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Ausgewählte 2013/14 Statistiken der BBL-Teams im Vergleich

28.02.2014 || 18:27 Uhr von:
Beko BBL
Den häufig aktualisierten Stand der Statistiken findet ihr hier. Statistiken gehören zum Basketball dazu, wie die Butter zum Brot. Aber warum ist das eigentlich so - beim Fußball kommt man ja schließlich auch mi...

Den häufig aktualisierten Stand der Statistiken findet ihr hier.


Statistiken gehören zum Basketball dazu, wie die Butter zum Brot. Aber warum ist das eigentlich so – beim Fußball kommt man ja schließlich auch mit einigen wenigen Rumpf-Zahlen wie Torschüsse, Anzahl der Ecken/Freistöße oder prozentualer Ballbesitz aus? Nun, es sind vor allem zwei Sachen die den Boxscore eines Basketballspiels sehr aussagekräftig und interessant machen: Erstens, im Basketball gibt es eine Reihe separater, messbarer Ereignisse, die auf das Spielgeschehen direkten Einfluß haben und die bei jedem Spiel aufgezeichnet werden, wie Anzahl der Wurfversuche aus den verschiedenen Positionen, Trefferanzahl, Rebounds, Ballverluste, Vorlagen und so weiter. Zweitens, durch die festgelegte Begrenzung der Angriffszeit auf 24 Sekunden ist quasi zwangsläufig sichergestellt, dass eben eine große Anzahl dieser Ereignisse pro Spiel anfällt und somit auch die Stichprobe groß genug ist, um vernünftige Aussagen treffen zu können. Während, um beim Fußballvergleich zu bleiben, die Anzahl der Ecken und Freistöße oft nur sehr bedingt darüber Auskunft geben kann, wer das Spiel am Ende gewinnen wird oder einfach nur schlicht wer die bessere Mannschaft war, ist beim Basketball aufgrund der vielen Angriffe fast immer das Team mit der besseren Trefferquote der Gewinner. Das hängt mit dem Gesetz der großen Zahlen zusammen, welches im Grunde besagt, dass die Chance auf statistische Außreisser gen Null geht, je mehr Daten man hat: Wenn jedes Team eben 70 Chancen hat auf den gegnerische Korb zu werfen, setzt sich fast immer das bessere Team durch, vergleichen mit beispielsweise nur 10 Versuchen. Die Chance auf Aussenseitersieg wäre im letzteren Fall deutlich höher.

Die possession

Das zentrale Konzept im Basketball ist die possession, welches man wohl am besten mit „Ballbesitz“ oder „Angriff haben“ übersetzt. Es gibt immer nur zwei Möglichkeiten; entweder hat ein Team possession oder ist eben in der Verteidigung, welche man häufig auch als „defensive possession“ bezeichnet. Ein Mittelding gibt es nicht. Deshalb haben in einem Spiel auch beide Teams die exakt gleiche Anzahl an possessions (mit einer maximal möglichen Abweichung von 2 , abhängig wer den ersten und letzten Angriff hat). Ziel ist es immer, im Spielverlauf möglichst viele Punkte pro verfügbarer possession zu erzielen, und gleichzeitig möglichst wenig Punkte pro defensiver possession zu kassieren. Diese Kennzahlen werden als Offensive (ORtg) und Defensive Rating (DRtg) bezeichnet, oder auch als Offensive/Defensive Efficiency. Wenn man eben 100 Versuche (also: possessions) braucht, um 90 Punkte zu erzielen ist das eine ganz andere Geschichte also wenn es nur 75 sind. Es ist daher einfach nicht sinnvoll, die beste Offensive bzw. Defensive nur nach den durchschnittlich erzielten bzw. zugelassenen Punkten zu beurteilen: Hagen produziert zum Beispiel die viertmeisten Punkte der Liga (85,0 PPG, und nur 0,3 hinter dem Drittplatzierten ALBA Berlin), hat aber auch das größte Tempo im Spiel und damit schlicht und ergreifend viel mehr Möglichkeiten zu scoren. Trotz der augenscheinlich hohen Punkteausbeute, ist diese Offense nicht besonders effizient. Die Differenz zwischen den durchschnittlich erzielten und und zugelassenen Punkten pro possession, d.h. ORtg – DRtg, bezeichnet man als Net Rating. Es ist nicht sonderlich schwierig zu verstehen, dass ein Team umso besser ist, je größer eben die Differenz ist. Aus Gründen der Lesbarkeit -wer will schon bei Zahlen bis auf die dritte Kommastelle achten müssen- rechnet man beim Offensive/Defensive/Net Rating nicht je einzelner possession, sondern je 100 possessions. Wenn der FC Bayern ein ORtg von 119,8 und ein DRtg von 100,2 hat, dann bedeutet es, sie erzielen knapp 120 Punkte in 100 Ballbesitzen, +19,6 mehr als ihre Gegner im gleichen Zeitraum. Das ist schon ein gewaltiges Pfund.

