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Abseits des Courts bei den Brose Baskets – TV-Manager Thorsten Vogt im Interview

17.09.2013 || 09:26 Uhr von:
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Thorsten Vogt absolvierte von 2000 bis 2005 ein Diplomstudium an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg mit den Schwerpunkten Germanistik, Journalistik und Politikwissenschaft, während er bereits als Freelancer für d...

Foto_Thorsten Vogt Thorsten Vogt absolvierte von 2000 bis 2005 ein Diplomstudium an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg mit den Schwerpunkten Germanistik, Journalistik und Politikwissenschaft, während er bereits als Freelancer für diverse Medienunternehmen (u.a. Antenne Bayern, Fränkischer Tag, Hessischer Rundfunk) tätig war. Von 2005 bis 2012 war der gebürtige Oberfranke Leiter der Sportredaktion und Moderator beim Regionalsender TV Oberfranken (TVO). Seit Juli 2012 ist Thorsten Vogt TV-Manager bei den Brose Baskets, wo er hauptamtlich für alle Angelegenheiten rund um den Internetkanal brosebaskets.tv zuständig ist.

Fangen wir mit ein paar Fragen zu deiner Person an.
Du hattest natürlich durch deinen Job bei TVO viel mit den Brose Baskets zu tun. Aber wie bist du letztendlich zum Job des TV-Managers gekommen?

Ich habe die Mannschaft Ende 2011 zu einem EuroLeague-Spiel für TVO nach Moskau begleitet. Und auf der Rückfahrt vom Hotel zum Flughafen habe ich ein Konzept „brosebaskets.tv“ geschrieben.

Ok, es war anscheinend ein weiter Weg zum Flughafen?

(lacht) An sich ist der Weg vom Hotel zum Flughafen gar nicht mal so weit, aber Dank des Verkehrs ist man drei Stunden unterwegs und da hatte man dann ein bisschen Zeit. Nachdem ich also ein kleines Konzept geschrieben hatte, welches ich die Wochen drauf verfeinerte, habe ich mit Wolfgang Heyder darüber gesprochen und wir haben zusammen ein halbes Jahr daran gebastelt. Im April 2012 wurde dann entschieden, dieses Konzept umzusetzen. Und zum 1. September startete dann brosebaskets.tv.

Du machst die komplette Vor- und Nachberichterstattung der Spiele, bist mit der Kamera überall dabei. Daneben moderierst du die Pressekonferenzen und den BroseBaskets-Talk. War’s das mit den Aufgaben?

Naja, wir legen natürlich auch sehr großen Wert auf eine Berichterstattung bei den Nachwuchsmannschaften und im Business-Bereich. Ich würde sagen 60 Prozent bei brosebaskets.tv dreht sich um die Profi-Mannschaft, 30 Prozent um die Jugend und 10 Prozent um den Brose Baskets Business Club und Sponsorenveranstaltungen. Es summiert sich dann. Problem ist letztlich, dass jede Schulveranstaltung morgens um sieben Uhr anfängt, die Spiele dann meist abends um sieben Uhr, zwischendrin noch ein paar Beiträge machen, also es ist durchaus sehr zeitintensiv.

Demnach keine 40-, sondern eher 60-Stunden Woche?

Ich habe ein Agreement mit meiner Frau, dass ich nicht länger als 60 Stunden die Woche versuche zu arbeiten. Aber es fällt in der Saison wirklich schwer.

Wie kann man sich denn so einen ganz normalen Arbeitstag bei dir vorstellen?

Ich bin dankenswerter Weise in meiner Zeiteinteilung recht frei. Ich versuche zwar grundsätzlich immer zwischen 09:00 und 10:00 Uhr im Büro zu sein und E-Mails zu beantworten. Und dann ist während der Saison eigentlich jeden Tag mindestens eine Veranstaltung, die gefilmt werden muss und aus der anschließend ein Beitrag gemacht werden muss. Im letzten Jahr hatten wir von September bis Mai insgesamt 401 Beiträge. Da bekommt man die Zeit schon rum. Aber grundsätzlich gleicht kein Tag dem anderen.

