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„Der Erfolgsdruck ist immer da“

22.01.2016 || 10:57 Uhr von:
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Der neue Tübinger Trainer Tyron McCoy spricht im Interview mit basketball.de über das Ende bei den Artland Dragons, seinen Weggefährten Stefan Koch und über seine Entscheidung für die Tigers.

basketball.de: Tyron McCoy, Sie haben fast ihre gesamte Karriere als Spieler in Deutschland verbracht, zehn von 13 Profijahren um genau zu sein. Auch in Ihrer siebenjährigen Laufbahn als Co- und Cheftrainer sind sie immer in der BBL geblieben. Was hat Sie hier so lange gehalten?

Tyron McCoy: Ich war zuerst in Malta, dann in Österreich. Als ich das erste Jahr in Deutschland unter Stefan Koch spielte, habe ich mich sofort wohlgefühlt. Für mich war es immer das allerwichtigste, nicht dorthin zugehen, wo mir am meisten Geld geboten wurde. Ich bin immer dorthin gegangen, wo ich mir vorstellen konnte, dass ich mich wohlfühle – das hat Gott sei Dank auch immer funktioniert. Und es gab später, als ich Coach wurde, dann natürlich noch einen Grund: Meine Frau ist Deutsche.

Wäre es eine Option für Sie, auch im Ausland zu arbeiten?

Ich weiß es nicht. Derzeit sicher nicht. Ich bin froh, dass ich hier in Tübingen bin und wieder die Chance bekommen habe, als Trainer zu arbeiten. Was die Zukunft bringt? Keine Ahnung. Wie gesagt, ich fühle mich hier wohl.

„Stefan Koch hat mich sehr geprägt“

Sie haben für viele Trainer gespielt und als Assistent gearbeitet. Wer hatte den größten Einfluss auf Ihre Art und Weise als Trainer?

Das war sicher Stefan Koch, der jetzt bei Telekom Basketball ist. Wie ich schon erzählt habe, unter ihm habe ich meine erste Saison in Deutschland in Gießen gespielt und dann nochmal in Frankfurt. Später habe ich dann unter ihm drei Jahre als Assistent gearbeitet bei den Artland Dragons. Er hat mich sehr geprägt, wir sind nach wie vor sehr gut befreundet.

Sie haben den Head-Coach-Posten von Stefan Koch bei den Artland Dragons übernommen, bis diese sich im vergangenen Jahr selbst eliminierten. Was war das für ein Gefühl für Sie als Trainer?

Ein schmerzhaftes. Ich bin immer noch sehr traurig darüber. Wir hatten ein tolles Programm, tolle Spieler, hervorragende Mitarbeiter. Ich war dort insgesamt fünf Jahre als Co- und Cheftrainer. Wir haben so viel erreicht, waren in den Playoff-Halbfinals, obwohl wir nicht zu den Topmannschaften, was das Budget angeht, gehörten. Ich bin sehr stolz darauf, was wir geschafft haben, und dementsprechend traurig, dass dieses Programm in seiner damaligen Form aufgegeben wurde.

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„Ich habe mich hinterfragt“

Was haben Sie in der Zeit zwischen dem Ende im Artland und dem Neustart bei Tübingen gemacht?

Ich habe die Zeit sehr gut genutzt. Ich bin seit sieben Jahren Trainer, seitdem hatte ich für meine Frau wenig Zeit, das haben wir jetzt nachgeholt. Und ich habe mich natürlich weitergebildet, ich habe bei anderen Coaches hospitiert, mir ihre Methoden angesehen. Ich habe viel Basketball geschaut, sehr viel sogar. Und dabei habe ich mich natürlich auch hinterfragt: Was war richtig? Womit hatte meine Mannschaft Erfolg? Und natürlich auch: Was war nicht gut, wo muss ich noch besser werden als Trainer? Ich bin ein sehr junger Trainer, ich muss noch viel lernen.

Warum haben Sie sich für Tübingen entschieden?

Ich kenne den Geschäftsführer Robert Wintermantel schon seit Ewigkeiten, wir haben 2000/2001 zusammen in Frankfurt gespielt. Er kam nach dem Rücktritt von Igor Perovic auf mich zu und hat gefragt, ob ich Interesse an diesem Job habe. Obwohl ich bis dahin nicht so viele Spiele von Tübingen in der aktuellen Saison gesehen hatte, war mir klar, dass ich den Posten übernehmen will. Es ist ein Team, das zu unrecht da unten steht, die Tigers sind besser als ihr Tabellenplatz. Das will ich mit den Jungs zusammen zeigen.

Sie haben die Mannschaft in einer schwierigen Phase übernommen, der langjährige Coach Igor Perovic ist ziemlich plötzlich zurückgetreten. Wie haben Sie das Team auf die Rückrunde vorbereitet?

Zu Beginn meiner Tätigkeit, Ende Dezember, hatten wir gleich zwei Spiele in vier Tagen, gegen Bayern und Oldenburg. Da war es schwer, großartige Veränderungen vorzunehmen, ich habe nur Details variiert. Aber mit der All-Star-Pause haben wir endlich Zeit gehabt, an unseren Schwächen zu arbeiten.

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„Wir müssen ganz extrem in der Defense arbeiten“

Was ist eine Schwäche der Tigers?

Offensiv sehe ich sehr viel Potenzial, das zeigt auch die Punkteausbeute (7. Platz) und die Assists (3.) im Vergleich zur Liga. Unser großes Manko ist die Defense. Da habe ich festgestellt, dass wir nicht als Team agieren, dass wir einander oft nicht helfen, wenn wir es brauchen. Da müssen wir ganz extrem arbeiten, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Um auf ihre Frage zurückzukommen: Daran haben wir während der All-Star-Pause gearbeitet. Wenn wir es schaffen, uns da zu verbessern, sehe ich uns wesentlich besser, als der Tabellenplatz, den wir im Moment innehaben.

Der Tübinger Trainerposten gilt als sicherer Job; Perovic war nie in Gefahr, gefeuert zu werden, obwohl es schlechte Phasen gab. War das auch ein Grund für Ihre Entscheidung?

Nein, eigentlich nicht. Natürlich ist es immer von Vorteil zu wissen, dass man alle im Verein hinter sich hat, das macht die tägliche Arbeit einfacher. Aber man sieht an der Entscheidung von Igor Perovic, die ich nur allzu gut verstehen kann, dass überall in der Bundesliga Erfolgsdruck herrscht. Ob bei Bamberg, dem MBC oder eben in Tübingen. Du bist als Cheftrainer nun mal für alles verantwortlich. Wer nicht Cheftrainer war, kann das vielleicht nicht nachvollziehen. Ich kann es. Und deshalb verstehe ich die Entscheidung zu einhundert Prozent. Auch wenn dein Job sicher ist: Es nimmt dir nicht den Druck, Erfolg haben zu müssen.

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