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Berlin trifft auf Tradition

02.01.2016 || 08:47 Uhr von:
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Nach einem vielversprechenden Start in den Eurocup musste ALBA BERLIN lange um den Vorrundeneinzug im kämpfen. Im Last 32 warten wieder Traditionsklubs Europas.

ALBA BERLIN musste sich den Einzug ins Last 32 des Eurocups hart erarbeiten. Erst nach dem letzten Spieltag der regulären Saison konnte sich die Mannschaft von Trainer Sasa Obradovic komplett sicher sein, in die Zwischenrunde einzuziehen. Dort warten auf die Albatrosse in der Gruppe J mit Aris Thessaloniki (Griechenland), Olimpia Milano (Italien) und Neptunas Klaipeda (Litauen) geschichtsträchtige Traditionsmannschaften – kein einfaches, aber ein machbares und zugleich spannendes Unterfangen. Denn jeder der Gegner bringt seine ganz eigene Geschichte mit auf das Eurocup-Parkett.

Aris Thessaloniki: Auf dem Weg zu einer Cinderella-Story?

Ästhetische Monumente, der White Tower, historische Museen, Temperaturen bis zu 21 Grad im Oktober, das alljährliche internationale Filmfestival, der Genuss von griechischen Spezialitäten in paradiesischem Ambiente. Strand. Meer. Idylle. Wenn ein Auswärtiger einen Thessalonicher nach Kulturtipps fragt, würde dieser ihm vermutlich nicht als erstes, nicht als zweites und auch nicht als drittes ans Herz legen, zum Basketball in die Küstenstadt zu reisen.

Zusätzlich liefert der Basketballklub Aris Thessaloniki selbst weitere Argumente dafür, als Auswärtiger nicht unbedingt mit gutem Gefühl ins nordöstliche Griechenland zu pilgern, denn der Klub aus der Kulturmetropole spielt bislang national wie international eine herausragende Saison. In der griechischen Liga steht Aris Thessaloniki (zumeist Saloniki genannt) derzeit mit acht Siegen aus elf Spielen auf dem vierten Tabellenrang und damit drei Siege vor dem Lokalrivalen PAOK Saloniki. Zwei ihrer drei Saisonniederlagen kassierte die Mannschaft von Dimitris Priftis gegen die beiden Ligakrösusse Panathinaikos Athen und Olympiakos Piräus. Am vergangenen Sonntag scheiterte Aris im Pokalhalbfinale ein weiteres Mal an Panathinaikos (90:69 nach einem 31:11-Lauf von Athen im dritten Viertel), doch ein Ausscheiden bei einem millionenschweren Euroleague-Final-Four-Anwärter ist für den Klub verschmerzbar. Lediglich die Niederlage gegen Koroivos Amaliadas Mitte November dürfte die Stimmung unter den Basketballfetischisten in der zweitgrößten Stadt Griechenlands kurzzeitig ein wenig getrübt haben – jedoch wirklich nur ein wenig, denn auch international sorgt Aris bislang für Furore.

Und das doch äußerst unerwartet, denn nach der Saison 2011/12 verabschiedete sich der Klub erstmal für eine Weile von der großen europäischen Bühne. Damals erreichten die Thessalonicher überraschend mit Leistungsträgern wie Sergio Kerusch (danach: Reservist bei den Artland Dragons und Rollenspieler in Bremerhaven) und Sam Muldrow (später: Baunach, ProA) – die beiden legten im Späteren eine Karriere hin, über die es eher den berühmten Mantel des Schweigens zu legen gilt – das Last 16 des Eurocups. Eine Wiederholung des Erfolges ist den Griechen auch angesichts des Moduswechsels seither bereits mehr als gelungen, indem sie in dieser Eurocup-Saison die Vorrundengruppe G als Tabellenführer abschlossen.