Geht es denn dann bei Spieltagen wenigstens ein bisschen später los, wenn du dann meist bis spät in die Nacht noch Beiträge schneidest und produzierst?

Das schöne ist, dass ich einen Chef habe, der gerne an Spieltagen morgens um 08:00 Uhr eine Besprechung einberuft und deswegen: nein. (lacht)

Du verbringst natürlich auch sehr viel Zeit mit dem Team. Du bist bei jeden Heimspiel dabei, fährst auf jedes Auswärtsspiel mit, wie ist es so mit dem Team?

Das Gute ist, dass mich die Jungs wirklich als Teil des Teams sehen. Also es gibt keinerlei Berührungsängste oder ähnliches, was mir meine Arbeit natürlich wesentlich leichter macht. Es sind einfach Kollegen, die täglich ihren Job machen und es gehört nun mal auch zu ihrem Job dazu, dass oftmals eine Kamera dabei ist. Wobei es besonders bei Auswärtsspielen so gehandhabt wird, dass es auch explizit Zeiten ohne Kamera gibt. Eine gewisse Privatsphäre muss man den Spielern einfach zugestehen. Ich bin beispielsweise kein Fan von Homestories, auch wenn diese für die Fans natürlich spannend sind, weil ich einfach finde daheim ist daheim und daheim ist privat. Wir haben natürlich auch schon eine Geschichte mit Brian Roberts und seinen Kindern auf dem Spielplatz gemacht oder mit Tibor auf dem Weihnachtsmarkt, solche Geschichten finde ich ok, aber die vier Wände der Spieler sind privat und deswegen bin ich auch kein Fan davon bei Auswärtsspielen die Hotelzimmer zu filmen oder in die Zimmer zu gehen.  Und das wissen die Jungs auch und genauso wissen sie, dass ich ihren Wünschen nachkomme, wenn sie wollen, dass bestimmte Ausschnitte nicht gesendet werden. Und das ist eine gute Basis für eine kollegiale Zusammenarbeit.

Du führst ja auch regelmäßig Interviews mit Chris Fleming und Wolfgang Heyder. Oftmals stellst du dann auch, zum Glück für die Fans, eher unangenehme Fragen. Wie schwer fällt dir das?

Überhaupt nicht schwer. Es war auch eine Grundvoraussetzung, die wir vorab abgeklärt haben, dass ich zwar schon PR-Mitarbeiter bei den Brose Baskets bin, dass aber auch durchaus kritische Sachen angesprochen werden dürfen und müssen. Und das akzeptiert jeder.

Kommen wir direkt zu brosebaskets.tv.
Du hast im Sommer 2012 Medienreaktor ein Interview gegeben, wo es um die Umsetzung und Ziele von brosebaskets.tv ging. Darin wurde das Konzept erläutert, dass viele News und Interviews den Nutzern kostenfrei zur Verfügung gestellt werden sollen, Spiele und Spielberichte gegen einen einmaligen Betrag von jährlich 25 Euro gebucht werden können. Nun hat sich in der vergangenen Saison gezeigt, dass alle übertragenen Spiele auch frei verfügbar auf BekoBBL.de und auf Sport1.de gezeigt wurden.

Wie kam es dazu und ist es nicht unfair für die Fans, die gutgläubig 25 Euro investiert haben?

Ja. Das Problem zum damaligen Zeitpunkt war eine im Nachhinein äußerst unklare Lage der Bildrechte. Ursprünglich sind wir davon ausgegangen, dass diese bei uns alleine liegen. Es stellte sich dann, leider zu spät heraus, dass dem doch nicht so war. Da es zu diesem Zeitpunkt dann allerdings zu spät war, die ganze Geschichte abzublasen, haben wir versucht dies durch eine breite Nachberichterstattung mit ausführlichem Spielbericht zu kompensieren. Sicherlich ist es unglücklich gelaufen, aber wir haben versucht das Beste daraus zu machen.

Und wie sind die Planungen hierzu für die kommende Saison?

