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Der Bamberger Busfahrplan

21.11.2015 || 12:09 Uhr von:
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„Ich fahre den Schulbus durch die Euroleague“, sagt Andrea Trinchieri. Wie sich das auf sein Offensivsystem bei den Brose Baskets niederschlägt, zeigt die Taktik- und Statistik-Analyse.

„Ich bin kein Zauberer, ich vollbringe keine Wunder. Ich rette keine Menschenleben. Ich versuche nur, mit meinen Spielern als Menschen zu sprechen.“

Andrea Trinchieris Worte nach dem 93:83-Auswärtssieg bei ratiopharm ulm nahmen etwas von dem Mythos, den sich die TelekomBasketball-Moderatorin bezüglich der Halbzeitansprache des Bamberger Meistertrainers vielleicht erhofft hatte. Doch sie verdeutlichen, was der Italiener schafft: seine Mannschaft während eines Spiels so einzustellen, dass sie den Schalter umzulegen weiß.

Das gelang den Brose Baskets nicht nur beim Gastspiel in Ulm, sondern zuletzt auch im Schlussabschnitt in Tübingen sowie bei den Euroleague-Partien gegen Sassari und Tel-Aviv. Und das, nachdem Maccabis Veteran Devin Smith in der ersten Hälfte noch einem „Lehrer geähnelt“ und die Bamberger „Verteidiger mit dem Schulbus umhergefahren“ hatte.

Trinchieris Auftreten bei Interviews samt seiner metapherreichen Sprache tragen ein gewisses Kultpotential in sich – in dieser Hinsicht mutet Trinchieri wie der Gregg Popovich der Beko BBL an (Johan Roijakkers könnte Trinchieri hierbei vielleicht noch Konkurrenz machen).

Doch auch spielerisch sind Anknüpfungspunkte zu finden, wenn es um die Ästhetik, den Wert des Kollektivs und um Spacing in der Offensive geht. Gegenüber SPOX gab Trinchieri zu, unter NBA-Coaches eben jenen Popovich zu beobachten – „Popovich ist einfach Popovich.“ Und Trinchieri einfach Trinchieri? Ja, das würden viele BBL-Interessierte und Bamberg-Fans unterschreiben.

Guard-Terror in der Frankenhölle

Rangierten die Spurs in der NBA in den vergangenen fünf Jahren stets immer unter den Top-vier bei der „Assist-Ratio“ (prozentualer Anteil von Assists bei Ballbesitzen), so gehören hierbei auch die Brose Baskets zur Crème de la Crème ihrer Liga: In 30,3 Prozent ihrer Angriffe verteilen sie in dieser Spielzeit eine Korbvorlage – keine Mannschaft präsentiert sich in der Beko BBL teamdienlicher (2014/15: 24,6 Ast%, 2.).

Die Offensive Bambergs ist von viel Ball- und Mannbewegung geprägt, samt Swing von der einen zur anderen Seite. Ein Inside-Outside-Spiel geht über die zweigliedrige Komponente hinaus. Ein Grund für den hohen Assist-Anteil liegt unter anderem in Trinchieris Vorliebe für ein Guard-geprägtes System begründet. Darauf hatte man sich auch bei der Einkaufspolitik über den Sommer konzentriert, ließ Rolf Beyer beim Tip-Off-Meeting vor der Saison verlauten. Vom „Guard-Terror“ kann man zwar nicht bezüglich einer Ganzfeldpresse sprechen, dafür aber bezüglich der Ballhandler- und Spielmacheroptionen.

Schon in den vergangenen Playoffs schickte Trinchieri immer wieder drei potentielle Aufbauspieler auf das Feld, diese Option besitzt er mit Brad Wanamaker, Nikos Zisis und Janis Strelnieks auch in dieser Saison. Die vielen Ballhandler können für sich, aber vor allem für andere kreieren. Über jede vergangene Playoff-Serie bis hin zu dieser Saison hat sich der Anteil von Abschlüssen der Ballführer beim Blocken-und-Abrollen erhöht; die Franken zelebrieren nach Drives aber auch den Kickout-Pass auf die offenen Schützen.