Als Gruppensieger ins Last 32

Dabei fügte der Traditionsklub von der griechischen Nordostküste niemand geringerem als dem russischen Millionenklub Unics Kazan gleich zwei Niederlagen zu. Und auch Trabzonspor, Bandirma (beide aus der Türkei) sowie Podgorica waren dem Korac-Cup-Sieger von 1997 über die Vorrunde hinweg nicht gewachsen. Im heimischen Alexandreio (5.090 Zuschauer Fassungsvermögen) musste sich Aris in der laufenden Saison wettbewerbsübergreifend ausschließlich gegen Panathinaikos am ersten Spieltag geschlagen geben. Obgleich die Auslastung bei Heimspielen ein Stück weit ausbaufähig ist (3.420 Zuschauer pro Eurocup-Partie), hat die altehrwürdige Halle durchaus Hexenkessel-Potenzial. Die Fans unterstützen ihre Mannschaft nicht primär durch standardisierte „Defense“-Rufe oder je nach Vereinsnamen austauschbare Gesänge, stattdessen singen die Aris-Anhänger während der Spiele fast ununterbrochen Vereinshymnen und kreieren dabei eine Atmosphäre, die am ehesten mit der in der Hagener ENERVIE Arena im Sportpark Ischeland zu vergleichen ist. Eine Atmosphäre, die gewissermaßen das Pathos widerspiegelt, das mit dem Verein schwingt, der den griechischen Basketball in den 1980er Jahren maßgeblich geprägt – ja, gar dominiert hat. Zwischen 1982 und 1991 feierte Aris achtmal die griechische Meisterschaft.

An Erfolge dieser Art ist heutzutage nicht mehr zu denken, denn die Etatverhältnisse haben sich im griechischen Basketball deutlich zu Ungunsten der Saloniker verschoben. Auch im Vergleich zu ALBA BERLIN verfügt Aris über einen verhältnismäßig kleinen Etat. Eine kluge Kaderzusammenstellung und eine klare Handschrift des Trainers ermöglichen den Griechen allerdings bisher, trotzdem im Konzert der Großen mitzumischen. Sowohl in der Offensive als auch in der Defensive versuchen die Griechen konsequent, das Spiel im Halbfeld zu halten. Fastbreaks werden zumeist nur dann gelaufen, wenn daraus unmittelbar ein freier Korbleger entsteht.

Zu den Säulen der Mannschaft gehören mit dem ehemaligen Würzburger Spielmacher Dominic Waters (9,5 PpG, 5,2 ApG im Eurocup), Power Forward Okaro White (10,7 PpG, 7,3 RpG), Pick-and-Roll-Center Jamelle Hagins (11,5 Punkte, 5,4 Rebounds) und Shooting Guard Jerel McNeal (14,1 PpG, 4,1 RpG, 2,6 ApG) vier US-Amerikaner, die zum ersten Mal in ihrer Karriere bei Eurocup-Teams verantwortungsvolle Rollen ausfüllen und das bis dato erstaunlich erfolgreich praktizieren. Ein unterschätztes, aber auch wichtiges Prunkstück im Kader der Thessalonicher bilden die erfahrenen griechischen Rollenspieler Michalis Pelekanos (34 Jahre alt), Vassilis Symtsak (34), Vasilis Xanthopoulos (31), Theodoros Zaras (28) und der noch junge, doch defensiv sehr starke Spyros Mourtos (25), die offensiv eher limitiert sind, aber die die Mannschaft ähnlich wie die deutschen Spieler bei ALBA nochmal auf ein deutlich höheres physisches Niveau hieven. Folgerichtig gehört Aris‘ Verteidigung im laufenden Eurocup-Wettbewerb zu den besten Defensivbollwerken.