Es wird in der kommenden Saison exakt so weiterlaufen. Allerdings werden wir den Leuten im Vorfeld kommunizieren wie die genaue Sachlage aussieht. Ab kommender Saison werden wir jedes unserer Heimspiele selber produzieren. Dieser Stream wird dann wieder aufgrund rechtlicher Verpflichtungen Sport 1 und BekoBBL.tv zur Verfügung gestellt. Aber wir werden mit der Strategie, die ich gerade ausgeführt habe an die Leute herantreten und erklären, dass wir die 25 Euro pro Jahr dafür benötigen, diesen Service zu bieten und die Spiele zu produzieren. Wenn die Leute zahlen wollen und diese Streams somit unterstützen wollen, dann freuen wir uns natürlich darüber. Wenn die Leute nur darauf aus sind, die Heimspiele im Stream zu sehen ohne etwas dafür zu bezahlen, dann müssen wir das so akzeptieren.

Wird dann die Nachberichterstattung, welche ja momentan den jährlichen Beitrag von 25 Euro auch rechtfertigen soll, nicht obsolet, wenn man die Spiele on demand schauen kann?

Man wird die Spiele meines Wissens nicht im Nachhinein auf Sport 1 oder BekoBBL.tv sehen können, sondern nur tatsächlich live im Stream.

Und ist es dann möglich als zahlender Nutzer die Spiele auf brosebaskets.tv on demand anzuschauen?

Daran arbeiten wir gerade. Es ist letztendlich eine rechtliche Frage mit der wir uns auseinandersetzen müssen. Es ist beispielsweise rechtlich auch so, dass wir nur eine Nachberichterstattung von 8-10 Minuten anbieten dürfen.

Die fraport Skyliners übertragen bereits seit über einem Jahr jedes Heimspiel ins Internet. Andere Vereine (u.a. die s.Oliver Baskets Würzburg) ziehen jetzt nach. Warum ist das beim Serienmeister und EL-Teilnehmer Brose Baskets Bamberg nicht möglich?

Weil wir dafür trotz aller Anstrengungen einfach keinen Sponsor finden. Die fraport Skyliners beispielsweise haben die Mainova AG als einen Partner, der sich finanziell beteiligt. Wir werden unsere Heimspiele – Stand heute – mit vier Kameras produzieren und nehmen das Geld hierfür in die Hand. Solange kein Sponsor da ist, müssen wir jedoch auf die finanzielle Unterstützung der Nutzer hoffen.

Wie sehen die mittelfristigen Planungen bei brosebaskets.tv aus?

Als wir das Projekt begannen, haben wir gesagt, dass wir es auf jeden Fall drei Jahre laufen lassen und uns Mitte des dritten Jahres zusammen setzen und schauen, ob es funktioniert oder nicht. Wenn es funktioniert, werden wir besprechen, was man noch bessermachen kann und was gar nicht geht. Das ist nach wie vor der Plan. Und dann muss man auch einfach abwarten, wie die Entwicklung in der BBL ist: welche Vorgaben werden kommen, was man wie machen und liefern muss. Ich glaube, wenn es so mit den Planungen der BBL weiterläuft wie bisher, wird jeder Verein über kurz oder lang einen eigenen Mitarbeiter benötigen, der ausschließlich Bewegtbilder macht. Wie das Ganze dann finanziert wird, muss man abwarten. Aber ich bin der Überzeugung, dass es in Zukunft mehr Videos als alles andere geben wird.

Es gab in der letzten Saison ein 15-minütiges, wöchentliches EuroLeague TV-Magazin auf dem Deutschen Anleger Fernsehen (DAF). Wird es dies in der kommenden Saison weiterhin geben?

Ja, das EuroLeague-Magazin wird es nächste Saison weiterhin geben. Es wird zudem auch ein BBL-Magazin geben, sowohl auf dem DAF, als auch bei TVO. Das Format bleibt bestehen bzw. wird übertragen. Inhalt werden Spielzusammenfassungen sein, es wird einen Ausblick auf den kommenden Spieltag geben und das nicht nur aus Bamberger Sicht, sondern aus fränkischer Sicht.

Nun allgemein zum Thema Basketball im TV und Internet.
Bei der letzten Pressekonferenz hat Wolfgang Heyder bereits angesprochen, dass sich Spox.com die EL-Rechte für die kommende Saison gesichert hat und aller Voraussicht nach wöchentlich ein EL-Spiel mit deutscher Beteiligung im Free-TV ausgestrahlt wird.

