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Pick-you-know-Roll

08.01.2016 || 14:34 Uhr von:
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Die Offensive von ALBA BERLIN ist von simpler Struktur geprägt, mit dem Pick-and-Roll im Zentrum. Dabei haben die Albatrosse auch variantenreiche Spielzüge im petto.

Ein Pick-and-Roll mutiert zum „Pick-your-Poison“, wenn es sich um eine gut funktionierende Offensive handelt. Dann stellen nicht nur die zwei involvierten Spieler – der Ballführer und der Blocksteller – für die gegnerische Verteidigung eine Gefahr dar, sondern auch die drei anderen Akteure, wenn sie für Spacing und Bewegung sorgen.

Ein Gegengift für das Blocken-und-Abrollen bei ALBA BERLIN bzw. deren Offensive scheinen die MHP RIESEN Ludwigsburg gefunden zu haben. Alle drei bisherigen Duelle (zweimal im Eurocup, einmal in der BBL) entschieden die Ludwigsburger für sich, jeweils mit zweistelliger Punktedifferenz.

Eine Blaupause der RIESEN-Verteidigung war vor allem im ersten Viertels des jüngsten Aufeinandertreffens am vergangenen Wochenende auszumachen: Mit einer Hedge-Variante bei der Pick-and-Roll-Verteidigung verwehrte der Ludwigsburger Big Man dem Berliner Ballführer den einfachen Zug zum Korb und erschwerte ihm auch die Navigation der Offensive. Da die Ludwigsburger auch ihre Patrick-patentierte „40 Minutes of Hell“-Presse einsetzten, kostete das ALBA einige Sekunden von der Wurfuhr.

Am Ende stand bei den Albatrossen ein Offensiv-Rating von lediglich 98,9 Zählern zu Buche – 15,8 Punkte schlechter als in der Hinrunde; über eine gesamte Saison wäre das der schlechteste Wert der Liga.

Natürlich kann nicht jede Mannschaft eine derart aggressive Verteidigung installieren, schon gar nicht über 40 Minuten. Was für die Offensive gilt, ist ebenso relevant für die Defensive: Nicht nur die im Pick-and-Roll involvierten Verteidiger greifen ein, sondern auch die restlichen durch Kommunikation und Rotation – vor allem, wenn die Ballside überspielt wird. Die Verteidigung der RIESEN veranschaulicht dennoch, was die Offensive Berlins ausmacht.

Zu jedem Ballhandler passt ein Block

Wäre Sasa Obradovic Gott, hätte er am zweiten Tag das Pick-and-Roll erschaffen (am ersten Tag natürlich die Verteidigung). Die meisten Spielzüge Berlins beginnen mit einem Blocken-und-Abrollen zwischen dem Aufbauspieler und einem der Big Man; entweder durch ein High-Pick-and-Roll oder aus der HORNS-Variante. Zwölf Prozent ihrer Offensivaktionen* schließt bei den Albatrossen der Ballführer nach einem Block ab.

Während dies das zweithäufigste Play-Type ist, rangieren Abschlüsse des abrollenden/ herauspoppenden Big Man nur auf dem neunten Rang. Dieser Punkt schneidet die Umverteilung in der Berliner Offensive an: Der amtierende MVP Jamel McLean sowie Leon Radosevic stehen nicht mehr im Kader; Ballhandler wie Jordan Taylor, Will Cherry und Dragan Milosavljevic schultern die Hauptlast.

 Freq%PPPFGMFGAFG%TO Freq%FT Freq%
Overall1001,0124246552,015,216,5
Transition7,71,25203164,532,113,2
Isolation11,20,84226533,815,63,9
P&R Ballhandler12,00,99275450,013,422,0
P&R Man5,41,03172763,016,213,5
Post-up9,50,74194641,313,820,0
Spot-up20,61,226011751,35,05,0
Hand-off1,90,9241136,40,015,4
Cut9,61,17314273,819,721,2
Off-Screen5,80,80112445,87,57,5
Putbacks5,51,47243275,013,22,6
Misc10,60,6371643,828,854,8

Unter ihren Big Men haben die Berliner keine zuverlässige Stretch-Option. Kresimir Loncar trifft zwar hochprozentig von außen (43,8% 3FG), nimmt pro BBL-Partie aber nur einen Dreier. Er sowie seine Big-Men-Kollegen der festen Rotation Mitchell Watt und Elmedin Kikanovic sind da schon eher im Post zu finden, woraus die Berliner aber am ineffizientesten abschließen. Zwar findet sich Watt mittlerweile besser zurecht, doch sein Post-Game mag manchen Berliner Anhänger zum Spitznamenneologismus von „Swat“ zu „What?!“ verleiten. Ein ineffizientestes Post-Spiel samt wenigen Stretch-Big-Optionen schaden sowohl der Qualität als auch der Quantität der Drives für die Ballführer.