Berechnung

Zwar könnte man auch am Spielfeldrand mit Stift und Zettel eine Strichliste über die Anzahl der Ballbesitze führen, aber zum Glück lässt sich das auch ziemlich genau aus dem Boxscore ableiten. Es ist nämlich so; eine possessions kann nur durch drei Aktionen enden: Wurfversuch, der entweder trifft oder vom Gegner gereboundet wird, eigener Turnover oder Freiwurf. Da jedoch nicht jeder Freiwurf eine possession beendet (typischerweise gibt es davon meist zwei an der Zahl), muss man die Freiwurfanzahl noch mit einem Faktor justieren, um zu sehen wie häufig der Ballbesitz nach einen Freiwurf tatsächlich wechselt. Ginge man immer von 2 Freiwürfen als Paar aus, würde die possession nach jedem zweiten Freiwurf wechseln, allerdings gibt es auch die Situation „Drei-Punkt-Spiel“ (nur einen Freiwurf  am Stück) und „Foul beim 3er“ (drei Freiwürfe am Stück). Viele kluge Menschen haben viele, viele Spiele en detail analysiert und herausgefunden, dass nach ungefähr 44% der Freiwürfe auch der Ballbesitz wechselt, daher verwendet man den Faktor 0.44 (Manchmal auch 0.4. Aber in der BBL, in der es weniger Nicht-„Zwei-Freiwürfe-am-Stück“ Situationen gibt als in der NBA, wo auch bei technischen Fouls nur ein Freiwurf zugesprochen wird, sollte der Wert sowieso stärker zu 0,5 tendieren). Daher: Anzahl der possessions = FGA (Feldwurfversuche) – OREB (Offensivrebounds) + TO (Turnover) + 0,44*FTA (Freiwurfversuche)   Besonders zu beachten ist hierbei, dass nach einem Offensivrebound eben nicht eine neue possession beginnt, sondern die alte sozusagen am Leben erhalten wird.1   (Fußnoten befinden sich auf der letzten Seite)

Pace

„Pace“ bezeichnet das Tempo eines Spiels und ist nichts anderes als die Anzahl der gespielten possessions pro Spiel. Je mehr Angriffe ein Team hat, z.b. durch run-and-gun oder viele Ballverluste, desto höher die pace. Während Phoenix Hagen beispielsweise für sein Tempospiel bekannt ist und nicht umsonst die Liga mit einer pace von knapp 80 possessions per game anführt, kommen die Brose Baskets als das Schlusslicht nur auf 71.6, während der Ligadurchschnitt momentan bei  73,6 liegt. Eine niedrige Pace ist an sich nicht zwingend schlecht, genauso wenig wie hohe Pace nicht automatisch gut ist 2, aber es charakterisiert ein Spiel bzw. einen Spielstil (Uptempo/Fastbreak vs. Halbfeld-Setplay). Teams die mit geringer Pace spielen, haben zwangläufig weniger Wurfversuche, Rebounds, Punkte usw. , weil wie beschrieben weniger Möglichkeiten dafür bestehen – nicht notwendigerweise, weil sie schlechter sind. Wenn Pace sozusagen die „Währung“ beim Analysieren von Basketballzahlen ist, benötigt man auch einen „Wechselkurs“ um Statistiken zweier  Teams vergleichen zu können (Dollar- und Euro-Beträge würde man ja auch nicht in einen Topf werfen): „Pace Adjusted“ sagt man dann dazu, wenn man die Team-Statistiken mit dem Faktor LigaPace/eigene Pace multipliziert. So nehmen beispielsweise die Skyliners 20,9 Dreier pro Spiel, aber standardisiert auf einen gemeinsamen Nenner (den Ligadurschnitt) entspräche das eigentlich (73,6/71,6)*20,9 = 21,5 Dreiern. Die andere Möglichkeit, Äpfel mit Äpfeln zu vergleichen, wäre über Quoten. Man könnte zum Beispiel die Anzahl der 3er Versuche durch die Gesamtanzahl aller Feldwurfversuche teilen, um den prozentualen Anteil der 3er an der Gesamtwurfanzahl zu berechnen und diesen Prozentsatz anstatt nur der Wurfversuche als Vergleichswert nutzen. Oder auch die Anzahl der 3er pro 100 possessions gäbe ebenfalls Aufschluss über deren relativer Häufigkeit.

