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Baskets History #6: Oluoma Nnamaka

19.02.2015 || 16:19 Uhr von:
Alter Schwede, was für ein Name! Oluoma Nnamaka, ein Name wie eine Buchstabensuppe. Mit der letzten Verpflichtung zur Saison 2002/2003 lotsten die Telekom Baskets Bonn einen nahezu unbekannten 23-jährigen schwedischen ...

Alter Schwede, was für ein Name! Oluoma Nnamaka, ein Name wie eine Buchstabensuppe. Mit der letzten Verpflichtung zur Saison 2002/2003 lotsten die Telekom Baskets Bonn einen nahezu unbekannten 23-jährigen schwedischen Nationalspieler von der amerikanischen Marquette University auf den Bonner Hardtberg. Der Beginn der Reise des Oluoma Nnamaka!


Als Sohn einer Schwedin und eines Nigerianers wächst Oluoma Nnamaka zunächst in seinem Geburtsort Uppsala in der schwedischen Provinz Uppland auf. Bereits zu Schulzeiten zieht es ihn erstmalig über den großen Teich ins Mutterland des Basketballs. Zunächst obsiegt jedoch das Heimweh und Nnamaka kehrt nach nur einem Jahr an der Highschool wieder in heimischen Gefilde nach Schweden zurück. Das Basketball-Fieber hatte den jungen Athleten bereits gepackt. In der Jugendabteilung von Sallen Uppsala Basket erlernt er die Basics und dominiert die Jugendligen durch seine Athletik. Mit seinem Schulabschluss in der Tasche entschließt sich Nnamaka dazu, einen neuen Anlauf in den USA zu nehmen und wechselt schließlich nach Milwaukee in das Basketball Programm der Marquette University.

Bei den Golden Eagles spielt sich Nnamaka bereits in seinem ersten Jahr als Freshman in die Rotation vom damaligen Headcoach Tom Crean. An der Seite von erfahreneren Spielern wie Brian Wardle und Mike Bargen entwickelt sich Nnamaka zu einer Stütze des Teams und beendet seine erste Spielzeit mit soliden 6,7 Punkten und 4,9 Rebounds pro Spiel. In seinem zweiten Jahr kann er sich weiter steigern und wird mit 6,7 Rebounds pro Spiel der beste Abräumer der Eagles. Auch offensiv erweitert er konstant sein Repertoire und wird 2000/2001 hinter Brian Wardle und Cordell Henry drittbester Scorer des Teams. In seiner letzten Spielzeit 2001/2002 führt Nnamaka zusammen mit Jon Harris als Kapitän die Mannschaft an. Mit der Ankunft eines gewissen Dwayne Wade schrumpft die offensive Rolle Nnamakas dann wieder, lässt  seinen Status als defensiver Anker der Mannschaft aber bestehen. In seinem Abschlussjahr reicht es zu einer Bilanz von 26 Siegen und 7 Niederlagen, bei denen der Schwede 7,8 Punkte und 4,3 Rebounds beisteuert.

Aus der NCAA auf den Bonner Hardtberg

Nachdem frühzeitig klar war, dass mit seiner Spielweise und seinen Statistiken die Tür zur großen NBA verschlossen bleiben würde, orientiert sich Nnamaka zurück in Richtung Europa. Über die Kontakte des damaligen Bonner Sportmanagers Arvid Kramer landet Nnamaka schließlich in der ehemaligen deutschen Hauptstadt bei den Telekom Baskets. „Er ist ein Superathlet und wird bei uns hinter Brad Traina die Position 3 spielen, vielleicht auch mal ganz unterm Korb, weil er ein ausgezeichneter Rebounder ist“, sagt Kramer über den letzten Neuzugang des Teams 2002/2003. Hinter Brad Traina und Aleksandar Nadjfeji arbeitet Nnamaka bedingungslos in der Offense wie auch in der Defense und wird von Headcoach Predrag Krunic zumeist auf den besten gegnerischen Scorer angesetzt. Seine 5,6 Punkte und 4,0 Rebounds pro Spiel lesen sich zwar nicht gerade spektakulär, aber der Blick auf die Statistiken der Gegenspieler offenbart den wahren Wert Nnamakas: die gegnerischen Forwards haben immer einen schweren Stand gegen den athletischen Schweden mit den langen Armen und scheitern reihenweise an seiner Defense. Beim 93:85-Erfolg gegen den rheinischen Rivalen aus Leverkusen wird Nnamaka auf Demond Greene und Sven Schultze angesetzt und woraufhin beide den Abend mit schwachen Quoten von nur 25% aus dem Feld beenden. Auch Marko Pesic prallt in Diensten von ALBA Berlin gegen die schwedische Wand und kommt bei einer 90:82-Niederlage gegen Bonn nicht über 36% aus dem Feld hinaus. Sportlich kann Nnamaka mit den Baskets 2003 bis ins Halbfinale der Playoffs vorstoßen, muss sich jedoch gegen Bamberg mit 1 zu 3 geschlagen geben.

