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Eine Serie auf Messers Schneide

16.05.2014 || 13:44 Uhr von: ,
Dru Joyce Veikalas Oldenburg Bonn
Es war weniger grenzenlose Euphorie als vielmehr erschöpft erleichterte Freude in der wieder nahezu ausverkauften EWE Arena, nachdem sich die EWE Baskets Oldenburg in 45 unglaublich hart umkämpften Minuten mit 72:71 ge...

Es war weniger grenzenlose Euphorie als vielmehr erschöpft erleichterte Freude in der wieder nahezu ausverkauften EWE Arena, nachdem sich die EWE Baskets Oldenburg in 45 unglaublich hart umkämpften Minuten mit 72:71 gegen die Gäste aus Bonn durchgesetzt hatten. Dieses Spiel, diese Serie fordert von allen Beteiligten die ganze Leidenschaft, die ganze Leidensfähigkeit und scheint auch nach Spiel 3 noch weit von einer Vorentscheidung entfernt zu sein. Baskets09 (EWE Baskets Oldenburg) und Lenawiemer (Telekom Baskets Bonn) mit dem Doppel-Blog.


56 Fouls, 62 Freiwürfe, 37 Ballverluste,  21 Prozent Dreierquote; Spiel 3 wird für Liebhaber des offensiven Basketballs wie schon die gesamte Serie keine Freude gewesen sein. Und doch bot auch das Spiel gestern wieder so viele Geschichten, so viel Einsatz und herausragende Verteidigung. Zwei Teams, die sich mit viel Herz gegen eine drohende Niederlage stemmten, das sogenannte Momentum, welches immer wieder die Seiten wechselte und eine Entscheidung, die erst im letzten Angriff der Verlängerung fiel. Playoffbasketball, der den Fans beider Teams in Erinnerung bleiben wird.

Schlüssel zum Sieg für die EWE Baskets Oldenburg

Intensiver Start: Oldenburg scheint die Lehren aus den ersten beiden Spielen gezogen zu haben, in denen man laut den Coaches nicht ganz die nötige Intensität an den Start brachte. Gleich im ersten Angriff  der Bonner setzte Chubb ein Zeichen, indem er mit viel Intensität fast einen Steal errung. Diesem Zeichen folgend hatten die Bonner in den Minuten danach wenig Möglichkeiten zu strukturierten Angriffen zu kommen. Bonn benötigte fast sechs Minuten um den ersten Korb zu erzielen, während Oldenburg bis zu diesem Zeitpunkt auch die Rebounds deutlich kontrollierte.

Es war deutlich zu sehen, dass Oldenburg zu Beginn sehr schnell spielen wollte und Bonn ein wenig Zeit benötigte, sich darauf einzustellen. Gleichzeitig verschenkten die EWE Baskets in den ersten Minuten allerdings auch in dem Bemühen, nicht ins Set-Play zu müssen, einige Male unnötig den Ball und verpassten so die Chance sich bereits frühzeitig abzusetzen. Zusätzlich ebnete man Bonn den Weg zurück ins Spiel, indem Oldenburg beim Versuch die intensive Verteidigung aufrecht zu erhalten unnötige Fouls beging und Bonn so an die Linie schickte.

Nach der Halbzeit gelang es Oldenburg erneut mit mehr Energie auf das Feld zu kommen, Bonn erzielte nur drei Punkte in den ersten sieben Minuten, kam nicht in die Systeme, während Oldenburg wieder schneller spielte und insgesamt mehr den Weg an das Brett fand.

Die Sorgenkinder wachen auf

Nach den ersten beiden Partien gab es mit Recht einige Kritik an Nemanja Aleksandrov und Dru Joyce, die in diesen Spielen kein Faktor im Spiel der Oldenburger waren. Unter den Fans wurde bereits über mögliche Veränderungen an der Starting 5 diskutiert, doch die Coaches gaben beiden Spielern weiterhin das Vertrauen. In Spiel 3 traten Joyce und Aleksandrov von Beginn an mit der nötigen Körpersprache auf, Joyce ließ sich nicht mehr von Lawrence durch die Halle schieben, verteidigte stark, die Schwächephase in Viertel 2 mit Joyce auf der Bank war kein Zufall.  Aleksandrov setzte direkt zu Beginn des Spiels Zeichen mit einem And1 und einem Dunk aus dem Fastbreak heraus, war insgesamt mit elf Punkten (bei 83% aus dem Feld) in 17 Minuten effektivster Offensivspieler der Baskets und sammelte dazu noch sechs Rebounds

Was muss Oldenburg auch im nächsten Spiel beherzigen?

