BASKETBALL.DE ist Partner von Sportforen.de. Ehemalige Nutzer von crossover-online.de und Nutzer von sportforen.de können sich auch auf BASKETBALL.DE mit ihren bestehenden Login-Daten anmelden.
Anmelden oder registrieren

Europäischer Flickenteppich

05.07.2016 || 14:41 Uhr von:
Euroleague, Eurocup, Champions League. Nach der Erläuterung der Modi blickt basketball.de darauf, welche Länder wo vertreten sind und welchen Wert Landesmeistertitel haben.

Wie es mit Flickenteppichen so ist, sind Grabenkämpfe nicht weit. Jüngst hatte der Weltverband FIBA den serbischen Verband aufgefordert, Partizan Belgrad zu sperren – die werden jedoch von ihrem Eurocup-Startrecht nicht abweichen.

Im anhaltenden Streit zwischen Euroleague und FIBA verkündeten beide Seiten kürzlich aber dennoch die Teilnehmer ihrer Wettbewerbe: die Euroleague für die Euroleague selbst sowie den Eurocup, und die FIBA für die Basketball Champions League.

Allein 88 Mannschaften werden dabei europäisch spielen, unberücksichtigt der FIBA Europe Cup. In der Champions League werden von den 48 Teilnehmern aber 24 Teams erst noch versuchen, eine Qualifikationsphase zu überstehen – acht Mannschaften gehen daraus hervor, um eine 32 Mannschaften starke Vorrunde zu bilden. Im Eurocup werden 24, in der Euroleague 16 Teams vertreten sein.

[für eine Erklärung der einzelnen Wettbewerbe siehe Niklas Wunderlichs Artikel]

Die europäische Basketballkarte

Werden Rechtsstreitigkeiten und angedrohte Sperren ohne Folge bleiben*, sieht der europäische Basketballteppich der drei (größten) europäischen Wettbewerbe wie folgt aus:

20160704_1890x1285_Karte_Euroleague_Eurocup_FIBA-Champions-League_2016-17

Erläuterung: Euroleague-Teams sind orange, Eurocup-Teams gelb und Champions-League-Teams blau unterlegt. Die Schraffuren innerhalb der einzelnen Länder deuten an, welcher der beiden Seiten (FIBA oder Euroleague) sich die jeweiligen Ligen hauptsächlich verschrieben haben.

Ein Asterix hinter dem Club-Namen bedeutet einen Landesmeistertitel in der Saison 2015/16. In Klammern ist angegeben, wieweit das Team in den Playoffs kam und wo es nach der regulären Saison landete. Bei den Mannschaften der VTB und ABA sind diese Angaben in Klammern auf die länderübergreifenden Ligen bezogen.

Lässt man geographische Besonderheiten außen vor (wie im Süden Europas sind Basketballhochburgen auszumachen, Istanbul ist die orangefarbene Hauptstadt), so lassen sich ein paar Auffälligkeiten erkennen: Die französische Liga hat sich komplett der FIBA zugewandt. Entgegen der Basketball-Bundesliga organisiert in Frankreich der französische Verband die Liga. Die BBL hatte sich derweil lange Zeit ob einer klaren Positionierung zu einer Seite zurückgehalten und die Entscheidungen den Clubs überlassen – was in einer knappen 4:3-Aufteilung zugunsten der Euroleague ersichtlich wird.

Während auch Italien oder die Türkei eine etwa ausgeglichene Aufteilung vorweisen, haben sich Spanien oder Russland stark der Euroleague zugewendet. Die Länder, außer Frankreich, die komplett auf dem FIBA-Weg fahren, können nicht gerade als europäische Basketball-Hot-Spots umschrieben werden.

In der Grafik werden sowohl Landesmeistertitel als auch Platzierungen in den länderübergreifenden Ligen aufgelistet. Neben der VTB- und ABA-League wäre hierbei noch die Baltic League zu nennen, doch aus diesen Mannschaften wird einzig der estische Club Tartu Ülikool / Rock an einem der drei internationalen Wettbewerben teilnehmen, womit diese Liga ausgeklammert ist.

Der Wert von Landesmeistertiteln

Mitunter hat eine Mannschaft einen nationalen Meistertitel eingeheimst, hat es transnational aber nicht mal in die Playoffs geschafft. Ein Beispiel: Tsmoki-Minsk ist weißrussischer Meister, geht aber auch in der länderübergreifenden VTB League an den Start und landete dort nur auf dem zwölften Platz, verpasste also die Playoffs. Diese Tendenzen sind auch beim bosnischen Meister (KK Ignokea, ABA: 9.) und tschechischen Meister (CEZ Basketball Nymburk, VTB: 8.) zu beobachten.