Zur Saison 2003/2004 ändert sich das Gesicht des Bonner Teams auf vielen Positionen. Mit Aleksandar Capin und Rimantas Kaukenas kommt ein komplett neuer  Backcourt in die Stadt und auf der Forward Position wird der US-Amerikaner Altron Jackson neuer Partner von Nnamaka. Mit 8,0 Punkten im Schnitt wird Nnamaka auch in der Offense eine stärkere Stütze und sammelt zusätzlich 5,5 Rebounds ein. Seine 0,8 Blocks pro Spiel werden zudem der Bestwert des gesamten Teams. Am 16.1.2004 verewigt sich Oluoma „The Wall“ in den Geschichtsbüchern der Basketball-Bundesliga. Gegen die Bayern Giants Leverkusen sendet er 7 Würfe zurück an den Absender und löst damit den ehemaligen Frankfurter Malick Badiane als Rekordhalter ab. Zusätzlich steuert er 13 Punkte und 8 Rebounds zum 102:96-Auswärtssieg der Bonner in Leverkusen bei. Die Fans sind verzückt und fordern schon frühzeitig eine Vertragsverlängerung für ihren Liebling aus Uppsala. In den Playoffs geht es für die Bonner zunächst gegen die TBB Trier, die man mit 3 zu 1 im Viertelfinale überwinden kann. Im Halbfinale trefen die Bonner auf den späteren Meister aus Frankfurt – im vierten Spiel der Serie führt Nnamaka die Baskets mit 16 Punkten und 15 Rebounds zum wichtigen 68:67-Auswärtssieg und ermöglicht den Baskets ein entscheidendes fünftes Spiel. Dort machen die Skyliners um Pascal Roller, Mario Kasun und Christopher Williams schließlich den Einzug ins Finale perfekt.

Nnamaka BonnFrühzeitig sichern sich die Baskets die Dienste von Nnamaka für eine weitere Saison und verlängern seinen Vertrag erneut bis 2005. Der Kader wird wiederum komplett umgekrempelt und Erfolgsgaranten wie Kaukenas und Capin verlassen die Baskets wieder. Sportlich stolpert die Mannschaft folglich durch die Saison und kann aufgrund vieler verletzter Spieler selten das volle Potential ausschöpfen. Mit 9,9 Punkten und 5,0 Rebounds pro Spiel legt Nnamaka seine statistisch beste Spielzeit aufs Parkett, muss die Saison jedoch Anfang Mai frühzeitig beenden und sich einer Operation am Außen-Meniskus unterziehen. Erstmals seit ihrem Aufstieg verpassen die Telekom Baskets im Jahr 2005 die Playoffs der BBL und beenden die Saison auf Rang 9 der Tabelle. Lange hoffen die Fans auf eine weitere Spielzeit mit ihrem Defense-Liebling aus Schweden, der sich aber dazu entschied auf weitere Angebote aus Spanien und Italien zu warten. Letztendlich können sich die Baskets mit Nnamaka nicht mehr auf eine weitere Zusammenarbeit einigen. „Schade,  wir verlieren einen großen und charakterlich starken Sportler, dem wir viel zu verdanken haben.“, kommentiert Baskets Präsident Wolfgang Wiedlich den Abgang Nnamakas vom Bonner Hardtberg.

Aus Bonn nach Bella Italia

Nnamaka zieht weiter in die lukrative italienische Liga und schließt sich Aufsteiger Orlandina Basket aus der Serie A an. Für den Liga-Neuling steuert er in 34 Spielen durchschnittlich 7,6 Punkte und 5,6 Rebounds bei und kann 2006 mit der Mannschaft aus Sizilien den erfolgreichen Klassenerhalt feiern. Zur Spielzeit 2006/2007 wechselt Nnamaka dann in die zweite Liga Italiens und unterzeichnet einen Vertrag bei Baskets Club Ferrara. Mit dem ambitionierten Team aus der Emilia-Romagna gelingt 2008 der Sprung in die italienische Beletage. Statistisch bleibt Nnamaka auch in Italien meist unscheinbar, überzeugt aber Fans und Experten durch seinen unbändigen Einsatz auf dem Feld. In der Spielzeit 2008/2009 legt Nnamaka für Ferrara 5,4 Punkte und 5,0 Rebounds in der ersten Liga auf und läuft in allen 30 Partien des Teams auf. Sportlich kann der Aufsteiger die Saison auf einem sicheren 10. Tabellenplatz beenden.  Nnamaka verbleibt auch 2009/2010 im Kader von Ferrara, muss sich aber mit einer kleineren Rolle in der Rotation des Teams begnügen. Sportlich schafft es die Mannschaft trotz Spielern wie Sharrod Ford und Anthony Grundy jedoch nicht zu überzeugen und der Club muss 2010 mit lediglich 9 Siegen in 28 Spielen den Gang zurück in Liga 2 antreten.