Bonner Schützen limitieren: 2/11 ist die Dreierbilanz von Benas Veikalas, der somit durchaus als Sinnbild für die gesamte offensive Performance der Bonner steht. Wenn man Bonn Kredit für die starke Verteidigung der Oldenburger gibt, dann muss man auch die Oldenburger Defense loben. Bonn bekommt gerade für die etatmäßigen Schützen kaum offene Würfe, während man zum Beispiel Gaffney durchaus den Dreier erlaubt. Man hält Bonn über die Serie bei 22 Prozent von der Dreierlinie. Gerade bei einem Auswärtsspiel, wo man die Fans auch nicht ins Spiel kommen lassen möchte, wird es wichtig sein in diesem Bereich weiter herausragend zu arbeiten.

Wege in die Zone finden: Man muss Bonn viel Respekt zollen für die Art, wie sie dem besten Dreierteam der Liga ihr offensives Spiel nehmen. Oldenburg findet keine Wege den Dreier als Faktor in ihrem Spiel zu installieren. In Phasen wirkt Oldenburg offensiv nahezu ratlos, allerdings trat Oldenburg in längeren Abschnitten des Spiels mit einer anderen Überzeugung an als noch in Bonn. Dort hatte die Verlagerung des Spiels an das Brett zögerlich gewirkt, der Abschluss teilweise fast ängstlich. Gestern vergaben die EWE Baskets immer noch viele Aktionen am Korb, scheinen aber spätestens in der zweiten Hälfte angenommen zu haben, dass man diese Serie nicht über das übliche Spiel in der Offensive gewinnen wird.

Gründe für die Niederlage aus Sicht der Telekom Baskets Bonn

  1. Mit 0:9 in eine Partie zu starten, ist nie zu empfehlen. In einem sehr wichtigen Playoffspiel schon gar nicht. Die Telekom Baskets fanden im ersten Viertel nur schwer in ihren offensiven Rhythmus. Und obwohl der Rückstand schnell aufgeholt war, flutschte es nie so ganz optimal im Angriff (32% Trefferquote), so dass sich Bonn trotz starker Defense in keiner Phase wirklich bedeutend absetzen konnte. Andere Faktoren hielten uns im Spiel…
  2. Wie zum Beispiel die 21 Ballverluste der Oldenburger, die es zeitweise so aussehen ließen, als wollten sie uns den Sieg doch irgendwie schenken. Aber Bonn nutze seine Chancen nicht genug und im letzten Bonner Angriff der Verlängerung kam noch Pech hinzu. Ryan Brooks hatte die Uhr nicht im Blick und wusste nicht um die zeitliche Bedrängnis, als er den Ball nochmals zu Eugene Lawrence in die Mitte passte, anstatt selbst mit einem Wurf auf den Korb den Sieg einzutüten. Aber ihr kennt ja das Sprichwort: Pech in Spiel 3, Glück in Spiel 4. 😉
  3. 16 Prozent. Fünf Prozent schlechter als am Dienstag. Ich kann die Dreier locker an einer Hand abzählen und brauche noch nicht mal alle Finger. Zweimal traf Eugene, einmal Andrej. Die Bonner hielten insgesamt 19 mal von draußen drauf. Autsch. Vielleicht liegt es daran, dass die Jungs soviel ihrer Intensität in die Defense stecken und vorne die paar wichtigen Zentimeter oder die ruhige Hand fehlt? Denn eigentlich können sie Dreier treffen, sogar ganz ausgezeichnet. Vor den Playoffs legten sie in die letzten Spielen Quoten von um die 50 Prozent von außen hin.
  4. Es ist immer noch nicht ganz klar, was Jamel McLean dem Schiedsrichter mit auf den Weg gab, aber es muss sehr deutlich gewesen sein (oder einfach nur zu viel), denn er nahm ein Technisches Foul  – sein Viertes – mit auf die Bank, auf der er sehr laaaange sitzen blieb. Unbedacht, rücksichtslos, unnötig? Check, check, check. Denn Bonn braucht Jamel in der Zone (besonders mit der Quote von draußen) für Punkte, Rebounds, Blocks – einfach alles. Sich selbst so aus dem Spiel zu nehmen ist mehr Strafe für das Team und weniger für ihn selbst. Diese Aktion war definitiv ein Faktor, der den Oldenburger in die Karten spielte und seinen Anteil an der Niederlage hatte.

