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Crailsheim auf dem Vormarsch – in die BBL?

19.02.2014 || 21:24 Uhr von:
Beko BBL
Der Kalender schrieb den 1. Dezember 2013, als die Crailsheim Merlins in der zweithöchsten deutschen Spielklasse, der ProA, bei den MLP Academics Heidelberg ihr drittes Spiel in Folge verloren und nach einem starken...

Der Kalender schrieb den 1. Dezember 2013, als die Crailsheim Merlins in der zweithöchsten deutschen Spielklasse, der ProA, bei den MLP Academics Heidelberg ihr drittes Spiel in Folge verloren und nach einem starken Saisonstart mit sieben Siegen bei nur drei Niederlagen ins Mittelfeld der ProA abrutschen zu drohten. Bei allem Ärger über den Negativtrend der vergangenen Wochen gab die 87:100-Pleite in Heidelberg den Verantwortlichen und Fans der Merlins nur wenig Anlass, in Panik zu verfallen, stand der 1986 gegründete Verein exakt ein Jahr zuvor vor einem vermeintlich ganz schweren Saison 2012/2013:

Ganze drei Siege stand der heute noch von Headcoach Willie Young trainierten Mannschaft bis Ende November zu Buche, acht Mal musste das Team das Parkett als Verlierer verlassen. An jenem 1. Dezember 2012 standen die Merlins in ihrem Heimspiel gegen die ETB Wohnbau Baskets Essen fast schon vor einem Schlüsselspiel in einer noch recht jungen Saison, standen der damaligen Mannschaft um Ex-BBL-Spieler Jonathan Moore kurz danach in Form des späteren Aufsteigers RASTA Vechta sowie der BG Göttingen sehr schwere Gegner vor der Brust. Doch angeführt von einem starken Moore sowie vom nachverpflichteten Stevie Johnson, der an diesem Tag sein Heimdebüt im Trikot der Merlins feierte, konnte man die Gäste aus Nordrhein-Westfalen souverän mit 82:67 in die Knie zwingen. Was in der Saison folgte, war eine ausgeglichene Bilanz von neun Erfolgen bei neun Niederlagen aus den verbliebenden 19 Partien, was der Mannschaft letztlich zu einem gefestigten, aber lange hart zu erkämpfenden elften Platz im zu diesem Zeitpunkt sehr breiten Mittelfeld der ProA verhalf.

Mit der Erfahrung der Vorsaison im Hinterkopf befanden sich die Crailsheim Merlins entsprechend trotz vorangegangenen drei Niederlagen am Stück Anfang Dezember in einer vergleichsweise deutlich entspannteren Lage, in der man sowohl Anschluss an die Playoff-Plätze  als auch genug Luft nach unten hatte. Spätestens sechs Tage nach der Niederlage in Heidelberg wurden größere Zweifel an die Mannschaft zudem schnell in Keim erstickt: Angeführt von einem starken Philipp Friedel gelang daheim gegen den BV Chemnitz 99 der ersehnte Befreiungsschlag. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wohl nicht einmal die treuesten und optimistischsten Fans der Merlins, dass dieser Sieg der Beginn einer für den Klub historischen Siegesserie sein würde.

Chemnitz, Ehingen, Kirchheim, Cuxhaven, Jena, nochmal Kirchheim, Magdeburg, erneut Heidelberg, Chemnitz und Ehingen und zuletzt Gießen – Hierbei handelt es sich nur ausdrücklich um das Herunterrattern des Spielplans der Merlins, sondern um die Stationen eines Siegeszugs, der mittlerweile bereits elf Partien anhält, in denen die Mannschaft von Willie Young seit nunmehr genau 80 Tagen nach der letzten Niederlage in Heidelberg als Sieger vom Parkett ging. Eine längere Strecke des Erfolgs gelang dem Klub nur in der Spielzeit 2008/2009 in der ProB. Am Ende dieses Siegeszugs stand damals im Endeffekt der Aufstieg in die ProA. Ein Vater des damaligen Erfolges war der ehemalige Trainer und heutige Sportliche Leiter des Vereins, Ingo Enskat.

