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„Angebote wie Telekom Basketball sind die Zukunft!“

18.12.2015 || 09:18 Uhr von:
Benni Zander ist seit dem Start von TelekomBasketball in den Hallen der Republik unterwegs. Mit basketball.de sprach er u.a. über die BBL und das Projekt TelekomBasketball.

Sonntagabend, 20 Uhr – und endlich Feierabend. Benni Zander ist 26 Jahre alt und kommentiert seit dem Start von Telekom Basketball die Spiele der Beko BBL. Nach dem Sieg der Basketball Löwen Braunschweig gegen die WALTER Tigers Tübingen nahm sich der Leipziger für basketball.de Zeit für ein launiges Gespräch.

„Wenn alles normal läuft, wird Bamberg Meister“

basketball.de: Benni, Braunschweig und Tübingen sind nicht die ganz großen Namen in der BBL, das Spiel war am Ende aber trotzdem ganz unterhaltsam – inklusive der vielleicht verrücktesten Aktion der Saison. Was war dein Eindruck?

Benni Zander: Es gibt schon Spiele, die einen vorab mehr emotionalisieren, wenn man sie kommentiert. Aber ich habe vorher schon zu meinem Sendungsleiter gesagt, du wirst am Ende große Augen machen. Es ist ganz oft so, dass bei diesen kleineren Spielen nicht alles in den Gamereport passt – und das war auch heute wieder so.

Macht das Kommentieren mehr Spaß, wenn das Spiel enger ist?

Ja, auf jeden Fall. Wenn ein Team mit 30, 40 Punkten führt, wird das irgendwann schwierig, weil das Spiel entschieden ist, du aber nicht ein Team pausenlos in den Himmel loben oder einfach eine halbe Stunde ruhig sein kannst.

Lass uns über die aktuelle BBL-Saison sprechen. Nach zwölf Spieltagen kristallisiert sich langsam heraus, wer oben und wer unten steht – gibt es für dich Überraschungen?

Dass die Bamberger weit oben stehen, haben wir vermutlich alle gedacht (lacht). Ich habe nicht damit gerechnet, dass Würzburg so gut ist – dass die so marschieren, kam schon überraschend. Auch dass Ludwigsburg so weit oben dabei ist, hätte ich nicht gedacht. In Würzburg war ich beim Spiel gegen Göttingen neulich zum ersten Mal – und dass die mit ihrer Halle und den Leuten da wieder dabei sind, macht schon Spaß. Auch Frankfurt gucke ich mir gern an. Was Gordie Herbert da Jahr für Jahr leistet, ist beeindruckend.

Was sagst du zu den Bayern, die in dieser Saison noch nicht so souverän auftreten?

Ach, die Bayern … (lacht) Die hatten auch letztes Jahr so einen Durchhänger, standen dann am Ende ja aber in den Finals. Wenn sie das Spiel neulich gegen Bremerhaven nicht noch gewonnen hätten, wäre es da richtig ungemütlich geworden, glaube ich. Aber irgendwie kriegen sie so ein Ding dann eben gedreht und ich glaube, sie nehmen auch in diesem Jahr wieder Fahrt auf.

Am Ende heißen die Finals also wieder Bamberg gegen Bayern?

Wahrscheinlich! Die Bayern haben so eine tiefe Bank, dass sie trotz Hängern am Ende wieder einen langen Atem haben werden. Über eine Serie wird sie kaum ein Gegner schlagen können. Bamberg sehe ich, spätestens seit Radosevic dabei ist, aber noch stärker. Da passt echt Vieles, auch Trinchieri als Coach und Basketball-Philosoph. Wenn alles normal läuft und keiner länger ausfällt, wird Bamberg Meister.

„Die Resonanz für das Projekt ist super!“

Apropos Trinchieri: Hattest du impulsive Trainer wie ihn, Pesic oder Obradovic schon vor dem Mikrofon?

Ja, das ist aber mit Trinchieri total angenehm. Die Leute wissen natürlich, wie sie sich den Medien gegenüber verhalten müssen. Interviews im Basketball-Umfeld sind übrigens deutlich angenehmer als im Fußball, den ich ja auch kommentiere. Bei Basketball ist alles ein bisschen mehr auf Augenhöhe, obwohl es ja auch die 1. Bundesliga ist. Im Fußball hat man manchmal in der 2. oder 3. Liga schon Leute dabei, denen nicht so klar ist, dass sie noch nicht so weit oben angekommen sind.