Was macht Mut? Was muss besser werden? (aus Sicht der Baskets Bonn)

Diese Niederlage tut verdammt weh, keine Frage. Aber mein Optimismus für diese Serie ist ungebrochen. Zu beeindruckend präsentieren sich die Bonner mit ihrer „Ich-geb-dir-keinen-Zentimeter-und-wenn-ich-dabei-draufgehe“-Defense und ihrem Zusammenhalt im Team. Egal welcher der elf Männer auf dem Feld steht, es wird zusammen gefightet bis zum Schluss, bis zum Ende der Verlängerung. Wenn wir das am Sonntag wieder im Telekom Dome sehen dürfen, wird alles gut.

Noch besser wäre es, wenn wir im vierten Spiel von Beginn an darauf achten keine unnötigen Fouls zu kassieren (Ich kann’s nur wiederholen!), denn mit einer so kurzen Bank wie unseren kann man sich das einfach nicht leisten. Zusätzlich ist wohl eine Opfergabe an die Basketballgötter nötig, um unsere miserable Dreierquote wieder aus dem Keller zu holen. Kennt sich jemand in Mythologie aus? Was hilft denn da? Ziege? Ochse? Jungfrau?

Man of the Match

Dru Joyce – und wer hätte das am Dienstag gedacht in dieser Serie noch lesen zu dürfen. 13 Punkte bei 50 Prozent aus dem Feld, zwei Assists, drei Rebounds klingen gut, die Plus/Minus Bilanz von +23 sagt aber viel mehr über die Leistung von Joyce aus, die schwache Phase im zweiten Viertel hatte den Ursprung unter anderem in den zwei Fouls, die Joyce zu viel Zeit auf der Bank zwangen. Er agierte mit einer ganz anderen Körpersprache, fand seine Ruhe in den offensiven Aktionen wider, strahlte aber auch die Entschlossenheit aus den Weg zum Brett zu suchen. Dazu setzt er gerade zu Beginn des dritten Viertels wichtige Zeichen (Dreier) und kontrollierte Lawrence.

Highlight des Spiels

Highlight im Sinne von spektakulär mag auf den Dreier von Smeulders zum 72:67 nicht passen und doch wähle ich ihn, weil er der emotionale Höhepunkt war. Er zeigt, dass in den Playoffs immer wieder Rollenspieler im entscheidenden Moment für wichtige Aktionen sorgen und durch diesen Wurf im Endeffekt das Spiel entschieden wurde.

Randnotiz: Direkt im Anschluss an den Dreier durch Smeulders schien auch die Technik der Spannung in der Arena nicht mehr Stand zu halten. Die Anzeigetafeln verabschiedeten sich mehrmals, die 24 Sekunden-Uhr ließ sich nicht starten. Der Lauf der EWE Baskets wurde gebrochen, trotzdem konnte man sich zum Glück über die Zeit retten.

Wie geht es weiter?

Diese Serie geht mittlerweile weit darüber hinaus in irgendeiner Weise vorhersehbar zu sein, es entscheiden Nuancen, vielleicht Nervenstärke, vielleicht auch einfach Glück. Wenn überhaupt hat Oldenburg einen kleinen psychologischen Vorteil. Zwei Mal war Bonn nah dran an einem Auswärtssieg, zwei Mal konnte Oldenburg diesen Angriff abwehren und hat nun selber zwei Matchbälle. Sorgt das für ein lockeres Händchen oder stemmt sich Bonn mit den Zuschauern im Rücken mit noch mehr Energie gegen die Niederlage?

Oldenburg wird weiterhin die Schützen unter Kontrolle halten, aber wohl vor allem die Bank ins Spiel bringen wollen, von der bisher zu wenig offensive Entlastung kommt. Dabei wird Sebastian Machowski besonders Julius Jenkins ins Gebet nehmen, dem die harte Verteidigung von McCray und Mangold sichtbar zusetzt, der aber trotzdem einfach das Heft deutlicher in die Hand nehmen muss und dem jederzeit ein Spiel mit 25 Punkten zuzutrauen ist.

In jedem Fall aber wird die Serie auch am Sonntag wieder viele kleine und große Dramen schreiben.

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