Angesichts dessen und angesichts der Konstanz, mit der die Mannschaft von Dimitris Priftis, einstiger Assistenztrainer von Dirk Bauermann in Athen (2001), bislang durch die Saison marschiert, muss ALBA BERLIN Aris definitiv als harten Konkurrenten im Kampf um den Einzug in die nächste Runde auf dem Zettel haben. Unterschätzen dürfte die Griechen nach dem bisherigen Saisonverlauf allerdings niemand mehr. Das Potenzial, um eine Cinderella-Story im Eurocup zu schreiben, hat der Klub, bevor ein Großteil der Leistungsträger nach einer starken Saison wieder weiterziehen dürfte. Daran wird dann wohl auch das griechische Kulturgut wenig ändern. Davor dürfen sich die frenetischen Aris-Anhänger weiterhin einer kompakten und schlüssig zusammengestellten Mannschaft erfreuen, die das Alexandreio mit großem Teamgeist und vielen Emotionen auch auf dem Parkett füllt.

EA7 Emporio Armani Milan: Der Gruppenfavorit mit dem Faible fürs Underperformen

Seit Ewigkeiten ist EA7 Milan (auch Olimpia Milano genannt) dafür bekannt, Jahr für Jahr unter seinen Erwartungen zu performen. Denn obgleich Mailand seit einigen Saisons nun mit dem bei weitem höchsten Etat der italienischen Serie A operiert, langte es für den Verein aus der Lombardei im 21. Jahrhundert einzig 2014 zum italienischen Meistertitel. Und dazu war es schon notwendig, mit Daniel Hackett den besten Spieler vom damaligen Ligarivalen Montepaschi Siena während der laufenden Spielzeit loszueisen. Die aktuelle Saison schreibt ein weiteres glückloses Kapitel aus der jüngeren Mailänder Basketballgeschichte – zumindest auf internationaler Ebene. In der Euroleague-Gruppe B schied der 26-malige italienische Meister als Tabellenletzter aus – hinter Klubs wie Limoges und Cedevita Zagreb, die nicht einmal über einen halb so hohen Etat verfügen wie die Mailänder.

Nun spielt die Mannschaft von Head Coach Jasmin Repesa also erstmals seit der Saison 2003/04 wieder nur im zweithöchsten europäischen Wettbewerb – damals hieß der Eurocup noch ULEB-Cup. Mit prominenten Akteuren wie den italienischen Nationalspielern Andrea Cinciarini und Alessandro Gentile, dem ehemaligen Berliner und amtierenden Beko-BBL-MVP Jamel McLean sowie den international arrivierten Veteranen Milan Macvan, Oliver Lafayette oder Krunoslav Simon – um nur einige Beispiele zu nennen.

Jasmin Repesa wurde im vergangenen Juni als Head Coach bei Olimpia Milano vorgestellt. Der Kroate mit bosnisch-herzegowinischer Staatsbürgerschaft ist im europäischen Basketball ebenfalls wie einige seiner Mailänder Spieler seit vielen Jahren bewandert, trainierte Vereinsmannschaften wie Cedevita Zagreb (von 2013 bis 2015), Malaga (2012-2013), Cibona Zagreb (1995-1997, 2001-2002, 2011-2012), Benetton Treviso (2010-2011) oder Lottomatica Roma (2006-2008) und betreute zudem in zwei Amtszeiten die kroatische Nationalmannschaft. Als Trainer gewann der 54-Jährige insgesamt neun Meisterschaften. In Mailand steht Repesa nach einem komplizierten ersten Halbjahr unter dem Zugzwang, mit dem italienischen Traditionsklub im Eurocup, vor allem aber in der einheimischen Liga, Resultate zu liefern.

Gentile fehlt an allen Ecken und Enden

In der Serie A funktionierte das in letzter Zeit ganz ordentlich, wenngleich die Niederlage gegen Abstiegskandidat Pesaro am 23. Dezember 2015 die eigenen Fans einmal mehr nachdenklich stimmte. Der Klub aus der mit 1,3 Millionen Einwohnern zweitgrößten Stadt Italiens teilt sich derzeit zusammen mit Reggio Emilia die Tabellenspitze. Mit vier Niederlagen hat Mailand aber schon nach 14 Spieltagen so viele Schlappen kassiert wie in der gesamten vergangenen Saison während der Hauptrunde.