Play-Type-Stats der Brose Baskets aus den ersten zehn Pflichtspielen (von Manuel Baraniak erhoben):

 Freq%PPPFGMFGAFG%TO Freq%FT Freq%
Overall1001,0533062752,616,613,3
Transition5,11,48243275,09,120,5
Isolation10,20,97327244,49,112,5
P&R Ballhandler18,10,845310948,624,47,1
P&R Man9,50,95295552,718,317,1
Post-up3,91,00122548,014,717,6
Spot-up23,71,249519050,03,44,9
Hand-off1,21,605955,60,010,0
Cut10,31,22405967,814,622,5
Off-Screen4,60,90133240,615,07,5
Putbacks4,31,62263281,32,718,9
Misc9,00,471128,359,029,5

Auffällig bei den Aktionen der Ballführer ist die bis dato relativ hohe Anfälligkeit für Ballverluste; ohne die Big Men zu beschuldigen, gibt es bei einem Pick-and-Roll aber immer zwei Involvierte. Und gerade was die Center-Position betrifft, hatten die Brose Baskets nicht die besten Optionen – bis zu dieser Woche. Die Bamberger suchen in rund jedem zehnten Angriff zwar den Blocksteller, doch selten handelt es sich dabei um einen abrollenden Big Man, sondern vielmehr um einen herauspoppenden.

Zwar präsentieren sich die Bamberger statistisch als mannschaftsdienlichste Bundesligamannschaft, dennoch hat der deutsche Meister einige Akteure in den Reihen, die im Eins-gegen-Eins übernehmen können: angefangen beim Finals-MVP Wanamaker, über Allzweckwaffe Darius Miller hin zu Neuzugang Nicolò Melli. 0,95 Punkte pro Abschluss aus der Isolation bei einem unter zehnprozentigem Ballverlust-Risiko ist sehr effizient!

Effizient agieren die Bamberger auch in der Transition, doch nur in jedem 20. Angriff schließen sie aus dem Schnellangriff ab – was ein wenig verwundert. In der BBL spielen nur die FRAPORT SKYLINERS einen langsameren Ball – 70,5 Possessions generieren die Bamberger pro Partie.

Eine geringe Pace bedeutet aber nicht, dass die Bamberger ein konservatives Set-Play pflegen und den Ball häufig in den Low-Post manövrieren. Wirklich starke Spieler, die mit dem Rücken zum Korb agieren, wissen die Bamberger nicht in ihrem Kader. Daran wird der kurzfristige Neuzugang etwas, aber nicht viel ändern.

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Leon, der Profi

„Drei Tage? Doch eher drei Monate!“ Auch TelekomBasketball-Moderator Frank Buschmann war beim Bamberger Kantersieg über Unicaja Malaga verblüfft ob der reibungslosen Integration von Leon Radosevic. Acht Punkte bei perfekter Quote aus dem Feld markierte der kroatische Center in seiner knapp 19-minütigen Einsatzzeit.

Dabei war sein Offensiv-Output nur das Sahnehäubchen seiner Vorstellung; vielmehr sollte seine Defensivpräsenz den Bamberger Verantwortlichen gefallen haben: Radosevic ist flink genug auf den Beinen, um das gegnerische Pick-and-Roll zu hedgen und auch Guards auf dem Flügel zu beschäftigen. Zudem besitzt er die Intelligenz, im Raum zu verteidigen. Und wenn dann auch noch Defense-Highlights dazukommen, wie sein „chase-down-Block“ Mitte des Schlussabschnitts…

Diese Sequenz dürfte bezeichnend dafür sein, welchen Coup die Bamberger mit Radosevic gelandet haben könnten. Nach dem Block sprintet der Big Man den Fastbreak mit und bietet sich als in die Zone cuttenden Trailer an. Als jeder gedacht hätte, der Center würde nun für seine gute Defensivaktion mit einem Anspiel belohnt werden, sah sich getäuscht. Zisis spielt den Pass auf den an der Weakside stehenden Miller, der dank Radosevic‘ Drive genügend Raum und Zeit hat und den Dreier versenkt. Radosevic grämt sich nicht ob des ausstehnden Anspiels, sondern bejubelt mit Leon-Faust den Treffer zur 28-Punkte-Führung. Einsatz, Aufopferung und Kollektivbewusstsein innerhalb von weniger als zehn Sekunden.