Auch Oluoma wechselt zurück in die zweite Liga und schließt sich erneut einem aufstiegsambitionierten Team an. Er unterschreibt einen Vertrag über zwei Jahre bei Fastweb Casale Monferrato, einem Team aus einer Kleinstadt der Provinz Alessandria im Piemont. Angeführt von US-Boy Ricky Hickman kann Casale die Meisterschaft der Legadue gewinnen und den Aufstieg in die Serie A feiern. Mit 5,9 Punkten und 6,1 Rebounds trägt Nnamaka zum erfolgreichen Aufstieg bei und läuft in allen 41 Spielen für die Mannschaft auf. Für das Abenteuer Serie A verstärkt sich Casale Monferrato dann mit den Guards Garrett Temple und Mustafa Shakur, jedoch kann die Mannschaft in der Folgespielzeit nicht wie erhofft auf dem Niveau der Serie A mithalten. Als abgeschlagenes Tabellenschlusslicht steigt das Team 2012 schließlich wieder ab. In seiner letzten Spielzeit in Italien kommt Oluoma Nnamaka aufgrund von Verletzungen lediglich auf 18 Einsätze, in denen er 4,3 Punkte und 4,6 Rebounds produziert.

Rückkehr zu den schwedischen Wurzeln

Nach einer sportlich enttäuschenden Spielzeit 2011/2012 regeniert sich Nnamaka in seiner schwedischen Heimat von seiner erlittenen Verletzung und entschließt sich dazu, wieder für seinen ehemaligen Club Sallen Uppsala Basket aufzulaufen. Mit 7,1 Punkten und 3,9 Rebounds überzeugt Nnamaka auf Anhieb und wird zu einem Aushängeschild des Vereins aufgebaut. Mit 25 Siegen und 8 Niederlagen kann Uppsala die reguläre Saison auf Rang 2 abschließen und stößt in den Playoffs bis ins Halbfinale vor. Dort unterliegt die Mannschaft dem späteren Meister aus Sodertalje mit 0 zu 3 Siegen. 2013/2014 bestätigt „The Wall“ erneut seine soliden Stats und liefert 7,0 Punkte und 3,6 Rebounds in 18 Minuten Spielzeit ab. Erneut gelingt Uppsala der Sprung ins Halbfinale um die schwedische Meisterschaft, wo sich das Team allerdings erneut den Kings aus Sodertalje geschlagen geben muss. Auch in der aktuellen Spielzeit ist Nnamaka mit Uppsala Basket in der Spitzengruppe der Basketligan zu finden und spielt bislang seine statistisch beste Saison in Schweden. Mit 8,9 Punkten und 5,5 Rebounds pro Spiel ist er absoluter Leistungsträger in der Rotation von Headcoach Kelly Grant.

Oluoma Nnamaka in der schwedischen Nationalmannschaft

Von 1998 bis 2008 lief Nnamaka für die schwedische A-Nationalmannschaft auf, konnte sich mit der Mannschaft jedoch in dieser Zeit lediglich 2003 für die in Schweden ausgetragene Endrunde qualifizieren. In Gruppe C mit den europäischen Schwergewichten Spanien, Russland und Serbien & Montenegro konnte die Mannschaft von Headcoach Jan Enjebo keinen einzigen Sieg erringen und wurde Gruppenletzter. An der Seite von Oluoma lief zu dieser Zeit mit Paul Burke ein weiterer ehemaliger Spieler der Telekom Baskets Bonn auf. Auch Center Joakim Blom war durch seine Zeit bei BS Energy Braunschweig in Deutschland zu dieser Zeit kein Unbekannter. 2008 beendete Nnamaka auf eigenen Wunsch seine Karriere in der schwedischen Nationalmannschaft, um in den Sommermonaten mehr Zeit für seine Familie zu haben.

Scouting Report

Mit einer Größe von 2,00 Meter und einem Gewicht von 100 kg kann Nnamaka sowohl auf dem Flügel als auch in der Zone effektiv verteidigen. Mit seiner enormen Spannweite gleicht er die fehlenden cm an Körpergröße gegen höhergewachsene Gegenspieler aus. Schon in der NCAA bestach er durch sein extrem gutes  Timing am offensiven und defensiven Brett. Offensiv lebt Nnamaka stets von seinen Abschlussqualitäten in Brettnähe. Im 2er Bereich trifft er seinen etwas unorthodox aussehenden Wurf ebenfalls noch solide. Von der 3er Linie strahlte Nnamaka lange Zeit keine Gefahr aus und traf 2003/2004 im Trikot der Baskets lediglich 17% seiner Distanzwürfe. Jedoch steigerte er seine Quoten zuletzt beständig und traf vergangene Spielzeit 42,4% seiner Wurfversuche vom Perimeter.


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In Ausgabe #7 schauen wir auf die bewegte Karriere von US-Guard Derrick „The General“ Phelps

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