Schmerzlich vermisst wird der italienische Nationalspieler und Publikumsliebling Alessandro Gentile, der in sechs Euroleague-Partien in der laufenden Spielzeit herausragende 20,0 Punkte und 4,2 Assists auflegte. Der Sohn von Ferdinando Gentile, Vize-Europameister von 1991 als Spieler, fehlt den Italienern seit Mitte November mit Rückenproblemen. Der 23-Jährige wird Anfang Januar zurückerwartet. Mit seiner Größe von zwei Metern sowie seinem Ballhandling und der Fähigkeit, als Point Forward das Pick-and-Roll zu laufen, fehlt den Mailändern seit seinem Ausfall der mit Abstand kreativste Außenspieler im Kader.

Seither sind Spieler gefragt wie Verteidigungsass Oliver Lafayette (7,3 PpG, 2,1 ApG, 25,9% 3FG in 10 Euroleague-Spielen) und Allrounder Krunoslav Simon (10,7 PpG, 4,0 RpG, 2,8 ApG, 27,1% 3FG), mehr Verantwortung bei der Kreation von Spielzügen zu übernehmen – bislang mit durchwachsenem Erfolg. Sie verfügen zwar spielerisch auch über stattliche Anlagen, sind aber eher Rollenspieler auf hohem internationalen Niveau.

Während die Defensive von Olimpia mehr oder weniger wettbewerbsübergreifend funktioniert, stellte vor allem die Offensivausbeute für die Italiener in der Euroleague-Vorrunde eine Hypothek dar (nur 73,7 PpG). Mit einer Dreierquote von nur 31,3 Prozent war die Repesa-Truppe im höchsten europäischen Wettbewerb das drittschwächste Team aus der Distanz. Zudem ist Combo Guard Charles Jenkins (kam von Roter Stern Belgrad vor der Saison) bislang eine reine Enttäuschung (6,7 PpG, 1,8 ApG in der Euroleague; 4,4 PpG, 1,0 ApG in der Serie A).

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ALBA und der MVP – wer nutzt welches Mismatch?

Nicht für enttäuschte Mienen sorgte bislang der ehemalige Albatros Jamel McLean, der immerhin in der italienischen Liga in gewohnt dominanter Manier in der Nähe des gegnerischen Korbs für Unruhe sorgt (10,7 PpG, 4,1 RpG in der Euroleague; 13,9 PpG, 6,9 RpG in der Serie A). In der vergangenen Spielzeit verkörperte McLean noch den mit einem niedrigeren Körperschwerpunkt ausgestatteten, aber dafür deutlich aggressiveren, explosiveren und dominanteren Mitchell Watt, der wie der neue Berliner US-Big-Man am liebsten mit seiner stärkeren Hand abschließt – bei McLean ist es die rechte –, aber bei seinen Bewegungen zum Korb schlichtweg gnadenloser und widerstandsfähiger agiert. Berlins Defense und Lösungsansätze bei der Mismatch-Problematik gegen McLean wird ein Schlüssel in den direkten Duellen mit den Italienern sein. Offensiv könnten Kresimir Loncar, Mitchell Watt und Elmedin Kikanovic ihrerseits mit ihrer Größe ebenfalls Mismatches gegen den Ex-Berliner nutzen, wenn der Ball konsequent direkt in die Zone rotiert wird.

Ein ausgefeilter Gameplan gegen Jamel McLean alleine wird ALBA jedoch gegen die Italiener nicht reichen, denn über die komplette Kaderbreite verteilt verfügt Mailand über den nominell am stärksten besetzten Kader in Berlins Last-32-Gruppe. McLean und Co. gehen als klarer Favorit mit der Ambition eines weiten Ritts durch den Eurocup in die Duelle mit ALBA BERLIN, Aris Thessaloniki und Neptunas Klaipeda. Ein weiteres Versagen der Mailänder trotz hoher Ambitionen ist angesichts der Misserfolge in jüngerer Vereinsgeschichte nicht auszuschließen – zumal einige Leistungsträger wohl in allererster Linie mit hohen Ambitionen in der Euroleague in die Saison gingen.