Dennoch werden die Bamberger auch mit Blick auf sein Offensivspiel Radosevic verpflichtet haben. Der 25-Jährige agiert gut im Pick-and-Roll, trifft den Mitteldistanzwurf äußerst solide und besitzt die Kraft und Athletik, um am Korb abzuschließen und den Kontakt nicht zu scheuen. Bezeichnend sein erster Feldkorb für die Bamberger: Als Big Man eines indirekten Blocks rollt Radosevic zur Baseline ab, zieht entlang dieser und versenkt den Reverse-Layup. Ein Gabriel Olaseni hätte hierbei wohl erneut den Kickout-Pass auf den Flügel bevorzugt.

Das Experiment, mit einem Rookie die Saison zu bestreiten, ist gescheitert. Bambergs Geschäftsführer Rolf Beyer machte im Halbzeitinterview deutlich, dass Olaseni den Verein vielleicht schon in den nächsten zwei Tagen zu einem Club im „zentralmitteleuropäischen Raum“ verlassen werde. Fehler eingestanden, und das frühzeitig und beispielseweise nicht erst zum Ende der Euroleague-Vorrunde. Ein Center-Duo aus Yassin Idbihi und Olaseni ist für einen Euroleague-Club, der den Anspruch auf die Top-16-Teilnahme hegt, aber auch einfach nicht tragbar.

Trinchieris Busfahrplan

„In so einem Team ist es wirklich einfach zu spielen. Man muss in der Offensive gar nicht viel machen, meine Mitspieler organiseren alles, du musst ihnen nur folgen,“ sagte Radosevic nach dem Debütsieg über Malaga gegenüber basketball.de. Und so wird Trinchieri weniger neue Spielzüge installieren, als vielmehr den Center in die bestehenden integrieren, die auf Grund der vielen Ball- und Mannbewegungen einen blockstarken Big Man bevorzugen.

Bei der Analyse der folgenden Spielzüge wird davon ausgegangen, dass Brad Wanamaker (1), Janis Strelnieks (2), Darius Miller (3), Nicolò Melli (4) und Leon Radosevic (5) die Starting Five bilden, was in der Praxis natürlich variieren kann.

Back-Screen für den P&R Ballhandler

Die Bamberger mögen im Vergleich zu den vergangenen Playoffs ihre Abschlüsse des Ballführers aus dem Pick-and-Roll gesteigert haben, was aber nicht bedeutet, dass die Franken nur simple Guard-Big-Man-Aktionen laufen. In diesem Spielzug platziert sich Strelnieks hinter dem zum High-Pick-and-Roll gehenden Radosevic und stellt einen Back-Screen am verteidigenden Big Man.

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Durch den Double-Screen besitzt Wanamaker die Option, per Drive am Korb abzuschließen. Wie einfach das sein kann, wird ratiopharm ulm beantworten können (Beweisstück A: Gamewinner der zweiten Playoff-Halbfinalfinalpartie 2015). Strelnieks poppt nach seinem Back-Screen zur Dreierlinie heraus, Radosevic rollt zum Ring ab.

bamberg_backscreen_ballhandler_a2

Wanamaker hat neben dem eigenen Abschluss drei Anspielstationen: Die im Play involvierten Radosevic und Strelnieks sowie den Distanzschützen in der Ecke der Weakside. Dieser rotiert in gute Position, um per Catch-and-Shoot abzudrücken. Gerade zwei Screens auf kleinem Raum, was die gegnerische Help-Defense beansprucht, eröffnen einen offenen Wurf auf der Weakside.

bamberg_backscreen_ballhandler_a3

Dieser Spielzug sollte erst nach Bewertung der gegnerischen Pick-and-Roll-Verteidigung gelaufen werden; gegen eine Defense samt gegnerischem Big Man, der das Pick-and-Roll hedgt, also zum Aufbauspieler hinaustritt, dürfte die Offensive Probleme haben, per Drive zu agieren. Was diesen Spielzug dennoch so wertvoll macht, ist die Tatsache, dass durch Janis Strelnieks als Back-Screener ein gegnerischer Guard in die Verteidigung des Pick-and-Rolls, aber nicht am Ballführer, gezwungen wird. Dem müssen sich Guards seltener stellen.