Die Daten

So, aber genug mit dem Gerede – den meisten wird das wahrscheinlich schon alles geläufig sein und und sind viel mehr an den tatsächlichen Zahlen interessiert.  Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, in diesen Post ein paar ausgewählte Stats zur bisherigen Beko BBL Saison zu visualisieren: Pace, Offensive / Defensive Ratings, Wurfauswahl, Punkteverteilung, sowie diverse Wurfquoten, inkl. effective FG% und true shooting %. Sämtliche Grafiken sind interaktiv, d.h. man kann mit der Maus über die jeweiligen Punkte fahren um weitere Informationen zu erhalten, man kann Teams durch Anklicken hervorheben oder per Filter kann man sich die Statistiken z.B. nach Monat oder Team eingrenzen. Den Anfang macht die Übersicht zu dem Offensive und Defensive Rating am Anfang des Artikels. Je weiter oben rechts sich ein Team im Quadrant befindet und je größer der Kreis (=Net Rating, die Differenz zwischen erzielten und zugelassenen Punkten pro possession), desto besser.

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27. Februar 2014 um 4:47 Uhr

Wow. Das ist ja Wahnsinn. Vielen Dank für die Mühe!
@All: Verbreitet den Artikel! Und kommentiert!

    Athletiktrainer
    Athletiktrainer 27. Februar 2014 um 9:10 Uhr

    Danke!
    Wenn ihr irgendwelche Ideen habt, was man sonst noch darstellen könnte, dann immer her damit!

Athletiktrainer
Athletiktrainer 27. Februar 2014 um 14:11 Uhr

Nachtrag: Der Text und die darin genannten Zahlen beziehen sich auf den Zeitraum 28.09.13 – 23.02.14.
Die Grafiken sind interaktiv und werden von Zeit zu Zeit upgedatet, sodass die aktualisierten Daten in den Charts nicht mehr unbedingt mit den statischen im Text übereinstimmen müssen.

27. Februar 2014 um 14:24 Uhr

Super Übersicht! Vielen Dank für Deine Mühe

1. März 2014 um 13:03 Uhr

„Interessant beispielsweise zu sehen, wie Phoenix Hagen besonders furios begonnen hat, aber im Laufe der Saison kontinuierlich an Tempo verloren hat, was ganz sicher den Gegnern geschuldet ist, die sich mehr und mehr auf die Hagener einstellen und versuchen ihnen das eigene Tempo aufzuzwingen.“ Kannst du das belegen, bzw sieht man das aus den Daten? Soweit ich das verstanden hab, hat Phoenix versucht bewusst langsamer zu spielen (da gibts auch mehrere Interviews zu). Es wird nun nicht immer vogelwild nach vorne gerannt sondern nur bei Fastbreaks. Am Defensive Rating sieht man das zwar nicht unbedingt (außer die letzten Spiele). Aber man sieht das relativ gut an den zugelassenen Punkten. Was meinst du dazu?

    Athletiktrainer
    Athletiktrainer 2. März 2014 um 13:17 Uhr

    Ich hatte Hagen bei dieser Übersicht rausgepickt, weil bei ihnen eine deutliche Veränderung (hier: der Pace) über die Wochen hinweg sichtbar wurde und das halt gut als Beispiel diente, die Funktionalität des Charts zu beschreiben.
    Es ist sicher kein Geheimnis, dass es eine Priorität von Gegnern gegen Hagen ist, das Tempo nach ihrem Gunsten zu kontrollieren um Hagen nicht in den Rhythmus kommen zu lassen.

    Es ist letztendlich schwer zu sagen, inwiefern der Tempoverlust nun in erster Linie an der besseren Taktik der Gegner oder wie du sagst aus eigenem Antrieb zustandegekommen ist. Da der Abfall aber schon arg deutlich ist, geh ich mit dir da konform, dass der Hauptgrund womöglich in der eigenen Entscheidung liegt, langsamer zu spielen.

Athletiktrainer
Athletiktrainer 10. März 2014 um 11:03 Uhr

Updated mit den neuesten Zahlen vom WE.

Athletiktrainer
Athletiktrainer 17. März 2014 um 13:08 Uhr

Last Updated am 16.03.2014

    24. März 2014 um 18:25 Uhr

    Tolle Arbeit – Danke dafür!

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