Gibt es hierzu schon Neuigkeiten?

Nein. Stand der Dinge ist, dass Spox.com die Rechte gekauft hat, und dass sie verpflichtet sind ein Spiel pro Woche mit deutscher Beteiligung im Free-TV zu übertragen.

Werden denn alle Spiele bei Spox.com zu sehen sein?

Meines Wissens werden alle EL-Spiele mit deutscher Beteiligung sowie ausgewählte andere Partien kostenlos auf Spox.com zu sehen sein.

Die Einschaltquoten der BBL auf Sport1 haben sich in der letzten Saison im Vergleich zur Vorsaison erneut gesteigert. Was meinst du woran das liegt? Wird Basketball populärer?

Ich weiß nicht, ob Basketball populärer wird. Anscheinend ja nicht, wenn man sich dieses Jahr die EM anschaut. Wenn man nach dem Sensationssieg zum Auftakt gegen den Vize-Europameister Frankreich am kommenden Tag lediglich etwas über einer halben Million Zuschauer zur besten Sendezeit in der ARD hat, sieht es zumindest nicht danach aus. Ein wesentlicher Punkt zur Steigerung der Quote wäre aus meiner Sicht auch für Sport 1 ein fester Sendeplatz für die Basketball Bundesliga. Ich persönlich glaube auch, dass man nicht zwangsläufig ein Live-Spiel pro Woche braucht, wenn sich einfach kein gutes Spiel anbietet. Ein einstündiges-Magazin mit einer Komplettzusammenfassung des Spieltags wäre sicherlich eine gute Alternative.

Nach der kommenden Saison läuft der Vertrag zwischen der BBL und Sport1 für die Übertragungsrechte aus. Wie könnte es danach weiter gehen?

Ich glaube, wenn es auf einen TV-Partner herauslaufen sollte, dann sind die Optionen begrenzt. Welches deutsche Fernsehprogramm kann sagen, wir machen einmal in der Woche Basketball? Das kann nur Sport 1. Ich glaube nicht, dass es Eurosport machen wird, ich weiß nicht, inwieweit die BBL mit Servus TV redet, wobei die eventuell ins Basketball mit einsteigen wollen. Die Frage ist, was Spox.com macht. Nach der NBA und der EuroLeague wäre es die logische Konsequenz bei den Bundesliga-Rechten mitzubieten. Ein weiteres Fragezeichen steht hinter Sky.

Ist Internet-Streaming die Zukunft für den Basketball in Deutschland?

Nur das. Ich glaube je mehr man Basketball live irgendwo sehen kann, desto besser. Aber Internet-Streaming ist mit Sicherheit ein wichtiger Faktor in Zukunft. Letztendlich hängt es aber von der Rechtevergabe der BBL nach der kommenden Saison ab.

Abschließend nochmal zu deiner Person. Wo siehst du dich in 5 Jahren? Immer noch als TV-Manager bei den Brose Baskets?

Ganz ehrlich, ich kann das überhaupt nicht sagen. Wenn du mich vor drei Jahren gefragt hättest, wo ich mich in drei Jahren sehe und mir gesagt hättest, dass ich TV-Manager bei den Brose Baskets bin, hätte ich wahrscheinlich laut gelacht. Ich hab von vornherein gesagt, als ich bei TVO angefangen habe, dass ich das maximal zwei Jahre machen werde. Letztendlich waren es dann doch sieben Jahre. Also ich weiß es wirklich nicht. Ich werde jetzt noch, wie geplant, auf jeden Fall zwei Jahre hier bei den Brose Baskets sein. Das macht mir Spaß, das ist mein Baby und dann sieht man weiter.

Wenn du drei Wünsche bezogen auf die Brose Baskets und die kommende Saison frei hättest, wie würden diese lauten?

Ich würde mir wünschen, dass wir Meister werden, dass wir in die Top 16 der EL kommen und dort dann ein paar Spiele mehr gewinnen als in der vergangenen Saison und ich würde mir wünschen, dass sich das TV-Modell so durchsetzt, wie wir es planen.

 

Vielen Dank für dieses ausführliche Gespräch.

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