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Die Rückkehr des Brad Wanamaker

31.03.2017 || 17:28 Uhr von:
Wiedersehen macht Freude - Brad Wanamaker ist zurück! Bambergs ehemaliger Kapitän führt Darussafaka Dogus Istanbul zum Sieg gegen Bamberg, an seiner Beliebtheit ändert das nichts.

„Es gibt keinen Eins zu Eins-Ersatz für Brad Wanamaker, also mussten wir uns etwas anderes überlegen.“ So begann Andrea Trinchieri die Erklärung der Verpflichtung von Fabien Causeur vor der Saison. Und wahrlich, als Wanamaker an diesem Donnerstagabend mit seinem neuen Team Darussafaka Istanbul nach Bamberg zurückkehrte, stellte er genau das unter Beweis: Er ist so gut, dass er auf europäischem Level als unersetzbar gelten darf.

Für Brose Bamberg ging es in diesem Spiel um nichts mehr. Darussafaka musste gewinnen, um sich die Chance auf das Viertelfinale zu bewahren. Das Hinspiel entschieden die Istanbuler mit 72-70 für sich. Die entscheidenden Punkte machte, na klar, Brad Wanamaker.

Er ist wieder da

Vor dem Spiel wird er empfangen, als würde er noch zum Team gehören. Und ein bisschen fühlt es sich tatsächlich so an. Wanamaker kennt noch fast jeden hier, der Kader ist quasi der gleiche wie im letzten Jahr. Wanamaker war Kapitän, MVP, zweimaliger Meister, Erfolgsgarant im letztjährigen Top16 der Euroleague. „Willkommen zurück“, sagt Stego, der Hallensprecher, an den Mann, der einmal ein Spiel ganz alleine entschied, gegen Khimki Moskau nämlich. „Wanamaker!“, schrie Frank Buschmann damals nach dessen Dunking, und die Stadt hatte ihrer langen Ahnengalerie einen weiteren Basketballhelden hinzugefügt.

Nur blöd, wenn der nun beim Gegner spielt. Gleich zu Beginn zeigt die Nummer Elf der Istanbuler, wer der Chef in dieser Mannschaft ist. Die ersten Punkte macht er, später trifft er noch einen Dreier, zudem spielt er den einzigen Assist seines Teams bis zur Halbzeit; Bamberg hat da schon zehn. 40-29 führen die Bamberger nach 20 Minuten, und das hat mehrere Gründe.

Die Halbzeitführung und ihre Gründe

Einer davon ist, dass die Istanbuler einige freie Dreier verwerfen. Manche davon sind nicht mal knapp, andere rollen einmal über den Ring und kullern wieder raus. So ähnlich sahen einige internationale Do-or-Die-Spiele der Bamberger in den letzten Jahren aus, gerade auswärts. Auf dem Team von Darussafaka Dogus Istanbul lastet viel Druck, während die Bamberger leicht erholt nach zwei freien Tagen locker aufspielen. Trinchieri verfolgt das Spiel während der ersten Minuten im Sitzen. Das macht er sonst nicht.

Ein weiterer Faktor ist die bessere Ballbewegung der Bamberger. Zehn zu einem Assist sprechen eine deutliche Sprache. Es ist noch immer nicht die Ballbewegung aus den besten Tagen, aber dennoch wirkt das Spiel unter Regie von Nikos Zisis, der zur Halbzeit schon sieben Assists gesammelt hat, deutlich flüssiger als häufig in den letzten Wochen. Und die Defense steht größtenteils ebenfalls gut, versinnbildlicht in einer Situation im zweiten Viertel. Istanbuls 20-jähriger Center Ante Zizic fängt den Pass von Wilbekin unter dem Korb und geht hoch zum Dunking, aber: Daniel Theis. Block Nummer Eins. Zizic holt sich den Ball wieder, täuscht an, geht nochmal hoch, aber: Daniel Theis. Block Nummer Zwei. Wieder fängt Zizic den Ball, wieder täuscht er, dann geht er ein letztes Mal zum Ring, aber: Daniel Theis. Block Nummer Drei. Zizic begeht kurz darauf ein Foul und wird ausgewechselt. Aua. Und das vor den Augen des Scouts aus Boston, wo dieser im nächsten Jahr wohl spielen wird.