Um dies zu umgehen, könnte man natürlich auch schnell spielen. Immerhin haben die Albatrosse ihre Pace von 71,9 Possessions auf 100 Ballbesitze in der vergangenen Saison auf 73,5 in dieser Spielzeit gesteigert – womit sie aber auch nur ziemlich genau im Ligadurchschnitt liegen. Mit Cherry und Taylor besitzen die Albatrosse durchaus Guards, die im Schnellangriff aufblühen, dennoch steht das gepflegte Set-Play im Fokus, das gerne über die vollen 24 Sekunden gehen darf. Hieraus agieren die Albatrosse unter anderem mit folgenden Spielzügen:

SPIELZÜGE

Bei der Analyse der folgenden Spielzüge wird davon ausgegangen, dass Jordan Taylor (1), Dragan Milosavljevic (2), Akeem Vargas (3), Mitchell Watt (4) und Elmedin Kikanovic (5) die Starting Five bilden, was in der Praxis natürlich variieren kann – gerade auf Grund der jüngsten Diagnose Taylors und der fraglichen Rückkehr Giffeys.

Hand-off aus HORNS

Jordan Taylor bringt den Ball, Mitchell Watt und Elmedin Kikanovic stehen in der HORNS-Aufstellung, Dragan Milosavljevic und Akeem Vargas platzieren sich in den Ecken. Taylor gibt auf Watt ab, bekommt das Leder aber sofort per Hand-off zurück. Daraus ergibt sich ein Spielzug mit mehreren Varianten.

Berlin_Hand-off_HORNS_a1

Watt rotiert nach der Ballübergabe auf die Weakside und stellt einen Down-Screen für Milosavljevic. Anschließend geht Kikanovic in ein Pick-and-Roll mit Taylor über. Dieser kann selbst abschließen. Durch die Bewegung in der Berliner Offensive beschäftigen sie die gegnerische Verteidigung, aus der Weak- wird die Strongside. Daraus kann sich Vargas für einen Wurf in Position bringen.

Berlin_Hand-off_HORNS_a2

Kikanovic kann statt eines Blocks für den Ballhandler einen Down-Screen für Vargas stellen, Kikanovic rotiert dafür zur Baseline. Watt und Kikanovic tun dies für die Flügelspieler synchron, womit beide eine Option für das Catch-and-Shoot oder den Catch-and-Drive nach einem Curl-Cut darstellen.

Berlin_Hand-off_HORNS_b1

Steht mit King statt Watt eine Stretch-Option auf dem Hartholz, positioniert sich dieser nach dem Hand-off zu Taylor an der Dreierlinie. Nach dem Pick-and-Roll gibt Taylor auf King ab.

Berlin_Hand-off_HORNS_c1

Kikanovic geht nach seinem Block tief und stellt einen Down-Screen für Vargas. Dieser curlt um Kikanovics Block, schneidet in die Zone – wo dank des Spacings durch King mehr Platz ist – und erhält von diesem den Ball.

Berlin_Hand-off_HORNS_c2

Screen-the-Screener

Taylor läuft nach Ballvortrag ein High-Pick-and-Roll mit Watt. Kikanovic steht tief, Milosavljevic in der rechten Ecke. Mit dem Pick-and-Roll stellt Kikanovic einen Back-Screen für Milosavljevic, der per Baseline-Cut zur anderen Ecke schneidet.

Berlin_Screen-the-Screener_a1

Mit Milosavljevics Cut hat sich auch Vargas in Richtung Zone aufgemacht, wo er einen Back-Screen für Kikanovic stellt – die erste „Screen-the-Screener“-Aktion. Taylor kann daraufhin Kikanovic im Low-Post anspielen.

Berlin_Screen-the-Screener_a2

Nach dem spielzugeröffnenden Block für Taylor rotiert Watt langsam Richtung Zone, wo er einen Down-Screen für Vargas stellt – die zweite „Screen-the-Screener“-Aktion. Vargas schneidet hoch zur Dreierlinie und kann per Catch-and-Shoot abschließen.

Berlin_Screen-the-Screener_a3

Läuft der Spielzug perfekt, sind vier Blöcke innerhalb von vier Sekunden auszumachen – darunter zwei Aktionen, in denen der Blocksteller einen Screen gestellt bekommt. Eine anspruchsvolle Aufgabe für die gegnerische Verteidigung – wie hier für die BG Göttingen, die einen Dreier Giffeys einstecken muss.