Screen the Screener

Folgender Spielzug ist erneut von einigen Screens und viel Bewegung geprägt. Aus der HORNS-Aufstellung tritt Radosevic zur Dreierlinie heraus und erhält von Wanamaker den Ball. Währenddessen macht Melli einen Schritt nach draußen, Wanamaker cuttet Richtung Grundlinie.

bamberg_screen-the-screener_a1

Melli stellt einen hohen Block für Wanamaker, der um den Block durch die Zone cuttet. Miller steht in der Ecke, macht sich aber auch Richtung Zone auf. Melli poppt nach seinem Block heraus und erhält von Radosevic den Ball.

bamberg_screen-the-screener_a2

Wanamaker stellt einen Cross-Screen für Miller, der in die Zone cuttend die erste Option darstellt. Radosevic bewegt sich nun Richtung Baseline, …

bamberg_screen-the-screener_a3

… dort stellt er einen Down-Screen für Wanamaker, der zur Dreierlinie rotiert. Dies ist die Screen-the-Screener-Aktion. Der Spieler, der erst einen Block gestellt hat, bekommt anschließend selbst einen Screen gesetzt.

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Die Bamberger laufen diesen Spielzug meist, wenn Janis Strelnieks den Spielaufbau (1) übernimmt. Der lettische Distanzspezialist wird von allen Bambergern am meisten off-screen in Szene gesetzt, Wanamaker erhält selten solch indirekte Blöcke. Dass dieser Spielzug durch seine beiden verschiedenen off-Screen-Optionen äußerst effizient ist, wird ratiopharm ulm beantworten können (Beweisstück B: Ulms Heimspiel gegen Bamberg am 1.11.) Dieses Play liefen die Bamberger in zwei aufeinanderfolgenden Angriffen des ersten Viertels, mit Patrick Heckmann auf der Drei. Bei der ersten Aktion traf der Rookie trotz Foul, bei der zweiten setzte Strelnieks zum Dreier an.

Heckmann hat sich in Bamberg unter anderem vor Lucca Staiger in die Rotation gespielt, weil er in der Offensive vielseitiger agiert. Neben Dreier und vor allem Drives besitzt der Flügelspieler die Spielintelligenz, durch (Baseline) Cuts oder eben nach Blöcken in gute Position zu kommen (ein Prospect-Watch über Heckmann erscheint in den kommenden Tagen auf basketball.de).

Elevator-Play

Ein weiterer Anknüpfungspunkt Bamberg, Texas – das Elevator-Play ist ein Spielzug, den man seit einiger Zeit im Repertoire Popovichs findet. Wanamaker dribbelt über die Seite nach vorne, Miller steht in der Ecke und erhält einen Double-Down-Screen der beiden Big Men.

bamberg_elevator-play_a1

Miller erhält von Wanamaker an der Birne den Ball, Wanamaker rotiert danach in die rechte Ecke. Die beiden Big Men drehen sich nach ihren Down-Screens um und begeben sich in Position, einen weiteren Block zu stellen. Strelnieks cuttet durch die Zone …

bamberg_elevator-play_a2

… zwischen den beiden Big Men hindurch zur gegenüberliegenden Dreierlinie. Melli und Radosevic stehen nah beieinander und machen dann einen Schritt zum jeweils anderen Big Man, also die Aufzugtür zu, damit Strelnieks‘ Gegner ihm nicht folgen kann. Miller spielt Strelnieks für den Dreier an. Vorsicht: Gefahr eines bewegten Blocks. Die Bamberger laufen diesen Spielzug neben Strelnieks auch für Lucca Staiger.

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Zweite Variante: Statt an Miller an der Birne abzugeben, kann Wanamaker auch über die Mitte den Ball bringen und diesen halten. Dann schneidet Miller zwischen den beiden Big Men hindurch in die Zone.