Kein Wunder, dass auch in der laufenden Saison nach elf Siegen in Serie erste Fans der Heilbronn-Franken, die nach mittlerweile 23 absolvierten Spieltagen auf dem zweiten Tabellenplatz rangieren, bereits vorsichtig von einem Aufstieg in die Beko BBL träumen.

Doch wie realistisch ist der sportliche Aufstieg der Merlins, und gibt es Hoffnung, dass der Klub die Mindestanforderungen für die deutsche Spitzenklasse stemmen kann?

Court Review zeigt zunächst Gründe für Crailsheims derzeitigen Höhenflug auf:


Eine intakte Teamchemie ebnet den Erfolg

Daniel Feuchter, Kommentator beim Livestreaming-Service des Vereins, MerlinsTV, sowie Pressesprecher, betont immer wieder den enormen Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft. „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir schon einmal so eine Teamchemie hier in Crailsheim hatten“, schwärmte Feuchtner mitunter in einer Übertragung der Partie zwischen den Merlins und Chemnitz. Dieses Kollektiv spiegelt sich auch in den Leistungen auf dem Parkett wider. Jeder Spieler kämpft für den anderen und ordnet individuelles Talent der mannschaftlichen Geschlossenheit unter. Auch auf der Bank wird mit angefeuert – sei es ein Kosta Karamatskos, der in letzter Zeit kaum noch signifikante Minuten auf dem Parkett sieht, oder ein Jonathan Moore, wenn er, wie beispielsweise gegen Chemnitz, im vierten Viertel wegen seines vierten Fouls auf der Bank platznehmen muss und eigentlich Grund hätte, ein Stück weit Frust zu schieben. Darüber hinaus zeigt sich die Mannschaft in Phasen besonders stark, in dem sie gerade ins Straucheln gerät. So geschehen am vergangenen Sonntag: Die Gäste aus Gießen lagen drei Minuten vor Spielende mit acht Punkten in Front – eine vermeintlich nur schwer noch zu kippende Partie, in der Gießen eigentlich über die meiste Zeit dominierte. Doch mit Hilfe einer geschlossenen Teamleistung und mit unbändigem Kampfeswillen schaffte es der Tabellenzweite der ProA noch, sich in die Verlängerung zu hieven, um dort in der zweiten Overtime den Sieg noch einzufahren.

Statistiken bestätigen, dass sich die harmonische, intakte Teamchemie auch auf dem Parkett widerspiegelt: Die Merlins geben mit 17,4 Assists pro Begegnung hinter Ligaprimus BG Göttingen die zweitmeisten direkten Korbvorlagen in der Liga. In Person von Carlos Medlock (5,0 Assists pro Spiel), Yorman Polas (2,8), Jonathan Moore (2,4) sowie Stevie Johnson (2,1) geben gleich vier Akteure durchschnittlich mehr als zwei Assists pro Partie.

Abseits von Fakten und Statistiken dient eine ganz besondere Geste vom vergangenen Freitag ebenfalls als Beleg für die homogene Einheit, als die sich das Team in der laufenden Spielzeit präsentiert: Am Rande des Heimspiels am vergangenen Freitag stellte Merlins-Point-Guard Kosta Karamatskos vor der heimischen Kulisse und vor seiner Mannschaft seiner Freundin einen Heiratsantrag. „Jeder einzelne in der Mannschaft hat mich zuvor immer wieder zu diesem Schritt motiviert“, gab der 28-Jährige in der Pressekonferenz nach der Partie überglücklich kund, und fügte an: „Diese Mannschaft ist wie eine Familie.“ Beste Voraussetzungen für eine große Saison.

