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Der Djordjevic-Rauswurf ist mutig und riskant

30.03.2018 || 16:25 Uhr von:
Die Meldung schlug ein wie eine Bombe. Der FC Bayern Basketball entlässt seinen Trainer Sasa Djordjevic kurz vor den Playoffs. Eine mutige und riskante Entscheidung zugleich.

„Djordjevic nicht mehr Chefcoach des FCBB!“ Die Mitteilung des FC Bayern Basketball am Donnerstag pünktlich zur Mittagsstunde schlug ein wie eine Bombe. Auch internationale Medien waren überrascht, die Resonanz in den sozialen Medien entsprechend groß.

Die Münchner, mit einer Bilanz von 23:2 Siegen Tabellenführer der BBL, erstmals seit 50 Jahren wieder Pokalsieger und erstmals in der Vereinsgeschichte Halbfinalteilnehmer in einem europäischen Wettbewerb, feuern den Trainer. Einfach so? Vier Wochen vor den Playoffs?

Mangelnde Kommunikation, aber viele Siege

Einfach so? Bestimmt nicht. Dem Vernehmen nach kostete Djordjevic seine mangelnde Kommunikationsfähigkeit den Job. Es soll sowohl die Kommunikation mit der Mannschaft, aber auch mit der sportlichen Führung um Sportdirektor Daniele Baiesi und Geschäftsführer Marko Pesic nicht optimal gewesen sein.

Vor allem die Zusammenarbeit mit Baiesi, dessen Expertise unbestritten ist und den Bayern in den vergangenen drei Jahren immer wieder zum Verhängnis wurde, war offenbar höchstens durchwachsen. Möglicherweise waren die Ansichten der beiden so verschieden, dass eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr möglich war.

Nichtsdestotrotz hat Djordjevic Ergebnisse geliefert. Zwischen dem Ausrutscher gegen s.oliver Würzburg und der Pleite am vergangenen Woche gegen ALBA Berlin gelangen dem Team unter seiner Führung 23 Siege gegen die nationale Konkurrenz in Serie. Der Gewinn des deutschen Pokals eingeschlossen. Auch im Eurocup lief es besser als in den Vorjahren: Gegen Unics Kazan gelang erstmals der Einzug in ein europäisches Halbfinale.

Auch in der Öffentlichkeit konnte sich Djordjevic sehen lassen: Ein starker Typ, ein ehemaliger Weltklassespieler, der in Interviews nie um deutliche Aussagen verlegen war. Dazu eine hohe Reputation im europäischen Basketball, das dem Standing des Klubs unter anderem bei Spielerverpflichtungen nicht geschadet haben dürfte. Wer weiß, ob ein Stefan Jovic, seines Zeichens ein Top-Point-Guard der Euroleague, ohne Djordjevic in München aufgeschlagen wäre.

Diskutables Coaching gegen Darussafaka

Im Eurocup-Halbfinale unterlag man dann aber in zwei knappen Spielen gegen Darussafaka Istanbul. Eigentlich verzeihbar, denn die Türken sind wahrlich kein Kanonenfutter. Aber: Die Art und Weise der beiden Niederlagen muss sich Djordjevic zumindest zum Teil ankreiden lassen, was den Verantwortlichen auch nicht verborgen geblieben sein dürfte.

In Spiel 1 am Bosporus spielte der FCBB eine überragende erste Halbzeit, führte mit 23 Punkten ehe der Einbruch folgte. Die Türken verkürzten sukzessive auf drei Zähler, spielten vor allem ihre athletischen Vorteile gegen Maik Zirbes gnadenlos aus. Auf eine Auszeit seitens Djordjevic oder eine Einwechslung von Devin Booker wartete man vergebens.

In Spiel 2 schoss Scottie Wilbekin die Bayern mit zehn Dreiern quasi im Alleingang aus dem Bewerb. Auf ein Doppeln oder mehrere verschiedene Verteidiger verzichtete der Serbe. Warum nicht mal einen Karim Jallow auf Wilbekin ansetzen und ihn richtig physisch, zur Not auch mit fünf Fouls, verteidigen?

Doch das Aus im EuroCup soll laut Aussagen von Pesic keinen Einfluss auf die Entlassung Djordjevics gehabt haben. Viel mehr sei es ein seit Monaten währender Prozess gewesen, nach dem man sich jetzt so kurz vor den Playoffs zum Handeln gezwungen sah. Das erklärte Ziel, die deutsche Meisterschaft, traute man Djrodjevic offenbar nicht mehr zu hundert Prozent zu.

Eine mutige und riskante Entscheidung zugleich

Sollte dem so gewesen sein, war die Entscheidung von Pesic äußerst mutig, aber richtig. Der allergrößte Teil der Öffentlichkeit kann den Rauswurf aber nicht nachvollziehen, logisch. Der Trainer eines Tabellenführers wird naturgemäß eher selten entlassen. Mit dem „neuen Weg“, wie Pesic ihn bezeichnet, geht er in seiner Person als Geschäftsführer aber auch enorm ins Risiko.

Der FC Bayern muss jetzt fast deutscher Meister werden. Andernfalls steht man in der Außenwirkung ziemlich angreifbar da. Die Fragen, ob es mit Djordjevic, der ja so viele Siege geholt hat, nicht anders gelaufen wäre, werden kommen. Und sie werden nicht zu beantworten bzw. zu entkräften sein.

„Warten wir ab“, sagte Pesic noch am Tag der Entlassung bezüglich der nahen Zukunft. Die nächsten Wochen werden zeigen, wohin die Reise des ambitionierten FC Bayern hingehen wird. Unabhängig davon steht aber auch heute schon fest, dass die BBL in Sasa Djordjevic einen starken Typen an der Seitenlinie verlieren wird. Und das ist nach Andrea Trinchieri und Dirk Bauermann bereits der Dritte in dieser Saison. Schade.

Der Djordjevic-Rauswurf ist mutig und riskant
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