Neptunas Klaipeda: der Senkrechtstarter mag die Außenseiter-Rolle

Die zweite Hafenstadt neben Saloniki in der Gruppe J kommt aus Litauen und ist sowohl auf der Landkarte als auch im europäischen Basketball für die meisten Deutschen wahrscheinlich eher eine Unbekannte. Klapeida ist mit rund 163.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Litauens und hat in den vergangenen drei Jahren einige Anstalten dahingehend gemacht, nach Kaunas und Vilnius auch der drittpopulärste Basketballverein im Land der Distanzschützen zu werden. Auch in Klapeida wird das Pathos besonders großgeschrieben, denn gleich sieben Spieler im Kader von Neptunas gehen nicht nur für Klapeida auf Korbjagd, sondern sind auch dort geboren.

Einer davon kann sogar auf eine Vergangenheit bei ALBA BERLIN zurückschauen: Martynas Mazeika spielte von 2004 bis 2006 in der Hauptstadt und wurde deutscher Pokalsieger als auch Vizemeister mit ALBA. Einen besonders großen Anteil an Berlins „Erfolg“ – was auch relativ gesehen werden muss, da alles andere als die deutsche Meisterschaft zu dieser Zeit für ALBA zu wenig war – hatte der damals blutjunge Litauer nicht. Für ihn ging es primär darum, sich auf der europäischen Basketballbühne weiterzuentwickeln – ein Unterfangen, das sich lange schwieriger gestaltete, als sich der heute 30-Jährige das vorgestellt haben dürfte: 2006 verlieh ALBA den Shooting Guard nach Bonn, wo Mazeika ebenfalls nicht durchstarten konnte (Saison 2006/2007: 38 Spiele, 4,6 PpG, 2,2 RpG, 0,9 ApG).

Im Jahr 2007 verließ der Litauer schließlich Deutschland, um sich erst glücklos in Italien und kurzzeitig in der Ukraine zu beweisen. Zu seinem sportlichen Glück fand Mazeika doch erst so richtig in seiner Heimat: Im Sommer 2008 kehrte er nach Klaipeda zurück, wo sich der körperlich robuste Guard zu einem der Leistungsträger von Neptunas mauserte (17,0 PpG, 2,8 ApG). Doch nach einem ersten durchgehend überzeugenden Jahr im europäischen Profibasketball zog es Mazeika vor, weiterzuziehen; seine nächste Station: VEF Riga, Lettland. Als Mannschaftskollege von Alex Renfroe knüpfte Mazeika nahtlos an seine starke Vorsaison in Litauen an. Während der Saison 2009/10 verließ er die lettische Hauptstadt aber wieder, um zu AEK Athen nach Griechenland zu wechseln. Dort war der Ex-Albatros jedoch nur ein Rollenspieler.

