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„NBA? Auf jeden Fall!“ – Isaac Bonga im Interview

25.01.2017 || 10:42 Uhr von:
Isaac Bonga von den FRAPORT SKYLINERS gilt als eines der größten Talente, die der deutsche Basketball derzeit hat. basketball.de hat den 17-Jährigen zum Interview getroffen.

Isaac Bonga ist erst vor zwei Monaten 17 Jahre alt geworden und dennoch schon jetzt ein ganz heißer Kandidat für die NBA. Wie gut er wirklich ist? Nun, verletzungsbedingt verpasste er zuletzt mit dem Albert-Schweitzer-Turnier und der U18-EM die zwei Großereignisse, bei denen sich Scouts nur so scharten. Und obwohl lange Zeit niemand so richtig um den aktuellen Leistungsstand des Riesen-Talents wusste, führt ihn DraftExpress für den NBA Draft 2018 an neunter Stelle – so gut ist Isaac Bonga!

Doch die NBA muss erst einmal warten: Im vergangenen Sommer unterschrieb der Schüler einen Vierjahresvertrag bei den FRAPORT SKYLINERS, wo er für das NBBL-, ProB- und teilweise sogar das BBL-Team aufläuft. basketball.de hat mit dem Point Guard über seine Entwicklung, seine Ziele und Hindernisse auf dem Weg dorthin gesprochen.

basketball.de: Hallo, Isaac. Auf der Homepage der FRAPORT SKYLINERS wird deine Körpergröße mit 2,03 Meter angegeben. Wie lang ist diese Messung denn schon her, und wie groß bist du tatsächlich?

Isaac Bonga: Die Messung wurde zu Beginn der Saison durchgeführt. Heute bin ich 2,05 Meter groß. Meine Armspannweite beträgt übrigens mittlerweile 2,19 Meter und nicht mehr 2,14 Meter, wie es die SKYLINERS vor ein paar Monaten auf Facebook gepostet hatten.

Und du bist noch nicht einmal ausgewachsen.

Das stimmt, aber ausmessen lassen habe ich mich noch nicht.

Nichtsdestotrotz hast du als fünftjüngster Spieler aller Zeiten am ersten Spieltag bereits in der BBL debütiert, und dann auch noch gleich beim Deutschen Meister Brose Bamberg. Was war das für ein Gefühl?

Es war schon alleine eine tolle Erfahrung, mit Größen wie Lucca Staiger oder Darius Miller nicht nur gleichzeitig auf dem Feld zu stehen, sondern sie tatsächlich auch direkt zu verteidigen oder im Angriff zu attackieren, statt nur von der Tribüne oder vor dem Fernseher zuzuschauen. Es war für mich in dem Moment Neuland, aber BBL-Einsätze sind das, worauf ich jeden Tag hinarbeite.

Im vergangenen Sommer hattest du quasi die freie Wahl, wo du deine Karriere starten würdest. Du hast dich für Frankfurt entschieden, und dann gleich auch noch für vier Jahre. Was war dafür ausschlaggebend?

In Frankfurt ist man sehr darauf bedacht, jungen deutschen Spielern eine Chance zu geben und sie bestmöglich auszubilden. Gepaart mit der Aussicht, auf höchstem Niveau Basketball spielen zu können, ist meine Entscheidung deshalb letztlich pro Frankfurt gefallen.

Im aktuellen ersten Jahr wirst du hauptsächlich in der NBBL und der ProB eingesetzt und zuletzt gar nicht mehr in der BBL, obwohl du dich eigentlich bewiesen hattest. Bist du darüber enttäuscht?

Tatsächlich war es für mich eine Überraschung, dass ich schon so früh ins BBL-Team berufen wurde. Die BBL ist jedoch mittelfristig mein Ziel, weshalb mir die Kurzeinsätze vor Augen führen, weshalb ich täglich so hart an mir arbeite. Die ProB soll mir eine zusätzliche Chance geben, mein Können unter Beweis zu stellen und mich schließlich für die Bundesliga empfehlen zu können.

„Antetokounmpo ist für mich definitiv ein Vorbild“

Hinter einem Vierjahresvertrag verbirgt sich sicherlich ein System. Was haben die FRAPORT SKYLINERS in den kommenden drei Jahren noch mit dir geplant?

Grundsätzlich ist es ja das Ziel des „Frankfurter Wegs“, junge Spieler charakterlich und spielerisch weiterzuentwickeln. Die Planung für mich persönlich beinhaltet in der aktuellen Saison, in der ProB Erfahrungen im Erwachsenenbereich zu sammeln, um dann zu einem späteren Zeitpunkt regelmäßig Minuten in der BBL zu erhalten.

Und hinter all dem steht am Ende das Langzeitziel NBA?

Auf jeden Fall.

Du kannst dich frühestens 2018 für den NBA Draft anmelden. Hast du schon darüber nachgedacht?

Sicherlich habe ich schon darüber nachgedacht, aber eine Entscheidung, ob ich direkt in die USA wechseln oder noch hier bleiben werde, habe ich noch nicht getroffen. (lacht) Dafür liegt das noch zu weit in der Zukunft.

Schaust du gelegentlich auf Mock Drafts?

Ja.

DraftExpress führt dich nämlich an neunter Stelle insgesamt und als zweitbesten Europäer hinter Luka Doncic, der bereits Starter bei Real Madrid ist und für diese in der Euroleague bereits Spiele im Alleingang gewinnt. Wie geht man denn mit solchen Vorschusslorbeeren um?

