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Chaos und Tumulte bei Bayern-Derby

23.12.2017 || 17:54 Uhr von:
Das Bayern-Derby zwischen Bayreuth und München war über die meiste Zeit ein spannendes Spiel, das allerdings aufgrund einiger Ereignisse in den Hintergrund rückte.

Das Spiel zwischen medi bayreuth und dem FC Bayern München verbreitete ähnlich viel vorweihnachtliche Stimmung, wie sie John McClane in Stirb Langsam erfährt. Im Fokus stand dementsprechend auch weniger das Spiel, sondern technische Fouls und Probleme. Doch zuerst zum Sportlichen.

Bayern siegen verdient

Das erste Viertel verlief noch sehr ausgeglichen. Im Anschluss übernahmen die Gäste allerdings im zweiten Viertel nach und nach die Kontrolle und nahmen eine Führung von zehn Punkten in die Halbzeit. Auch nach der Pause vergrößerte München den Abstand sukzessive bis auf 20 Punkte. Die Heimmannschaft gab sich aber nie auf und versuchte bis zum Schluss alles. Näher als acht Punkte kam medi bayreuth aber nicht mehr heran und unterlag am Ende 77:86.

Topscorer auf Seiten der Gäste waren Devin Booker (16), Milan Macvan (16) und Reggie Redding (14). Bei Bayreuth zeigte vor allem Andi Seiferth eine starke Leistung (14 Punkte, 6 Rebounds, 4 Assists und 4 Steals). Der Tabellenführer dominierte vor allem die Zone (2FG %: 36 % Bayreuth – 70 %  München) und das Rebounding (27 – 43).

Korbanlage defekt

Die Partie fing mit technischen Problemen an. Die Shotclock der regulären Korbanlage bekam kurz vor dem Spiel einen Überspannungsschaden und konnte auf die Schnelle nicht repariert werden. Danach versuchten die Verantwortlichen vor Ort alles, um ein Spiel zu ermöglichen. Es wurden letztendlich die Körbe von der Decke gelassen, mit denen der BBC Bayreuth vor ein paar Jahren noch in der zweiten Liga spielte. Wieso nicht einfach eine Shotclock unter den Korb gestellt wurde, wie vor einigen Wochen beim Spiel von Tübingen in Gießen, bleibt offen.

Zwischenzeitlich gab es das Gerücht, dass die Gäste aus München bereits Protest beim Kampfgericht gegen die Wertung des Spiels eingelegt hatten, da die Korbanlagen nicht den Ansprüchen der easyCredit Basketball Bundesliga genügen. Dies konnte der technische Kommissar jedoch nicht bestätigen.

Ansonsten kann man sich freuen, dass die Ersatzkörbe verschiedene Härtetests von Devin Booker unbeschadet  überstanden haben.

Wir haben bisher noch nicht auf Ersatzkörbe gespielt, aber letztendlich sind wir da professionell genug. Wir haben es ganz gut gelöst. Mich hat zum Glück kein Becher erwischt, vielleicht die Bank ein bisschen. Im Allgemeinen hat so etwas nichts im Sport zu suchen. Ich finde die Stimmung in der Halle hier immer extrem gut. Die Fans haben das nicht nötig, solche Aktionen zu machen und zum Beispiel auch auf das Spielfeld zu rennen. Das haben das Team und der Verein nicht verdient. (Danilo Barthel)

Stimmung schwappt über ins Negative

Die ausverkaufte Oberfrankenhölle wurde ihrem Ruf wieder einmal gerecht. Dieses Mal allerdings leider auch im negativen Sinne. Bei verschiedenen strittigen Entscheidungen waren die Fans von medi bayreuth nicht allzu oft der Meinung der Schiedsrichter. Spätestens nach dem technischen Foul gegen Bastian Doreth, der sich zuvor ein Wortgefecht mit Anton Gavel lieferte, hatten die Unparteiischen jeglichen Kredit bei den Fans verspielt. Aufgrund dieser Szene platzte auch Coach Raoul Korner der Kragen, der wutentbrannt sein Taktikbrett auf das Spielfeld warf, seine Coaching Zone dabei verließ und lautstark auf die Schiedsrichter einredete. Dafür gab es gleich das zweite technische Foul, weshalb der Österreicher den Innenraum verlassen musste (unter lautstarken „Raoul-Korner-Sprechchören“).