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Synchron startet auch Strelnieks den Cut. Diese doppelten Cuts durch die Zone können in der Verteidigung Verwirrung stiften. Wenn die Flügelverteidiger dann switchen, oder in dieser Switch-Verteidigung zu langsam agieren, besitzt Strelnieks noch bessere Karten, zu einem offenen Wurf nach dem Elevator-Screen zu kommen.

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Double- und Flare-Screen

Die Anzahl der Screens wird bei diesem Spielzug noch erhöht. Wanamaker bringt den Ball über die Seite nach vorne, die beiden Big Men stehen in einer HORNS-Aufstellung, also an beiden Elbow-Regionen. Melli stellt einen Down-Screen für Strelnieks, der nach oben zur Birne rotiert und dort von Wanamaker den Ball erhält.

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Die beiden Big Men stellen parallel einen Block: Radosevic einen, den Miller nutzt, um an der Dreierlinie den Ball zu erhalten. Melli einen Back-Screen für Wanamaker, der Richtung Baseline schneidet.

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Wanamaker cuttet weiter über die Zone, wo sich Radosevic für einen Block in Position bringt. Nach seinem Pass auf Miller erhält Strelnieks einen Flare-Screen von Melli – Strelnieks rotiert vom Ball weg in den freien Raum.

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Miller kann als erste Option den Cross-Pass für den zum  Korb cuttenden Strelnieks spielen oder den zur Dreierlinie rotierenden Wanamaker bedienen. Melli kann nach seinem Block entweder abrollen oder zur Dreierlinie heraustreten.

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Diesen Spielzug haben die Bamberger bislang öfter gespielt, wenn Nikos Zisis die Eins bekleidet hat. Als guter Blocksteller sollte auch Radosevic in diesem Play seine Stärken ausspielen können.

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Im Fokus: Nicolò Melli

Mit dem Roll oder Pop im letzten Spielzug ist schon eine Stärke Mellis angesprochen: Als Blocksteller ist er nicht nur auf eine Option beschränkt.

Wettbewerbsübergreifend versenkt Melli bislang 45 Prozent seiner Dreier – nur Strelnieks und Wanamaker treffen hochprozentiger. Der 2,05 Meter große Forward fühlt sich auch in der Ecke wohl, was man nicht von vielen Bundesliga-Big-Men behaupten kann. Nutzen die Bamberger eine HORNS-Variante oder einen Spielzug mit einem Big Man und einem Flügelspieler in der Mitte, wie beispielsweise beim ersten Spielzug, so findet man in den Ecken auch einen Big Man. Melli stellt hierbei eine effiziente Spot-up-Option dar.

Da Melli aber auch schnell genug auf den Beinen ist, kann er nicht nur per Catch-and-Shoot, sondern auch per -Drive abschließen. Jede dritte Offensivaktion Mellis besteht aus einem Spot-up.

 Freq%PPPFGMFGAFG%TO Freq%FT Freq%
Overall1001,18397552,09,314,4
Transition4,11,75331000,025,0
Isolation12,40,582825,016,716,7
P&R Ballhandler2,11,001250,00,00,0
P&R Man11,31,0951050,09,10,0
Post-up9,31,564757,10,033,3
Spot-up33,01,34163250,00,00,0
Hand-off0,000
Cut12,41,426875,08,325,0
Off-Screen2,10,50010,00,050,0
Putbacks4,11,002450,00,00,0
Misc9,30,780055,644,4

Apropos flink auf den Beinen: Der Italiener besitzt das Ballhandling, um Fastbreaks selbst zu initiieren – ein wichtiger Faktor, wenn die Bamberger das Spiel schnell machen wollen und Melli als Defensiv-Rebounder den Angriff starten kann. Selbst bei einem behind-the-back-Dribbling muss man sich bei Melli keine Sorgen machen, dass er überdreht. Nicht mal jede zehnte Offensivaktion endet in einem Ballverlust.

2,1 Prozent mag ein äußerst geringer Anteil sein, aber dass Melli überhaupt schon mal als Ballführer in einem Pick-and-Roll eingesetzt wurde (wenn auch aus der Not geboren), zeugt ebenso von seinen Ballhandling-Skills.