Medlock, Moore, Johnson oder auch: Das magische Dreieck

Doch neben einer stimmigen Teamchemie braucht es auch immer Führungspersönlichkeiten und Führungsspieler innerhalb einer Mannschaft, die vorangehen, die Verantwortung übernehmen in schwierigen Momenten. In dieser Disziplin fallen vor allem drei Spieler in besonderem Maße heraus: Point Guard Carlos Medlock, Power Forward Jonathan Moore und Center Stevie Johnson sind nicht nur die drei Akteure, die im Schnitt am stärksten für das aktuell heißeste Team der Liga scoren, sondern glänzen ganz speziell über ihre Führungsstärke – und auch hier jeder auf seine ganz eigene Weise:

Der ehemalige BBL-Spieler in Diensten von den Eisbären Bremerhaven und der TBB Trier Jonathan Moore sticht vor allem dadurch hervor, dass er versucht, auf und abseits des Parketts jederzeit ein „Vocal Leader“ zu sein. In einem Großteil der Ballbesitze, sei es am defensiven oder am offensiven Ende, ist Moore meistens derjenige, der über Wort und Gestik taktiert. Verpasst ein Spieler, wie zuletzt zum Beispiel der jüngst nachverpflichtete Frankie Sullivan gegen Chemnitz, den Einstieg ins System, wird der in Deutschland geborene und deutschstämmige US-Amerikaner auch mal lauter und deutlicher in seiner Körpersprache. Spielerisch zeichnet sich Moore durch seine Vielseitigkeit aus. Fällt der Dreier in dieser Saison zwar bisweilen sehr schwankend (27,6%), forciert Moore sehr häufig den Zug zum Korb und kann mit seiner Athletik als Power Forward den Fastbreak mitlaufen. Zudem wird Moore gegen gegnerische Presseverteidigungen sehr häufig als sogenannter Point Forward oder auch One-Man-Press-Break eingesetzt, der dann mit seinem sehr soliden Ballhandling und seiner guten Spielübersicht als Entlastung des Point Guards den Ball nach vorne bringt und die Set Offense initiiert. Defensiv besticht der 31-Jährige über viel Kommunikation und Zuverlässigkeit in der Teamdefense. In der Statistik des Defensivratings (= Punkte, die ein Team im Schnitt auf 100 Ballbesitze hochgerechnet kassiert, wenn ein jeweiliger Spieler auf dem Parkett steht) steht der Sohn einer deutschen Mutter und eines US-amerikanischen Vaters ligaweit auf Rang acht platziert. Teamintern steht lediglich Bigman Andreas Kronhardt in dieser Kategorie noch vor dem in Nürnberg geborenen Moore. Es scheint nicht unwahrscheinlich, dass er unabhängig von einem eventuellen Crailsheimer Aufstieg in die Beko BBL seine Karriere in der ersten Liga fortsetzen könnte. Im Preseason-Game gegen die Telekom Baskets Bonn zeigte Moore mit seinen 20 Punkten (darunter fünf Dreier) bereits eindrucksvoll, dass er auf diesem Level potenziell mehr als nur mithalten kann.

Ein weiterer wichtiger Eckpfeiler in der Mannschaft der Merlins ist Point Guard Carlos Medlock. Der 26 Jahre junge US-Amerikaner spielte vor dieser Saison in Island, Großbritannien und Chile in verglichen mit der ProA noch weniger renommierteren Ligen Europas, zeigte jedoch vom Start weg keine Anpassungsschwierigkeiten. Mit seinen durchschnittlich 18,4 Punkten, 5,0 Assists und 2,0 Steals liegt der 1,83m-Mann in diesen drei Bereichen in den Top 10 der ProA. Medlock ist charakterlich eher der ruhigere Vertreter, der keine großen Reden auf dem Spielfeld schwingt, sondern über beispielhaften Einsatz, stetigem Lerneifer und einer unglaublichen Kaltschnäuzigkeit das Team führt. Unvergessen bleibt sein Auftritt gegen Science City Jena, denen der Scharfschütze (45,4% Dreier) in der zweiten Halbzeit sagenhafte 34 Punkte einschenkte. Individuell ist der Pull-up-Jumper Medlocks größte Qualität. Wenn er nach Crailsheimer Rebound und folgendem Outlet-Pass die Möglichkeit hat, bis an die Dreierlinie oder 1-2 Meter davor mit dem Ball heranzusprinten, ist er kaum noch zu stoppen und zündet einen Flammenwerfer nach dem nächsten. Nicht umsonst und völlig verdient, wurde Medlock zuletzt zweimal in Folge zum Monats-MVP der ProA ausgezeichnet.

