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„Führungsspieler haben die Notwendigkeit des Wechsels bestätigt“

23.02.2018 || 15:20 Uhr von:
Klare Ansagen zur Trinchieri-Entlassung und an die Spieler. Dazu ein Seitenhieb gegen Daniele Baiesi und ein Parteilichkeitsvorwurf an die Euroleague-Schiedsrichter. Michael Stoschek nahm beim Fantalk kein Blatt vor den Mund.

Drei Tage nach der Freistellung von Andrea Trinchieri stellten sich die Verantwortlichen von Brose Bamberg am Donnerstagabend bei einem Fan Talk den Fragen der Anhänger. Ungewöhnlich offen präsentierte sich der Aufsichtsratsvorsitzende von Brose Bamberg, Michael Stoschek, und dürfte mit einigen der getätigten Aussagen weiterhin für Wirbel rund um den neunfachen deutschen Meister sorgen. Auch Geschäftsführer Rolf Beyer nahm an der Veranstaltung teil.

Doch der Reihe nach. Mit der Entlassung von Cheftrainer Andrea Trinchieri endete am Montag eines der erfolgreichsten Kapitel der Vereinsgeschichte mit einem Knall. Eine bis dahin mehr als durchwachsene Saison, geprägt von Fehlgriffen auf dem Transfermarkt, Verletzungen und Dissonanzen innerhalb der Mannschaft, die bis zur Arbeitsverweigerung der Spieler in Jena führten, hatte ihren Höhepunkt erreicht.

Innerhalb von nicht einmal 12 Monaten hat Brose Bamberg neben Leistungsträgern wie Darius Miller, Daniel Theis, Nicolo Melli, Janis Strelnieks und Fabien Causeur mit Andrea Trinchieri und Daniele Baiesi auch die Köpfe hinter dem Erfolg verloren und steuert nun in eine ungewisse Zukunft.

„Vlado Scepanovic soll sich den Spielern auf menschlicher Seite widmen“

Dass nichts mehr an einer Trennung mit dem Trainer vorbeiführte, machte Michael Stoschek beim Fan Talk mehr als deutlich. „Am Ende haben die Ergebnisse und Spielweise dem Ansehen Brose Bambergs und seiner Sponsoren geschadet. Führungsspieler haben uns bestätigt, dass die Notwendigkeit eines Trainerwechsels besteht“. Umso überraschender, dass nun mit Ilias Kantzouris und Vlado Scepanovic zwei Männern die sportliche Verantwortung übergeben wurde, die für die Leistungen der aktuellen Spielzeit mit verantwortlich sind.

Dennoch verspricht man sich gerade auf menschlicher Ebene eine verbesserte Zusammenarbeit von Coaching-Staff und Spielern. „Ilias Kantzouris soll den technischen Bereich des Coachings übernehmen. Vlado Scepanovic, der den Spielern sehr nahe steht, soll sich den Spielern auf menschlicher Seite widmen“, so Stoschek.

Im Verlauf der Veranstaltung war immer wieder zu merken, dass Stoschek mit dem Verhalten Trinchieris gegenüber den Spielern in dieser Saison alles andere als einverstanden war. Es wurde sogar der Wunsch laut, in Zukunft einen Trainer an der Seitenlinie zu haben, der auf Gefühlsausbrüche a la Trinchieri verzichtet. Es soll ein Trainer kommen bei dem man nicht Angst haben müsste, er würde die Spieler nach Fehlern auf der Bank „umbringen“.

Kapitulation vor Bayern

Wer diese Aufgabe in Zukunft übernehmen soll, steht derweil noch in den Sternen. Beyer sprach von insgesamt 25 Trainer, die sich in der erweiterten Auswahl für die kommende Saison befänden. Um acht von ihnen werde man sich intensiver bemühen wollen.

Im Hinblick auf die Zukunft des Vereins zeigte sich der sonst so angriffslustige Stoschek ungewohnt zurückhaltend. Es schien teilweise als hätte man im Zweikampf mit dem FC Bayern Basketball bereits die weiße Fahne gehisst. „Wir haben mit dem FC Bayern einen Gegner, der sich so extrem entwickelt hat und weiter entwickeln wird, dass es für Brose Bamberg sehr schwer werden wird, Schritt zu halten“, so Stoschek.