Teilweise könnte man vermuten, in Melli stecke ein verkappter Point Forward. Dies kam vor allem beim Heimsieg über Tel Aviv zum tragen, als Melli nach seinen Cuts oder als abrollender Big Man vor allem immer wieder Daniel Theis bediente. Zehn Assists standen letztlich für den Big Man im Statistikbogen!

Melli löst mit seinen 2,05 Meter nicht den größten Schrecken im Post aus, dennoch agiert der Italiener als bislang beste Bamberger Option mit dem Rücken zum Korb. Melli besitzt eine gute Fußarbeit, um sich nach Low-Post-Bewegungen in Position zu bringen. So haben die Bamberger auch einen Spielzug im Repertoire, der genau dies zum Ziel hat.

Melli im Low-Post

Eine klassische HORNS-Aufstellung mit zwei Big Men am Elbow. Melli macht sich Richtung Zone auf, Strelnieks kommt ihm entgegen.

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Wanamaker geht in ein Pick-and-Roll mit Radosevic über und dribbelt zur Seite. Strelnieks stellt einen Block für Melli, der sich im Low-Post in Position bringt. Radosevic rollt nach seinem Block für Wanamaker ab …

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… und stellt einen Down-Screen für Strelnieks. Wanamaker kann entweder Melli im Post oder Strelnieks an der Birne bedienen.

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Zweite Variante: Bei diesem Spielzug stehen nicht die beiden Big Men in der HORNS-Aufstellung, sondern der Center und der Shooting Guard. Strelnieks läuft über die Dreierlinie zur Seite und nutzt einen Block Radosevic‘. Kurz danach rotiert Melli zur selben Seite und wird von Miller freigeblockt.

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Strelnieks erhält von Wanamaker den Ball, welcher zur Weakside rotiert. Erneut rollt Radosevic ab, um für den Blocksteller einen Down-Screen zu setzen. Und erneut hält der Spielzug eine Low-Post- oder Dreieroption bereit.

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Nächster Halt: Top-16

Play à la Italia. Die Bamberger spielen unter Trinchieri die wohl ansehnlichste Offensive der Beko BBL, die zudem die effizienteste ist. Mit einem Offensiv-Rating von 125,4 rangieren die Franken deutlich an der Spitze (2. Berlin mit 118,4). Ihre True-Shooting-Quote von 65,7 Prozent im Oktober haben die Bamberger im November auf 68,1 Prozent gesteigert.

Trinchieris Offensivsystem ist durch zahlreiche Spielzüge gekennzeichnet, die verschiedene Ausstiege bereithalten und die vielseitigen Akteure in Szene setzen. In der BBL rangiert Bamberg mit bislang zwei Niederlagen „nur“ auf dem dritten Rang, mit den beiden Top-Spielen gegen München und in Berlin hintereinander (6. und 13.12.) haben die Franken aber die Gelegenheit zu zeigen, wer der amtierende deutsche Meister ist.

In der Euroleague-Vorrundegruppe D steht Trinchieris Team derzeit auf dem dritten Platz, mit drei Siegen Vorsprung auf das fünfplatzierte Maccabi. Eigentlich sollte der Top-16-Einzug nur noch Formsache sein. Umso schöner, wenn Trinchieri dann wieder ans Mikro schreiten und seine metapherreiche Sprache zum besten geben kann. Was der Bamberger Trainer auch in einem kürzlichen Coaches-Corner-Eintrag auf euroleague.net tat:

„Wir reisen nach Moskau, [meine Spieler] sehen die Namen an der Wand und fragen, wer dieser und jener Spieler sei – in gewisser Weise ist das romantisch. Ich habe das Gefühl, junge, talentierte und gute Jungs auf die große Bühne zu führen. Oder ich fahre den Schulbus durch dieses großartige Ding namens Euroleague.“ Bei diesem Taktikbuch Trinchieris bzw. Busfahrplan sollten sich die Bamberger eigentlich keine Sorgen machen, sicher anzukommen.

Der Bamberger Busfahrplan
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courtbeastie
courtbeastie 21. November 2015 um 19:17 Uhr

Grandiose taktische Analyse, vielen Dank dafür! 🙂
Tatsächlich erinnert mich der Bamberger Basketball dieser Tage immer wieder an den Teambasketball der Spurs…

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