenden Side-Lick namens Aaron Doornekamp gibt es auch noch.

Ciao, Mr. Trinchieri

Die FRAPORT SKYLINERS starteten gut in die Partie, waren nur beim 0:2 hinten und trafen vorne gefühlt jeden Wurf. Die Offense spielt geduldig, findet dann aber irgendwie doch immer wieder den freien Mann, der zumeist für die Punkte sorgt. 18:8 waren die Hessen vorne, ehe die Gäste aus Franken durch einen ersten von vielen kleinen Läufen auf 22:18 verkürzen konnten.

Es war so ein wenig die Geschichte des Spiels: Frankfurt legte immer wieder vor, Bamberg steckte jedoch nie auf und fightete sich immer wieder zurück, schaffte es aber nie, sich selbst mal auf mehr als zwei Zähler abzusetzen. So sollten die SKYLINERS fast im kompletten Spiel die Kontrolle behalten. Angeführt von Barthel und Doornekamp, die zur Halbzeit bereits 37 Punkte erzielt hatten, ging es mit einem Spielstand von 48:40 in die Kabine.

Kurz zuvor ereignete sich allerdings noch ein Schlüsselmoment: Bambergs Head Coach Andrea Trinchieri war mit einer Entscheidung der sehr kleinlich pfeifenden Referees nicht einverstanden, protestierte lautstark, holte sich sein erstes technisches Foul ab, stürmte daraufhin in Svetislav-Pesic-Manier wutentbrannt aufs Feld und holte sich als logische Konsequenz sein zweites ab.

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In der Halbzeit unterhalte ich mich mit meinem basketball.de-Kollegen Sebastian Rack über das Spiel. Natürlich, mit einem Acht-Punkte-Vorsprung zur Pause gegen den Deutschen Meister konnten wir beide gut leben, zumal wir den Second-Half-Theodore ja auch noch nicht gesehen hatten. Praktisch aus dem Nichts sagt mein Kollege dann: „Wenn wir das heute gewinnen, dann können wir um die Deutsche Meisterschaft mitspielen.“ Wow, das ist mal ein Wort! „Heimvorteil in den Playoffs ist allemal drin“, antworte ich daraufhin etwas perplex. Das Gespräch ist dann auch schon wieder vorbei, und wir gehen wieder getrennte Wege. Doch noch auf dem Weg zu meinem Platz denke ich über diese Aussage nach. Die FRAPORT SKYLINERS als Deutscher Meister? Hätte ja schon was. Überzeugt bin ich aber nicht.

Second-Half-Theodore

In der zweiten Halbzeit legten die Hausherren wie so oft in dieser Partie vor. Jordan Theodore – ja, der Jordan Theodore – eröffnete den Durchgang mit einem And-One. Bamberg fand zum Ende der ersten Halbzeit hin immer mehr Zugriff auf das Spielgeschehen und erhöhte vor allem die defensive Intensität, was dazu führte, dass sich die Fehler und schlechten Abschlüsse auf Seiten der Blau-Weißen mehrten. Doch mit Jordan Theodore auf dem Feld spielten die Hessen zu Beginn des Durchgangs wieder besser. Die Folge: Eine 58:46-Führung.

Defensiv standen die Bamberger wieder nicht gut. Vor allem die Big Men erwischten einen rabenschwarzen Tag. Gabriel Olaseni, seines Zeichens immerhin der bestbezahlteste Rookie Europas (laut seines Agenten), Elias Harris, Daniel Theis und Nicoló Melli fanden offensiv wie defensiv praktisch nicht statt; Frankfurt erzielte zwar nur 24 Punkte in der Zone, allerdings durften sie ganze 43 Mal an die Freiwurflinie gehen, erarbeiteten sich zwölf zweite Wurfchancen und wandelten diese in 17 zusätzliche Zähler um.

Immerhin: Danilo Barthel erzielt in der zweiten Halbzeit nur noch zwei Pünktchen, beide von der Freiwurflinie und erst in der Endphase des Spiels. Vielleicht lag es auch daran, dass es die FRAPORT SKYLINERS im dritten Viertel nicht schafften, sich vorentscheidend abzusetzen.

