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Lieber Ahmet Caki…

03.05.2017 || 10:36 Uhr von:
MFG Simon Lineup
Ahmet Caki musste gehen – aber an der Situation von ALBA BERLIN trägt er nicht alleine Schuld, schreibt Simon Linder.

Lieber Ahmet Caki,

steht ein Coach zum Ende der Saison zur Debatte, können sich Sportinteressierte vor Floskeln meist kaum retten. Dann heißt es nämlich, es sei für alle Teams schwierig, die in Europa aktiv gewesen seien. Man werde sich dann nach Ende der Saison zusammensetzen und gemeinsam analysieren. Dann werde der Verein sicherlich auch Schlüsse ziehen, die nicht allen gefallen werden. Aber zunächst einmal gelte die volle Konzentration dem nächsten Spiel.

In Berlin wurde diese beliebte Offseason-Beschäftigung vorgezogen – und auch eine Entscheidung getroffen. Du musstest den Verein deshalb in der letzten Woche verlassen, einer deiner Assistant Coaches durfte übernehmen. Dass du in Berlin zur Debatte standst, war gemeinhin bekannt. Auch ich hatte bereits vor einigen Wochen an dieser Stelle spekuliert, dass Denis Wucherer spätestens ab Mitte 2018 an der Seitenlinie der Albatrosse stehen würde. Dennoch: Zu diesem Zeitpunkt der Saison, zwei Spieltage vor Saisonende, kam deine Entlassung überraschend – zumindest auf den ersten Blick.

Erster Blick, zweiter Blick

Auf den zweiten Blick erscheint das Vorgehen von Marco Baldi & Co. nachvollziehbarer. Denn hätte Neu-Trainer Thomas Päch in den zwei verbleibenden Partien der regulären Saison zwei Siege eingefahren, stünde dein Ex-Klub nun auf Platz fünf – und im Viertelfinale ginge es nicht gegen die großen Bayern, sondern gegen die etwas kleineren Bayreuther. Das wichtige Spiel in Frankfurt verlor ALBA jedoch; so ist ein Erreichen des Halbfinals um die Deutsche Meisterschaft nun trotz des Trainerwechsels deutlich unwahrscheinlicher geworden.

Marco Baldi erklärte nach deiner Entlassung, dass du nicht mehr genügend Einfluss aufs Team gehabt hättest. Ist das so gewesen, war ein Wechsel auf der Trainerposition wohl tatsächlich unumgänglich. Trotzdem müssten sich dann auch die Verantwortlichen bei ALBA an die eigene Nase fassen: War es die richtige Entscheidung, dich nach Berlin zu holen – einen Mann, der bisher wenig Erfahrung als Headcoach hatte?

Ahmet Caki nicht der einzige Schuldige

Außerdem trägst du keineswegs an allen Problemen Schuld, die ALBA in dieser Saison hat: Denn der wohl wichtigste Spieler, Peyton Siva, fällt seit Ewigkeiten aus. Und die großen Schwächen aus der letzten Saison, zu wenig Rebounds durch die Center und vor allem zu schlechte Defense unter dem Korb, wurden bei der Kaderzusammenstellung nicht ausgemerzt.

Denn auch wenn der unverschuldete Abgang von Brandon Ashley schmerzte, so war dies nicht das einzige Problem bei der Zusammenstellung des Teams, an der neben dir auch noch beispielsweise Sportdirektor Himar Ojeda beteiligt gewesen sein dürfte. Elmedin Kikanovic und Bogdan Radosavljevic sind zwar offensiv talentiert, aber defensiv und beim Rebound oftmals nicht präsent genug. Gerade bei Gegnern, die als Power Forward einen starken Dreierschützen einsetzen können, tut das weh. Denn dann können die athletischen Tony Gaffney und Malcolm Milller unter dem Korb auch nicht mehr helfen. So holten die Berliner in dieser easyCredit-BBL-Saison die zweitwenigsten Rebounds pro Spiel. Das ist vielleicht auch, aber sicherlich nicht nur dem Coach anzulasten.

Keine zweite Chance

Ich hatte gehofft, dass du, lieber Ahmet Caki, noch eine zweite Chance bekommen würdest. Und vielleicht sogar eine erste Chance, das Team so zusammenzustellen, wie es nach deinem Geschmack gewesen wäre: Mehr Athletik unter den Körben, um den ballführenden Spieler im Pick-and-Roll aggressiver verteidigen zu können. Dazu größere Rollen für Niels Giffey und Ismet Akpinar, die sich unter deiner Riege positiv entwickelt haben. Schade, dass es dazu nicht gekommen ist.

MfG Simon


In „MfG Simon“ greift basketball.de-Redakteur Simon Linder jeden Dienstag ein Thema des deutschen Basketballs auf – und schreibt einen Brief. Über Lob, Kritik und Kommentare freut er sich – wenn Ihr ihn kontaktieren wollt, geht das am besten über Twitter (@SimonLinder). Wenn Ihr lieber eine Mail schreiben möchtet, erreicht Ihr ihn unter simon.linder(at)basketball.de.

Lieber Ahmet Caki…
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