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Fehlstarter empfangen Senkrechtstarter

17.10.2014 || 17:00 Uhr von:
Telekom Baskets Bonn
„An einem guten Tag hätten wir sie schlagen können.“ David McCray wirkte nach der ersten Saisonniederlage der Artland Dragons im Eurocup gegen ASVEL Lyon-Villeurbanne enttäuscht über die Leistung seines Teams. F...

„An einem guten Tag hätten wir sie schlagen können.“ David McCray wirkte nach der ersten Saisonniederlage der Artland Dragons im Eurocup gegen ASVEL Lyon-Villeurbanne enttäuscht über die Leistung seines Teams. Für Frust und Ärger ist jedoch einerseits der Zeitplan zu stramm und andererseits besteht kein Anlass, mit dem Gefühl dieser Momentaufnahme in die kommenden Aufgaben zu gehen. Die in der Liga bislang so stark und mannschaftlich geschlossen aufspielende Mannschaft von Tyron McCoy hat ein Spiel verloren. Ein Spiel gegen eine Mannschaft aus Frankreich, die trotz personeller Probleme immer noch über ausreichend Qualität und vor allem Routine verfügt, um jedem Beko-BBL-Team Schwierigkeiten zu bereiten. Eine ähnliche, aber hinsichtlich der Art und Weise noch bitterere Erfahrung mit einem französischen Erstligisten musste in dieser Woche auch der kommende Gegner der Dragons machen: die Telekom Baskets Bonn (Sonntag, 17 Uhr, live auf Sport1 und Telekom Basketball). Neunzehn Sekunden vor Spielende führten die Rheinländer vor heimischer Kulisse scheinbar souverän mit 82 zu 77 gegen Strasbourg, doch drei Dreier der Gäste nach leichtsinnigen Fehlern der Bonner bescherten den Gästen am Ende doch noch einen 86 zu 83-Erfolg. Anders als für die in der Beko BBL noch ungeschlagenen Quakenbrücker war diese bittere Pille für die Bonner gleichbedeutend mit der vierten Niederlage im fünften Saisonspiel.


Mangold, Mädrich und McCray treffen auf ihre Vergangenheit

David McCray gehörte in den vergangenen beiden Jahren noch zu Publikumslieblingen in der früheren Bundeshauptstadt. Sein unermüdlicher Siegeswillen und seine aufopferungsvolle Spielweise, sowie die offene Art des 27-Jährigen genossen höchsten Respekt bei den Bonner Fans. Durchschnittlich 6,1 Punkte erzielte McCray in 78 BBL-Spielen in zwei Jahren pro Partie. Zweimal erreichte er mit den Telekom Baskets die Playoffs, zweimal scheiterte er in der ersten Runde hauchdünn an den EWE Baskets Oldenburg. Damit der Playoff-Ritt des deutschen Combo Guards in diesem Jahr etwas länger anhält, entschied er sich im Sommer für einen Wechsel ins Artland:

„Ich habe bei den Dragons eine größere sportliche Perspektive gesehen als in Bonn. Dieses Team ist in der Vorsaison bis ins Halbfinale vorgestoßen. Ich hatte das Gefühl, dass ich vielleicht einen Ausschlag geben kann, wenn die Mannschaft so zusammenbleibt.

Im Artland stehen für McCray bislang 5,3 Zähler pro Partie zu Buche. Als Verteidigungsspezialist bereitete er aber schon so manchem Gegenspieler Albträume.

Für den umgekehrten Weg entschied sich vor drei Jahren Andrej Mangold, als er Quakenbrück verließ, um sich in Bonn unter dem damaligen Headcoach Michael Koch Karriere als Rotationsspieler in einer ebenfalls etablierten Bundesliga-Mannschaft zu beweisen. Nach drei Jahren in der 2. Basketball-Bundesliga gaben die Artland Dragons dem Combo Guard damals die Chance, erste Gehversuche auf Bundesliga-Niveau zu wagen. In einer bärenstarken Guard-Riege um Tyrese Rice, Johannes Strasser und Bryan Bailey kam Mangold beim damaligen Playoff-Halbfinalisten aber nur zu gelegentlichen Kurzeinsätzen. In Bonn hingegen startet Mangold nun bereits in seine vierte Saison. Angesichts seiner Einsatzzeiten, die sich seit seinem Wechsel 2011 zwischen durchschnittlich auf 14 bis 18 Minuten pro Spiel beliefen, hat der heute 27-Jährige alles richtig gemacht. Seine harte Arbeit und vor allem seine Defensivqualitäten erbrachten Mangold in diesem Sommer sogar eine Nominierung für den erweiterten Kreis der deutschen A-Nationalmannschaft. Mangold verkörpert mit seiner energischen und teamorientierten Spielweise Werte, die sein Headcoach Mathias Fischer und die Bonner Fans am liebsten von jedem ihrer Spieler sehen würden. Ebenfalls teamorientiert, aber noch nicht wirklich in Bonn angekommen ist der zweite Ex-Drache im Bunde, Dirk Mädrich. Der 2,11m-Hüne mit weichem Händchen aus der Distanz spielte von 2007 bis 2009 für die Artland Dragons und feierte damals unter Coach Chris Fleming den ersten und bislang einzigen Pokalsieg der Quakenbrücker Vereinsgeschichte. Zuletzt verbrachte Mädrich drei Jahre bei RASTA Vechta und prägte als zweimaliger Aufstiegsheld die Vechtaer Erfolgsgeschichte maßgeblich mit. In Bonn muss sich der 31-Jährige (2014/2015: 4 BBL-Spiele, 4,0 Punkte, 1,3 Rebounds in 12:37 Minuten) aber erst einmal wieder an eine Rolle gewöhnen, in der er nicht derjenige Spieler auf dem Parkett ist, den seine Mitspieler als eine der ersten Angriffsoptionen wählen, sondern in der für ihn offene Wurfmöglichkeiten aus der Ballbewegung seines deutlich stärker als Vechta besetzten Teams kreiert werden.