Mit sechs Mann zum Sieg

69:62 stand es nach 30 gespielten Minuten; die FRAPORT SKYLINERS wollten nun den Sack zumachen. Bis auf 15 Punkte konnten sich die Hausherren absetzen und waren zu diesem Zeitpunkt schon mit einem Bein über der Ziellinie. Der Basketball, der gespielt wurde, war teilweise eine Augenweide. Ein starkes Rebounding (29:23), schnelles Umschalten und endlich wieder klar herausgespielte Wurfchancen – das sind die Frankfurter, die es sich anzuschauen lohnt. Doch fünf Minuten vor dem Ende holten sich nacheinander John Little und Jordan Theodore ihr fünftes Foul ab, und die Mainstädter, die zuvor nur mit einer Achter-Rotation gespielt hatten (plus ein paar Sekunden für Max Merz und Johannes Richter), mussten die Begegnung mit sechs Mann zu Ende bringen.

Bamberg nutzte den Ausfall von Theodore – der zwar keine überragende Stat-Line auflegte, mit dem die Offense allerdings viel besser lief – gnadenlos aus und kämpfte sich zurück. Angeführt vom überragenden Bradley Wanamaker (BBL-Saisonrekord von 36 Zählern) schmolz der Frankfurter Vorsprung immer weiter, ehe Wanamaker einen Dreier zum 83:85 aus der Sicht seines Teams einnetzte. Vorne traf Robertson nur einen Freiwurf, Lucca Staiger hatte die Chance, das Spiel mit einem offenen Dreier auszugleichen, setzte den Wurf aber auf den Ring. 88:86 war dann der Endstand – die FRAPORT SKYLINERS hatten den Deutschen Meister geschlagen.

Ein weiteres dickes Ausrufezeichen, das die FRAPORT SKYLINERS gesetzt haben. Und vor allem ein Plädoyer. Ein Plädoyer dafür, dass man jede Mannschaft schlagen kann. Ein Plädoyer dafür, dass man an Spieltagen gefälligst in der FRAPORT Arena zu sein hat, um attraktiven Basketball zu sehen. Ein Plädoyer dafür, dass mit diesem Team zu rechnen ist. Egal in welcher Hinsicht. München und Bamberg – der Vize-Meister und der Meister. Besseres gibt’s in Deutschland nicht. Die FRAPORT SKYLINERS haben sie beide mit Niederlagen zurück in den Freistaat geschickt – binnen acht Tagen!

Wo die Reise jetzt hingeht, frage ich mich auf dem Nachhauseweg. Mein Kollege hatte ja angekündigt, bei einem Sieg an die Meisterschaft zu glauben. Jetzt, wo ich mich ein bisschen mehr mit diesem Gedanken beschäftigt habe, merke ich: So abwegig ist das vielleicht gar nicht…

Ein Plädoyer, dass man jede Mannschaft schlagen kann
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Agathe_Fieber
Agathe_Fieber 16. November 2015 um 15:35 Uhr

Ein offen gefärbter, aber dadurch auch ganz sympathischer Blick auf das erstaunliche Hoch der Skyliners gerade. Zweifelsfrei wären die Skyliners Meisterkandidat, wenn nur die Deutschen aller BBL-Teams aufeinander träfen. Man muss aber sagen, dass die Top-Teams sich in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert haben und die 3 Bs am Ende der Saison nur noch untereinander bezwingbar wirkten. Zudem ist Frankfurts Bank so tief auch nicht – eine Verletzung auf einer Schlüsselposition und das Ganze kann wieder ganz anders aussehen. So oder so würde ich zunächst einmal sagen: der Gratmesser dafür, ob aus dem Hoch eine Großwetterlage wird, dürfte das Spiel gg Alba sein, die trotz des zu bemitleidenden Gejammers von Coach O. – wie so oft zu diesem Zeitpunkt der Saison – das Team der Stunde sind. Und das fast ohne herausstechende Einzelakteure. Ein Team eben. Das macht es so besonders schwer gegen Alba diese Saison. Jeder kann, keiner muss, weil alle anderen auch können. Die Karten dürften sich definitiv lohnen!

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