20151007_600x300_Berlin-at-Goettingen_Screen-the-screener

Trotz der simplen Struktur bezüglich des Pick-and-Roll-Beginns und dem ineffizienten Post-Game ist die Berliner Offensive eine, die zu den besten drei der Liga gehört – wie auch schon die vergangenen beiden Jahren. 114,7 Punkte pro 100 Possessions erzielen die Albatrosse bisher, was ein großer Rückschritt zu 2014/15 (118,5), aber ein Fortschritt zu 2013/14 (113,5) bedeutet.

Die synchronen Baseline-Cuts wie beim vorangegangen Spielzug sieht man in der Berliner Offensive häufiger; ebenso Screens für die Flügelspieler, die um den Block curlen oder für Distanzwürfe nach oben schneiden. Doch es ist immer eine Frage, welche Anschlussaktionen folgen und mit welcher Vehemenz diese Plays ausgespielt werden.

Nach dem Coach fällt diese Aufgabe natürlich dem Point Guard zu. Und dort ist nun eine vakante Stelle bei den Albatrossen auszumachen: Jordan Taylor wird auf Grund einer Kapsel- und Bänderverletzung in der linken Hand rund sechs Wochen fehlen. Neben Oldenburg und Braunschweig waren die Albatrosse bislang eines von drei Bundesligateams, das nach dem Saisonbeginn noch nicht nachverpflichtet hatte (Loncar kam am Tag des Saisonauftakts gegen Ulm). Diese wird das Berliner Management nun sicherlich in Angriff nehmen.

Im ersten Spiel ohne Taylor gelang den Berlinern ein 83:67-Überraschungscoup gegen die aus der Euroleague ausgeschiedenen Mailänder, bei dem auch Taylors Stellvertreter Cherry und Akpinar überzeugten. Doch Akpinar agiert in dieser Saison selten als Playmaker; Cherry ist dank seiner Antrittsschnelligkeit eine Waffe im Pick-and-Roll, doch die Spielmacheraufgaben übernahm bei einer gemeinsamen Parkettzeit meist Taylor. Sicherlich kann und wird auch Milosavljevic die Ballhandler-Aufgaben im Set-Play übernehmen, was in der Vergangenheit mit Reggie Redding ebenso ein Flügelspieler getan hatte, dennoch scheint ein „reiner“ Point Guard mit Spielmacherfokus essentiell für diese Berliner Offensive.

Dabei hatte Taylor bislang auch nicht vollends überzeugen können; die Balance zwischen eigenem Abschluss und dem in-Szene-setzen seiner Mitspieler konnte der US-Amerikaner noch nicht konstant genug beschreiten.

Folgender Screenshot stammt aus dem Schlussviertel des zu Beginn erwähnten Spiels gegen Ludwigsburg. Taylor ist mit dem roten Kreis hervorgehoben, wie er gerade den Ball an Cherry in die Ecke abgibt. Näher kamen die Berliner in diesem Angriff nicht an den Korb.

20160102_600x300_Berlin-at-Ludwigsburg_Late-Offense

Der Spielzug war mit einem Pick-and-Roll zwischen Taylor und Watt gestartet, das nicht funktioniert und nach dem Taylor den Ball aufgenommen hatte. Milosavljevic musste hochkommen, um nach dem Pass den Ball wieder auf Taylor zurückzuspielen, damit dieser agieren konnte. Dann waren nur noch neun Sekunden auf der Wurfuhr.

Taylor sieht King nicht für den Dreier. Cherry erhält den Ball – Dribble, Dribble, Dribble – und gibt auf King ab, der einen Pull-up-Step-Side-Dreier nehmen muss.

Es sind solche Aktionen, die den Berlinern eine gute Wurfoption rauben. Ergibt sich aus dem ersten oder zweiten Pick-and-Roll nichts, steht die ALBA-Offensive vor Probleme. Sicherlich sind Milosavljevic, Cherry und Taylor gute Einzelspieler, doch an einen Redding, McLean oder Alex Renfroe reichen sie im Gesamtvergleich nicht heran.

Am ersten Tag, you know like, stand die Verteidigung, auf die Obradovic immmer setzen kann und wird. Aber wie weit die Berliner in dieser Spielzeit kommen werden, wird vor allem von ihrer Offensive abhängen. In welche Richtung schlägt das Pick-and-Roll aus? Zu einem „Pick-your-Poison“, oder eher zu einem „Brick-and-Roll“?

* Play-Type-Stats von Manuel Baraniak erhoben aus den ersten acht BBL-Partien

Screenshots von Telekom Basketball

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