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„Die Variabilität zeichnet unsere Mannschaft aus“

11.11.2015 || 09:38 Uhr von:
Florian Koch spricht im Interview über den Saisonstart der Telekom Baskets Bonn, seine Entwicklung zum Profi und warum er einst in der Mittagspause im Auto geschlafen hat.

basketball.de: Hallo Flo! Danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Lass uns zuerst über den Saisonstart der Baskets sprechen. In der Beko BBL steht ihr mit 5-1 und im Eurocup mit 2-1 dar [das Interview fand am 3. November statt, Anm. d. Red.]. Wie siehst du den Saisonstart?

Florian Koch: Am Anfang war es vielleicht etwas holprig mit unserer Niederlage in Crailsheim. Von einer solchen Niederlage geht aber auch die Welt nicht unter. Wir haben ein paar Fehler gemacht, die wir im Nachgang analysiert haben und nun deutlich besser machen. Wir agieren jetzt sehr stark als Team. Egal wer aufs Feld kommt, jeder ist fokussiert und bringt Leistung. Das ist es, was uns im Moment mit dieser Bilanz dastehen lässt.

Eines unserer Ziele, aber auch mein persönliches, ist, im Eurocup in die nächste Runde zu kommen. Hier sind wir auf einem soliden Weg mit 2-1 [mittlerweile bei 2-2, Anm. d. Red.]. Ich denke, wir werden fünf bis sechs Siege brauchen, um den Sprung in die nächste Runde zu schaffen. In der Beko BBL sind ganz klar die Playoffs unser Ziel. Platz vier zu bestätigen wäre dabei schon sehr, sehr gut.

Bei den sieben bisherigen Siegen ist mir aufgefallen, dass die Topscorer in fünf Spielen aus dem gegnerischen Team kamen. Was sagt das über die Bonner Offense aus?

Das zeigt unseren Teambasketball und dass jeder von uns gefährlich sein kann. Unsere Gegner können sich nicht in der Form vorbereiten, dass sie nur einen oder zwei Spieler aus dem Spiel nehmen müssen, um uns zu schlagen. Diese Variabilität zeichnet unsere Mannschaft aus und kann nicht so leicht gestoppt werden.

Lass uns über deine persönliche Entwicklung sprechen. In der Saison 2014/2015 waren es für dich in acht Minuten 2,9 Punkte und 0,7 Rebounds. In der aktuellen Saison kommst du in der Beko BBL auf 15,0 Minuten, 6,6 Punkte und 2,2 Rebounds. Im Eurocup sind die Werte mit 17,0 Minuten, 7,0 Punkten und 3,0 Rebounds noch besser. Wie kommt es zu dieser starken Verbesserung?

Ich habe den Sommer genutzt, um wirklich hart an mir zu arbeiten. Dazu gehörte neben viel Individualtraining hier in Bonn auch ein einwöchiges Camp in Bamberg und Videoanalysen meiner BBL-Einsätze aus der letzten Saison. Ich habe gezielt nach Punkten gesucht, an denen ich arbeiten kann und diese dann im Individualtraining verbessert. Diese harte Arbeit wurde mir zurückbezahlt, indem ich mehr Spielzeit bekomme. Das ist die perfekte Situation für einen Sportler, dass die harte Arbeit auch belohnt wird. Ich freue mich über jede Minute, die ich auf dem Feld stehen kann, um der Mannschaft zu helfen. Natürlich muss ich die Minuten wieder mit Leistung bestätigen. Ich versuche nun, das Vertrauen, das der Coach in mich setzt, auch zu bestätigen. Es ist ein Geben und Nehmen.

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„Man kann uns nicht nachsagen, dass wir die ersten fünf Minuten verschlafen haben.“

Bis jetzt bist du in allen Spielen gestartet. Macht es für dich mental einen Unterschied, bei einem Spielstand von 0:0 das Parkett zu betreten?

Ich bin ja bereits in Rhöndorf schon gestartet [Dragons Rhöndorf, der Koorperationspartner der Telekom Baskets Bonn hat damals noch in der ProB gespielt. Aktuell gehen sie in der ProA an den Start, Anm. d. Red.]. Daher ist mir die Situation bekannt. Für mich ist es im Moment so, dass wir sehr gut aus der Kabine kommen und als Team ordentlich agieren. Das war in der letzten Saison noch ein wenig unsere Schwäche. Als Starting Five agieren wir sehr gut; man konnte uns noch nicht nachsagen, dass wir die ersten fünf Minuten verschlafen haben. Ganz im Gegenteil waren wir oft die Mannschaft, die zuerst da war und Akzente gesetzt hat.

Du warst im Sommer das erste mal Free Agent. Wahrscheinlich musstest du erst einmal abwarten, welche Optionen sich bieten und anschließend eine Entscheidung treffen. Kannst du unseren Lesern beschreiben, wie das abgelaufen ist und was anders war im Vergleich zu den Sommern in denen klar war, dass du in Bonn bleibst?

Anders war auf jeden Fall, dass ich zum ersten Mal einen Agenten hatte bzw. habe, mit dem ich sehr zufrieden bin. Das heißt, man hat dann jemanden, dem man ein Stück weit seine Karriere in die Hände legt und ihm viel Vertrauen schenkt. Vor allem das Vertrauen, dass er die richtigen Angebote sucht, gut mit dem Club klarkommt, gut verhandelt und das Beste für einen rausholt. Das hat sehr gut funktioniert, und ich konnte mich mit den Baskets nochmal auf einen Zwei-Jahres-Vertrag einigen. Bis jetzt kann ich nur sagen, dass es die richtige Entscheidung war.