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Als das Projekt Telekom Basketball letztes Jahr an den Start gegangen ist, war die Aufmerksamkeit groß – so richtig damit gerechnet hatte mit so einem Großprojekt niemand. Seid ihr als Team zufrieden mit dem, was ihr bisher erreicht habt?

Ja, definitiv. Die Resonanz ist ja super, das ist gerade im Basketball-Universum, das etwas spezieller ist, etwas sehr Positives. Auch was die Kommentatoren angeht, ist das größtenteils gut angekommen. Man muss ja auch bedenken, dass der Maßstab, in dem wir zum Beispiel kleinere Spiele produzieren, relativ beschaulich ist. Wenn ich kommentiere und moderiere, weiß ich selbst, dass die erste Frage im Interview direkt nach dem Abpfiff manchmal nicht auf den Punkt genau ist (lacht). Ich glaube, bei dem Mix aus BBL, Euroleague und NBA, den man bekommt, kann man nicht meckern. Unabhängig davon, dass ich für das Projekt arbeite, guck‘ ich es mir auch gern selbst zu Hause an. Ich sehe das genau wie Buschi: Jeder, der will, bekommt den Basketball als Special-Interest-Angebot mit allen Goodies. Ich glaube, das ist in Kombination mit regelmäßigen Free-TV-Spielen das richtige Modell für alle Sportarten neben dem Fußball.

„Wir zeigen richtig geilen Basketball!“

Helfen Euroleague und NBA dabei, das Produkt Basketball im deutschen Fernsehen populärer zu machen?

Ich bin wie viele andere über die NBA zum Basketball gekommen. Zusätzlich zur BBL zeigen wir bei den aufwändigen Euroleague-Produktionen richtig geilen Basketball! Und ich glaube, so kriegen wir die Leute langfristig auch zur BBL. Die drei Ligen zusammen bieten wirklich ein schönes Paket und ich glaube, dass es hilfreich und sinnvoll ist, das genau so zu machen. 

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Wo du gerade Buschi zitiert hast: Wie ist sein Standing innerhalb des Teams? Als Basketball-Kommentator ist er ja nicht unumstritten.

Ich bin ja erst 26 und darum mit ihm aufgewachsen. Da war ich am Anfang als der Kerl vom Radio natürlich ein bisschen zurückhaltend, mittlerweile haben wir aber eine ganze Reihe Spiele zusammen gemacht und das ist brutal angenehm. Gerade für uns junge Kommentatoren nimmt er sich viel Zeit, schaut sich unsere Übertragungen an und gibt uns Feedback. 

Quatsch ist, dass er keine Ahnung von Basketball hat. Er muss sich viel bieten lassen. Bei den Feedback-Treffen geht es auch um Basketball-Fachwissen – und wenn ich mir Übertragungen von Buschi oder auch Stefan Koch ansehe, ist das für mich wie eine Nachhilfestunde (lacht). Da kann ich mich mit Stift und Zettel hinsetzen, weil wir Youngster von diesen Fachleuten einfach viel lernen können. 

Die erfahrenen Kommentatoren helfen also den jüngeren?

Genau. Und sie haben da Bock drauf! Als ich die Ausschreibung für Kommentatoren bei Telekom Basketball gesehen habe, habe ich mich ganz klassisch beworben. Meine Chancen habe ich gleich Null gesehen, weil ich keine Basketball-Referenzen hatte, vom Radio kam und keine Kameraerfahrung hatte. Vielleicht hat einer einen falschen Stempel irgendwo gemacht (lacht). Irgendwie haben sie mich jedenfalls trotzdem genommen. Und bei den anderen jungen Kommentatoren wie Alex Klich, Jan Lüdeke oder Chris Schmidt genauso: Die Verantwortlichen bei Telekom Basketball haben einfach Lust, weniger erfahrene Kommentatoren mitzunehmen und kümmern sich eben zum Beispiel um diese Feedback-Runden mit Buschi oder Stefan. Das hilft einem persönlich wahnsinnig viel weiter.