Der dritte im Bunde des magischen Merlins-Dreieck kann metaphorisch vielleicht als Merlin, der Zauberer, in Person bezeichnet werden: Stevie Johnson stieß inmitten der vergangenen Saison zu einem Zeitpunkt zum Team aus Baden-Württemberg, als sich diese mit drei Siegen aus zehn Spielen im Tabellenkeller der Liga befanden. Doch mit Hilfe seiner vorbildlichen und stets aufrichtigen Einstellung sowie seiner Erfahrung hauchte er der Mannschaft neuen Mut und ein neues Selbstverständnis ein. Im „HT“ konstatierte Ingo Enskat in seinem Saison-Resümee: „Mit Stevie Johnson kam der Wendepunkt.“ Johnson, der bereits in der spanischen zweiten Liga zu den Topscorern gehörte und in der spanischen dritten Liga sogar zum MVP gekürt wurde, zeichnet sich durch eine ziemlich besondere Spielweise für einen Akteur aus, der auf dem Papier mit 15,3 Punkten und 7,6 Rebounds nicht nur auf dem Papier zu den dominantesten Spielern der Liga und zu den heißesten Anwärtern auf dem diesjährigen MVP-Titel in der ProA gehört. Johnson ist niemand, der den Ball groß einfordert, sondern der stets mit besonderer Ruhe und Gelassenheit agiert. Wenn er den Ball im Post erhält, schaut er in erster Linie immer auf sich freilaufende und bewegende Mitspieler, die er in Szene setzen kann, bevor er im 1-gegen-1 sein Glück versucht. Generell scort der 35-Jährige weniger aus Einzelaktionen, als vielmehr aus Aktionen, in denen er den richtigen Laufweg und das richtige Timing für Durchstecker ans Brett oder für Offensivrebounds zuvor mit all seiner Erfahrung antizipiert. Im Unterschied zu Moore, der sich auch gerne mal zu Emotionen hinreißen lässt – auch in Form dessen, dass er manchmal mit den Schiedsrichtern oder sich hadert –, verliert Johnson in der Regel nie die Fassung und legt seinen Fokus zu jeder Zeit aufs Spielgeschehen. Im 100:90-Overtime-Krimi untermauerte der einstige Absolvent der Iowa-State-Universität mit 11 Punkten in der zweifachen Verlängerung seine Crunchtime-Qualitäten. Mit einer 69-prozentigen Feldwurfquote weist der mit 1,94m (lt. seiner Agentur) auf der Centerposition kleinste Spieler der Liga, der eigentlich gelernter Small Forward ist und einst sogar ein solider Dreierschütze war, zudem die zweitbeste Feldwurfquote der ProA auf.

Rollenspieler geben Entlastung – und gerne auch noch mehr

Auch hinter den vermeintlichen drei Leadern des Teams verbirgt sich Qualität gepaart mit der nötigen Rollenakzeptanz, die jeder Spieler verankert hat. Allen voran ist Yorman Polas hier als Lockdown-Defender bzw. Kettenhund zu nennen. Der Kubaner, der derzeit Deutschunterricht nimmt und vor seinem Wechsel nach Deutschland (spielte in der vergangenen Saison für die München Baskets in der Regionalliga) kein Wort Englisch und Deutsch sprach, doch vom Team stets bei der Integration unterstützt wurde, stiehlt mit durchschnittlich 2,1 Ballgewinnen pro Begegnung die zweitmeisten Bälle in der Liga. Der physisch starke Small Forward zeichnet sich durch eine extrem starke Beinarbeit und einer hohen Antizipationsfähigkeit aus. Offensiv neigt der 28-Jährige noch zu häufig dazu, sich in Einzelaktionen mit dem Kopf durch die Wand zu verrennen, doch hier und da gelingt es Yorman Polas immer wieder, sich mit all seiner Physis im Zug zum Korb oder im Spiel mit dem Rücken zum Korb gegen in der Regel physisch schwächere Spieler durchzusetzen. Mit 4,8 Rebounds pro Partie gehört der 1,92m-Mann darüber hinaus zu den stärksten Reboundern auf seiner Position.