Ansonsten fährt man in so einem Sommer auch mal zu anderen Vereinen. Besonders, wenn andere Trainer Interesse an einem haben, möchten die einen erst einmal kennenlernen. Das liegt daran, dass die Zusammenstellung des Teams für den Trainer das A und O ist. Ich glaube, wenn da zu Beginn bei der Teamzusammenstellung Fehler gemacht werden, kann es eine zähe Saison werden.

Natürlich habe ich nicht sofort nach der Saison unterschrieben. Ich habe erst gewartet, wer noch Interesse zeigt und was für Angebote auf mich zukommen. Das ist natürlich mental eine harte Zeit. Man ist in der Schwebe und weiß nicht, wo es hingeht. Ich habe in dieser Zeit auch Urlaub gemacht, wobei es echt schwer war, mental runterzukommen und den Kopf freizukriegen. Da schaut man jeden Tag in Mails, um zu sehen, wie es weiter geht. Umso schöner ist es dann, wenn der Vertrag unterschrieben ist.

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„Es gibt nichts besseres, als in der eigenen Heimat Basketball zu spielen.“

Du bist nun endgültig im Profibasketball angekommen. Du kommst aus der Baskets-Jugend, hast für den Koorperationspartner Dragons Rhöndorf in der ProB gespielt und bist nun Profi in der Beko BBL. Wann hast du das erste ;al daran gedacht, dass du mit Basketball irgendwann mal Geld verdienen und sogar deinen Unterhalt bestreiten kannst?

Ich muss sagen, dass ich nie mit diesem Gedanken an das Thema rangegangen bin. Ich habe nie gedacht: Mit Basketball musst du deinen Lebensunterhalt bestreiten. Das war so eine Nebensache. Schon als ich damals meine Ausbildung gemacht habe, habe ich parallel bei den Baskets einen Vertrag unterschrieben. Seinerzeit habe ich gedacht, dass es vielleicht was werden könnte, aber für mich war klar, dass ich meine Ausbildung fertig mache. Schon während meiner Fachabitur-Zeit und meiner Ausbildung stand ich permanent in der Halle und habe alles dafür getan, um besser zu werden und mich, egal in welcher Mannschaft ich gespielt habe, zu etablieren. Ich habe immer hart an mir gearbeitet, und tue das auch heute noch. Im Moment kann ich meinen Traum leben. Basketball ist ja auch nicht nur trainieren und spielen. Es ist eine Art Lebenseinstellung. Man verfolgt den Sport und andere Spieler. Basketball war für mich schon immer sehr präsent, und ich wusste, das ist es, was ich machen will. Es ist natürlich umso schöner, dass es hier in Bonn im Moment so gut klappt. Ich glaube, es gibt wahrscheinlich nichts besseres, als in der eigenen Heimat Basketball zu spielen. Man hat seine Familie und Freunde um sich. Das Umfeld stimmt dann einfach.

Das heißt, du hast deine Ausbildung völlig unabhängig vom Basketball begonnen?

Ja, das war meine Entscheidung. Ich habe mein Fachabitur gemacht, das war mir aber nicht genug. Ich wollte ein Backup haben, weil im Sport so schnell etwas passieren kann. Neben Verletzungen können hier viele andere Faktoren eine Karriere beeinträchtigen oder beenden. Deshalb wollte ich unbedingt eine Ausbildung machen. Ich habe auch mal über ein Studium nachgedacht, aber ich wollte etwas Praktisches machen und nicht nur den theoretischen Teil. Das führte dazu, dass ich separat vom Basketball eine normale 40-Stunden-Woche bei der Telekom hatte. Da ich bei der Telekom die Ausbildung gemacht habe, hatte ich das Glück, für Nationalmannschaftslehrgänge und europäische Spiele unter der Woche freigestellt zu werden. Ansonsten hatte ich aber meine normale Arbeitszeit.

„In der Mittagspause habe ich hin und wieder in der Tiefgarage im Auto geschlafen.“

Würdest du jedem jungen Spieler empfehlen, ein solches Backup in der Hinterhand zu haben?

Auf jeden Fall! Man muss sich halt gut überlegen, was man macht. Es ist eine extrem harte Zeit gewesen. Ich erinnere mich auch noch daran, dass ich in der Mittagspause hin und wieder in der Tiefgarage im Auto geschlafen habe, weil ich Rhöndorf teilweise von 20 bis 22 Uhr trainiert habe, anschließend zuhause was gegessen habe, erst um 1 Uhr schlafen konnte und um 7:30 Uhr wieder im Büro sein musste. Das sind natürlich extrem harte Zeiten, aber man lernt auch draus. Aber ich kann nur jedem empfehlen sich ein Backup zu schaffen, egal ob es ein Studium oder eine Ausbildung ist.

Natürlich spielt man in der eigenen Halle am allerliebsten. Aber in welcher Halle der Beko BBL läufst du auswärts am liebsten auf?

(überlegt) Also ich spiele sehr gerne in Hallen, in denen die Stimmung gut und von mir aus auch laut ist. Vielleicht auch durch die Playoff-Serie letzte Saison. Aber ich habe eigentlich immer gerne in Ulm gespielt. Da war so eine Atmosphäre, die ein bisschen angeheizt hat. Die Halle war voll und laut, aber es war trotzdem eine gute Stimmung. Da habe ich sehr gerne gespielt. Und wir haben uns in der Serie ja auswärts auch gut geschlagen. Auch Bamberg macht bei ausverkauftem Haus immer sehr viel Spaß, auch wenn es immer ein sehr schwieriges Spiel ist.

Am Ende noch eine Frage, die ich auch Andrej Mangold schon gestellt habe. Die Baskets haben drei Trikotfarben. Schwarz, Weiß und Magenta. Welches gefällt dir am besten?

Das schwarze.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und weiterhin viel Erfolg.

„Die Variabilität zeichnet unsere Mannschaft aus“
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