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Buschmann: „Free-TV ist auch kein Heilsbringer“

02.10.2014 || 20:40 Uhr von:
beitragsbildbuschi
Mit seiner Art zu kommentieren polarisiert Frank Buschmann die Basketball-Fans - nun kehrt er als Zugpferd im Rahmen des neuen Telekom-Deals mit der BBL auf die Bildfläche zurück und wird wieder die deutsche Basketball...

Mit seiner Art zu kommentieren polarisiert Frank Buschmann die Basketball-Fans – nun kehrt er als Zugpferd im Rahmen des neuen Telekom-Deals mit der BBL auf die Bildfläche zurück und wird wieder die deutsche Basketball-Eliteklasse kommentieren. Im exklusiven Interview mit Court Review spricht Buschi über den Streit mit den Öffentlich-Rechtlichen, die Neidgesellschaft im Internet und eine kuriose Wette mit einem Court-Review-Blogger.


Buschi, die BBL-Saison geht Donnerstag los. Spürst Du schon das Kribbeln?
Frank Buschmann: Ne, ich spür‘ das Dribbeln (lacht). Klar freu ich mich drauf, ich habe jetzt ja eine Weile kein Basketball mehr kommentiert. Wieder in die Hallen zu kommen, ist geil, da freue ich mich richtig drauf. Ich bin sehr gespannt, was wir mit dem Telekom-Deal erleben werden und ich habe richtig Bock auf die neue Saison.

Sprechen wir über den Telekom-Deal. Wie kam der mit Dir zustande?
Buschmann: Als man auf mich zugekommen ist und das Vorhaben beschrieben hat, dass alle Spiele live gezeigt werden, da fand ich das ein spannendes Projekt. Dazu habe ich erfahren, dass man das auf allen Endgeräten sehen kann, ich bin ja selbst Technik-Fan. Das find ich großartig. Und wer es nicht live sieht, kann es on Demand nachgucken. Jetzt kommen auch die Tübinger und Trierer Fans auf ihre Kosten. Mir persönlich als Frank Buschmann ist es scheißegal, welches Team gewinnt. Die Sender mussten aber auf Quote achten. Jetzt sind alle Spiele dabei.

buschilangHattest Du sofort das Gefühl: Ja, das mache ich?
Buschmann: Ich habe mich bewusst für dieses Projekt und gegen andere entschieden. Es war tatsächlich eine Grundsatzentscheidung. Ich bin keine 35 mehr und brauchte einen Schwerpunkt für mein berufliches Schaffen. Mit dem Deal erreichen wir viele Fans, dazu kommt, dass die Telekom 20 Millionen Kunden hat, die für Nuppes zuschauen. Ich finde, das Projekt kommt den Fans entgegen und ist ein Meilenstein für Basketball-Deutschland. Meine Entscheidung war schnell gefallen. Und ich glaube, es ist die richtige.

Die Telekom hat mit den Öffentlich-Rechtlichen noch keine Einigung wegen Zusammenfassungen erzielt. Die Fans sind die Leidtragenden. Wo siehst Du das Problem?
Buschmann: Da sind wir beim wunden Punkt. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass der Basketball eine riesige TV-Perspektive in Deutschland hat. Das Free-TV ist auch kein Heilsbringer. Da sind viele falsche Gedanken bei uns Basketball-Verrückten unterwegs. Leute, werdet wach: so wie die Einschaltquoten im Free-TV sind, wird kein Sender „Hurra“ schreien. Die letzten 25 Jahre waren nicht gerade berauschend. Ohne DSF hätte sich überhaupt keiner um den Basketball gekümmert. Wenn ganz Deutschland nach Basketball schreit, können wir über Free-TV reden. Aber 70.000 Zuschauer bei Spiel 4 der BBL-Finals letzte Saison ist nun mal keine gute Quote. Das muss endlich in die Köpfe rein.

Nicht alle Vereine sind mit dem Telekom-Deal glücklich, weil die Vereinsmedien eingeschränkt werden, aber die Vereine sich selber promoten wollen. Kannst Du die Verärgerung nachvollziehen?
Buschmann: Grundsätzlich ja. Aber lass uns doch mal mit gewissen Regularien, Qualitätsstandards und Vereinheitlichung an die Sache rangehen. Ich will keinem Verein unterstellen, dass er keine gute Medienarbeit leistet. Vielleicht gelingt es ja über das Telekom-Modell, die Vereine weiter zu pushen. Ich habe mir außerdem die Präsenz der Vereine in den Social-Media-Kanälen angeschaut. Da sehe ich noch eine Menge Luft nach oben. Jetzt sollten alle diese Chance erkennen und an einem Strang ziehen.

Dein Buch „Am Ende kackt die Ente“ war lange auf der Spiegel-Bestsellerliste. Was war bisher die kurioseste Reaktion auf Dein Werk?
Buschmann: Da gibt es nicht die eine Situation, es gab viele verrückte Dinge. Ich mache auf der Lesereise die Erfahrung, dass ein alternder Sportreporter auf einer Bühne sitzt und aus seinem Leben erzählt. Und die Leute rufen nach dreieinhalb Stunden: „Noch eine Geschichte!“ Das hätte ich im Leben nicht geglaubt. Ich finde das toll, nicht, weil ich mich selbst so toll finde, sondern weil junge Menschen aufmerksam zuhören und Interesse zeigen.

