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Aus dem Schatten ins Licht

09.12.2015 || 11:54 Uhr von:
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Die FRAPORT SKYLINERS sind eines der Top-Teams der Beko BBL. Großen Anteil daran hat Aaron Doornekamp, der in seiner zweiten Saison am Main richtig aufblüht.

54,8 Prozent der Dreier, 53,0 Prozent aus dem Feld, 90,9 Prozent von der Freiwurflinie – so lesen sich die beeindruckenden Zahlen von Aaron Doornekamp nach elf Spieltagen in der Beko BBL. Nach einer ordentlichen ersten Saison in Frankfurt präsentiert sich der Kanadier in seiner zweiten Spielzeit noch stärker und spielt die wohl beste Saison seiner Karriere. Der 30-Jährige ist endgültig in der Mainmetropole angekommen.

Während Doornekamp in der letzten Saison im Angriff lediglich eine Nebenrolle ausfüllte und von einigen Anhängern (zu Unrecht) hart kritisiert wurde, ist er für sein Team mittlerweile auf beiden Seiten des Courts unverzichtbar geworden. Eine derartige Leistungssteigerung haben dem Routinier wohl nur wenige zugetraut. Umso erfreuter registrieren Verein und Fans die starken Auftritte des Sympathieträgers. Gleichwohl gibt es einige Gründe für diese Entwicklung.

Mehr Verantwortung in der Offensive

Zu Saisonbeginn waren die FRAPORT SKYLINERS vor allem im Frontcourt von großem Verletzungspech gebeutelt. Mit Danilo Barthel und Johannes Voigtmann fehlten die beiden etablierten Starter auf den großen Positionen mehrere Wochen. Zudem war unklar, wer in Abwesenheit des ebenfalls verletzten Konstantin Klein für Gefahr von draußen sorgen sollte. Daraufhin übertrug Coach Gordon Herbert dem Kanadier mehr Verantwortung als noch in der Vorsaison. Als Ersatz für Barthel startete der etatmäßige Small Forward zunächst auf der Vier und erhielt deutlich mehr Spielzeit und Würfe als noch 2014/15. Der von vielen erwartete Fehlstart der Skyliners blieb letztlich aus – was mit ein Verdienst von Aaron Doornekamp war, der die Erwartungen mehr als übertraf und von Beginn an keine Anpassungsschwierigkeiten mit der neuen Position und Rolle zeigte.

Als Distanzschütze macht er in der Offense das Feld breit und brachte somit auch ein modernes Element in das Offensiv-Konzept ein. In der Defensive erledigt der kanadische Nationalspieler nicht nur am Perimeter seinen Job gewohnt zuverlässig, sondern auch in Ringnähe gegen überwiegend größere Gegenspieler. Zu Gute kommt Doornekamp dabei seine „Toughness“, die anscheinend so gut wie jeder Spitzensportler aus der Eishockey-Nation mitbringt. Des Weiteren verteidigt er das Pick-and-Roll sehr ordentlich. Obwohl Doornekamp nicht zu den schnellsten und athletischsten Spielern zählt, kann er beim Blocken-und-Abrollen dank seiner guten Fußarbeit und Spielintelligenz problemlos switchen und auch schnellere Guards häufig vor sich halten.

Das Vertrauen, welches in ihn gesetzt wurde, zahlte der Kanadier voll zurück. Doornekamp war in den ersten Partien zumeist die erste oder zweite Scoring-Option und trug sein Team mit durchschnittlich 13,2 Punkten und sieben Rebounds in den ersten sechs Spielen trotz aller Ausfälle zu einem 4-2-Start, war dabei viermal Top-Scorer und viermal Top-Rebounder seines Teams.

