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Wenn mitten in der Saison Playoff-Feeling aufkeimt

03.01.2017 || 16:23 Uhr von:
In der zweiten Runde des 7Days Eurocups kommt es am kommenden Mittwoch zu einer Neuauflage des Duells zwischen ratiopharm ulm und dem FC Bayern München Basketball.

Erst am 26. Dezember 2016 trafen die Teams im Audi Dome aufeinander. Die Mannschaft von Trainer Thorsten Leibenath manifestierte ohne Per Günther und weitgehend ohne Tim Ohlbrecht durch einen 87:79-Auswärtssieg ihre Spitzenstellung in der Liga. Wenn sich die Teams am Mittwoch in der ratiopharm arena zum Auftakt der zweiten Eurocup-Runde begegnen, möchte der FC Bayern am liebsten Revanche nehmen und Zweifler an Münchens Titelambitionen kontern. Vor dem Spitzenspiel, das es dem Anlass entsprechend im Free-TV (ProSieben MAXX, ab 19:45 Uhr) zu sehen gibt, wirft basketball.de einen Blick auf die Match-ups. In diesem Zuge wird an manchen Stellen auch nochmal Bezug auf die Partie vor einigen Tagen genommen.

Die Guards: Strukturprobleme gegen Dirigent und Tugend

Nick Johnson, Anton Gavel vs. Braydon Hobbs, Karsten Tadda

Seit dem Ausfall von Per Günther (Nackenprobleme) sind die Ulmer auf den kleinen Positionen stark dezimiert unterwegs – na und? Auch ohne ihren Leader auf der Position Eins konnten die Donaustädter in München und zuletzt deutlich gegen die BG Göttingen gewinnen. Die Siege geben zwar keine Garantie dafür, dass das Spiel nun weiterhin reibungslos funktioniert; die Ulmer können aber bisweilen die Verantwortung prima auf die berühmt berüchtigten mehreren Schultern verteilen. Dabei setzen sie durchaus noch auf ein relativ typisches Point-Guard-Spiel. So fungierte Karsten Tadda gerade in der ersten Halbzeit gegen Göttingen als klassischer Back-up auf der Position Eins. Die Ulmer schaffen es auch mit ihm als nicht gefürchtetem Kreativspieler, den Ball schnell in den Lowpost zu Augustine Rubit, Raymar Morgan oder zur Baseline zu Da’Sean Butler zu passen.

Eurocup

Für die Bayern liegt gerade darin aber die Krux – selbst wenn am Mittwoch womöglich auch ein Taylor Braun oder ein Chris Babb häufiger den Ball bringen sollten. Bayern muss in der Defensive Druck ausüben. Dazu sind sie angesichts ihrer Qualität und Tiefe auch in der Lage. Die Ulmer werden versuchen, Braydon Hobbs (6,6 Punkte, 5,5 Assists, 1,8 Ballverluste pro Spiel; inzwischen 37,7 % Dreierquote), ihren inzwischen nahezu genialen Regisseur und Ballverteiler, so lange wie möglich auf dem Feld zu halten. Gerade ihn sollten die Münchener unter Druck setzen. Der Tabellenführer wird allerdings versuchen, Hobbs so wenig wie möglich in der Verteidigung arbeiten zu lassen. So tragisch und so ärgerlich die Verletzung von Tim Ohlbrecht für die Spatzen ist – in der Verteidigung können sie dadurch größentechnisch noch ausbalanciertere Formationen fahren mit Braydon Hobbs (1,96 m) als kleinsten und Raymar Morgan (zumindest offiziell 2,05 m) als größten Spieler. Die Folge: Noch mehr Switches sind möglich, ohne dass dadurch wirklich dramatische Mismatches entstehen.