Hast Du deswegen die Lesereise verlängert?
Buschmann: Bevor jetzt irgendeiner wieder kritisch wird und behauptet, ich würde hier die Mörderkohle machen, dem muss ich absagen. Der auftretende Künstler verdient sich da nicht dumm und dämlich. Es ist eine Reaktion auf die vielen Nachfragen, die gekommen sind. Aber ich bewerte das jetzt nicht über und kann das richtig einordnen.

buschi-seiteZuletzt hast du gepostet: „Ich habe deutlich mehr Spaß im Leben als viele andere Menschen!“ Warum wirst Du so emotional, wenn dich andere kritisieren?
Buschmann: Ich mache diese Posts ganz bewusst. Es nervt mich einfach unglaublich, dass viele Leute so eine negative Grundeinstellung zu allem haben. Klar, es sind nicht viele und oft muss ich hören: „Komm Buschi, lass die doch einfach.“ Aber wenn ich Social Media mache, dann nehme ich alle Menschen, die was schreiben, total ernst. Es ist immer die Frage nach der Form der Kritik. Jungen Menschen verzeihe ich das eher mal, wenn sie nölen. Aber manchmal muss ich mir verwundert die Augen reiben, was einige Online-Medien für einen Driss schreiben. Wir reden hier über Portale wie Spiegel Online oder Bild.de, die völlig unangemessen kritisieren. Und mit meinen emotionalen Posts versuche ich den Leuten klarzumachen, nicht immer nur das Negative zu sehen.

Deswegen der provokante Schlusssatz?
Buschmann: Ich mache gerne meinen Job. Und ich bin auch alles andere als kritikunfähig. Ich will nur, dass alles im Rahmen bleibt und nicht rumgerotzt wird. Es hat mich beispielsweise total aufgeregt, als beim Promiboxen die Guano Apes als „Band aus Göttingen mit einem Scheißsong“ betitelt wurden. Bitte erst nachdenken und dann schreiben.

Unser Blogger Simon Linder hatte zuletzt getwittert, er wettet, Alba kommt nicht unter die ersten Fünf. Dabei hast Du dagegen gehalten. Warum?
Buschmann: Ich glaube, dass Alba wieder eine herausragende Defense spielen wird. Das ist schon mal nicht schlecht, wenn man oben mitmischen will. Was hat er geschrieben? Nicht unter die ersten Fünf? Ich tue mich schwer damit, über die ganze Saison fünf bessere Mannschaften als Alba zu finden. Aber auch ich kann nicht über Wasser laufen und bin nicht der Basketball-Papst. Ich kann mich auch täuschen. Allerdings ist Sasa Obradovic ein positiv bekloppter Typ und ich mache mir um Alba wenig Sorgen.

In Bamberg mussten Wolfgang Heyder und Chris Fleming gehen. Vor allem Heyder stand für langfristigen Erfolg. Kann Bamberg nach dem Umbruch über Jahre hinweg noch konkurrenzfähig sein?
Buschmann: Da bin ich mir ganz sicher. Die finanziellen Rahmenbedingungen stimmen und sportlich ist alles okay. Ich werde mich demnächst mit Wolfgang nochmal unterhalten. Ich kann mir vorstellen, dass er doch noch ein paar Fäden im Hintergrund zieht, auch wenn er offiziell nur noch für den Nachwuchs zuständig ist. Mit Andrea Trinchieri haben sie einen sehr guten Coach verpflichtet und auch den Kader verstärkt. Über die Art und Weise des Absägens der zwei kann man sicher streiten. Aber nach einer Dekade sportlicher Erfolge können sich nach einem Durchhänger Dinge auch mal ändern. Das kann Bamberg richtig gut tun.

Und die Bayern? Sind sie unschlagbar?
Buschmann: Naja gut. Ich will nicht wieder von tollen Möglichkeiten und Chancenungleichheiten reden. Vasilije Micic, und jetzt werden wieder alle mit dem Kopf schütteln, wird sicher eine gute Saison spielen. Gebt dem Jungen mal Zeit. Er hat unglaublich viel Potenzial und Basketball-IQ. Auch dass Vladimir Stimac in die BBL kommt, finde ich spannend. Dazu ist Anton Gavel genau das, was ihnen bisher an Fighting-Spirit und an Präsenz auf dem Parkett gefehlt hat. Es ist die tiefste Mannschaft in der BBL, auch wenn sie sich manchmal selbst zu viel unter Druck setzen. Sie werden in den fünf Jahren sicher nicht Dauermeister.


Frank Buschmann, Jahrgang 1964, ist einer der bekanntesten Sportmoderatoren Deutschlands. Vor seiner Medienlaufbahn spielte Buschmann selbst Basketball in der 2. Bundesliga bei der BG Hagen als Shooting Guard. Bekannt wurde „Buschi“ neben seiner Tätigkeit als Basketball- und Fußballmoderator auch als die „Stimme aus dem Off“ bei diversen Produktionen von Entertainer Stefan Raab – beispielsweise bei Schlag den Raab oder Promiboxen. Seit Jahren ist er als Reporter bei FIFA an der Playstation zu hören und veröffentlichte 2014 sein erstes Buch: „Am Ente kackt die Ente“. Buschmann ist auf facebook und twitter.

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