Ich glaube, wir haben da überreagiert. Das gehört zum Sport dazu. Aber das hat uns geschadet. Es kamen zwar ein bisschen Emotionen rein, aber am Ende des Tages haben wir uns dann mehr mit anderen Dingen beschäftigt als mit Basketball. Am Anfang haben wir zu wenig physische Präsenz gezeigt, und hinten raus waren wir mental nicht mehr so fokussiert. (Bastian Doreth)

Ich wollte meinen Spielern den Spielzug näher zeigen und hab ihnen deshalb das Taktikbrett näher gebracht und vor die Füße gelegt. Das wurde missinterpretiert. […] Ich habe die Sprechchöre mitbekommen. Vielen Dank dafür. Aber ich bitte um Verständnis, dass mein Kopf in der Situation woanders war. Es freut mich aber natürlich, dass es da Sympathiebekundungen gegeben hat. (Raoul Korner)

Was sich dann ereignete, ist allerdings in keinster Weise zu entschuldigen und wird weder dem Bayreuther Publikum, noch dem hitzigen aber ansonsten fairen Spiel gerecht. Während Spielunterbrechungen flogen zwei Mal Becher aufs Spielfeld bzw. Richtung Bayern-Bank, die glücklicherweise niemanden trafen. In einer anderen Szene hätte ein einzelner Fan fast das Spielfeld gestürmt, wobei letztendlich unklar war, was er dort eigentlich wollte. Kapitän Doreth konnte ihn letztendlich relativ problemlos noch rechtzeitig abbremsen.

Ich habe bisher noch nie Fans gesehen, die Sachen aufs Feld geschmissen haben oder auf das Feld gerannt sind. Aber das zeigt nur, wie stark und emotional unsere Fans mit dem Team verbunden sind. Es ist natürlich nicht gut, dass wir verloren haben, aber mit so einer Unterstützung der Fans ist es leichter, wieder zurückzukommen und im nächsten Spiel wieder alles zu geben. (Gabe York)

Fazit

Wer am Freitagabend das Spiel verpasst hat, sollte dies auf jeden Fall nachholen. Die Gäste zeigten, wieso sie im Moment souverän an der Spitze der Tabelle stehen und erst ein Spiel in dieser Saison verloren haben. Die Bayreuther Mannschaft hat sich auch diesmal trotz großem Rückstand zu keinem Zeitpunkt aufgegeben und spielte sich so weiter in die Herzen der Fans.

Offen bleibt, ob dem Verein aufgrund der Ausschreitungen noch weitere Konsequenzen drohen.

Chaos und Tumulte bei Bayern-Derby
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Claus
Claus 23. Dezember 2017 um 23:33 Uhr

Sicher ist das nicht ok, wenn Zuschauer Gegenstände auf das Spielfeld werfen. Allerdings ist die grundsätzliche Entwicklung in der BBL auch den unterschiedlichen Leistungen der Schiedrichter geschuldet. Es wird auf Dauer nicht mehr nebenberuflichen Referees funktionieren. Zumal auch die Unterschiede zu den internationalen Spielen bzgl. der Regelauslegungen immer dramatischer werden. Es geht schließlich um Profisport und dazu braucht es auch Profischiedsrichter, die in derartigen Situationen einfach eine neutrale Linie haben und deeskalieren können.

MaPo
MaPo 25. Dezember 2017 um 10:42 Uhr

Die Ursache für die hitzige Situation wurde von den Schiedsrichtern leider völlig falsch eingeschätzt. Ich habe mir die Situation mit dem Foul von Alex King mehrfach auf Video angesehen. Es waren nur noch 4 Sekunden auf der Uhr – King beging ein taktisches Foul – ohne jede Verteidigungshaltung geht er mit beiden Armen am Körper anliegend (um sich zu schützen) in den drippelden Bayreuther Spieler (Amaize) an der rechten Seitenlinie „hinein“, um nur die Uhr zu stoppen, da München noch keine Mannschaftsfouls hatte und die Restspielzeit auf Kosten eines Fouls reduziert werden sollte. Wie diese Fouls zu behandeln sind, darüber sollte nicht mehr diskutiert werden – leider haben die Schiedsrichter nicht regelgerecht reagiert… Das war ein Foul von King der unschönen Art… Ich will jetzt nicht unterstellen, dass King für solche Situationen auf dem Feld steht – aber er steigt hin und wieder extrem hart ein – ich hoffe nur, dass er bei Bayern München als Rollenspieler hier keine Aufgabe hat.
Die Schiedsrichter waren der hitzigen Situation leider nicht gewachsen. Ich hätte mir gewünscht, dass die Schiedsrichter den Videobeweis herangezogen hätten und Ihre Entscheidung konkretisiert hätten – zumindest das unsportliche Foul gegen München wäre gerecht gewesen. Das Verhalten der Fans, die Gegenstände aufs Feld werfen oder gar aufs Feld rennen ist nicht tolerierbar. Es bleibt zu hoffen, dass auch die Schiedsrichter im Nachgang kritisch auf ein Spiel zurück blicken und aus solchen Situation lernen.

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