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6150 und ein Zuschauer

07.03.2017 || 11:35 Uhr von:
Andrea Trinchieri
Das am Ende doch wenig Spannung bietende Spiel von Brose Bamberg gegen die GIESSEN 46ers hatte doch eine Überraschung parat. Andrea Trinchieri schlüpfte in die Beobachterrolle und ließ Ilias Kantzouris das Spiel coachen.

Es war ein ungewohntes Bild, als zur letzten Besprechung vor dem Sprungball nicht Andrea Trinchieri die Ansprache hielt, sondern sein Assistent  Ilias Kantzouris. Bambergs Trainerfuchs wollte seinem Team die Routine nehmen und damit neue Impulse setzen. Auch wenn der deutsche Meister und Pokalsieger das Spiel gegen die GIESSEN 46ers ohne nennenswerte Spannung für sich entschieden konnte, ein fehlerfreier Auftritt war das nicht. Trinchieri hatte gemeinsam mit seinem Sportdirektor Daniele Baiesi beim 82:68-Erfolg einiges zu analysieren.

Guard mit dem Scorer-Gen

Die beiden Italiener sahen bei ihrem Team vor allem auf der Point Guard Position ihre jungen Spieler im Einsatz. Aleksej Nikolic und Maodo Lo leiteten die Geschicke der Bamberger und zeigten ein Spiel mit Licht und Schatten. Der deutsche Nationalspieler Lo zeigte von Beginn an, dass er als Scorer eine echte Konstante in der BBL sein kann. Die ersten beiden Dreier gingen ins Netz, doch der Rookie überdrehte direkt ein wenig und nahm sich einen dritten, schweren Stepback-Wurf, der sein Ziel verfehlte. Im Spielaufbau ging der 24-Jährige den Gästen in die Falle und wurde zu einem Rückspiel gezwungen.

Der Columbia-Absolvent bewies nach guten Würfen bei einem And-One mit viel Kontakt auch seine Stärke im Abschluss am Korb. Der Rookie zeigte sich durchaus auch selbstkritisch. Im zweiten Viertel begann er ein unnötiges Foul, sein drittes. Sofort zeigte er an, dass es sein Fehler war und sprach umgehend mit Kantzouris über die vorhergegangene Aktion. Als die Gießener zum Start ins Schlussviertel noch einmal Hoffnung hätten schöpfen können war er es, der mit fünf schnellen Punkten die Partie in trockene Tücher brachte. Mit 16 Punkten bei 75% Feldwurfquote avancierte Lo zum Topscorer der Bamberger. Er ging allerdings ohne Assist aus der Partie.

Der aufgehende Stern am Bamberger Himmel

In diesem Aspekt des Spiels war ihm sein slowenischer Teamkollege Ali Nikolic voraus. Vier Assists brachte der 22-Jährige an den Mann. Dass der fünftbeste Scorer der laufenden ProA-Saison auch in der Eliteliga für Punkte sorgen kann, bewies er wenige Sekunden nach seiner Einwechslung. Ein trockener Mitteldistanzwurf aus einem schnellen Dribbling glitt sehenswert durch die Reuse. Mit seinen Drives stellte der 1,91m große Guard den Tabellenneunten vor einige Probleme und konnte dabei immer wieder den gut postierten Mitspieler in Szene setzen. In der zweiten Halbzeit ging Nikolic dann als Starter aufs Parkett, hatte allerdings ,gemeinsam mit dem ganzen Team, mehr Probleme gegen eine verbesserte Gießener Verteidigung. Bamberg kam im dritten Viertel „nur“ auf 16 Punkte und ließ die Ballbewegung vermissen.

Bereits vor der Partie hatte Coach Trinchieri auf die Frage nach seinen jungen deutschen Spielern, Nikolic mit einem Extralob versehen. Der Slowene, der seit 2015 in Bamberg und Baunach spielt, sei genauso Teil des Jugendprogrammes. Gerade in den Euroleague habe er schon wichtige Minuten gesehen.

Weniger gut war der Italiener auf die in der Frage angesprochenen Leon Kratzer und Louis Olinde zu sprechen. Am Rosenmontag hatten die beiden 20- und 18-Jährigen jeweils rund eine Viertelstunde Spielzeit bekommen. Dabei wollten die beiden laut ihrem Trainer allerdings vorwiegend ihr offensives Skillset zeigen. Der Grund, weswegen es für die beiden gegen Gießen nur zu einem Kurzeinsatz reichte.