Wieviel sind nationale Titel wert, wenn dort die Konkurrenz so schwach ist, dass Teams nach einem Wettbewerb in anderen transnationalen Ligen suchen? Minsk gewann acht nationale Meistertitel in Folge, Nymburk gar 13 in Serie. Bei Igokea sind es „nur“ vier hintereinander.

Champions in Champions League

Die FIBA bewirbt die Champions League als einen Wettbewerb, der auf sportlichen Prinzipien beruht und für den sich Mannschaften durch die nationalen Ligen qualifizieren. Doch wieviel „Champions“ League steckt in der Liga?

Von den 48 Mannschaften, die inklusive Qualifikationsphase am Wettbewerb teilnehmen, gewannen 17 Teams in der vergangenen Saison den Landestitel. In der Euroleague sind es „nur“ sieben nationale Meister, im Eurocup drei. Zieht man den Anteil von Landesmeistern am Teilnehmerfeld heran, relativiert sich das Bild: 43,8 Prozent der Euroleague-Teams gewannen den Landestitel, 35,4 Prozent der Champions-League-Mannschaften und 12,5 Prozent der Eurocup-Teams.

Zudem müssen ganze sieben Landesmeister erst die Qualifikationsphase der Champions League überstehen. Und dort gehen u.a. Mannschaften wie die MHP RIESEN Ludwigsburg, Proximus Spirou, Openjobmetis Varese oder Besiktas Istanbul an den Start, eben keine Landesmeister.

Teilweise gehen nicht die Landesmeister in der Champions League an den Start, obwohl sich Teams aus einer Liga gar nicht in der Euroleague oder im Eurocup vertreten sind, sondern die Hauptrundenersten (Finnland) oder -zweiten (Estland, Lettland, Dänemark).

Die folgende Tabelle soll eine Übersicht geben, wie viele Teams die einzelnen Länder in die drei europäischen Wettbewerbe schicken und wo sie jeweils an den Start gehen. Man merkt: Die Länder mit vielen international teilnehmenden Mannschaften haben ihren Meister häufig in der Euroleague vertreten:

LandLigaTeamsEuroleagueEurocupBCL (davon Quali)Landes- meister
SpanienLiga Endesa9351EL
TürkeiBSL8404 (2)EL
ItalienSerie A8143EL
DeutschlandBBL7133 (1)EL
RusslandVBT7241EL
Tschech. Rep.VBT, NBL1001BCL
WeißrusslandVBT1001 (1)BCL
GriechenlandA15212EL
IsraelBSL4112 (1)BCL
LitauenLKL4112 (1)EL
FrankreichLNB Pro A4004BCL
SerbienABA, KLS3111EL
KroatienABA, A-12011EC
MontenegroABA, KSCG2011 (1)EC
SlowenienABA, SKL2011BCL
Bosnien und HerzegowinaABA, KSBiH1001BCL
PolenTBL2011EC
BelgienScooore League2002 (1)BCL
BulgarienNBL2002 (2)BCL
PortugalLPB2002 (2)BCL
UkraineSL Favorit Sport1001BCL
LettlandLBL1001
NiederlandeDBL1001 (1)BCL
SchwedenBasketligan1001 (1)BCL
ZypernDivision A1001 (1)BCL
SlowakeiExtraliga1001 (1)BCL
UngarnNB I/A1001 (1)BCL
DänemarkBasketligaen1001 (1)
FinnlandKorisliiga1001 (1)
EstlandKML, BBL1001 (1)

Kürzlich endete die Europameisterschaft der kleinen Nationen, die „FIBA European Championship for Small Countries“, bei der sich Armenien gegen Andorra durchgesetzt hat. Ein wenig mutet die Champions League, zumindest mit Blick auf die unteren Regionen des Teilnehmerfeldes, wie so etwas an: auch kleine Teams sollen sich im internationalen Vergleich messen dürfen.

Sicherlich wird das aber nicht der Anspruch der FIBA sein. Aber daran wäre ja nichts Vermessenes, im Gegenteil. Es würde eine Ordnung in den Flickenteppich des europäischen Basketballs bringen, zumindest aus neutraler Sicht. Ein Teppich, so kann man hoffen, der nur vorübergehend über die europäische Basketballlandkarte gelegt worden ist.

* Wie es mit Folgen für die (trans)nationalen Ligen aussehen wird, steht aber auf einem anderen Papier.

Europäischer Flickenteppich
Jetzt mitdiskutieren Anmelden oder Registrieren
Basketball.de - Footer-Icon
entwickelt von Markenwirt, Werbeagentur Bamberg
Copyright 1998-2017 BASKETBALL.de. Alle Rechte vorbehalten. Für den Sport!

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.