Baskets auf der Suche nach ihrer Identität – Artland feilt an der Feinabstimmung

Die Bewegung des Balles ist jedoch noch nicht das Hauptmanko im Bonner Spiel. Mit 15,8 Assists pro BBL-Partie befinden sich die Telekom Baskets in dieser statistischen Kategorie im Ligavergleich auf Platz acht wieder. Die Artland Dragons führen jene Statistik zurzeit an (22,0 Assists pro Spiel). Bei Bonn mangelt es bisweilen an einer defensiven Identität. Mit 116,7 Gegenpunkten pro hundert Ballbesitzen waren die Rheinländer in den ersten vier Ligaspielen die drittschwächste Defensivmannschaft der Liga, griff prozentual die wenigsten verfügbaren Offensivrebounds (17,7%) und die drittwenigsten Defensivrebounds (40%) ab. Ligaweit schneidet nur Hagen noch schlechter ab, wenn es darum geht, sich im Kampf um die vom Korb abprallenden Bälle zu behaupten. Mathias Fischer kündigte nach dem Abgang von Big Man Jamel McLean bereits vor der Saison an, dass nach dem Verlust des Toprebounders der Liga von allen Spielern mehr Engagement beim Ausboxen gefragt ist. Bonns bislang bester Rebounder Angelo Caloiaro griff in den ersten vier Partien durchschnittlich lediglich 4,0 Boards ab, für den Mitteldeutschen BC kam der effektivste Spieler der BBL-Saison 2013/2014 pro Partie auf 6,8. Die Rebounding-Schwäche teilen die Baskets aber auch mit ihrem kommenden Gegner – allerdings nur auf jeweils einer Seite des Spielfeldes. Prozentual sammeln die Dragons nach Bremerhaven die zweitmeisten Offensivrebounds (34%) ein, gewähren dem Gegner aber laut RealGM auch die zweitmeisten (holen nur 63,3% aller potenziellen Defensivrebounds ) zweiten Chancen.

Anders als die Telekom Baskets Bonn haben die Artland Dragons dank der Kontinuität der Offseason bereits als Mannschaft ihre Identität erarbeitet. Die Niedersachsen verteilen nicht nur die meisten Assists in der Liga, sondern verwerten zudem ihre Dreier am zweitbesten (45,9%) und stellen die effektivste Offensive (129,5 Punkte pro 100 Ballbesitze). Die Drachen wissen bereits, welche Optionen sie in verschiedenen Situationen auswählen müssen. Mit Andreas Seiferth und Dennis Horner stießen im Sommer zwei Spieler zum Team, die in ihren vorherigen Teams die Spieler waren, die zuerst die Blicke ihrer Mitspieler auf sich gezogen haben. Im deutlichen Unterschied dazu richten sich die Blicke der beiden in ihrem neuen Team im Moment noch zum eingespielten Kern des Kaders – eine deutliche Umstellung, die Zeit und Geduld von Seiten des Teams, der Spieler und Fans erfordert. Während den Quakenbrückern die komplette Starting Five erhalten blieb, gilt es für Bonn, unter anderem eine komplett neu besetzte Center-Achse sowie mit Caloiaro einen potenziellen Schlüsselspieler in die Mannschaft zu integrieren. Obgleich Bonn auch immerhin sechs Spieler aus der letztjährigen 10er-Rotation halten konnte, sind bei den Baskets anders als bei den Dragons die Neuzugänge – speziell auf der Position 4 und 5, aber mit Mickey McConnell auch auf der 1 – diejenigen Spieler, die den Kern des Bonner Spiels entscheidend prägen sollen. Headcoach Fischer ist entsprechend noch auf der Suche nach den passenden Konstellationen und der passenden Abstimmung.

Drachen in der Favoriten-Rolle, doch gewarnt vor wütenden Bonnern

Trotz der knappen Niederlage zeigten die Rheinländer gegen Strasbourg in dieser Hinsicht bereits signifikante Fortschritte, vor denen die Dragons gewarnt sein dürften, zumal die Baskets vor den eigenen Fans mit positiver Wut im Bauch antreten sollten. Daher braucht es wahrscheinlich erneut einen guten Tag für die Dragons, um in der Beko BBL ihre weiße Weste zu wahren. Doch dass sie dementsprechend und vor allem mit viel Selbstvertrauen auftreten und Spiele gewinnen können, haben David Holston und Co. in dieser Saison bereits deutlich unter Beweis gestellt.

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