Man ist natürlich einerseits geschmeichelt, wenn man von absoluten Experten auf diesem Gebiet so hoch gemockt wird. Andererseits ist es für mich ein Ansporn, noch mehr aus mir herauszuholen, noch härter zu trainieren und so meine Position in den Mock Drafts zu verbessern.

Während Doncic in seiner Entwicklung schon sehr weit ist, giltst du als eines der besten Long-Term-Prospects. Vermutlich auch in der Hoffnung, den nächsten Giannis Antetokounmpo zu draften, schauen NBA-Scouts bei dir ganz genau hin. Ist das ein passender Vergleich?

Ich denke schon. Gerade von seiner Spielweise her und wie er sich für seine Größe bewegt, ist er für mich definitiv ein Vorbild.

„Meine Passing-Skills, Courtvision und mein Ballhandling sind für einen Spieler meiner Größe sehr gut“

Du wurdest eigentlich als Point Guard ausgebildet, wirst aufgrund deiner Länge aber auch immer öfters auf dem Flügel eingesetzt. Auf welcher Position siehst du dich langfristig am besten aufgehoben?

Ich sehe mich in erster Linie als Point Guard und fühle mich in dieser Rolle auch sehr wohl, aber ich denke, dass es eine große Stärke von mir ist, dass ich sehr flexibel einsetzbar bin. Bei der letzten U16-Europameisterschaft habe ich sogar schon auf der Vier gespielt.

Wie würdest du dein Spiel beschreiben? Was zeichnet dich aus?

Meine große Stärke liegt vor allem im Drive zum Korb. Ich denke, dass auch meine Passing-Skills, meine Courtvision sowie mein Ballhandling gerade für einen Spieler meiner Größe schon sehr gut sind.

Und die obligatorische Anschlussfrage: Woran musst du noch arbeiten?

Ich will vor allem noch an meiner Verteidigung arbeiten, gerade an der Beinarbeit — und natürlich an meinem Wurf!

Ein weiteres Manko, das ich an dieser Stelle hinzunehme, ist deine Verletzungsanfälligkeit. Da befindest du dich aber in einem Teufelskreis: Du kannst noch kein ausgedehntes Krafttraining machen, durch das du deinen Körper stärken würdest, weil du noch wächst. 

Das ist richtig. Ich muss ein bisschen mehr aufpassen als die anderen, weil ich noch so jung bin und eben noch wachse. Nichtsdestotrotz mache ich aber auch Krafttraining und habe da schon einige Fortschritte erzielen können.

Durch deine Verletzungen konntest du auch nicht beim Albert-Schweitzer-Turnier und der U18-EM im vergangenen Jahr teilnehmen. Dadurch bleiben einige wichtige Erfahrungen auf der Strecke, oder?

Da habe ich mich natürlich sehr geärgert. Das sind große Turniere, bei denen man sich mit den besten Spielern des Jahrgangs misst und sich deshalb sehr gut zeigen kann. Dass wir das Albert-Schweitzer-Turnier sogar gewonnen haben, war dann für mich doppelt ärgerlich. Es macht aber keinen Sinn, mir darüber jetzt den Kopf zu zerbrechen. Ich schaue nach vorne und freue mich auf die U19-Weltmeisterschaft im Sommer, bei der ich dann hoffentlich mitspielen kann.

„Ein Gesicht der BBL zu werden — warum nicht?“

Beim Adidas Next Generation Tournament der Euroleague vor rund zwei Wochen warst du jedoch beim Debüt der Frankfurter Mannschaft dabei und hast das Team angeführt. Wie waren deine Eindrücke?

Ich fand es sehr schön, auf einem hochklassigen Turnier tatsächlich mal wieder spielen zu können. (lacht) Für uns als Mannschaft ist es zwar nicht so gut gelaufen, aber die Tage haben trotzdem sehr, sehr viel Spaß gemacht und wir haben einige wichtige Erfahrungen sammeln können. Deshalb denke ich, dass das Turnier, obwohl wir kein einziges Spiel gewinnen konnten, für unser Team und auch mich selbst ein großer Erfolg war.

Warst du mit deinem eigenen Auftreten zufrieden?

Für den Anfang war ich relativ zufrieden. Mir sind sofort einige Dinge aufgefallen, an denen ich noch ein wenig arbeiten muss, aber wenn man das große Ganze sieht, will ich nicht meckern.

Für deine jungen Jahre besteht schon ein gewisser Hype um deine Person. Wie bewertet man denn dann seine eigenen Leistungen? Hast du höhere Ansprüche an dich selbst als andere?

Ich versuche, mir selbst nie zu großen Druck zu machen. Ich habe natürlich hohe Ansprüche an mich, aber ich versuche diese immer ein wenig herunterzuschrauben, um mich nicht selbst psychisch kaputtzumachen.

Mein basketball.de-Kollege Simon Linder hatte zuletzt gefordert, dass der deutsche Basketball und die BBL Gesichter brauchen. Kann Isaac Bonga in der Zukunft ein solches werden?

(lacht) Das hoffe ich doch. Der erste Meilenstein, den ich erreichen will, ist, mich in der BBL zu etablieren. Und dann ein Gesicht davon zu werden — warum nicht?

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