Rebounds gehören auch zum Spezialgebiet eines anderen Merlins-Akteurs: Andreas Kronhardt fischt sich prozentual die drittmeisten Rebounds von allen Spielern in der ProA, und weist darüber hinaus das sechstbeste Defensivrating der Liga auf. Spielte der Centerspieler, der auch auf die Power-Forward-Position ausweichen kann, einst in Vechta noch als klassische Stretch-Five, möchte Merlins-Trainer Willie Young in dieser Saison keine Dreier vom 24-Jährigen und damit zweitjüngsten Profi in der Rotation sehen. Dafür besticht Kronhardt, der manchmal vielleicht etwas soft in seinen Bewegungen wirkt, über Scharfsinnigkeit und einer guten Spielintelligenz. Zuletzt bewies der 2,05m-Mann in der Abstinenz des kurzzeitig verletzten Stevie Johnson, dass er zur Stelle ist, wenn er gebraucht wird (zwischen dem 18.-20. Spieltag mit einer durchschnittlichen Effektivität von 19,3), weshalb er auch seit einigen Spielen seine Chance in der Starting-Five erhält.

Ein Sinnbild für den Crailsheimer Aufschwung ist Philipp Friedel. Brauchte der 26-jährige Deutsche in der vergangenen Saison noch lange Anlaufzeit, um zu seinem eigentlich so gefährlichen Touch von außen, vor allem aus dem Catch & Shoot, zu finden, war Friedel in der laufenden Spielzeit in Sachen Wurfstärke von Beginn an präsent. Zwar leistete sich der Shooting Guard zwischenzeitlich ein kleineres Tief, doch konnte dies im homogenen Mannschaftsgefüge aufgefangen werden. Am vergangenen Wochenende versetzte Friedel zudem den Gießen 46ers den Gnadenstoß mit einem Dreier kurz vor Ende der zweiten Verlängerung, der den Sieg der Merlins manifestierte. In Sachen Nervenstärke steht ihm sein Teamkollege Josten Crow wenig nach. Crow interpretiert ähnlich wie Friedel seine Rolle auf der 2 als klassischer Shooter. Mit 49% von Downtown gehört er zu den besten Dreierschützen der Liga und weiß sich neben seiner Treffsicherheit aus dem Catch & Shoot auch hier und da seinen eigenen Wurf aus dem Dribbling zu kreieren. In den Krimi-Siegen gegen Chemnitz und Gießen verwandelte Crow in den Schlussminuten eiskalt seine Freiwürfe. Seit erst wenigen Wochen mit von der Partie ist Frankie Sullivan, der jedoch in seiner ersten Begegnung für die Merlins gleich zum Topscorer avancierte, was wiederum für die Teamchemie spricht sowie dafür, dass es neuen Spieler in dieser Saison leicht gemacht wird, sich in das harmonische und zielstrebige Team der Merlins zu integrieren. In den vergangenen Partien blieb Sullivan zwar offensiv noch etwas blass und verzettelte sich hier und da in Einzelaktionen, doch defensiv erwies sich der mit 23 Jahren jüngste Spieler im Team als sichere Bank.