Und dann sind da noch die Nachfolger von Brad Wanamaker. Der eine, Fabien Causeur, ist eher ein Shooting Guard und natürlich nicht ganz auf dem Niveau eines Wanamakers. Dennoch hat er sich gut in das Team eingefunden. Er ging bei den Pokalspielen als Leader und Topscorer voran und defensiv ist er selbst gegen europäische Topteams eine Waffe, wenn er fit ist und voll konzentriert spielt. Acht Punkte erzielte Causeur in der ersten Halbzeit, dazu drei Rebounds. Sein Ranking war sogar besser als das von Wanamaker.

Maodo Lo und Andrea Trinchieri

Der andere Spieler, der Wanamakers Abgang mit abfangen soll, ist Maodo Lo. Der 24-Jährige spielt in seiner ersten Profi-Saison eine größere Rolle, als viele das vor der Saison erwartet hatten. Und im ersten Viertel zeigte er eine Show, die an Wanamaker erinnerte. Nur konstanter muss Lo in dieser Hinsicht noch werden. Alleine in den fünf Minuten Einsatzzeit bis zum Ende des ersten Abschnitts scorte er elf Punkte ohne Fehlwurf. Auch sein Ranking war zur Halbzeit besser als das von Wanamaker. Mit Lo und Causeur waren also ausgerechnet diejenigen, die den US-Amerikaner ersetzen sollten, Bambergs effektivste Spieler bis dahin.

Wanamaker äußerte sich nach dem Spiel über Maodo Lo.

Oh, Maodo Lo, er ist sehr gut, hat sehr viel Talent. In Bamberg befindet er sich in einer tollen Situation. Ich bin mir sicher, Andrea kümmert sich um ihn und macht ihn besser. Er hat heute großartig gespielt.

Im ersten Viertel, Lo hat eben neun Punkte in kurzer Zeit erzielt, nimmt David Blatt eine Auszeit. Trinchieri geht direkt zu Lo, aber nach Lob sieht das nicht aus, eher nach Korrektur. Wie Wanamaker gesagt hat: Der Italiener kümmert sich um Lo.

Und wieder Miller

Neben dem Scout aus Boston saßen noch ein paar weitere Herren in Anzügen mit Zetteln, die das Spiel ohne Regung verfolgten. Demnach dürfte es also nicht verwundern, wenn neben Ante Zizic demnächst auch Wanamaker in der NBA sein Geld verdient, denn er bot an diesem Abend alles auf. Das Spiel ist in der zweiten Halbzeit auf sehr hohem Niveau. Darussafaka kommt ran und erkämpft sich die Führung. Aber kurz vor Schluss ist Bamberg im Vorteil, Daniel Theis tippt den Ball mit Foul in den Korb, fünf Punkte beträgt da die Führung. Eine Minute und fünf Sekunden sind noch zu spielen. 40 Sekunden später hat Istanbul ausgeglichen. So ist das im Basketball nun mal.

Den letzten Wurf in diesem Spiel überlässt Andrea Trinchieri Darius Miller. Es ist nicht das erste Mal in dieser Saison. Auf der Pressekonferenz kommentiert der Italiener diese Entscheidung.

Jedes Spiel hat eine andere Entwicklung. Wir haben in jedem Spiel einen anderen Star. Ich denke, Darius hat einen tollen Wurf genommen. Er hatte sich Platz geschaffen, aber der Ball ging halt nicht rein. Ich habe aufgehört, mich damit zu belasten, ob der Ball reingeht oder nicht, weil das etwas ist, was ich nicht kontrollieren kann. Darius hat den Wurf gegen den Spieler genommen, den wir als seinen Verteidiger wollten. Mal geht der Ball rein und wir sehen fantastisch aus, mal geht er nicht rein und wir sehen wie Idioten aus. Aber das zu bewerten ist der Job der Journalisten. Ich bereue diese Entscheidung nicht.

Brad Wanamaker, der Anker

Darius Miller trifft also nur den Ring, das Spiel geht in die Verlängerung. Dass Darussafaka sich in diese retten kann, haben sie vor allem Brad Wanamaker, Will Clyburn und Adrien Moerman zu verdanken. Wanamaker aber geht voraus. Zwölf Punkte, fünf Rebounds und fünf Assists zaubert er alleine in der zweiten Halbzeit auf das Parkett. Wobei zaubern vielleicht nicht das richtige Wort ist. Wanamaker arbeitet auf dem Feld, die Korbleger schließt er oft mit viel Kontakt ab, defensiv switcht er immer wieder auf größere Gegenspieler und kann auch hier gut gegenhalten. Und dennoch sieht alles bei Wanamaker so leicht aus, so locker. Sein Wurf scheint sich nochmal verbessert zu haben, die Bewegung ist jetzt flüssiger. Er ist der überragende Mann auf dem Feld und bestätigt folgenden Worte von David Blatt auf der Pressekonferenz:

Beim Zusammenstellen eines Teams sucht man zunächst nach einem Anker. Dieser eine Spieler, der den Charakter und die Leistungsstärke hat, um das Gesicht des Teams zu sein. Brad Wanamaker ist das Gesicht unseres Teams. So, wie er vorher das Gesicht des Bamberger Teams war. Er war der erste Spieler, um den wir uns auf dem Transfermarkt bemüht haben, er war unser absoluter Wunschspieler. Was er heute in seiner alten Heimat geleistet hat, im für uns bisher wichtigsten Spiel der Saison, war spektakulär.

Verlängerung und immer wieder Wanamaker

Als die Verlängerung beginnt, hat Nikos Zisis bereits elf Assists gesammelt. Der Hallensprecher macht darauf aufmerksam, dass der Grieche nun die fünftmeisten Assists aller Euroleague-Spieler gesammelt hat. Beim folgenden Applaus schaut Zisis nicht mal auf, er ist konzentriert. Es geht gegen Wanamaker. Es gibt diese Aufnahme von Telekom Basketball, nach der letzten Meisterschaft der Bamberger, Wanamaker hatte eben sein letztes Spiel für Bamberg hinter sich gebracht. Zisis nimmt ihn in der Kabine in den Arm und sagt: „Ich hoffe, unser Kapitän bleibt. Ich weiß aber, dass es schwierig wird. Was immer er tut, ich liebe ihn.“ Dann soll Wanamaker biergetränkt erklären, was diese Truppe ausmacht. Er setzt an, wird aber unterbrochen von seinen Teamkollegen, die für ihn singen: „Wanamaker, Wanamaker, hey, hey!“ Der MVP klatscht und sagt in die Kamera: „Seht ihr? Das ist Liebe.“

Wanamaker trifft in der Verlängerung den Dreier ins Gesicht von Melli. Später den Step-back gegen Theis. Acht Punkte in fünf Minuten. Die Freiwürfe ganz am Ende vergibt er beide, aber Darussafaka gewinnt, weil Miller den letzten Verzweiflungsdreier nicht im Korb unterbringen kann. Trinchieri klatscht trotzdem für sein Team. In der abschließenden Pressekonferenz deutet er an, dass er die Schiedsrichterleistung für mitentscheidend hielt. Sonst ein Thema, das hier in diesen Beiträgen außen vor ist, aber nach dem gestrigen Spiel fanden sich auch einige internationale, neutrale Fans, die sich auf Twitter und in Foren über die Schiedsrichter aufregten. Dogus, Darussafakas Sponsor, ist gleichzeitig einer der Hauptsponsoren der Turkish Airlines Euroleague. Das feuert natürlich Gerüchte an, zumal die Euroleague jetzt ihr spannendes Endspiel um den achten Platz zwischen Darussafaka gegen Roter Stern Belgrad gut vermarkten kann.

Abschied

In der nächsten Saison wird Dogus sich Gerüchten zufolge bei Darussafaka wieder zurückziehen, die spielen dann nur noch im Eurocup. Was das für Wanamakers Zukunft bedeutet, ist noch unklar. Auf Wanamakers Gegenwart angesprochen, schmunzelt Trinchieri vor dem Spiel.

Es ist doch immer das Gleiche, alte Geschichte. Du hast einen Spieler für zwei Jahre, er war großartig für uns, du arbeitest mit ihm an vielen kleinen und großen Dingen. Dann geht er zu einem anderen Verein und macht dort genau das, was du ihm beigebracht hast.

Nach dem Spiel geht Wanamaker zum Kampfgericht und klatscht jeden einzeln ab, dann klatscht er den Fans zu, gibt ein Interview bei Telekombasketball und verschwindet in die Kabine, nicht ohne einen letzten Applaus der Fans mitzunehmen. Das letzte Wort hat er nun selber.

Es war schön, wieder in Bamberg zu sein und die Mannschaftskollegen wiederzusehen. Meine Zeit hier war besonders, die werde ich niemals vergessen. Nochmal zurückzukommen und so begrüßt zu werden, das war fantastisch.

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