Auch der Etat soll bei verpasster EuroLeague Teilnahme in der kommenden Saison zurückgefahren werden. Stattdessen wünschen sich die Verantwortlichen im nächsten Jahr eine Mannschaft, die vor allem über Entwicklungspotential und langfristige Verträge verfügt. „Wir wollen eine junge, hungrige Mannschaft und keine großen Namen, die meinen, sich in Bamberg einen schönen Karriereabend machen zu können“.

Nikos Zisis, Brose Bamberg

Stoscheks Haltung zu den immer wieder kehrenden Abgängen von Leistungsträgern ist hinlänglich bekannt. Auch wäre er nicht Stolz, Spieler für andere EuroLeague Clubs zu entwickeln. „Man muss ja nicht wie im Fußball Spieler wie Wanamaker bei ihrer Rückkehr mit Eiern bewerfen, dennoch wundert es mich, dass Spieler die den Verein nur des Geldes wegen verlassen haben in Bamberg beklatscht werden“.

Seitenhieb gegen Baiesi: „Dem hat gar nichts gefehlt“

Dass langfristige Verträge in bestimmten Situationen auch ein Hindernis darstellen können, könnte der Verein in der kommenden Off-Season zu spüren bekommen. „Jetzt fallen uns die langfristigen Verträge auf die Füße, denn den ein oder anderen Vertrag hätten wir nun gerne etwas kürzer gestaltet“, so Geschäftsführer Beyer. Diese Aussage macht deutlich, dass man wohl viele der aktuellen Spieler im nächsten Jahr nicht mehr im Verein haben möchte. Welche Wirkung diese Aussage bei umstrittenen oder verletzungsanfälligen Akteuren wie Hickman, Taylor, Mitrovic, Rubit oder Hackett haben wird, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen.

Eine Aussage Stoscheks könnte zukünftig eventuell auch noch ein juristisches Nachspiel haben. „Unseren Sportdirektor (Daniele Baiesi; d. Red.) haben wir vorzeitig aus dem Vertrag gelassen, weil er behauptet hat, er sei schwer krank. Dem hat gar nichts gefehlt!“.

Wie immer erfährt man als Zuhörer bei solchen Unterstellungen nur eine Seite der Medaille und auch wenn diese Aussage der Wahrheit entsprechen sollte, ist sie nur schwer zu verdauen und womöglich auch mit Vorsicht zu genießen. Der FC Bayern und Baiesi werden wohl gut daran tun, die ganze Geschichte unkommentiert zu lassen.

Eins ist nach dem gestrigen Abend in jedem Falle klar. Die Jahre mit Bamberger Basketball der europäischen Spitzenklasse könnten erst einmal der Vergangenheit angehören. Vielleicht ist Stoschek darüber auch gar nicht so böse, denn eine Spitze gegen die Schiedsrichter der Euroleague konnte sich der Brose-Boss nicht verkneifen: „Ich hatte den Eindruck, dass Andrea Trinchieris Temperament manche Schiedsrichter herausgefordert hat und diese ihm eins auswischen wollten. Einfach weil sie ungern Fehler eingestehen oder wegen ihrer Parteilichkeit, die in der EuroLeague ja ganz offensichtlich ist.“

„Führungsspieler haben die Notwendigkeit des Wechsels bestätigt“
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therealelalfredo
therealelalfredo 23. Februar 2018 um 20:25 Uhr

Höchst unprofessionell von Seiten des Vereins. Unabhängig davon, ob die Entlassung nun begründet war, ist ein solches Nachkarten gegen einen unstrittig verdienten Coach schlicht unwürdig für einen europäischen Spitzenklub. Auch Stammtischaussagen wie „Gehalt kürzen“, Anschuldigungen gegen Baiesi zeigen nur, wie blank die Nerven in Bamberg liegen. Es wird interessant sein zu sehen, wie der „Reset“ mit zwei Assistant-Coaches des gechassten gelingen wird.

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