Auch abseits des Parketts ist der Kollektiv-Geist vorhanden

Dass die Mannschaft derart intakt auftritt und jeder seine Rollen so schnell gefunden hat, ist auch ein Verdienst der Sportlichen Leitung um unter anderem dem Headcoach und einstig ehemaligen Merlins-Spieler Willie Young und dem Sportlichen Leiter Ingo Enskat. Sie haben es geschafft, der Mannschaft eine Hierarchie einzuimpfen und die Spieler in die Position zu bringen, dass jeder seine charakterlichen und spielerischen Stärken gewinnbringend in die Mannschaft einbringen kann. Und auch abseits des Courts ist dieses Kollektiv förmlich zu spüren. Die Fans tragen mit ihrem Enthusiasmus dazu bei, dass die HAKRO Arena in dieser Saison eine wahre Festung ist (11:1 Heimbilanz). Das MerlinsTV-Team schafft es, die ohnehin schon immer besondere Qualität der Heimspielübertragungen noch stetig zu steigern. Alle Beteiligten um den personell relativ klein besetzen Verein herum zeigen einen unbändigen Willen, den Verein in der Öffentlichkeit zu vermarkten und sportlich zu etablieren. Auch sportlich gibt man sich selbst im derzeitigen Höhenflug nicht mit allem zufrieden, stellte Enskat nach dem Spiel gegen Gießen fest: „Wir machen zur Zeit Fehler, die wir vor ein paar Wochen noch nicht so gemacht haben.“

Weichen für den großen Coup sind zu stellen

Sportlich gilt es für die Merlins, den Weg, den sie nun seit Wochen einschlagen, fortzusetzen. Zwar wird vermutlich auch die aktuelle Siegesserie irgendwann ihr Ende finden, doch potenziell gibt das starke Mannschaftsgefüge des Klubs aus der 32.000-Einwohner-Stadt wenig Anlass zur Sorge, dass das Team nach einer Niederlage von ihrer Linie abweichen könnte. Gerade in den Playoffs, zu deren auch formal sicheren Erreichen nur noch ein Sieg fehlt, kann dieser Teamgeist gepaart mit Routine und der individuellen Qualität in der Spitze den Unterschied ausmachen, wenn es am Ende um das Ganze geht. Nach der insgesamt nominell noch tiefer besetzten BG Göttingen ist Crailsheim mit zwei Siegen Vorsprung auf Rang 3 wohl der größte Anwärter auf den sportlichen Aufstieg.

In der vergangenen Woche kündigte der Teammanager Martin Romig in der SWP ambitioniert an, dass man „daran arbeite, den Aufstieg zu realisieren“. Den Antrag für das Lizenzierungsverfahren müssen und werden die Merlins Romigs Aussagen nach bis zum 15. April bei der BBL einreichen. Derzeit sei man laut Romig dabei, frühzeitig Sponsoren oder potenziellen Sponsoren zu kooperieren und über die Potenziale für die nächste Saison zu verhandeln. Ein Hindernis könnte neben dem für die BBL notwendigen Mindestbudget von mindestens einer Millionen Euro die Kapazität der Halle darstellen. Die heimische HAKRO Arena fasst 1.777 Zuschauer und liegt damit unter dem erforderten Standard (3.000) für das Oberhaus des deutschen Basketballs. Zum Weihnachtsspiel 2013 sind die Merlins nach Ilshofen ausgewichen, als fast 3.000 Zuschauer in die Arena Hohenlohe strömten. Ein Fragezeichen steht jedoch noch dahinter, ob man die Halle kontinuierlich nutzen könnte bzw. ob die Merlins vielleicht eher versuchen, ihre eigene Halle auf Ausbaumöglichkeiten zu prüfen.

All diesen Hindernissen zuvor kommt jedoch immer noch das sportliche Hindernis. Hier gilt es für die Merlins in den kommenden Wochen, ihren Höhenflug zu manifestieren, um dann womöglich – wie es in Crailsheim üblich ist – im Kollektiv die Weichen für einen ganz großen Sprung zu stellen.

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20. Februar 2014 um 10:26 Uhr

Guter Artikel, aber Crailsheimer sind keine Schwaben 😉

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