SaisonTeamMin.PtsFG%3P%FT%RebAstTO
2013/14Braunschweig29:208,842,737,478,15,71,90,9
2014/15Frankfurt24:096,840,834,073,74,11,50,9
2015/16Frankfurt30:0912,853,054,890,95,31,91,6

Wie im Videospiel-Modus

Wer diese Leistungsexplosion für einen positiven Ausreißer hielt, wurde mittlerweile eines besseren belehrt. Doornekamp scheint sogar von Spiel zu Spiel noch an Selbstsicherheit zu gewinnen. Diese Selbstverständlichkeit, mit der er einen Dreier nach dem anderen versenkt, überträgt sich inzwischen schon auf seine Beobachter: Jedes mal, wenn er von Downtown abdrückt, stellt sich beim Zuschauer mittlerweile intuitiv das Gefühl ein, dass der Wurf defintiv sein Ziel finden werde – und jener ist dann sogar überrascht, wenn der Ball den Korb verfehlt.

Nach einem knappen Saisondrittel ist Doornekamp weiterhin einer der heißesten Distanzschützen der Liga und trotz der Rückkehr von Barthel und Voigtmann in die Startformation einer der wichtigsten Spieler im Skyliners-Team. In den ersten elf Ligaspielen dieser Saison traf der Kanadier 23 seiner 42 Versuche von draußen, womit er nach Bradley Wannamaker der treffsicherste Dreierschütze aller Spieler mit mehr als 20 Versuchen von Downtown ist.

„Er bekommt viel zu wenig Anerkennung für seinen Distanzwurf“, hat sein Coach Gordon Herbert erst neulich gesagt. Die enorme Steigerung der Dreierquote um fast 20 Prozentpunkte zur Vorsaison führt dazu, dass er seinen Punkteschnitt im Vergleich zu seinen beiden ersten BBL-Jahren fast verdoppelt hat, obwohl er nur fünf Minuten mehr Spielzeit erhält als in der vergangenen Spielzeit und fast genauso viel wie in seinem Jahr in Braunschweig. Verantwortlich für Doornekamps hohe Effizienz und Konstanz ist die gute Wurfauswahl sowie die Tatsache, dass er stets die richtigen Entscheidungen trifft. Situationen, in denen Doornekamp einen Wurf mit Gegenspieler in unmittelbarer Nähe erzwingt, sieht man nur sehr selten – wenn, dann nur bei ablaufender Wurfuhr. Stattdessen wartet der Kanadier geduldig auf seine freien Würfe, um diese eiskalt zu verwandeln.

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Die zweite große Stärke von Aaron Doornekamp ist das Rebounding, wo der Small Forward zu den besten Spielern auf seiner Position gehört. Vor allem beim Defensiv-Rebound greift der kanadische Nationalspieler häufig zu (4,1 Def-RpG), was auch eine Defensiv-Rebound-Rate von 20 Prozent verdeutlicht. Bei diesen Zahlen muss jedoch bedacht werden, dass Doornekamp aufgrund seiner Verschiebung auf die Power-Forward-Position zu Beginn der Saison häufiger in Korbnähe agiert und dies die Chance auf Rebounds begünstigt hat, was seine Qualitäten in diesem Bereich des Spiels allerdings nicht schmälern soll.

Darüber hinaus verfügt der Nationalspieler über weitere Qualitäten, die ihn zu einem sehr vielseitigen Spieler machen. Dabei sind unter anderem seine Passfähigkeiten und seine gute Übersicht für die freien Mitspieler zu nennen (1,9 Assists pro Spiel), womit er sich gut in das von Ballbewegung geprägte Offensivsystem von Gordon Herbert einfügt. Zudem macht Doornekamp viele Dinge, die nicht im Statistikbogen erfassbar, aber dennoch wichtig für den Teamerfolg sind. So gilt der 30-Jährige als Vollprofi, der der Erste und Letzte in der Halle ist und hart an seinem Spiel arbeitet. Diese Einstellung überträgt er auch auf den Court, wo er stets aggressiv und mit vollem Einsatz zu Werke geht.

Die Kehrseite dabei ist jedoch, dass er dadurch das ein oder andere Mal in Foulprobleme gerät und somit dem Team wie am vergangenen Wochenende gegen ALBA BERLIN in wichtigen Phasen der Partie nicht helfen kann. Ein weiteres Manko ist die gestiegene Anzahl an Ballverlusten, was jedoch auch daran liegt, dass er nun noch häufiger in Angriffsaktionen involviert ist und somit öfter den Ball in der Hand hat als in der Vergangenheit.