Kurzum: Ulm ist clever und flexibel genug, um sich auch ohne Per Günther zu helfen. Beim FC Bayern Basketball hat sich anders als bei den Ulmern, die flexibel, aber in Person von Braydon Hobbs schon noch mit einem glasklaren kreativen Spielgestalter unterwegs sind, noch kein Spiel eingestellt, in dem die Point Guards für die Mannschaft von Sasa Djordjevic ein konstantes Plus sind. Der X-Faktor ist der im Antritt grandiose, aber bisweilen oft unkontrolliert aufspielende Nick Johnson (13 Punkte, 2,4 Assists in der BBL), der in heißen Phasen mit seiner Athletik und seinem Wurf für Aufruhr sorgen kann – egal, ob er Hobbs oder Raymar Morgan vor sich sieht. Der nachverpflichtete Combo-Guard muss jedoch ein besseres Gefühl für den Spielrhythmus entwickeln. Beim Ligaspiel in München beispielsweise mündete sein unbedingter Wille, die Antwort auf einen Ulmer Korb zu geben, darin, dass die Spatzen in einer Phase im Schlussviertel drei schnelle Dreier in Folge versenkten. Bayern braucht einen individuell auftrumpfenden Johnson, denn Anton Gavel ist ein grundsolider Ballvorträger, Organisator und harter Arbeiter, ein Go-to-Guy ist er aber nur noch an ganz besonderen Abenden.

Grundsätzlich – ob mit oder ohne Per Günther: Vorteil Ulm

Die Flügelspieler: Mehr Substanz bei den Hausherren?

Bryce Taylor, Reggie Redding, Vladimir Lucic, Nihad Djedovic vs. Taylor Braun, Chris Babb, Joschka Ferner(, David Krämer)

Chris Babb ist einer der wertvollsten Transition-Spieler der Liga. Das macht es für ratiopharm ulm aktuell auch zumindest ein wenig erträglicher, auf Per Günther verzichten zu müssen, der für Thorsten Leibenath aber zweifellos weiterhin elementar wichtig ist und fehlt. Babb schaltet nach einem Rebound blitzschnell um – sowohl mit als auch ohne Ball. Einerseits kann er den Ball selbst pushen und verfügt in der laufenden Spielzeit noch mehr als in der Vorsaison über die nötige Ruhe; andererseits sprintet er ohne Ball fast unaufhaltsam in seiner Spur und schafft für Mitspieler Räume. Die gegnerische Verteidigung muss sich gegen Ulm vor allem nach einem Fehlwurf ungemein fix zurückorientieren und kann nicht viel Druck im gegnerischen Halbfeld ausüben. Auch Taylor Braun ist in dieser Hinsicht wichtig. Viele Unterschiede zwischen der Mannschaft von Thorsten Leibenath und den Isarstädtern sind auf die aufseiten von Ulm schon deutlich mehr gewachsenen spieltaktischen Strukturen zurückzuführen. Deshalb ist ein Vergleich einzelner Match-ups nicht unbedingt sinnvoll.

Eurocup

Wenn es nach der individuellen Klasse der Spieler geht, ist Bayern gerade auf den Flügelpositionen dick im Geschäft. Reggie Redding verfügt über einzigartige Pick-and-Roll-Qualitäten und ist im klassischen Sinne ein Point Forward. Er hatte im Hauptrundenspiel allerdings seine Probleme gegen die Ulmer Zonenverteidigung im dritten Viertel und generell Schwierigkeiten, wenn der Gegner das Pick-and-Roll switcht. Redding mag es, das Blocken und Abrollen zu nutzen, um in die Zone zu ziehen, gen Highpost einen Mitteldistanzwurf abzufeuern oder den Assist zu spielen. Wenn der Point Forward aber nach einem Block wieder einen Mann vor sich sieht, ist er anfällig für zu statische Dribblings. Noch mehr hat Nihad Djedovic bislang Probleme, mit weniger Dribblings seine Qualitäten für den Zug zum Korb auszuspielen. Sasa Djordjevic ist merklich bemüht, eine bessere Balance zu finden zwischen den Ballbesitzanteilen seiner Spieler. Zu Saisonbeginn funktionierte dies mit Reggie Redding als klarem Go-to-Guy noch besser. Etwa seit der Verpflichtung von Nick Johnson gestaltet sich das Zusammenspiel schwieriger. Als Statusanzeige für die Ballbewegung kann ein Stück weit Bryce Taylor dienen, der bekanntlich ein herausragender Spot-up-Werfer ist. In den vergangenen vier BBL-Partien feuerte er aber nur noch vier Würfe aus der Distanz in Richtung Korb ab.

Die Bayern haben auf den Flügelpositionen insgesamt mehr Substanz als die Ulmer. Vladimir Lucic ist ein starker Verteidiger, der Chris Babb unter Druck setzen kann. Die Münchener nutzen ihn zudem oftmals dazu, sämtliche Aktionen des Gegners abseits vom Ball zu switchen – ebenfalls eine kraftsparende wie potenziell effiziente Maßnahme. Wenn die Münchener an die Intensität in der Defensive aus der zweiten Halbzeit gegen Braunschweig anknüpfen sollten, könnten Substanz und individuelle Qualität einen Ausschlag zugunsten der Bayern geben.