„Man muss sich dran gewöhnen, dass man viel unterwegs ist“

Auf deiner Website stehen eine ganze Reihe Termine – von SPORT1.fm bis zu Telekom Basketball und darüber hinaus. Das sieht relativ stressig aus …

Es geht. Zum einen fällt zum Beispiel bei einem Teil der Termine die Anreise weg, weil man das von zu Hause erledigen kann. Zum anderen war ich der am wenigsten organisierte Schüler und Student überhaupt, ich hätte fast vergessen, mich für mein Studium einzuschreiben! Aber mittlerweile habe ich festgestellt, dass gute Planung hilft. Von Leipzig, wo ich wohne, kann ich mich zum Beispiel für Podcasts zuschalten. Ich weiß eben, dass ich keine freien Wochenende habe, sondern da mein Geld verdienen muss. Ich habe eigentlich überhaupt kein stressiges Leben und werde dafür bezahlt, dass ich mir Fußball oder Basketball ansehe und darüber rede. Natürlich gehört die Spielvorbereitung unter der Woche dazu.

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Der Tip-Off zum Spiel heute war um 17 Uhr, jetzt, gegen 21 Uhr, hast du Feierabend. Wie läuft so ein Produktionstag ab?

Zwei Stunden vor Sendebeginn machen wir die Produktionsbesprechung. Da planen wir dann durch, was wir machen wollen. Anschließend ziehe ich mich um und wir machen einen Technikcheck, dann zeichnen wir Interviews auf. Bis zum Spielbeginn ist dann meistens noch etwa eine halbe Stunde Luft, in der ich mir zum Beispiel die Startaufstellungen ansehe. Die Übertragung dauert dann meistens gut zwei Stunden, eventuell kommt danach noch das eine oder andere Interview dazu. Danach geht’s in den Übertragungswagen, da macht man als Kommentator den Nachbericht fertig. Der ist dann meistens schon komplett geschnitten, ich sehe mir die Bildfolge dazu an und vertone das Ganze. Danach geht’s dann nach Hause – insgesamt dauert so ein Tag also bei zwei Stunden Anfahrt wie heute ungefähr acht Stunden. Man muss sich eben dran gewöhnen, dass man viel unterwegs ist.

Hast du auf deinem Weg zum Sportkommentator mal Zweifel gehabt?

Ich wollte wirklich schon als kleiner Junge Kommentator werden und hab damit angefangen, bei FIFA oder NBA Live Spiele zu kommentieren. Die Vorstellung war damals eben schon, die Leute kriegen Eintrittskarten zu den Spielen und dürfen sie noch kommentieren! Nach der Schule habe ich Kulturwissenschaften studiert und wollte eigentlich einen Master im Bereich Journalismus machen, um Richtung Sportjournalismus zu gehen. Dann gab es aber in Leipzig das Fußballradio 90elf, da habe ich ein Praktikum gemacht und gelernt zu kommentieren. Das war eine super Grundausbildung. Dann habe ich dort mein Volontariat gemacht und bin nun eben unter anderem bei Telekom Basketball gelandet. Als ich mein Studium angefangen habe, hatte ich das alles aber noch nicht vor Augen. Ich war zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Orten und kannte die richtigen Leute.

Dabei ist es mit deinen eigenen Basketball-Skills ja nicht so weit her …

Ich bin ein wahnsinnig schlechter Basketballer! (lacht) Ich bin schnell unterwegs und kann gut Fastbreaks laufen, aber sobald ich verteidigt werde, ist Schluss. Ich habe einen ganz schlechten Wurf – wie Kevin Martin, nur tiefer. Mir hat einfach nie jemand gezeigt, wie man wirft – das ist hoffnungslos.

Eine Abschlussfrage noch: Was war das größte Highlight in deiner Karriere als Sportkommentator?

Im Fußball war das sicherlich das Champions League-Halbfinale 2012/2013, als der FC Bayern den FC Barcelona aus dem Stadion gefiedelt hat. Bei Telekom Basketball war meine erste Overtime letztes Jahr etwas Besonderes, aber auch meine erste Euroleague-Übertragung bei Bayern gegen Fenerbahce und mein erstes NBA-Spiel, Brooklyn gegen Boston – ein Kracher!

Vielen Dank für das Gespräch!

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