Mehr als nur ein Schütze?

So sehr die Skyliners von den Stärken Doornekamps profitieren, so sehr kommen ihm der zelebrierte Team-Basketball sowie seine starken Mannschaftskollegen entgegen, da er trotz seiner Allround-Fähigkeiten sehr auf die guten Pässe seiner Mitspieler angewiesen ist. Das Kreieren des eigenen Wurfs gehört nämlich nicht zu den Stärken Doornekamps. So geht seinen erfolgreichen Feldwürfen in den allermeisten Fällen ein Assist voraus. Abschlüsse nach Dribbling haben beim Routinier Seltenheitswert und sind meistens nur in Notsituationen zu beobachten.

Doornekamp Shot Chart

Shot Chart: Jannes Schäfer (Stand: 07.12.2015)

Allerdings hat Doornekamp auch in diesem Bereich Fortschritte gemacht. Zwar zieht er weiterhin nur selten zum Korb, jedoch macht er sich mittlerweile seinen extrem gefährlichen und vom Gegner respektierten Distanzwurf zunutze, um das ein oder andere Mal nach einer Wurftäuschung an seinem Gegenspieler vorbeizugehen und die Zone zu attackieren oder einen freien Mitspieler zu bedienen. Zudem kann sich Doornekamp auch gegen größere Gegenspieler in unmittelbarer Korbnähe durchsetzen, wie er vor allem im Spiel gegen Bamberg beeindruckend demonstrierte. Zudem versucht sich der Kanadier auch des Öfteren im Post und gelegentlich sogar als Ballhandler im Pick-and-Roll. Letztlich ist aber trotz aller erkennbaren Fortschritte festzuhalten, dass Doornekamps Abschlüsse in Korbnähe im Vergleich zum Ligaschnitt (teilweise deutlich) ineffizienter sind (siehe Shot Chart), da es ihm doch häufiger schwer fällt, sich gegen gegnerische Big Men am Ring durchzusetzen.

Währenddessen trifft er den Dreier mit Ausnahme der linken Ecke von überall hochprozentig, und auch aus der Mitteldistanz finden seine Würfe mit hoher Wahrscheinlichkeit ihr Ziel. Es dürfte ihm also entgegenkommen, dass die wieder genesenen Big Men allmählich zu ihrer Topform zurückfinden und er nun wieder größtenteils auf seiner favorisierten Small-Forward-Position spielen kann. Somit kann er sich wieder mehr auf seine größte Stärke, dem Distanzwurf, konzentrieren, ohne dabei aber die anderen Aspekte seines Offensivspiels zu vernachlässigen.

Es wird interessant sein zu sehen, ob Doornekamp seine enorme Effizienz und sein insgesamt hohes Spielniveau über die gesamte Saison wird konservieren kann. Doch selbst wenn sich seine Dreierquote im Laufe der Spielzeit etwas nach unten korrigieren sollte, wird Doornekamp als Schütze von draußen sowie als Allrounder und Führungsspieler definitiv ein wichtiger Bestandteil der Frankfurter Mannschaft bleiben.

Anmerkung der Redaktion: Alle Statistiken sind auf dem Stand vom 7. Dezember 2015

Aus dem Schatten ins Licht
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ScheSche
ScheSche 10. Dezember 2015 um 0:03 Uhr

Schöne Analyse, danke dafür. Allerdings finde ich den Erklärungsansatz für seine größere offensive Rolle dürftig. Klar gab es die Verletztensituation zu Beginn dieser Saison. Aber gerade letzte Saison war das in Frankfurt fast die gesamte Spielzeit über so. Insbesondere Barthel hat lange gefehlt. Verletzungsbedingt gab es genügend Gelegenheiten, ihn offensiv von der Leine zu lassen. Da muss man schon die Gesamtaufstellung des Teams betrachten.

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