Daher: leichter Vorteil Bayern

Big Men: Erneute Dominanz von Ulms Athleten droht

Maxi Kleber, Danilo Barthel, Devin Booker, Ondrej Balvin, Alex King vs. Da’Sean Butler, Raymar Morgan, Augustine Rubit(, Till Pape, Björn Rohwer)

21 Punkte von Raymar Morgan, 14 von Augustine Rubit, 13 von Da’Sean Butler. Ulms lange Garde konterkarierte vor anderthalb Wochen trotz Tim Ohlbrechts Ausfall Bayerns Frontcourt regelrecht. Dementsprechend liegt es jetzt an den BBL-Dritten, Lösungen zu finden. Vor allem Augustine Rubit war auch in der Defensive ein enormer Faktor, weil er auch stets gegen kleinere Gegenspieler im Eins-gegen-Eins bestehen konnte. Bayerns Ondrej Balvin (2,17 m; 5,7 Punkte, 2,1 Rebounds) bringt zwar die Größe mit, um ein ganz unangenehmes Match-up für Lob-Pässe zu sein; der Tscheche kommt bislang aber kaum zum Zug und kann seine Position in der Verteidigung und beim Rebound wenig dominant behaupten.

Grundsätzlich würde es Sinn machen, zwischen Centern und Power Forwards noch einmal zu unterscheiden, denn der moderne Power Forward wie Maxi Kleber verkörpert eine Art Brücke zwischen den Flügelspielern und den (inzwischen mehr oder weniger als solche fungierenden) Brettspielern. Allerdings kann Ulm seit Ohlbrechts Ausfall nur noch mit recht kleinen Spielern auf der Position Fünf operieren. Die Bayern handhaben die Geschicke ähnlich angesichts der geringfügigen Spielanteile für Ondrej Balvin, ihren einzigen waschechten Big Man. Devin Booker konnte darüber hinaus bis dato nicht konstant seine Vorzüge als athletischer Fünfer ausnutzen – anders als Ulms Raymar Morgan. Auffällig ist auch, dass der MVP der französischen Liga von 2015/2016 seine beeindruckenden Passqualitäten im Pick-and-Roll zuletzt nicht mehr aufblitzen ließ (nur vier Assists in den vergangenen drei Partien). In der zweiten Halbzeit des Braunschweig-Spiels zeigten Bayerns Große jedoch immerhin in der Defensive beim Hedgen, beim Attackieren des ballführenden Spielers im Pick-and-Roll, ihre Vorzüge. Gegen Ulm werden sie wahrscheinlich noch öfter als Eins-gegen-Eins-Verteidiger gefragt sein.

Bessere Antworten als beim Hauptrundenspiel sind von Bayern gefragt. Vorteil Ulm

Kann der FC Bayern Basketball mehr als nur Nadelstiche setzen?

In mehrfacher Hinsicht sind Antworten vom FC Bayern Basketball gefragt. Ulm ist auf nationaler Ebene daheim noch ungeschlagen und hatte selbst im Audi Dome letztlich souverän die Nase vorne. Während der BBL-Tabellenführer beispielsweise durch die Match-up-Zone nach der Halbzeit zumindest kleine Änderungen im Spielrhythmus bewirken konnte, sind die Bayern spätestens seit der Verpflichtung von Nick Johnson gewissermaßen wieder in einer Selbstfindungsphase. Dennoch gelingt es Sasa Djordjevics Team in jeder Partie zumindest streckenweise, eine hohe Intensität in der Verteidigung an den Tag zu legen. Da dies jedoch genauso wie ein konstant flüssiges Offensivspiel zuletzt nicht allzu häufig Umsetzung fand, ist Ulm der Favorit beim Zweitrunden-Auftakt im Eurocup. Ein Substanzverlust durch die Ausfälle von Tim Ohlbrecht und (voraussichtlich) Per Günther ist durchaus absehbar. Dadurch sollte auch der FC Bayern Basketball um seine kreative Flügelachse und Maxi Kleber seine Momente haben, um Nadelstiche zu setzen. Um als Sieger vom Feld zu gehen, bräuchte es mehr als nur diese.

Für TV-Zuschauer ist die Partie allemal empfehlenswert!

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