„Was ich in 20 Jahren meiner Karriere gelernt habe, ist dass man als junger Spieler seine Minuten in der Defense verdienen muss.“ (Andrea Trinchieri)

Trinchieri gelassen am hinteren Ende der Bank

Neben den Youngstern war allerdings Andrea Trinchieris Idee, neue Impulse zu setzen, der Hingucker des Tages. Die meiste Zeit des Spiels saß der 48-Jährige gelassen auf der Bank und sprach das ein oder andere Wort mit Daniele Baiesi. Auch als ein Fehlpass, einer von 16 Bamberger Ballverlusten, neben ihm in den Händen eines Betreuers landete verzog der Maestro keine Miene. Im Laufe des ersten Viertels ging der Italiener dann allerdings auch einmal zu Nikos Zisis und besprach etwas mit dem Guard-Veteran. Erste missbilligende Gesten waren bei Los Rückspiel zu beobachten. Aber auch später bei dessen And-One Lob für seinen Schützling. In den Viertelpausen ging Trinchieri kurz zu seinem coachenden Assistenten und sprach ein paar Worte. Dann setzte er sich wieder auf seinen ungewohnten Platz und Kantzouris machte die Ansprache.

Trinchieri

Der sich sonst sehr zurückhaltende Headcoach zeigte sich bei einer Auswechslung von Daniel Theis dann doch in Aktion. Zweimal sprach er mit dem Center in einer ruhig wirkenden Art. Neben den kurzen Gesprächen in den Viertelpausen ging Trinchieri einmal auch im Spiel auf seinen Assistenten zu. Als Gießen im dritten Viertel rund die Hälfte des 20-Punkte-Polsters abgeknabbert hatte, gab er eine Anweisung oder Information, die Kantzouris zu einer Auszeit verleitete. Eine gute Leistung von Brose Bamberg war es an diesem Montagabend über 40 Minuten nicht. Ob der neue Impuls Wirkung zeigt wird sich vielleicht erst in den nächsten Wochen zeigen. Die neuen Impulse durch das veränderte Coaching sollten allen Akteuren helfen.

„Routine kills!“ (Andrea Trinchieri)

Die Gäste waren auch da

In der Pressekonferenz (ab 14:20) verwehrte sich Bambergs Headcoach gegen solche Gedanken und vor allem die Nachfrage. Er habe mit vielen Fragen gerechnet, allerdings nicht mit dieser. Schließlich sei sein Gegenüber Denis Wucherer sein ehemaliger Spieler und ein geschätzter Kollege. Der hatte an diesem Abend vor allem in der ersten Halbzeit wenig Spaß am Spiel. Wie eine „U16-Mannschaft gegen gestandene Männer“ habe es phasenweise ausgesehen. Wieder einmal fehlte den 46ers die nötige Physis. Doch gerade in der zweiten Halbzeit, als Bamberg auch etwas nachließ, zeigten die Gießener in Ansätzen ihr Können. Vorallem defensiv mit viel Druck und offensiv mit variablen Waffen ausgestattet, gewannen die Gäste das dritte Viertel und konnten das vierte ausgeglichen gestalten. Als Topscorer der Partie zeigte Justin Sears in vielen Situationen wieder seine Möglichkeiten. Seine 20 Punkte bei 72,7% Feldwurfquote, 7 Rebounds und 2 Steals in Bamberg sind schon eine Hausnummer.

Im Fokus stand allerdings auch bei den 46ers ein junger Spieler, Andreas Obst, die Leihgabe aus Bamberg. Mit viel Applaus von den Bamberger Fans, die auch am späten Montagabend die Arena füllten, empfangen, zeigte er ein gemischtes Spiel. Vier Turnover sprechen eine deutliche Sprache, wenngleich da vielleicht auch die zusätzliche Motivation eine Rolle spielte. Anfang des dritten Viertels spielte der 20-Jährige beispielsweise einen gut gedachten Alley-Oop-Pass auf den einfliegenden Sears. Doch statt in die Hände des Centers ging der Pass nur an die vordere Ringkante. Ein Anspiel, das vermutlich in neun von zehn Fällen problemlos klappt. Zehn Punkte zeigten aber auch, dass er als Scorer immer eine Option ist. Einen Dreier traf der variable Guard aus einem schönen Einwurfspiel. Highlight des Rückkehrers war aber zweifelsfrei sein Vierpunktspiel mit Ablauf der Shotclock aus gut und gerne neun Metern.

 

6150 und ein Zuschauer
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