Sinnbildlich für den Erfolg: Martynas Mazeika

Im Sommer 2010 kehrte Mazeika folglich zum zweiten Mal nach Klaipeda zurück, und zum ersten Mal kehrte Beständigkeit in den Lebenslauf des Litauers ein. Denn seither spielt er ununterbrochen für Neptunas – als Leistungsträger und als Protagonist einer bemerkenswerten Erfolgsgeschichte: Zwischen 2001 und 2012 krebste Neptunas häufig im Niemandsland der durchwachsen starken litauischen LKL herum – in manchen Saisons im oberen Mittelfeld oder gar im Halbfinale, in früheren Jahren aber auch schon mal am Tabellenende. Mit Berg- und Talfahrten war in den beiden abgelaufenen Spielzeiten aber erstmal Schluss. In der Saison 2012/2013 schlossen die litauischen Hafenstädter die Hauptrunde als Tabellenvierter ab. In den Playoffs endete ihre Saison gegen das finanziell und sportlich übermächtige Zalgiris Kaunas. Übermächtig? Vorübergehend übermächtig, denn eine Saison später zog Neptunas sensationell in die LKL-Finals ein, in denen sich Kaunas letztlich deutlich, aber doch mühevoll mit 4-2 durchsetzte. Martynas Mazeika legte in dieser Serie durchschnittlich 13,2 Punkte pro Partie auf und avancierte über den kompletten Saisonverlauf zum Topscorer seiner Mannschaft (11,7 PpG). In der Folgesaison 2014/15 spielte Neptunas plötzlich zum ersten Mal in der Euroleague – zum ersten Mal auf höchstem europäischen Terrain. Die Westlitauer schlugen sich mehr als wacker und scheiterten lediglich am verlorenen direkten Vergleich gegenüber Galatasaray an einem Weiterkommen ins Top 16. Im nationalen Wettbewerb schritt Klaipeda erneut immerhin bis ins Halbfinale vor.

In der aktuellen Saison läuft es für den Senkrechtstarter vom Baltikum international rund, im nationalen Wettbewerb akzeptabel: In der litauischen Liga befindet sich Klaipeda mit neun Siegen und acht Niederlagen auf dem dritten Platz im breitgefächerten Mittelfeld der mittlerweile zehn Teams umfassenden LKL. Die beiden Vorzeigeklubs Zalgiris Kaunas (erst eine Niederlage) und Lietuvos Rytas (zwei Niederlagen) führen die Liga konkurrenzlos an. Im Eurocup jedoch ließ Klaipeda mit Nizhny Novgorod, Jerusalem, AEK Athen und Volgograd vier von fünf Kontrahenten hinter sich. Vor allem vor heimischer Kulisse in der Svyturio Arena (Kapazität: 5.486 Zuschauer) haben die Litauer in den vergangenen beiden Jahren ein ums andere Mal ihren Ruf als Favoritenschreck alle Ehre gemacht: In der Euroleague-Saison 2014/15 gestaltete Neptunas vier ihrer fünf Heimspiele siegreich, in der aktuellen Eurocup-Spielzeit konnten sie immerhin drei von fünf Begegnungen in der Svyturio Arena gewinnen.

Die bekanntesten Spieler vom litauischen Küstenklub sind neben Martynas Mazeika (11,0 PpG, 20% 3FG im Eurocup), der als bulliger und vor allem im Zug zum Korb widerstandsfähiger Combo-Guard weiterhin einer der Leistungsträger des Teams ist, auch der Ex-NBA-Spielmacher Daniel Ewing (15,8 PpG, 4,1 ApG), der Ex-Ludwigsburger und -Bonner Donatas Zavackas (10,9 PpG, 51,2% 3FG) als auch Distanzwurfspezialist Travis Bader (10,8 PpG, 58,7% 3FG, 31,3% 2FG) zu nennen. Der spielerisch eher limitierte, aber sehr athletische Center Jerai Grant (9,0 PpG, 5,3 RpG) bildet außerdem einen wichtigen Stützpfeiler in der Mannschaft von Trainer Dainius Adomaitis, seines Zeichens ehemaliger Olympia-Bronzesieger von 2000 in Diensten der litauischen Nationalmannschaft.

In der Spitze und Breite verfügen die Litauer einen von den Spielertypen her zueinander passenden, aber vergleichsweise eher dünn und spielerisch mit Ausnahme von Spielmacher Ewing auf keiner Position wirklich überragend besetzten Kader. Mazeika und Co. gehen als Außenseiter in die Last-32-Gruppenphase – also in der Rolle, in der sich die Litauer in den vergangenen drei Jahren nahezu beängstigend wohlfühlten.

Berlin trifft auf Tradition
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